Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Grundlagen der nationalsozialistischen Ideologie. 4
2.1 Adolf Hitler (1889-1945) 4
2.2 Ernst Krieck (1882-1947) 5
2.3 Alfred Bäumler (1887-1968) 8
3. Das allgemeine Schulwesen im Dritten Reich 9
4. Die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten. 11
4.1 Politische Hintergründe. 12
4.2 Vorbild der Nationalpolitischen Erziehungs-anstalten 14
4.3 Nationalpolitische Erziehungsanstalten und Adolf-Hitler-Schulen 15
4.4 Ausleseverfahren. 16
4.5 Erziehungspraxis der NPEAs 17
5. Das Beispiel „NAPOLA Reichenau“ 19
6. Fazit. 21
Literatur. 23
2
1. Einleitung
"Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muß weggehämmert werden. In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich (...) Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihnen sein. (...) Stark und schön will ich meine Jugend. Ich werde sie in allen Leibesübungen ausbilden lassen. Ich will eine athletische Jugend. Das ist das Erste und Wichtigste. (...) So kann ich das Neue schaffen. Ich will keine intellektuelle Erziehung. Mit Wissen verderbe ich mir die Jugend(...) Sie sollen mir in den schwierigsten Proben die Todesfurcht besiegen lernen." 1
Fragt man jedoch heute noch einige ehemaligen Jungmannen der Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NPEA oder landläufig NAPOLA genannt), so sehen viele ihre Zeit in den NAPOLAs, trotz der Intention Hitlers, die durch das Zitat nur zu deutlich wird, immer noch in positivem Licht. Ist es ihnen zu verdenken, wenn sie als 10-jährige Knirpse aus oft zerrütteten Verhältnissen in solch privilegierte Umgebung kamen, die ihnen als Paradies erscheinen musste? Kann eine Kritik an der eigenen Erziehung nicht per se erst im Nachhinein stattfinden, wenn das Blendwerk von Segelbooten, -fliegern, Golfplätzen, Auslandsaufenthalten, Projektarbeiten und dem Wissen zur Elite zu gehören verblasst? Verblasst, um den Blick freizugeben auf eine Erziehung ausgerichtet nach brutalsten Normen, die jeglichen Idealismus und jegliche Sensibilität aus den Jungen verbannen sollte. Welche Ideologie diesem Elitedenken zugrunde liegt und in welche Schulpolitik die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten eingebettet waren, welchem Vorbild sie folgten und unter welchen Kriterien die Erziehungspraxis der NPEAs stattfand, soll nachfolgend unter Einbeziehung des Beispiels der NAPOLA Reichenau erläutert werden.
1 Vgl.: Raunschning, 1961 S.100f
3
2. Die Grundlagen der nationalsozialistischen Ideologie
Unter der sozialdarwinistischen, auf Hitlers Intellektuellenfeindlichkeit beruhenden Prämisse, dass
"ein Volk von Gelehrten ... den Himmel nicht erobern, ja nicht einmal dieser Erde sich das Dasein zu sichern vermögen ... , sondern im Schicksalskampf unterliegen" werde, forderte Hitler, die Schule müsse "in einem völkischen Staat unendlich mehr Zeit frei machen für die körperliche Ertüchtigung"; daneben sei die Überzeugung zu vermitteln, "anderen unbedingt überlegen zu sein", für Hitler eine Voraussetzung, "die heutige Weltordnung, die unseren Untergang bedeutet, zu zerbrechen". Hitlers Erziehungsziel war "ein Übermaß an nationaler Willenskraft, an Freiheitsdurst und höchster Leidenschaft" 2 Damit wird bereits deutlich, dass Erziehung und Bildung sich orientieren sollten sowohl an rassistischen und sozialdarwinistischen Ideologieen als auch an militärischen Vorbildern, die zur Verwirklichung revisionistischer politischer Ziele, wie auch zu Eroberungsplänen im Rahmen des "Lebensraum"-Konzeptes genutzt werden konnten. Dies spiegelt sich ebenso in allgemeinen Erziehungszielen, sprich in der NS-spezifischen Charakterbildung, wieder: "Treue, Opferwilligkeit und Verschwiegenheit" nennt Hitler als deren Prinzipien. Es wird sehr prägnant, dass diese personalen Eigenschaften als Äquivalent des Führerprinzips, auf dem der NS-Staat aufbaute, dienen sollten, indem sie zur Grundlage der gesamten Erziehung einer Führungselite erhoben wurden.
Welchen Gedanken diese Erziehung zugrunde liegt, soll an den Ideologien von Adolf Hitler, dem Pädagogen Ernst Krieck und dem Philosophen Alfred Bäumler gezeigt werden
2.1 Adolf Hitler (1889-1945)
Adolf Hitler prägte das Menschenbild und die Weltanschauung des Nationalsozialismus wesentlich. Sie waren die Grundlage, als Konsequenz aus den Lehren Nietzsches und Darwins, für seine erziehungspolitischen Vorstellungen. Hitler lehnte die intellektuelle Bildung ab, sein Ziel war es, Handlungsbereitschaft in Gewaltbereitschaft umzuwandeln. Seine Erziehung orientierte sich an der Rassenideologie und dem Leistungsprinzip. Die Eliten sollten gefördert und zu neuen Führungskräften und ideologielosen Kampfmaschinen erzogen werden.
2 vgl.: Hitler: 1938 S.453
4
„Wer leben will, der kämpfe also, und wer nicht kämpfen will in dieser Welt des ewigen Ringens, verdient das Leben nicht!“ 3
Somit war auch vorgegeben, dass angeblich minderwertige Rassen und Behinderte wegen ihrer geringen Leistungsfähigkeit ausgeschlossen und eliminiert werden mussten. Mädchen spielten für Hitler eine eher untergeordnete Rolle und so sollte deren Erziehung im Gegensatz zu den Jungen hauptsächlich auf die Aufgaben als Mutter und Hausfrau ausgerichtet sein. Die Erziehungsarbeit müsse seinen Äußerungen zufolge in erster Linie ,,auf das Heranzüchten gesunder Körper" 4 hinwirken und in zweiter Linie auf die Ausbildung der Willens- und Entschlusskraft und der Verantwortungsfreudigkeit. Hitler forderte eine starke Beschränkung des Wissensstoffes zugunsten der körperlichen Ertüchtigung, denn der Schulunterricht sollte ,,das jugendliche Gehirn nicht mit Dingen belasten, die es zu 95% nicht braucht und wieder vergisst."
Sein oberstes Ziel war die Rassenideologie. Hitler wollte mit seiner Erziehungsvorstellung eine fanatische Nationalbegeisterung erzeugen, die in der Einsicht gipfelte, dass der völkische Staat um sein Dasein kämpfen müsse. Dazu musste den Jugendlichen ein Überlegenheitsgefühl anerzogen werden: ,,Seine gesamte Erziehung und Ausbildung muss darauf angelegt werden, ihm die Überzeugung zu geben, anderen unbedingt überlegen zu sein." 5 Dies war eine konsequente Kriegserziehung, die vor allem ideologisch auf die Eroberung neuen Lebensraums im Osten ausgerichtet war.
2.2 Ernst Krieck (1882-1947)
Er deutete die Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft als ,,organisch-gliedhaftes Einbezogensein in die völkische Lebensganzheit", wobei sich die Gemeinschaft und ihre einzelnen Glieder gegenseitig erziehen, und einzelne hervorragende ,,Führernaturen" erziehen wiederum die Gemeinschaft. Die Erziehung sollte die Aufgabe haben, die in der Gesellschaft vorhandenen Vorstellungen auf den einzelnen zu übertragen. Die Forderung Kriecks nach einer autoritären Gesellschaftsordnung wurde von ihm folgendermaßen beschrieben: ,,Was aber immer den Grundgesetzen und Existenzbedingungen einer solchen Gemeinschaft zuwider läuft, wird erbarmungslos unterdrückt, auch wenn es rein menschlich genommen, noch so wertvoll wäre."
3 Vgl: Ueberhorst, S.21
4 vgl.: Gies S.39 (aus Reader)
5 aus: Reader zum Seminar „NS-Pädagogik“, Blick in die Zeit
5
Das Ziel der Erziehung ist stets gegeben mit den Werten und Zielen der Gemeinschaft selbst. In dem von ihm veröffentlichten Buch, ,,Nationalpolitische Erziehung", das für die nächsten Jahre zu einer politisch-pädagogischen Bibel für nationalsozialistisch orientierte Studenten und Lehrer werden sollte, schrieb er über die Erziehungsformen von Ausleseschichten. Diese seien von Anfang an, nach der gemeinsamen völkischen Weltanschauung ausgerichtet, auf Ehre, Wehrhaftigkeit, Treubindung, Bereitschaft zum Dienst und zum Opfer, auf Hingebung an das Ganze, auf den Stil strenger Lebensform und straffer Lebensführung, auf die Werte des völkischen, wehrhaften und politischen Lebens: soldatisch im öffentlichen Leben und seiner Führung.
,,Einordnung und Gehorsam gegen die Führung, Tapferkeit und Mut, Geradlinigkeit, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit, der Sinn für das Ganze, wehrhaft in Wille und Arm: Das sind die zu züchtenden Eigenschaften und Werte, die gemeinsame und zu verpflichtende Staatsordnung."
Krieck tritt am 1. Januar 1932 in den nationalsozialistischen Lehrerbund ein, womit die Mitgliedschaft in der NSDAP automatisch verbunden war. Zu diesem Zeitpunkt kannte er von den Naziführern nur Alfred Rosenberg - von dem er wenig hielt - und den Volksschullehrer Hans Schemm, den Führer des NS-Lehrerbundes. Für Kriecks Freunde kam der Eintritt in die NSDAP überraschend, denn bis dahin zeigte er kaum Sympathien für die Hitlerbewegung. Deutlich erkennbar ist aber die Rolle, die er für sich im Rahmen der Nazibewegung sah: Bis zur Machtergreifung war diese Bewegung ideologisch und vor allem in Hinblick auf ihre kulturellen Ziele wenig festgelegt. Sie hatte kaum kulturell bedeutsame Persönlichkeiten in ihren Reihen vorzuweisen. In dieser Lücke sah Krieck offenbar eine Chance, seine Vorstellungen zur Geltung zu bringen. Dabei setzt er auf die Dynamik der Bewegung, von der er annahm, dass sie auch nach der Machtergreifung fortwirken und das ganze gesellschaftliche und kulturelle Leben revolutionieren werde. Er sah die Nazis nicht als eine partikulare politische Partei, sondern als die Führer einer völkisch-revolutionären Bewegung, deren Ende offen schien und die insofern der Gestaltung durch eine neue kulturelle Elite bedürfe.
So ganz abwegig schien diese Perspektive damals nicht zu sein, denn die NS-Bewegung hatte einen linken, sozialrevolutionären Flügel, dem z.B. der schon erwähnte NS-Lehrerbund um Hans Schemm, die SA und Teile der HJ zuzurechnen waren, der auf eine umfassende Revolution setzte, die nach der Machtergreifung erst richtig beginnen sollte.
6
Arbeit zitieren:
Heike Doll, 2006, Die Erziehungsmethoden der nationalpolitischen Erziehungsanstalten, München, GRIN Verlag GmbH
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