Bericht
Ein Bericht ist eine rein faktenorientierte journalistische Schreibform, die Tatsachen auf Grund dokumentarisch gesicherten Materials 2 und damit so objektiv wie möglich darstellt. Die Intention des Berichtes ist es, Leser umfassend über ein Ereignis zu informieren. Die FAZ-Artikel „SPD und CDU einig: Merkel wird Kanzlerin“ von der Titelseite und „Wirtschaft fordert rasche Reformen“ aus dem Wirtschaftsteil lassen sich dieser Schreibform zuordnen.
Bezüglich ihrer Gliederung sind sich die beiden FAZ-Berichte ähnlich. Beide bestehen nicht nur aus rein faktenorientierten, sondern auch aus kommentarähnlichen Elementen, was allgemein ein häufiges Merkmal von Berichten ist. Der Artikel „SPD und CDU einig: Merkel wird Kanzlerin“ berichtet im ersten Teil über die Tatsache, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin wird und über die kommenden Koalitionsverhandlungen. In einem zweiten Teil werden dann Stellungnahmen in Form von Zitaten aufgeführt. Angela Merkel wird hier indirekt in Sätzen wie „es sei um eine ‚faire’ Aufteilung gegangen“ zitiert. Der Leser liest hier die Einschätzung der Verhandlungen aus der Sicht Angela Merkels. Auch zu den zukünftigen Entwicklungen wird der Leser durch Zitate Merkels informiert: „es könne aber über strittige Fragen auch künftig in kleinerem Kreis sogenannte Spitzengespräche geben“ ist ein Beispiel dafür. In dem FAZ-Bericht „Wirtschaft fordert rasche Reformen“ wird nach einem rein berichtenden Teil ein kommentarähnliches Element, nämlich das Zitat „Wir finden gut, daß endlich Klarheit herrscht.“ des Hauptgeschäftsführers des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, optisch hervorgehoben. Es leitet den Teil des Berichtes ein, in dem Stellungnahmen wie „die Bevölkerung habe große Erwartungen in die Regierung“ wiedergegeben werden.
Charakteristisch für den Aufbau (im Sinne der Abfolge von Informationen) eines Berichtes ist, dass die wichtigsten Fakten ganz zu Anfang genannt werden. Der erste Absatz hat die Aufgabe, über die wichtigsten Fakten im Sinne der so genannten „fünf W-Fragen“ zu informieren. Weitere Informationen werden in der Reihenfolge ihrer Bedeutung additiv hinzugefügt. 3 Man spricht in diesem Zusammenhang auch von dem „Prinzip der umgekehrten Pyramide“. Die beiden
2 vgl. Schweikle, Günther und Irmgard (Hrsg.): Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und
Definitionen. 2. Aufl., Stuttgart 1990, S. 46
3 vgl. Schneider, Wolf /Raue, Paul-Josef: Das neue Handbuch des Journalismus, 2. Aufl.,
Hamburg 2003, S. 71
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Artikel „SPD und CDU einig: Merkel wird Kanzlerin“ und „Wirtschaft fordert rasche Reformen“ erfüllen dieses wichtige Merkmal eines Berichtes. So werden beispielsweise in dem Artikel „SPD und CDU einig: Merkel wird Kanzlerin“ am Ende des ersten Absatzes die Schlüsselbegriffe „Ressortaufteilung“ und „Grundsatzentscheidungen“ eingeführt. Diese dienen der Strukturierung des folgenden Textes, indem sie als Einstiege in den zweiten und den dritten Absatz verwendet werden. Zu Beginn des zweiten Absatzes heißt es nämlich: „Über die Ressortaufteilung informierte…“ und der dritten Absatz wird eingeleitet mit „In einer ersten Grundsatzentscheidung…“.
Der Titel eines Berichtes spielt eine ganz zentrale Rolle: er versucht, kurz und prägnant die bedeutendsten Fakten des Berichtes vorzustellen. In einem Bericht wird häufig schon im ersten Absatz auf Schlüsselwörter des Titels eingegangen. So auch im FAZ-Bericht „SPD und CDU einig: Merkel wird Kanzlerin“, der den Subtitel „Koalitionsverhandlungen in der kommenden Woche / Parteitage Mitte November / Einigung auf die Ressortverteilung“ trägt. Im ersten Absatz kommen mit Ausnahme des Schlüsselwortes „Parteitage“, auf das im zweiten Absatz eingegangen wird, alle Schlüsselwörter direkt vor.
Die Sprache eines Berichtes sollte aus schlichten, unmissverständlichen Wörtern in unverschachtelten Sätzen bestehen. Fachwörter sollten dabei möglichst vermieden oder in Einzelfällen übersetzt werden. 4 Dieses Charakteristikum trifft auch auf die FAZ-Berichte zu. Sätze wie „Bundestagspräsident soll Norbert Lammert (CDU) werden.“ oder „Außerdem will man über eine Angleichung der Freibeträge für Erwachsene und Kinder sowie ein Elterngeld reden.“ sind klar und verständlich, wobei natürlich, besonders beim Artikel „Wirtschaft fordert rasche Reformen“ durchaus ein gewisses Vorwissen vorausgesetzt wird.
In einem Bericht überwiegen beschreibende und berichtende Elemente, welche additiv miteinander verknüpft werden. Dieser Stil der additiven Verknüpfung von Aufzählungen findet sich auch in den beiden FAZ-Berichten wieder. Im Artikel „SPD und CDU einig: Merkel wird Kanzlerin“ werden Verknüpfungen durch Satzanfänge wie „Frau Merkel sprach überdies…“ und „Sie sagte weiter…“ eingeleitet, in
4 vgl. Schneider, Wolf /Raue, Paul-Josef: Das neue Handbuch des Journalismus, 2. Aufl.,
Hamburg 2003, S. 77
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„Wirtschaft fordert rasche Reformen“ beispielsweise durch „Auch muss die Union…“ und „Außerdem will man…“.
Trotz der Synthese aus berichtenden und kommentarähnlichen Elementen ist ein Bericht immer möglichst objektiv. Die subjektive Sicht des Autors wird grundsätzlich zurück gestellt, was rein äußerlich schon dadurch kenntlich gemacht wird, dass sein Name lediglich in Form eines Kürzels erscheint. Alleine durch Zitate können, wie oben bereits erwähnt, kommentarähnliche Elemente in den Text integriert werden, die aber nicht explizit als Kommentierungen des Autors angesehen werden dürfen. Auch dieses Merkmal trifft auf die beiden FAZ-Artikel zu. In dem Bericht „SPD und CDU einig: Merkel wird Kanzlerin“ kommt im zweiten Teil Angela Merkel selbst in Form indirekter oder auch expliziter Stellungnahmen zu Wort, so zum Beispiel durch das Zitat: „es sei eine ‚sehr faire und gute Auswahlphilosophie’ zugrunde gelegt worden“. Obwohl der Verfasser des Berichtes dieses Zitat natürlich aus vielen anderen ausgewählt hat, bleibt er dennoch im Horizont der Person, die er zitiert und gibt nicht seine eigene Meinung preis.
Leitartikel
Die Journalisten Schneider und Raue unterteilen in ihrem „Neuen Handbuch des Journalismus“ Meinungsartikel je nach Länge und Platzierung in lange Leitartikel, mittellange Kommentare im engeren Sinn und Kurzkommentare, auch Glossen genannt. 5 Im Seminar haben wir uns bezüglich des FAZ-Artikels „Ein hoher Preis für die Macht“ vom 11. Oktober 2005 auf die Bezeichnung „Leitartikel“ geeinigt.
Ein oben bereits genanntes Kennzeichen des Leitartikels ist seine Länge. Hierdurch kann er gut von einem Kurzkommentar unterschieden werden. Auch der FAZ-Leitartikel hat einen gewissen Umfang und nimmt traditionell einen recht großen Platz der Titelseite jeder Ausgabe ein.
Ein Leitartikel steht nie alleine, sondern ist immer die kommentierende Auslegung eines Berichtes, der normalerweise auf derselben Zeitungsseite abgedruckt wird. Der Leitartikel ist also von einem Bericht und den darin vorgestellten Fakten abhängig und damit ebenso aktuell. Hat der Leser des Leitartikels zuvor nicht den dazu gehörigen Bericht gelesen, wird er wahrscheinlich Schwierigkeiten haben,
5 vgl. Schneider, Wolf /Raue, Paul-Josef: Das neue Handbuch des Journalismus, 2. Aufl.,
Hamburg 2003, S. 368
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Arbeit zitieren:
Master of Science Sarah Wulle, 2005, Journalistische Schreibformen - Untersuchung zu vier Artikeln aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11. Oktober 2005, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Ein Zeitungsvergleich in der 10.Klasse hinsichtlich Themenauswahl, Inf...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
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Sarah Wulle hat den Text Journalistische Schreibformen - Untersuchung zu vier Artikeln aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11. Oktober 2005 veröffentlicht
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