Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kategorien der mittleren Ebene 4
2.1 Gespräch 4
2.2 Gesprächsschritt („turn“) 5
2.3 Sprecherwechsel („turn-taking“) 5
2.3.1 Fremdwahl und Selbstwahl 5
2.3.2 Formen des Sprecherwechsels 6
2.3.3 Reparaturen 7
3. Analyse des Transkripts „August der Starke“ 8
3.1 Handlungsüberblick 8
3.2 Analyse des Sprecherwechsels 8
3.2.1 Sprecherwechsel 8
3.2.2 Fremdwahl und Selbstwahl 10
3.2.3 Parallele Gespräche und Rederecht 10
3.2.4 Reparaturen 11
4. Fazit 12
Anlage: Transkript „August der Starke“ 14
Quellenverzeichnis 19
Literaturverzeichnis 20
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1. Einleitung
Wir alle sind täglich von Gesprächen und Unterhaltungen umgeben. Wir selbst sprechen alle täglich. Doch wie sprechen wir? Und wozu genau? Diese Fragen zu erforschen, hat sich die Gesprächsanalyse zur Aufgabe gemacht. Die Gesprächsanalyse, ein Teilbereich der Linguistik, hat es sich zum Ziel gesetzt, systematisch zu erforschen, wie Gesprächspartner mit dialogisch sprachlichem Handeln gültig und verbindlich Sinn aufbauen. (1). In meiner Vorgehensweise habe ich mich an den von Henne und Rehbock vorgeschlagenen Analysekategorien orientiert. (2) In der Kategorie der Makroebene lässt sich ein Gespräch in folgende Gesprächsphasen einteilen: Gesprächseröffnung, Gesprächsmitte und Gesprächsbeendigung. Die Kategorien der Mikroebene beschreiben dagegen sprechaktinterne Elemente, wie die syntaktische, lexikalische und prosodische Struktur. Doch dazwischen liegt die mittlere Ebene, die sich u.a. in Gesprächsschritt, Sprecherwechsel und „back-channel-behaviour“ gliedert. Auf diese Ebene konzentriert sich diese Arbeit. Das zu untersuchende Transkript „August der Starke“ steckt gerade diesbezüglich voller Fragen, die es gilt, aufzudecken und zu beantworten. Fragen, die sich bei näherer Erforschung des Transkripts unweigerlich auftun, sind unter anderem: Wie sieht der Sprecherwechsel aus? Wie läuft er ab? Gibt es große Auffälligkeiten, bspw. Unterbrechungen? Sind viele Reparaturen vonnöten? Um all diese Fragen aber geeignet beantworten zu können, bedarf es vorher der Klärung einiger sehr wichtiger Grundbegriffe.
Der erste Teil wird also einen Überblick über alle - für diese Arbeit wichtig erscheinenden -Grundbegriffe, insbesondere die der mittleren Ebene, geben. Im zweiten Teil untersuche ich das im Anhang befindliche Transkript „August der Starke“ - ein Kabarett der berühmten „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ - auf eben diese Kategorien der mittleren Ebene, stelle Besonderheiten und Auffälligkeiten heraus. Schließlich folgt ein Fazit, das die gewonnenen Erkenntnisse kurz und übersichtlich vereinen soll.
Diese hier vorliegende Arbeit setzt es sich also zum Ziel, sowohl das Transkript im Hinblick auf seine strukturellen und funktionellen Besonderheiten zu untersuchen, als auch einen Überblick über wichtige, im Zusammenhang mit diesem Transkript stehende Begriffe zu geben. Das Transkript liegt leider nur als Hörspiel vor, nonverbale und paraverbale Gesten können bei der Analyse deshalb leider keine Beachtung finden; eventuelle Anmerkungen meinerseits bei der Analyse müssen Spekulation bleiben.
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2. Kategorien der mittleren Ebene
2.1 Gespräch
Das Wort „Gespräch“ ist im täglichen Leben allgegenwärtig, Wörterbücher liefern verschiedene Definitionen des Begriffes in der Alltagssprache. Linke/Nussbaumer/Portmann bezeichnen das Gespräch als „die grundlegende Form des Sprachgebrauchs“. (3) Und im Wesentlichen haben die verschiedenen Definitionen zum Thema Gespräch in der Alltagswelt alles das gemeinsam, was Brinker/Sager übersichtlich aufführen:
mindestens zwei Interaktanten
-Sprecherwechsel
mündliche Realisierung Ausrichtung auf ein bestimmtes Thema (4) - Inder Gesprächsanalyse muss man diesen alltagssprachlichen Begriff freilich etwas ergänzen. Ein Gespräch kann erst dann Gespräch sein, wenn mindestens zwei Individuen miteinander kommunizieren und sich durch wenigstens einen vollzogenen Sprecherwechsel verständigen. Einzelne Hörersignale, (z.B. Hmhm oder ja) sind dabei nicht als Sprecherwechsel zu verstehen, sondern übermitteln lediglich die Aufmerksamkeit des Hörers. Von anderer enormer Wichtigkeit ist außerdem - zeitlich gesehen - der direkte Kontakt der Kommunizierenden, hierzu zählen besonders die face-to-face-Kommunikation oder das Telefongespräch. Soll ein Gespräch als Gespräch gelten, dann muss es eine Art thematischen Konsens zwischen beiden Interaktanten geben, beide müssen sich in ihren Äußerungen auf etwas Gemeinsames beziehen, dazu zählt auch, wenn beiden Partnern etwas nicht Gesagtes als gemeinsamer Bezugspunkt implizit bekannt ist. Letztlich, anschließend an den Aspekt des direkten Kontakts der Sprechenden, ist die „Äußerung“ als Betonung der Mündlichkeit zwischen beiden Kommunikanten enorm wichtig. (5)
Alle diese Punkte machen ein Gespräch in gesprächsanalytischer Hinsicht erst zu einem Gespräch. Eine zusammenfassende Definition geben Brinker/Sager, indem sie meinen, ein Gespräch sei eine begrenzte Folge von sprachlichen Äußerungen, die dialogisch ausgerichtet sei und eine thematische Orientierung aufweisen würde. (6)
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2.2 Gesprächsschritt („turn“)
Es ist immer wieder bemerkenswert, wie „unfallfrei“ Gesprächspartner miteinander kommunizieren können, wie Gespräche funktionieren, ohne dass die Kommunizierenden ihre eigenen Aussagen vom Gegenüber ständig unterbrochen sehen müssen; vielmehr gelingt oft ein Anschluss an das zuvor Gesagte in wenigen Mikrosekunden. Levinson gibt dazu an, dass es in weniger als 5 Prozent der Fälle zu Überlappungen, also dem gleichzeitigen Sprechen zweier Personen, käme. (7)
Der Gesprächsschritt ist die grundlegende Gesprächseinheit, in die alle Gespräche einteilbar sind. Während eines Gesprächsschrittes ist aber nicht nur die Stimme des Sprechers zu vernehmen, auch der Hörer äußert sich - mit so genannten Hörersignalen (auch: „back-channelbehaviour“). Mit diesen Äußerungen (z.B. aha, ja, naja, stimmt) will der Hörer zumeist aber nur seine Aufmerksamkeit bekunden, seltener drücken sie Zustimmung oder Ablehnung aus. Der Hörer möchte also keineswegs die Sprecherrolle übernehmen, sondern im Gegenteil, Aufmerksamkeit zusichern und unter Umständen durch kurze Äußerungen (z.B. Was du nicht sagst!) das Gespräch gezielt lenken. Im Gegensatz dazu gibt es auch die den Gesprächsschritt beanspruchenden Signale (auch: „claiming-of-the-turn-signals“). Bei diesen Signalen versucht der Hörer die Sprecherrolle an sich zu nehmen, scheitert aber, etwa am Ignorieren und Weiterreden des Sprechers. Gesprächsschritt und Hörersignal zusammen bilden den Begriff des Gesprächsbeitrags. (8)
2.3 Sprecherwechsel („turn-taking“)
Der Sprecherwechsel beschreibt „den rein formalen Wechsel der Sprecherrolle des gegenwärtigen Sprecher-Hörers auf den übernehmenden Sprecher-Hörer, der bei Simultansequenzen dann als abgeschlossen gilt, wenn der übernehmende Sprecher-Hörer alleine weiterredet.“ (9) Mit anderen Worten: das Rederecht wird vom Sprecher auf den Hörer übergeben. Um den Sprecherwechsel überwiegend störungsfrei ablaufen lassen zu können, bedient sich jeder Gesprächspartner unbewusst bestimmter Regeln, die im Folgenden näher erklärt werden sollen.
2.3.1 Fremdwahl und Selbstwahl
Sprecherwechsel vollziehen sich, indem man sich selbst zum nächsten Sprecher erklärt (Selbstwahl) oder durch bestimmte verbale und/oder nonverbale Zeichen (auch: „turn-
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yielding-signals“) die Rolle des Sprechenden zugewiesen bekommt (Fremdwahl); Letzteres ist häufig der Fall bei Meetings, in Gerichtsverhandlungen oder in der Schule. Die Selbstwahl ist komplizierter, denn sie kann theoretisch immer dann erfolgen, wenn ein Gesprächsbeitrag geendet und eine Fremdwahl noch nicht stattgefunden hat.
2.3.2 Formen des Sprecherwechsels
Der Verlauf des Sprecherwechsels führt durch die eben angesprochene Kompliziertheit der Selbstwahl mitunter zu Unterbrechungen, grundsätzlich ergeben sich aber beim Verlauf des Sprecherwechsels folgende Möglichkeiten: Sprecherwechsel ohne Sprechpause
Der Hörer setzt mit seinem eigenen Gesprächsbeitrag unmittelbar nach dem Beenden des Gesprächsbeitrages vom Sprecher an, es gibt keine Simultansequenz, aber auch keine lange Pause. In diesem Fall spricht man auch vom „glatten“ Wechsel. Sprecherwechsel mit Überlappen (auch: „overlap“)
Der Hörer setzt mit seinem neu angefangenen Gesprächsbeitrag vor dem Beenden des Gesprächsbeitrages des Hörers an, ein paar Wörter oder kurze Sätze überlappen sich. Dass dieses
- recht häufig vorkommende - Überlappen meist nicht sehr stört, ist den „Pufferzonen“ zu verdanken; Sätzen, die mit „Also, ich finde ja, dass…“, „Eigentlich muss ich sagen…“ bzw. „gelle?“, „findest du nicht?“ „aufgefüllt“ werden, damit die wirkliche Bedeutung des Gesprächsbeitrages nicht verloren gehen kann und das Gespräch nicht gestört wird. Sprecherwechsel nach Sprechpause
Obwohl der Sprecher seinen Gesprächsschritt schon längst beendet hat, setzt der Hörer mit seinem Gesprächsbeitrag erst nach einer offensichtlichen Pause ein. Wann diese Pause nicht mehr als „gap“ - als kurze Denk- oder Entscheidungspause - zu zählen ist, hängt von der jeweiligen Sprachgemeinschaft und -kultur ab. Aber gerade diese Pausen sind es, die in einem Gespräch extrem unangenehm wirken und ein Indikator für eine gestörte Beziehungsebene sein können. Sprecherwechsel nach Unterbrechung
Hier wird der Sprecher vom Hörer mit dem Einsetzen des neuen Gesprächsbeitrages zu einem Zeitpunkt unterbrochen, an welchem er noch nicht bereit ist, die Sprecherrolle abzugeben. Es folgt eine mitunter lange Simultansequenz, in der jeder versucht, seinen Gesprächsbeitrag fortzuführen. Ist es der Hörer, der sich schließlich durchsetzt, hat ein Sprecherwechsel nach Unterbrechung stattgefunden, ansonsten hat der Hörer den Versuch der Gesprächsschrittbeanspruchung unternommen. Eine (erfolgreich durchgeführte) Unterbrechung erscheint oft je-
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Arbeit zitieren:
Vivien Busch, Kristin Nuthmann Therese Ortmann, Sybil Wenzel, 2006, Analyse des Transkripts „August der Starke“ auf der mittleren Ebene - Sprecherwechsel, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
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