I NHALTSVERZEICHNIS
Abbildungsverzeichnis IV
Abk ürzungsverzeichnis V
0 Management Summary 7
1 Einleitung 8
1.1 Hintergrund und Problemstellung 8
1.2 Aufbau der Arbeit 10
2 Begriffliche Grundlagen 12
2.1 Region 12
2.1.1 Überblick zur regionalen Vielfalt 12
2.1.2 Regionalismus, Regionalisierung und Regionalpolitik. 13
2.2 Innovation 15
2.2.1 Begriffsverständnis 15
2.2.2 Begründer der Innovationstheorie - Joseph Alois Schumpeter 16
2.2.3 Arten und verwandte Begriffe von Innovationen 17
2.2.4 Der Innovationsprozess 18
3 Region aus geographischer Perspektive 20
3.1 Historie und Regionen in Deutschland 20
3.2 Raum-, Maßstabs- sowie sachlicher Bezug 21
3.2.1 Der Raumbezug 21
3.2.2 Der Maßstabsbezug 22
3.2.3 Der sachliche Bezug 23
3.3 Theorie der Raumstruktur 25
3.3.1 Transportkosten 25
3.3.2 Nachfrageverhalten 26
3.3.3 Agglomerationseffekte 26
I
3.4 Regionsbildung 28
4 Region aus soziologischer Perspektive 30
4.1 Region als soziales Gebilde 30
4.2 Segregation 31
4.3 Disparitäten 32
4.3.1 Regionale Disparitäten 32
4.3.2 Soziale Disparitäten 33
4.3.3 Ost-West-Disparitäten 34
4.4 Räumliche Mobilität und Migration 36
5 Region aus ökonomischer Perspektive 38
5.1 Ökonomischer Strukturwandel 38
5.2 Standortfaktoren im Überblick 39
5.3 Situationsanalyse 41
5.4 Regionalmarketing 42
5.5 Theorie von Unternehmensnetzwerken 44
5.5.1 Begriff und Hierarchie 44
5.5.2 Informationsaustausch und Innovation 46
6 Kritische Würdigung der drei Perspektiven. 47
6.1 Gegenüberstellung der Ansichten - Zwischenfazit 47
6.2 Auswirkungen von Maßnahmen 48
7 Innovationssysteme 50
7.1 Das Diamant-Konzept 50
7.2 Nationale Innovationssysteme 52
7.2.1 Begriffsbestimmungen 52
7.2.1.1 Erste Ansätze 52
7.2.1.2 Die Lundvall-Version 54
7.2.1.3 Der OECD-Ansatz 55
7.2.2 Das deutsche Innovationssystem 56
II
7.2.3 Kritikansätze 58
7.3 Regionale Innovationssysteme 60
7.3.1 Theoretische Erklärungsansätze regionaler Innovationsdynamik 61
7.3.1.1 Industrial Districts und Cluster 61
7.3.1.2 Innovative Milieus und (regionale) Innovationsnetzwerke 65
7.3.1.3 Technopols und lernende Regionen 68
7.3.2 Das Konzept regionaler Innovationssysteme 71
7.3.2.1 Definitorische Grundlagen und Charakteristika 72
7.3.2.2 Regionen- und Systemverständnis 73
7.3.2.3 Typologie von regionalen Innovationssystemen 74
7.3.2.4 Bewertung regionaler Innovationssysteme. 77
7.3.2.5 Regionale Innovationssysteme in Deutschland 79
7.4 Region Baden-Württemberg 81
7.4.1 Geographische Rahmenbedingungen 81
7.4.2 Soziologische Perspektive 83
7.4.3 Wirtschaftliches Profil 84
7.4.4 Regionale Innovationssysteme in Baden-Württemberg 85
7.4.4.1 Hochschul- und Forschungslandschaft 86
7.4.4.2 Erklärungsansätze regionaler Innovationssysteme des Landes 87
7.4.4.3 Konzept und Typologie regionaler Innovationssysteme des Landes 89
8 Zusammenfassung und Schlusswort 91
LITERATURBEITR ÄGE IX
INTERNETQUELLEN XVII
III
A BBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. 1: Phasenmodell des Innovationsprozesses
Abb. 2: Typologie von Regionskonzepten
Abb. 3: Systematisierung von Agglomerationseffekten
Abb. 4: Arbeitslosenquoten Deutschland im Vergleich
Abb. 5: Innerdeutsche Wanderungen, 1950-2000
Abb. 6: Faktoren unternehmerischer Standortwahl
Abb. 7: Determinanten des Diamanten nach Porter
Abb. 8: Beziehung zwischen Porter und Lundvall
Abb. 9: Elemente nationaler Innovationssysteme nach OECD
Abb. 10: Das deutsche Innovationssystem
Abb. 11: Elemente regionaler Innovationssysteme
Abb. 12: „Governance dimension“ regionaler Innovationssysteme
Abb. 13: „Business innovation dimension“ regionaler Innovationssysteme
Abb. 14: Typologie regionaler Innovationssysteme - „Neun-Felder-Matrix“
Abb. 15: Bedeutende Regionen in Deutschland
Abb. 16: „Blaue Banane“ („Goldenes Band“)
Abb. 17: 100.000-Einwohner-Städte Baden-Württembergs
IV
Abbildung Abb.
Business innovation dimension BID
Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF
beispielsweise bspw.
beziehungsweise bzw.
circa ca.
Corporate Identity CI
das heißt d. h.
Deutsches Institut für Urbanistik Difu
Deutsches Seminar für Städtebau und Wirtschaft DSSW
Deutscher Städte- und Gemeindebund DStGB
deutsch dt.
ebenda ebd.
et cetera etc.
Europäische Union EU
folgend f.
fortfolgend ff.
Fachhochschule(n) FH
Forschung und Entwicklung F&E
Governance dimension GD
gegebenenfalls ggf.
Groupe de Recherche Européen sur les Milieux Innovateurs GREMI
Herausgeber Hrsg.
Industrial District(s) (Industriedistrikt[e]) ID
in der Regel i.d.R.
Innovative(s) Milieu(s) IM
Informations- und Kommunikationstechnologie IuK
Kleine und mittlere Unternehmen KMU
laufend(e) lfd.
Lernende Region(en) LR
Nationale Innovationssysteme NIS
Nummer Nr.
Organisation for Economic Cooperation and Development OECD
ohne Verfasser o. V.
Regionale Innovationsnetzwerke RIN
Regionale Innovationssysteme RIS
Seite(n) S.
und u.
unter anderem u. a.
und so weiter usw.
vergleiche vgl.
world wide web www
zum Beispiel z. B.
zum Teil z. T.
0 Management Summary
Die vorliegende Arbeit behandelt den ökonomischen Begriff der Region unter Heranziehung geographischer und soziologischer Aspekte. Nicht nur die Ökonomie spielt bezüglich der Region eine wesentliche Rolle, sondern gerade die geographischen und soziologischen Bedingungen bilden den entsprechenden Rahmen und dürfen keineswegs unberücksichtigt bleiben. So bildet aus geographischer Sicht die Historie einer Region ein wesentliches Fundament zur Erklärung des Begriffes. Auch die Soziologie in Verbindung mit Disparitäten, räumlicher Mobilität und Migration gibt eine Grundlage zum Verständnis der Region. Der ökonomische Begriff der Region ist darüber hinaus sehr facettenreich. Schlagworte wie Strukturwandel, Standortfaktoren, Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken einer Region bilden dessen Grundlage. Auch das Regionalmarketing ist als ein aktuell diskutierter ökonomischer Aspekt zu berücksichtigen.
Aus der Verschmelzung dieser Perspektiven ist ersichtlich, dass die drei Komponenten nicht verbindungslos betrachtet werden können. Aktivitäten in einem Bereich können sich positiv als auch negativ auf die anderen auswirken. Vielmehr muss daher versucht werden, eine gleichmäßige Berücksichtigung zu finden und die Komponenten in Einklang zu bringen.
Auf die Konzepte der Innovationssysteme haben die drei Ansichten von Region ebenfalls einen bedeutenden Einfluss. Die Innovationssysteme werden als Instrument zur Untersuchung einer Region benutzt und bilden den wesentlichen und umfangreichsten Teil der Arbeit, wobei die Theorie des Diamant-Konzeptes mit den Aspekten der Wettbewerbsfähigkeit eine Grundlage dazu darstellt. Nationale bzw. regionale Innovationssysteme werden zur Steigerung der Innovationsfähigkeit von Volkswirtschaften und Regionen benutzt, wofür die Aktivitäten der Hauptakteure konzentriert werden müssen. Die nationalen Innovationssysteme bilden dabei die Grundlage für die regionalen Innovationssysteme, wobei Baden-Württemberg als Paradebeispiel für ein regionales Innovationssystem betrachtet wird. Weiterhin ist es relativ gesehen das Bundesland mit den besten Ausgangsbedingungen sowohl aus geographischer und soziologischer als auch aus ökonomischer Perspektive.
7
1 Einleitung
1.1 Hintergrund und Problemstellung
In der wirtschaftswissenschaftlichen Theoriewelt spielt seit Anfang der 90er Jahre die räumliche Dimension ökonomischer Aktivitäten eine zunehmend wichtigere Rolle. Der amerikanische Außenhandelsökonom Paul Krugman stellte in seinem 1991 erschienen Buch „Geography and Trade“ fest, dass „about a year ago I more or less suddenly realized that I have spent my hole life as an international economist thinking and writing about economic geography, without being aware of it“. 1
Sinkende Wachstums-, Investitions- und Exportquoten, steigende Arbeitslosenqouten und zunehmende Direktinvestitionen im Ausland verweisen auf neue Herausforderungen, denen sich verschiedene Regionen seit Beginn der 90er Jahre stellen müssen. In einem weltweiten Standort- und Innovationswettbewerb müssen neue Trümpfe entwickelt werden, um weiterhin eine ausreichende Anzahl qualifizierter Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. 2 Durch Deregulierung und Globalisierung sind heute viele Unternehmen in einem stärkeren Ausmaß als früher dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt. Daher besteht ein Zwang, Maßnahmen zur Sicherung und Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, wie z. B. die optimale Wahl der Betriebsstandorte zu ergreifen. Folglich ist ein wichtiger Ansatz der jeweiligen Wirtschaftsförderung darin begründet, das Ansiedlungsverhalten von Unternehmen zu beeinflussen. Weiterhin sollten Unternehmen selbst versuchen, sich in ein wettbewerbsstarkes Branchencluster einzugliedern und Standortverlagerungen sowie Gründungen von Filialen und andere standortbezogene Strategien in Betracht zu ziehen. 3
1 Krugman, P. zitiert in Koschatzky, K., Räumliche Aspekte im Innovationsprozess, S. 1
2 Vgl. www.fortunecity.com, Stand: 07.09.05
3 Vgl. Fernau, A. K., Werkzeuge zur Analyse und Beurteilung der internationalen
Wettbewerbsfähigkeit von Regionen, S. 1 f.
8
Wie kann die innovationszentrierte Zusammenarbeit zwischen Technikherstellern und Anwendern, zwischen Zulieferern und Abnehmern, zwischen Wissenschaft und Politik, zwischen Industrie und Handwerk ermöglicht werden? Vor diesen Fragen stehen auch erfolgreiche Industrieregionen, die sich in einem weltweiten Innovationswettbewerb behaupten müssen. Wichtiger Ausgangspunkt hierbei ist zunächst, die Stärken und Schwächen einer Region herauszuarbeiten, wobei der wirtschaftliche Erfolg vor allem von der erfolgreichen Entwicklung und Verankerung innovationsförderlicher Regulationsstrukturen abhängt. 4
Mit Blick auf die sich immer stärker globalisierende Wirtschaft spielen regionale Innovationssysteme (RIS) eine große Rolle. Sie bieten Regionen die Chance, sich in die globalen Produktions- und Innovationsnetze einklinken zu können und zwischen Welt-Konzern und Region wechselseitige Abhängigkeiten herauszubilden. Folglich können sich die regionalen Akteure Freiräume schaffen und sind keineswegs den großen multinational operierenden Konzernen ausgeliefert. Jedoch ist die Entwicklung RIS eine schwierige Aufgabe. Verbesserte Innovationsfähigkeit von Unternehmen, Branchen und ganzen Volkswirtschaften und die Umorientierung des Innovationsgeschehens auf neue Produkte und Märkte erfordert häufig, dass bisherige Abläufe und Strukturen neu ausgerichtet werden müssen. Bei der Bildung von RIS können strategische Projekte helfen, in denen man im Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure neue Produkt- und Prozessideen sowie neue Produktionskonzepte entwickelt und realisiert. 5
Zwischen räumlichen Faktoren und Innovationstätigkeit besteht folgender enger Zusammenhang: 6
¾ Regionale Faktorausstattung beeinflusst das betriebliche Innovationsgeschehen
¾ Innovationsprozesse haben einen regionalen Ursprung
¾ Das Innovationsgeschehen verläuft räumlich differenziert
¾ Die räumliche Nähe fördert innovationsrelevante Interaktionen
¾ Regionsbezogene innovations- und technologiepolitische Fördermaßnahmen werden auch regional wirksam
4 Vgl. www.fortunecity.com, Stand: 07.09.05
5 Vgl. www.uni-protokolle.de, Stand: 09.09.05
6 Koschatzky, K., Räumliche Aspekte im Innovationsprozess, S. 9
9
Eine der bedeutendsten Herausforderungen in einer Zeit sich schnell ändernder globaler Märkte ist es, die Wettbewerbsfähigkeit RIS zu stärken und damit die Lebensqualität derer zu sichern, die in diesen Wirtschaftsräumen eingebunden sind. Das neue Instrument des Innovationsmanagements kann eine Möglichkeit bieten, regionale Innovationspotenziale wechselseitig zu verstärken. Bereits in mehreren europäischen Ländern und Regionen wurden erste Erfahrungen mit Aktivitäten zur Steigerung der industriellen und gesellschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit gemacht. 7 Weiterhin gibt es in der jüngeren Forschung einen unübersehbaren Trend, nicht mehr so sehr den einzelnen Standortfaktoren Gewicht beizumessen, sondern vielmehr die Komplexität und wechselseitige Vernetzung dieser Faktoren zu betrachten. 8 Die dominante Rolle der Region bei der Innovationsgenerierung wird dabei durch die Wichtigkeit von Nähe und Interaktionen sowie der Existenz von stark innovierenden Regionen beeinflusst. 9
1.2 Aufbau der Arbeit
Eine ausführliche Literaturrecherche, wobei Bücher die Grundlage bilden, liegt dieser Arbeit inhaltlich zugrunde. Sammelwerke, Fachzeitschriften, das Internet sowie diverse Broschüren bilden den literarischen Rahmen. Die vorliegende Arbeit gliedert sich in acht Kapitel, wobei das erste eine Einleitung zum Thema darstellt.
Im zweiten Kapitel werden begriffliche Grundlagen, die für das zusammenhängende Verständnis der Arbeit von Bedeutung sind, geklärt. Hierbei wird auf die Wortbedeutungen der Region als auch der Innovation näher eingegangen. Die Region wird sowohl aus politischer als auch aus raumplanerischer Perspektive beleuchtet, während mit der Definition der Innovation auch wortverwandte Begriffe erklärt werden. Weiterhin wird auf die Gründung der Innovationstheorie sowie auf Arten und Phasen von Innovationen eingegangen.
7 Vgl. www.unternehmen-region.de, Stand: 09.09.05
8 Vgl. Fernau, A. K., Werkzeuge zur Analyse und Beurteilung der internationalen
Wettbewerbsfähigkeit von Regionen, S. 2
9 Vgl. Dörschuck, O., Innovationssysteme und Wettbewerb, S. 25
10
Kapitel drei bis fünf dienen der Beschreibung der Region aus geographischer, soziologischer und ökonomischer Sicht. Die Geographie beleuchtet die Region aus
dem historischen Blickwinkel und insbesondere bezüglich Größe und Maßstab, während die Theorie der Raumstruktur die Basis für die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft bildet. Soziologisch wird die Region u. a. unter Berücksichtigung von Disparitäten, räumlicher Mobilität und Migration betrachtet, während im ökonomischen Teil der Strukturwandel Deutschlands, Standortfaktoren, eine Situationsanalyse und das Regionalmarketing behandelt werden. Ferner wird die Theorie von Unternehmensnetzwerken vorgestellt, welche ebenfalls eine Grundlage der Wettbewerbsfähigkeit begründet.
In Kapitel sechs wird eine kritische Würdigung der drei Perspektiven vorgenommen. Sowohl eine Gegenüberstellung der drei Ansichten als auch eine Untersuchung der Auswirkungen von Maßnahmen auf die jeweiligen Bereiche werden hier beleuchtet.
Die Innovationssysteme, welche den größten und wichtigsten Teil der Arbeit darstellen, werden im siebten Kapitel aufgezeigt. Hier erfolgt u. a. die Vorstellung des Diamant-Konzeptes als Grundlage einer Investitions- und Innovationstheorie. Aufbauend darauf erfolgt die Behandlung nationaler und regionaler Innovationssysteme, wobei diese im Detail beleuchtet werden. Dabei wird die Region von der nationalen auf die regionale Ebene herunter gebrochen. Das Bundesland Baden-Württemberg dient als Ideal-Region zur Veranschaulichung eines RIS und stellt gleichzeitig die Verknüpfung zur Praxis her.
Die Zusammenfassung und das Schlusswort im achten und letzten Kapitel ziehen ein Resümee der gesamten Arbeit und befassen sich mit der aktuellen und zukünftigen Situation Deutschlands und der RIS.
Diese Arbeit ist zwar im Fachbereich der Volkswirtschaftslehre vorgelegt, jedoch muss berücksichtigt werden, dass es sich um eine interdisziplinäre Arbeit handelt, die sowohl geographische, soziologische als auch ökonomische Aspekte berücksichtigt.
11
2 Begriffliche Grundlagen
2.1 Region
2.1.1 Überblick zur regionalen Vielfalt
Zunächst sei festgehalten, dass der Begriff der Region mit all seinen Doppeldeutigkeiten als ein Synonym des bereits im Mittelalter verwendeten Begriffes „Provinz“ 10 angesehen werden kann. 11 Unter dem Begriff der „Region“ werden sehr unterschiedliche räumliche Vorstellungen verstanden, d. h. dass es keine einheitliche und allgemeingültige Definition des Begriffes gibt. 12 Wenn auf globaler Ebene von Region gesprochen wird, werden oftmals ein ganzer Erdteil oder mehrere Staaten zu einer Region zusammengefasst. Innerhalb Europas ist der Terminus „Europa der Regionen“ ebenfalls nicht klar definiert - es kann sich um einzelne Länder, Teilräume davon oder auch Ländergrenzen überschreitende Raumeinheiten („Euregio“) handeln. 13 In Deutschland werden vielfach die Bundesländer als Regionen betrachtet, obwohl eine Region auch als ein zusammenhängendes Gebiet kleiner als ein Bundesland jedoch größer als eine Kommune angesehen wird. 14
Diese Unklarheiten im Regionsverständnis sind nicht neu, sondern beschäftigen die Regionalwissenschaft einschließlich der Geographie schon seit langem. 15 Eine Definition von Region, welche jedoch sehr weit und offen gehalten ist, findet sich im Handwörterbuch für Raumforschung und Raumordnung: „Eine Region ist ein geographisch bestimmter Raum mittlerer Größenordnung, der als zusammengehörig angesehen wird.“ 16
10 Unter Provinz wird ein Land oder Landesteil, ein größeres staatliches oder kirchliches Verwaltungs-
gebiet sowie das Land insgesamt im Gegensatz zur Hauptstadt angesehen.
(Duden, Rechtschreibung, S. 775)
11 Vgl. Trützschler von Falkenstein, E., Mittelosteuropa - Nationen, Staaten, Regionen, S. 36
12 Vgl. hierzu u. a.: Meyer, J.-A., Regionalmarketing, S. 17 f.; Koschatzky, K., Räumliche Aspekte im
Innovationsprozess, S. 14 ff.; Trützschler von Falkenstein, E., Mittelosteuropa - Nationen, Staaten,
Regionen, S. 36 f.; Hinsch, A., Neugliederung des Bundesgebiets und europäische Regionalisierung,
S. 167 ff.; Neunreither, E. B., Die Interessenvertretung der Regionen bei der Europäischen Union, S. 7
13 Vgl. Koschatzky, K., Räumliche Aspekte im Innovationsprozess, S. 14
14 Vgl. Meyer, J.-A., Regionalmarketing, S. 17
15 Vgl. Koschatzky, K., Räumliche Aspekte im Innovationsprozess, S. 14
16 Vgl. Neunreither, E. B., Die Interessenvertretung der Regionen bei der Europäischen Union, S. 7
12
Die zitierte Definition ist so allgemein, dass sie weitgehend auch den Sprachgebrauch in der geographischen Wissenschaft abdeckt. 17 Allerdings hat im Verlauf der letzten Jahrzehnte der Regionsbegriff unterschiedliche Bedeutungen erhalten, da er u. a. auch aus soziologischer oder auch ökonomischer Perspektive betrachtet werden kann. 18
2.1.2 Regionalismus, Regionalisierung und Regionalpolitik
Regionalismus
Für den Regionalismus ist die Autonomieforderung als Partizipationsform auf regionaler Ebene charakteristisch. 19 Eigene Zuständigkeiten in bestimmten Bereichen sind das Merkmal einer autonomen Region, wobei auch die deutschen Länder im Rahmen der Europäischen Union als autonome Regionen betrachtet werden. 20 Andererseits gibt es in Deutschland keinen bedeutenden politischen Regionalismus, da z. B. die bundesstaatliche Umverteilung dazu führt, dass ein nahezu einheitlicher Lebensstandard in ganz Deutschland besteht. Etwas anders ist dies in Ostdeutschland, wo sich aufgrund des wirtschaftlichen Gefälles zwischen Ost und West eine regionale Identität entwickelt hat. Ihren Grund hat diese Entwicklung in der deutschen Teilung. Aber auch in großen westlichen Ländern Deutschlands wie z. B. Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, die nicht homogen strukturiert sind, zeigt sich in Ansätzen ein auf Teilgebiete bezogener Regionalismus. Dieser ist jedoch sehr schwach ausgeprägt. 21 Da es sich um eine „Form geschichtlicher Raumbildung“ handelt, liegen dem Regionalismus neben einer politischen Tradition auch kulturelle Besonderheiten zugrunde. Weiterhin handelt es sich um ein historisch-soziales Strukturprinzip, d. h. dem Regionalismus liegt die sozialräumliche Identifikation mit einem Gebiet zugrunde. Regionalismus aus geschichtlicher Perspektive betrachtet heißt demnach, die Region „im Bezug auf menschliche Gesellschaft“ und ihre Geschichte zu sehen. 22
17 Vgl. Blotevogel, H. H. in Brunn, G., Region und Regionsbildung in Europa, S. 53
18 In Anlehnung an Saller, R., Möglichkeiten und Grenzen der Beteiligung der Kommunen und
Regionen an den Entscheidungen der Europäischen Union, S. 21 sowie Hinsch, A., Neugliederung
des Bundesgebiets und europäische Regionalisierung, S. 168
19 Vgl. Schulz, M., Regionalismus und die Gestaltung Europas, S. 25
20 Vgl. Trützschler von Falkenstein, E., Mittelosteuropa - Nationen, Staaten, Regionen, S. 38
21 Vgl. Hinsch, A., Neugliederung des Bundesgebiets und europäische Regionalisierung, S. 161 f.
13
Regionalisierung
Der Prozess der Bildung von Regionen wird allgemein als Regionalisierung bezeichnet. Die Begründungen dafür sind vielfältig, wie z. B. die wirtschaftliche Notwendigkeit angesichts der Globalisierungsprozesse sowie höhere Erwartungen an die staatlichen Steuerungskapazitäten. 23 Aus Sicht der Kommunen muss Regionalisierung als Chance genutzt werden. Der Zwang zu Zusammenarbeit führt auf kommunaler Ebene zu einer Sensibilisierung für Netzwerke und zu einem von kommunaler Seite ausgehenden Regionsbildungsprozess. 24 Regionalisierung kann einerseits durch staatliche Modernisierung von oben „top down“ erfolgen. Dabei liegen die Hauptmotive des Staates zur Regionalisierung in administrativen und ökonomischen Überlegungen zur Effizienzsteigerung, wobei regionale und lokale Akteure als Schlüssel zu effektiver Problemlösung dienen. Andererseits können Regionalisierungsprozesse auch eine Reaktion des Staates auf regionalistische Forderungen von unten „bottom up“ sein. Hier liegt das Ziel in einer Konfliktlösung, wobei in der Praxis oft mehrere der genannten Faktoren in eine Regionalisierungsdebatte hineinfließen. 25
Regionalpolitik
„Unter regionaler Strukturpolitik bzw. Regionalpolitik werden all diejenigen Bestrebungen, Handlungen und Maßnahmen verstanden, die im Hinblick auf eine optimale Faktorallokation die Wirtschaftsstruktur ordnen, beeinflussen oder unmittelbar festlegen.“ 26 Die Regionalpolitik zielt also darauf ab, regionale Entwicklungsprozesse zielorientiert zu beeinflussen. 27 Weiterhin stehen die „Verbesserung der lokalen Wirtschaftsstruktur“, die „Stärkung der kommunalen Finanzkraft“ sowie die „Reduzierung der örtlichen Arbeitslosenquote“ im Mittelpunkt der Betrachtungen. Hauptsächlich seit Mitte der 70er Jahre hat das Ziel Sicherung und Ausbau des Arbeitsplatzangebotes eine besondere Bedeutung erhalten. Ergänzt wird der Zielkatalog z. B. um Begriffe wie Standortmarketing, Flächenvorsorge oder Innovations- und Technologieförderung. 28
22 Vgl. Schulz, M., Regionalismus und die Gestaltung Europas, S. 25 f.
23 Vgl. Neunreither, E. B., Die Interessenvertretung der Regionen bei der Europäischen Union, S. 11
24 Vgl. www.newsletter.stadt2030.de, Stand: 30.09.05
25 Vgl. Neunreither, E. B., Die Interessenvertretung der Regionen bei der Europäischen Union, S. 11
26 Jürgensen, H. zitiert in Schindler, C. P., Die Regionalpolitik der Europäischen Union, S. 7
27 Vgl. Fürst, D., Region und Regionsbildung in Europa, S. 69
28 Vgl. Blume, L., Kommunen im Standortwettbewerb, S. 89 f.
14
2.2 Innovation
2.2.1 Begriffsverständnis
Der aus dem Lateinischen stammende Begriff „Innovation“ entspricht dem Intensivum innovare, was soviel heißt wie „kraftvoll erneuern“ bzw. die Einführung von etwas Neuem oder Erneuerung. 29 Jedoch ist gleich zu Beginn festzustellen, dass es aufgrund des Fehlens einer in sich geschlossenen und umfassenden Innovationstheorie keine allgemeingültige und einheitliche Definition des Innovationsbegriffs gibt. 30 „Innovation ist ein schillernder, ein modischer Begriff.“ 31 In den letzten Jahren ist er vor allem in Bereichen der Gesellschaft, der Politik und vor allem der Wirtschaft präsent geworden. Als grundlegendes Kriterium einer Innovation lässt sich die Neuartigkeit oder Neuheit identifizieren. Weitere Kriterien wie der Zielbezug (wirtschaftlicher Erfolg, wirksamere Zielerreichung), die Verwertungsrichtung (Markteinführung, Nutzung) und der Prozessaspekt kommen noch hinzu. Es herrscht jedoch keine Einigkeit darüber, was „neu“ bedeutet. Eine Neuerung kann für ein Individuum oder eine Institution subjektiv neu sein, obwohl sie von anderen bereits genutzt wird (Betriebsneuheit). Dagegen liegt eine objektive Neuheit vor, wenn bisher noch keine Anwendung erfolgt ist. Dann spricht man von einer Markt- oder Weltneuheit. EineInnovation wird heute aus betriebswirtschaftlicher Sicht meist als „Betriebsneuheit“ aufgefasst, da sich aus jeder Art von Innovation Konsequenzen für das jeweilige Unternehmen ergeben, auch wenn die Neuerung bereits woanders eingesetzt wurde. 32 Innovationen können jedoch auch für Branchen, Regionen oder ganze Volkswirtschaften neu sein. 33
Uhlmann versteht Innovation als einen „Prozess“ und vertritt folgende Definition: „Unter einer Innovation wird der gesamte Prozess der Erforschung, Entwicklung und Anwendung einer Technologie verstanden. Dieser Prozess besteht definitionsgemäß also aus mehreren logisch aufeinander folgenden Phasen (Subprozessen), die sich analytisch unterscheiden lassen.“ 34
29 Vgl. Grunwald, R. in Braczyk, H.-J., Kreativität als Chance für den Standort Deutschland, S. 3
30 Vgl. Vahs. D./Burmester, R., Innovationsmanagement, S. 43
31 Hauschildt, J., Innovationsmanagement, S. 3
32 Vgl. Vahs. D./Burmester, R., Innovationsmanagement, S. 1 u. S. 44 f.
33 Vgl. Dörschuck, O., Innovationssysteme und Wettbewerb, S. 31
34 Uhlmann, L. zitiert in Hauschildt, J., Innovationsmanagement, S. 6
15
Der international anerkannte OECD-Ansatz von Innovation versteht sich als „the transformation of a new idea into a new product introduced on the market, into a new or improved operational process used in the industry or commerce, or into a new approach to a social service”. 35
2.2.2 Begründer der Innovationstheorie - Joseph Alois Schumpeter
Technik und Produktion. Weiterhin spricht Schumpeter bei Innovationen von einem „destruktiven Prozess“, d. h. dass vorhandene Produkte oder Verfahren abgelöst werden. 37 Er sieht Innovationen als schöpferische Zerstörung, indem alte Faktorkombinationen durch die Kreierung neuer abgelöst werden und zu erheblichen Verbesserungen führen. 38 Diese Sichtweise vertritt ebenfalls Hauschildt, der den Aspekt der Unstetigkeit im Sinne eines Fort-sprungs anstelle eines Fort-schritts als prägend für das Innovationsbewusstsein sieht. 39
Weiterhin differenziert Schumpeter folgende Innovationsarten: 40
¾ Schaffung eines neuen Gutes oder eines Gutes in neuer Qualität,
¾ Anwendung einer neuen Produktionsmethode,
¾ Erschließung eines neuen Marktes,
¾ Nutzung neuer Bezugsquellen von Rohstoffen und Halbfabrikaten und
¾ Durchsetzung einer auf die Marktverhältnisse bezogenen Neuorganisation, etwa die Schaffung oder Zerstörung einer Monopolstellung.
35 Vgl. Dörschuck, O., Innovationssysteme und Wettbewerb, S. 30
36 Schumpeter, J. A., Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, S. 100 f.
37 Vgl. Hauschildt, J., Innovationsmanagement, S. 8
38 Vgl. Vahs. D./Burmester, R., Innovationsmanagement, S. 45
39 Vgl. Hauschildt, J., Innovationsmanagement, S. 16
40 Schumpeter, J. A. zitiert in Dörschuck, O., Innovationssysteme und Wettbewerb, S. 30
16
2.2.3 Arten und verwandte Begriffe von Innovationen
Die Schumpeter´sche Auflistung diverser Arten von Innovationen kann durch den Begriff der „Sozialinnovation“ erweitert werden. Dieser bezieht sich auf eine
Veränderung der Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Mitarbeiter eines Unternehmens oder erfasst neue gesellschaftliche Regulationsstrukturen. Zwar liegt das Hauptaugenmerk der Forschung auf den Produkt- und Prozessinnovationen, jedoch haben gerade die sozialen, institutionellen und organisatorischen Innovationen einen erheblichen Einfluss auf die ökonomische Entwicklung territorialer Gebietskörperschaften und Unternehmen. 41 Am ehesten werden Maßnahmen als Innovationen verstanden, die erhebliche Veränderungen bewirken, jedoch dürfen kontinuierliche und in kleinen Schritten ablaufende Verbesserungs-prozesse bezüglich ihrer Effekte nicht unterschätzt werden. 42 So bezeichnen Kotler/ Bliemel u. a. verbesserte bzw. weiterentwickelte, repositionierte oder auch kosten-günstigere Produkte und Dienstleistungen als Innovationen. 43
Zu den verwandten Begriffen der Innovation zählt vor allem die Invention. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird diese genauso häufig wie unrichtig synonym verwendet. Die Invention oder Erfindung ist eine notwendige Vorstufe der Innovation und beschränkt sich auf den Prozess der Wissensgenerierung durch Forschung und Entwicklung (F&E) und die erstmalige technische Realisierung einer neuen Problemlösung. 44
Eine weitere Abgrenzung zur Innovation ist die Imitation. Hiermit wird das Nachahmen von Lösungen bezeichnet, die in anderen Unternehmen bereits vorhanden sind und erfolgreich eingesetzt werden. Als besonders negativ erscheint dabei die illegale und detailgetreue Imitation einer von anderen gefundenen Problemlösung. 45 Jedoch erklärt Hauschildt sehr zutreffend, dass es kaum eine Erfindung gibt, welche nicht nachgeahmt wurde und andererseits auch kaum eine Erfindung, von der nicht behauptet wurde, sie sei nur eine Nachahmung. 46
41 Vgl. Dörschuck, O., Innovationssysteme und Wettbewerb, S. 30
42 Vgl. Vahs. D./Burmester, R., Innovationsmanagement, S. 46
43 Vgl. Kotler, Ph./Bliemel, F., Marketing-Management, S. 502
44 Vgl. Vahs. D./Burmester, R., Innovationsmanagement, S. 44
45 Vgl. Nieschlag, R./Dichtl, E./Hörschgen, H., Marketing, S. 162
46 Vgl. Hauschildt, J., Innovationsmanagement, S. 69
17
2.2.4 Der Innovationsprozess
Während Inventionen zeitpunktbezogen sind, grenzen sich Innovationen dadurch ab, dass diese prozessbezogen sind. Der Innovationsprozess lässt sich in unterschiedliche Phasen einteilen und enthält alle notwendigen Aktivitäten, um von einer Idee zu ihrer Umsetzung zu gelangen. Eine einheitliche Grundlage findet sich jedoch weder in der Literatur noch in der betrieblichen Praxis. Vielmehr gibt es diverse Ansätze zur Untergliederung des Innovationsprozesses in Einzelphasen, Stufen oder Schritte. 47
Abb. 1: Phasenmodell des Innovationsprozesses 48
Die einseitig gerichtete und lineare Beziehung der einzelnen Phasen des Innovationsprozesses ist entscheidend, d. h. dass keine Rückkopplungen zwischen den einzelnen Stufen stattfinden. Diese sind strikt unabhängig voneinander und eine eindeutige Trennbarkeit der Phasen ist gegeben. Von manchen Autoren wird auch hierfür der Begriff des „Pipeline-Modells“ verwendet. Entscheidend für den Markterfolg eines Unternehmens sind die Investitionen in F&E, da sie Eingang in andere Bereiche des Unternehmens über die Kette ‚Entwicklung, Produktion und Marketing’ finden. 49
47 Vgl. Vahs. D./Burmester, R., Innovationsmanagement, S. 85
48 Eigene Darstellung in Anlehnung an Nieschlag, R./Dichtl, E./Hörschgen, H., Marketing, S. 262 ff.,
Hauschildt, J., Innovationsmanagement, S. 541 sowie Weis, H. C., Marketing, S. 206 ff.
49 Vgl. Dörschuck, O., Innovationssysteme und Wettbewerb, S. 45
18
Ist ein Innovationsprozess sehr allgemein dargestellt, kann er auf reale Gegebenheiten am ehesten übertragen werden. Jedoch hat eine abstrakte Beschreibung nur eine relativ geringe Aussagekraft für ganz bestimmte Innovationsprozesse. Genau beschriebene Abläufe sind andererseits zwar sehr aussagekräftig, bauen aber auf unternehmensspezifischen Gegebenheiten auf, die bspw. von der entsprechenden Branche, der Unternehmensgröße, der Unternehmenskultur und Organisationsform oder auch von der entsprechenden Region abhängen und ganz unterschiedliche Ausprägungen besitzen können. Daher können für jedes Unternehmen und jede Region sehr unterschiedliche Phasenmodelle Anwendung finden. 50
Der Einbezug räumlicher Aspekte in den Innovationsprozess wird bestimmt durch die regionale Ausstattung mit innovationsrelevanten Produktionsfaktoren (z. B. dem Humankapitalbestand, Forschungseinrichtungen und F&E-treibenden Industrie- und Dienstleistungsunternehmen), der Qualität und Spezialisierung der vorhandenen Innovationsinfrastruktur, sozio-kulturelle Faktoren sowie die Intensität und Art der Vernetzung zwischen den Innovationsakteuren. Bereits die amerikanische Ökonomin Maryann Feldman hat in ihren Publikationen festgestellt, dass die regionale Faktorausstattung eine merkliche Rolle im Innovationsprozess spielt. 51
Um den Innovationsprozess inhaltlich abzurunden, kann eine Verknüpfung der Begriffe Innovation, Invention und Imitation hergestellt werden. Folglich kann der gesamte Prozess als eine Sequenz der Wortbedeutungen interpretiert werden. „Inventionen, die als eine neue Wissenskombination definiert werden, werden durch die Entwicklung zur Marktreife in die Innovation transformiert, welche dann durch Imitation volkswirtschaftlich nutzbar diffundieren.“ 52 Hierbei ist ferner anzumerken, dass hinter dem Begriff der Diffusion einer Innovation die Ausbreitung einer neuartigen Idee auf dem relevanten Markt verstanden wird. 53
50 Vgl. Vahs. D./Burmester, R., Innovationsmanagement, S. 86
51 Vgl. Koschatzky, K., Räumliche Aspekte im Innovationsprozess, S. 62
52 Dörschuck, O., Innovationssysteme und Wettbewerb, S. 45
53 Vgl. Vahs. D./Burmester, R., Innovationsmanagement, S. 262
19
3 Region aus geographischer Perspektive
3.1 Historie und Regionen in Deutschland
Der Regionsbegriff hat eine Tradition in der wissenschaftlichen Geographie wie in kaum einer anderen Wissenschaft. Als „Regionale Geographie“ wird die Geographie von Regionen, Ländern, Landschaften und anderen Raumkategorien bezeichnet und gilt im Allgemeinen als der wesentliche Kern des geographischen Beispiels. Während in der „traditionellen Geographie“ der Regionsbegriff noch eine teilweise klare Definition umfasste, werden in der wissenschaftlichen Geographie Raum-einheiten beschrieben, erfasst, gedeutet oder durch Theorien erklärt. Bis in die sechziger Jahre war „Region“ ein Begriff, der hauptsächlich von Geographen und Raumplanern benutzt wurde. In den siebziger Jahren wurde er in der Politik durch die Verwaltungsreformen und die Regionalismusdebatte populär und hat sich seit den achtziger und neunziger Jahren zu einem Modewort in der Öffentlichkeit entwickelt. 54
Die Region als Raum „mittlerer Größenordnung“ hängt oftmals von einem exakt genannten größeren Referenzgebiet ab, als dessen Teilgebiet sie verstanden wird. Weiterhin wird sie i.d.R. von kleineren Teileinheiten wie etwa Gemeinden oder Regierungsbezirken abgegrenzt. Kleinräumliche Gebiete, z. B. das Rhein-Neckar-Dreieck oder das Rhein-Main-Gebiet werden ebenfalls als Regionen bezeichnet. 55 Ferner werden auch einzelne Städte wie München, Hamburg oder Berlin mit ihren Randregionen als Regionseinheit deklariert. 56 Die EU-Kommission hat mit der NUTS-Systematik 57 eine Definition von Gebietseinheiten für die EU-Mitgliedstaaten festgelegt. Dabei wird Deutschland aufgegliedert in 16 Bundesländer, weiterhin in Regierungsbezirke sowie Landkreise und kreisfreie Städte. Jedoch vermeidet die Kommission den Ausdruck „Region“, da die Aufgliederung primär regionalpolitischen Zwecken dient. 58
54 Vgl. Blotevogel, H. H. in Brunn, G., Region und Regionsbildung in Europa, S. 44 f.
55 Vgl. Neunreither, E. B., Die Interessenvertretung der Regionen bei der Europäischen Union, S. 7 f.
56 Vgl. Pohlan, J. in Pohlan, J., Jahrbuch StadtRegion 2003, S. 194
57 Die Abkürzung NUTS bedeutet „Nomenklatur der territorialen Einheiten für die Statistik“ und stammt
aus dem französischen (nomenclature des unités territoriales pour la statistique).
58 Vgl. Neunreither, E. B., Die Interessenvertretung der Regionen bei der Europäischen Union, S. 7 f.
20
Arbeit zitieren:
Dipl.Betriebsw. / Dipl.Hdl. Thomas Goldbach, 2006, Regionale Innovationssysteme, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Alternative Besteuerungskonzeptionen von Personengesellschaften in den...
Diplomarbeit, 74 Seiten
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Seminararbeit, 30 Seiten
Unternehmensbewertung von kleinen und mittleren Unternehmen
Operations audit of small and ...
Bachelorarbeit, 37 Seiten
Die Neue Ostpolitik der sozialliberalen Aera 1969-1974
Politik - Internationale Politik - Thema: Deutsche Außenpolitik
Hausarbeit, 23 Seiten
Die Wahrnehmung als notwendiger Übergang von der sinnlichen Gewissheit...
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Hausarbeit, 15 Seiten
Benefits of recent Project Management Methods and Tools
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Diplomarbeit, 122 Seiten
Modelle der Stadtentwicklung/-struktur
Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung
Seminararbeit, 12 Seiten
Squeeze-out von Minderheitsaktionären - Motive, Möglichkeiten und ökon...
Seminararbeit, 26 Seiten
Regionale Disparitäten in der Europäischen Union: Ursachen und Konseq...
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Innovationstheoretische Ansätze in der Wirtschaftsgeographie - Konzept...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Seminararbeit, 37 Seiten
Erklärung regionaler Entwicklungsunterschiede: Vereinigte Staaten
VWL - Fallstudien, Länderstudien
Seminararbeit, 24 Seiten
Die Bedeutung von Externalitäten im Innovationsgeschehen
Seminararbeit, 25 Seiten
Thomas Goldbach's Text Regionale Innovationssysteme ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Thomas Goldbach hat den Text Regionale Innovationssysteme veröffentlicht
Thomas Goldbach hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare