- I - Leibniz-AkademieHannover
Betriebswirt (VWA)
Hausarbeit
Im Rahmen des betriebswirtschaftlichen Seminars -Jahresabschlusses im „SS 2002“
Externe Bilanzanalyse; Möglichkeiten und Grenzen
der Aussagefähigkeit
Nadine Lewald
Abgabedatum: 19.April 2002
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„ Unter der Bilanzanalyse ist die Aufbereitung ( Verdichtung ) sowie die Auswertung erkenntniszielorientierter Unternehmensinformationen mittels Kennzahlen, Kennzahlensysteme und sonstiger Methoden zu verstehen.“ 1 Bei der Bilanzanalyse wird der Jahresabschluß eines Unternehmens in einzelne Teile zerlegt, um genauere Aussagen über die Vermögens-, Finanz-, und Ertragslage eines Unternehmens machen zu können. Die Bilanzanalyse kann als mehrstufiger Prozess beschreiben werden. Nach der Beschaffung der Grundinformationen folgt die analysegerechte Aufbereitung. An die Aufbereitung der Datenbasis schließt sich die eigentliche Berechnung der bilanzanalytischen Instrumente an. Als letzter Schritt ist schließlich die Vermittlung der durch die Bilanzanalyse gewonnen Informationen zu nennen. 2 Nach der Art des zur Verfügung stehenden Datenmaterials wird die Bilanzanalyse in interner und externer Jahresabschlussanalyse unterschieden. 3 In dieser Hausarbeit werde ich mich ausschließlich mit der externen Bilanzanalyse beschäftigen. Bei der internen Bilanzanalyse, die auch als Betriebsanalyse bezeichnet wird, haben die Analysten einen unbeschränkten Zugriff auf sämtliche Informationen, die im Unternehmen anfallen. 4 Der externen Analyse stehen lediglich Informationen zur Verfügung, die durch die Unternehmensführung entweder freiwillig oder aufgrund gesetzlicher Vorschriften publiziert werden. 5
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„Bilanzen haben die Aufgabe, die Bilanzadressaten nach Ablauf des Geschäftsjahres über die Ergebnisse der unternehmerischen Tätigkeit zu unterrichten. Zusammen mit der Gewinn- und Verlustrechnung und dem Anhang bilden sie den Jahresabschluß, der nach § 264 Abs. 2 HGB „ ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ... zu vermitteln hat.“ 6 Das
1 Küting/ Weber ( 2001), Die Bilanzanalyse, S.3
2 Vgl. Peemöller/ Hüttche (1993) Auswirkungen des D-Markgesetztes auf die Bilanzanalyse, S. 4-5
3 Vgl. Bieg/ Kußmaul,(1998), Externes Rechnungswesen, S. 255
4 Vgl. Buchner ( 1981), Bilanzanalyse und Bilanzkritik, Sp. 194
5 Vgl. Küting/Weber (2001), „Ders.“, S.6
6 Wöhe,(1997), Bilanzierung und Bilanzpolitik, S. 801
- 2 - Informationsbündel„Jahresabschluss“ muss aufgeschnürt werden, in Einzelinformationen zerlegt und umsortiert werden. 7 Die Adressaten des Jahresabschlusses können mit Hilfe der Koalitionstheorie bestimmt werden. 8 Danach ist das Unternehmen als eine Koalition zu sehen, dem sowohl Unternehmensleitung, Beschäftigte, Anteilseigner angehören, wie auch Kreditgeber, Kunden, Lieferanten und der Fiskus. Sie stellen die Koalitionsmitglieder dar. 9 Anlass der Bilanzanalyse ist demnach das Informationsbedürfnis der Koalitionäre. 10 Es wird unterschieden in externe und interne Adressaten. Externen Adressaten steht die externe Bilanzanalyse zur Verfügung und den internen Adressaten die interne Bilanzanalyse.
Externe Adressaten sind z.B. Gläubiger ( Lieferanten und Kreditgeber, Banken) Kunden und Arbeitnehmer. Die Gläubiger erwarten vom Jahresabschluß vor allem Aussagen über die künftige Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. 11
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Als erstes werden die Analyseziele festgelegt, danach folgt die systematische Aufbereitung des Zahlenmaterials des Jahresabschlusses. Zum einen müssen hier die Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung um Angaben des Anhangs ergänzt werden, zum anderen erfolgt eine Zusammenfassung von Positionen zu größeren Einheiten. 12 Man unterscheidet bei diesen Maßnahmen in Umbewertung und Umgliederung, wobei die Umgliederungsmaßnahmen wiederum in Umgruppierung, Neubildung, Aufspaltung, Erweiterung und Saldierung untergliedert werden können. 13 Bei der Umgruppierung wird ein bestehender Posten einem anderen bereits bestehenden Posten der gleichen Bilanzseite zugeordnet. Bei der Neubildung wird ein bestehender Posten einer neu zu schaffenden Bilanzkategorie der gleichen
7 Vgl. Kerth, A./ Wolf, J (1993), Bilanzanalyse und und Bilanzkritik, S.24
8 Vgl. Küting/Weber (2001), „Ders“; S. 9
9 Vgl. Coenenberg(2000), Jahresabschlußanalyse, S.1075 ff.
10 Vgl. Küting/Weber (2001), „Ders“, S.10
11 Vgl. Wöhe,(1997), Bilanzierung und Bilanzpolitik, S.801
12 Vgl. Bieg/ Kußmaul (1998), Externes Rechnungwesen, S. 258
13 Vgl. Küting/ Weber(2001), Die Bilanzanalyse, S. 55
- 3 - Bilanzseitezugeordnet. 14 Bei einer Aufspaltung wird ein bestehender Posten mehr als einer Abschlusskategorie zugeordnet. 15 Bei der Saldierung wird ein bestehender Posten mit der Abschlusskategorie der anderen Bilanzseite ganz oder teilweise verrechnet. 16 Bei der Erweiterung werden saldierte Posten aufgeschlüsselt und auf die andere Bilanzseite übertragen.
Bei der Umbewertung werden einzelne Posten mit anderen Werten angesetzt. Durch diese Umgestaltung des vorhandenen Zahlenmaterials entsteht eine Strukturbilanz.
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„ Die Strukturbilanz als Grundlage aller weiteren Untersuchungen stellt eine nach den Zielsetzungen und Aufgaben der Bilanzanalyse aufbereitete und umgestaltete Originalbilanz dar. Bei der Erstellung der Strukturbilanz werden im Rahmen der Aufbereitungsmaßnahmen die Posten der Aktiv- und der Passivseite zweckmäßigerweise zu jeweils zwei Kategorien - dem bilanzanalytischen Anlage-und Umlaufvermögen auf der Aktivseite sowie dem bilanzanalytischen Eigen- und Fremdkapital auf der Passivseite zusammengefasst.“ 17 Verbindliche Aufbereitungsregeln gibt es jedoch nicht .
Durch die Strukturbilanz kann man schnell einen Gesamtüberblick über das Unternehmen bekommen, jedoch liegt hierin auch ein Nachteil, da die Strukturbilanz die Realität nur sehr vereinfacht wiedergeben kann. 18 Es gibt eine ganze Menge von Aufbereitungsmaßnahmen, die sowohl auf der Passivseite wie auch auf der Aktivseite vorgenommen werden müssen, aber aufgrund der Fülle von Maßnahmen, werde ich mich hier auf jeweils 2 Beispiele auf jeder Seite beschränken. Folgende Aufbereitungsmaßnahmen sollten auf der Aktivseite erfolgen:
Wenn die Bilanz „ Ausstehende Einlagen auf das Kapital“ ausweißt, so haben Gesellschafter ihre gezeichneten Anteile noch nicht vollständig eingezahlt. Das noch nicht eingezahlte Kapital steht dem Unternehmen nicht zur Verfügung, es gehört
14 Vgl. Peemöller/ Hüttche (1993), Auswirkungen des D-Markgesetzes auf die Bilanzanalyse, S. 8
15 Vgl. Küting/Weber (2001), „ Ders“ , S. 56
16 Vgl. Peemöller/Hüttche (1993), „ Ders“ , S. 8
17 Küting/Weber, „ Ders“ , S.57
18 Vgl. Küting/Weber, „ Ders“ , S. 57
- 4 - aberdennoch zur Haftungsmasse für das Gläubigerkapital.
Aus erfolgswirtschaftlicher Sicht tragen ausstehende Einlagen nicht zur Erwirtschaftung von Überschüssen bei, aus finanzwirtschaftlicher Sicht stehen sie nicht zu Verfügung. Ausstehende Einlagen gelten somit als Wertberichtigung zum Eigenkapital. Der Betrag wird vom Eigenkapital abgezogen und man erreicht somit eine Bilanzverkürzung. 19 Die Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebes müssen aus der Bilanz entfernt werden, da sie lediglich eine Bilanzierungshilfe darstellen und die Unternehmen in der Anlauf- oder Erweiterungsphase vor der buchmäßigen Überschuldung schützen sollen. Die Aufwendungen stellen keinen Vermögensgegenstand dar. Der Geschäfts- oder Firmenwert ( Derivativer) sollte mit dem Eigenkapital verrechnet werden, da die Veräußerbarkeit dieses Posten sehr zweifelhaft ist.
Auf der Passivseite sollten z.B. folgende Korrekturen vorgenommen werden: Aus dem Bilanzgewinn (Eigenkapital) sollte der Ausschüttungsbetrag herausgerechnet werden und dem kurzfristigen Fremdkapital zugerechnet werden, da der Ausschüttungsbetrag in Kürze das Unternehmen verlassen wird. Der Sonderposten mit Rücklageanteil muss aufgeteilt werden in Eigenkapital und Fremdkapital. Sonderposten mit Rücklageanteil sind vorläufig unversteuerte Rücklagen. Da die Besteuerung in künftigen Perioden erfolgen wird, zum Analysezeitpunkt der Steueranteil der Rücklage allerdings unbekannt ist, werden im allgemeinen 50% des Sonderpostens zum Eigenkapital und 50% zum Fremdkapital dazugerechnet. 20
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Die Kennzahlenrechnung ist das in der Analysepraxis eindeutig dominierende Analyseinstrument. Dies ist der Fall, da sie einfach berechnet werden kann. Die Beurteilung von Kennzahlen wird durch die Einbeziehung eines „ Umfeldes“ erleichtert. Ein solches „ Umfeld“ liefert einen Vergleichsmaßstab.
19 Vgl. Burger (1995), Jahresabschlußanalyse, S. 9
Arbeit zitieren:
Nadine Schmidt, 2002, Bilanzanalyse - Möglichkeiten und Grenzen der Aussagefähigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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