Schriftliche Ausführung zum Referat zur Vorlesung
Universität Freiburg
„Europäische Sozialstruktur und Globalisierung“
Achse Politik
Abram de Swaan „Die Kollektivierung und ihre Folgen“
aus „Der sorgende Staat“
Roland Sonntag
Note: 2,7
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Inhalt
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Kollektivierung aufgrund externer Effekte Kollektivierung der Bildung Kollektivierung der Sozialversicherungen
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Kollektivierung nach 1945 Professionalisierung und Expertenregimes Aufstieg der Ärzteschaft
Protoprofessionalisierung, zivilisatorische Wirkung und soziales Bewußtsein als Folge der Kollektivierung $XVEOLFNLQGLH=XNXQIW
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Abram de Swaan ( geb. 1942), Dekan der Amsterdam School for Social Resaearch und Professor der Universität von Amsterdam, der auch schon als Gastprofessor an Hochschulen mit hohem Ansehen, wie der Columbia University und der Pariser Sorbonne tätig war, und mit Werken wie „ The Management of Morality“ oder „ Coalition theories and cabinet formation“ internationales Ansehen genießt, untersucht in seinem !993 erschienen Buch „ Der sorgende Staat“ die Kollektivierung von Gesundheit, Bildung und Fürsorge in westlichen Industrieländern wie Großbritannien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und den USA von der Neuzeit bis zur heutigen Zeit, und zeigt wie sich die Sozialpolitik dieser Staaten im Laufe der Jahrhundert verändert hat, was sein Werk für die politische Achse im Themengebiet „ Europäische Sozialstruktur und Globalisierung“ interessant macht. Heute gilt die Unterstützung von sozial Schwachen in diesen Staaten als ein kollektives Anliegen, das von einer überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung befürwortet wird, wofür de Swaan vor allem zwei Gründe zur Erklärung heranzieht.
a) die immer stärkeren H[WHUQHQ(IIHNWH von Armut, also z. B. die Auswirkungen sozialer
Notlagen bestimmter Personengruppen auf nicht direkt Betroffene, haben zu einer Sensibilisierung für diese Belange geführt.
b) ,QWHUGHSHQGHQ]NHWWHQ, die sich im Laufe der Geschichte immer stärker ausbildeten und
die verschiedenen Gesellschaftsschichten voneinander abhängig machten, sorgten dafür, daß Probleme anderer Menschen schnell zum eigenen Problem werden konnten. Immer mehr Menschen waren durch die wachsende Marktwirtschaft aufeinander angewiesen.
Als historischen Hintergrund der Kollektivierung ist die zunehmende Staatenbildung, das Aufkommen des Kapitalismus, die steigende Urbanisierung und Säkularisierung zu sehen. Konkurrierende Staaten bauten bürokratische Netze auf, die direkt in das Leben ihrer Bürger eingriffen, etwa durch Steuern, Militärdienst, schulischen und medizinische Einrichtungen, und diese dadurch miteinander verknüpften. Aber auch der verstärkte Kapitalismus, aus dem neue Märkte hervorgingen, sorgte dafür, daß sich „ Arbeitnehmer und Konsumenten zu Netzwerken der Produktion und des Warenaustauschs verbanden“ 1 .
1
DE SWAAN, ABRAM: Der sorgende Staat. Wohlfahrt, Gesundheit und Bildung in Europa und den USA der Neuzeit, Frankfurt am Main, 1993. S.13
4
Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen den etablierten, reicheren Schichten der Gesellschaft und den armen Teilen der Bevölkerung spielt eine der entscheidenden Rollen im Kollektivierungsprozess. Armut wurde von den reicheren Schichten schon ab der Neuzeit einerseits als Gefahr, andererseits aber auch als Chance angesehen. So konnten Landstreicher und Vagabunden zu Zeiten der Feudalherrschaft als Bedrohung für Leib, Leben und Eigentum der Etablierten angesehen werden, andererseits konnte ihre Arbeitskraft z. B. bei der Ernte oder ihre zahlenmäßige Stärke bei Kriegen zugunsten des Establishments eingesetzt werden, außerdem war diese Bevölkerungsgruppe schon mit geringem Entgelt zufrieden zu stellen. Zu Beginn einer fortschreitenden Staatenbildung und kapitalistischer Entwicklung waren die Haltung der Reichen zur Armut ähnlich. Zum einen stellten die verarmten Schichten aus ihrer Sicht eine Gefahr für die öffentliche Ordnung, den sozialen Frieden und die öffentliche Gesundheit dar, zum anderen sah man sie als willige Reservearmee an Arbeiterrekruten, als mögliche Konsumenten der erzeugten Waren, sowie als potentielle politische Anhänger an, die noch von Nutzen sein konnten. Die externen Effekt der Armut betrafen die Etablierten also positiv wie negativ.
So konnte sich ein soziales Engagement der Etablierten auch für sie selbst auszahlen. Schon im Mittelalter hatten sich höher gestellte Gesellschaftsschichten um arme Menschen gekümmert, vorangetrieben von Priestern, die als „ Wohlfahrtsunternehmer“ auftraten und mit Hinweis auf christliche Barmherzigkeit Almosen für Bedürftige sammelten. Diese Form der Armenhilfe war allerdings immer durch Kriege, Hungersnöte und Seuchen bedroht und damit sehr labil. Deshalb zogen massenhaft Arme auf der Suche nach Nahrungsmittel durch das Land. „ Die Kommunen standen vor einem Dilemma: Wenn sie die Armen duchfütterten, riskierten sie einen Ansturm von Bettlern: jagten sie diese davon, so lieferten sie alle Ernten der Region plündernden Rotten aus.“ 2
Als Lösungsansatz wurde die Schaffung von Armenhäusern als sinnvoll erachtet, was sich aber schon bald als ein Fehler herausstellen sollte:
Es ergab sich ein fragiles Gleichgewicht zwischen örtlichen Armenhäusern auf regionaler Ebene, weshalb große Städte oft einen viel höheren Anteil an Bedürftigen zu versorgen hatten. Die noch sehr schwachen Zentralregierungen versuchten mit Hilfe eines Zentralschlüssels für die Aufnahme von Armen dem Problem Herr zu werden. Zunächst wurden die immer wieder von der Schließung bedrohten Armenhäuser auch finanziell vom Staat unterstützt, ehe sich im 19. Jahrhundert die Staatsapparate immer weiter ausbreiten
2 ebd. S.17
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Arbeit zitieren:
Magister Artium Roland Sonntag, 2000, Der sorgende Staat. Die Kollektivierung von Gesundheit, Bildung und Fürsorge., München, GRIN Verlag GmbH
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