GLIEDERUNG
1 Einleitung 4
2 Zur Überlieferung und Quellenlage. 5
3 Die Binnengliederung des Dekrets. 6
3.1 Das Präskript. 6
3.2 Bestimmungen über Opferleistungen, Schiffsstellungen und
Verfassungsregelungen 6
3.3 7
3.4 Eidesleistung und weitere Befugnisse der Archonten 9
3.5 Sonderregelungen für Arnasos und Stationierung einer Garnison in Milet 10
4 Fragen der Datierung 10
4.1 Die Frühdatierung auf 450/49 n.Chr. 10
4.2 Die Spätdatierung auf 425/24 n.Chr. 12
4.3 Datierung nach 450/49 auf ca. 442 n.Chr. 14
5 Das Dekret im Kontext des athenisch-milesischen Verhältnisses. 15
6 Die Stellung des Dekrets innerhalb der athenischen Seebundspolitik 18
7 Fazit 19
8 Literaturverzeichnis 21
2
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
TaPhA: Transactions and Proceedings of the american philological association JHS: Journal of Hellenic Studies HGIÜ: Historische Griechische Inschriften in Übersetzung
3
1 Einleitung
Inschriften zählen zu den wichtigsten und interessantesten Quellen, mit denen die Geschichtswissenschaft zu tun hat. Sie sind Teil unmittelbarer Geschichte und geben häufig faszinierende Einblicke in die antike Gesellschaft. Zu den wichtigsten und gleichwohl aussagekräftigsten Inschriften gehören die Dekrete, die insbesondere für die Erforschung der Geschichte des ersten athenischen Seebundes von elementarer Bedeutung sind. Die vorliegende Seminararbeit setzt sich nun mit einem dieser Dekrete, dem Volksbeschluss über die Regelung der Verhältnisse in Milet (HGIÜ 65), auseinander. Neben einer detaillierten Aufschlüsselung der Quellenaussagen soll innerhalb dieser Arbeit der Versuch einer Binnengliederung des Inschriftentextes unternommen werden. Zudem soll die Arbeit einerseits einen Überblick über die wichtigsten Forschungsdiskurse zu diesem Dekret leisten und zum anderen seine Stellung in einem größeren historischen Kontext ermitteln, wobei besonders der Einfluss des Dekrets auf das milesisch-athenische Verhältnis im Zentrum der Untersuchung steht.
Die Bearbeitung der Quellenaussagen erfolgt vergleichend, auf der Grundlage der drei wichtigsten Edititionen, von J.H.Oliver 1 , C.W.Fornara 2 und K.Brodersen u.a. 3 , wobei besonders die erstgenannte, weil älteste, auf dem Prüfstand steht. Der Großteil der Untersuchungen, die dieser Arbeit zu Grunde liegen ist älteren Ursprungs. Die jüngere Forschung, die hier Berücksichtigung findet geht bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Auf Grund des Mangels an neuesten, aktuellen Untersuchungen, was wohl auf die anhaltende Datierungsproblematik zurückzuführen ist, bildet diese auch den abschließenden Forschungsstand meiner Arbeit.
1 Oliver, J.H., The athenian decree concerning Miletus in 450/49, In: Transactions and Proceedings of the american philological Association 66 (1935), S. 178f
2 Fornarra, C.W., Archaic Times to the end of the Peloponnesian War, (= Translated Documents of Greece and Rome. Bd.1) Gateshead 1977; Ebenso Oliver, J.H., The Athenian Decree concerning Miletus in 450/49 (1935), S.178
3 Brodersen, K., Günther, W., Schmitt, H.H.(Hrsg), Historische griechische Inschriften in Übersetzung, Bd.1. Die archaische und klassische Zeit (=Texte zur Forschung Bd.59) Darmstadt 1999.
4
2 Zur Überlieferung und Quellenlage
Zu Beginn meiner Hausarbeit möchte ich kurz darlegen, um welche Quelle es sich beim so genannten Milet-Dekret handelt und in welcher Form sie uns überliefert ist, sowie welche Quellen über den Inhalt des Dekrets Aussagen treffen.
Bei der Inschrift über die Regelungen für Milet handelt es sich um eine epigraphische Quelle, die in äußerst fragmentarischer Form auf einer Marmorstele überliefert ist. Sie stammt ursprünglich vom Südhang der Akropolis. Die Stele ist ca. 1,47m hoch, ca. 12 cm dick und bis zu 72 cm breit. 1
Die Marmorstele besteht aus acht Fragmenten, wobei die sechs unteren Fragmente zusammenpassen. Die Position der beiden oberen Fragmente konnte auf Grund der „Beschlussformel“ recht genau rekonstruiert werden. Eine Abbildung der Stele ist dem Anhang beigelegt. Die Eingravierungen sind in attischer Schrift, ab der zweiten Zeile in stoichedon.
Will man auf weitere Quellen zurückgreifen, welche Aufschlüsse über die näheren Entstehungsumstände des Dekrets geben, so fällt dies, nicht zuletzt durch unterschiedliche Datierungsmöglichkeiten, schwer. Wichtige Hilfen bei der Interpretation der Inschrift können andere Dekrete, wie etwa das Erythrai-Dekret oder die Bestimmungen für Chalkis sein. Auch wenn keinesfalls eine Schablonenhaftigkeit der athenischen Dekrete auszumachen ist (im Gegenteil, viele der Dekrete unterscheiden sich in ihren Bestimmungen trotz vermuteter zeitlicher Nähe oder ähnlichen Entstehungsumständen doch in hohem Maße) so können einige Parallelen wie etwa in der Ämterbezeichnung oder in den Strafbestimmungen gezogen werden. Was die erzählenden Quellen betrifft so wurde in der Forschungskontroverse um die Datierung des Dekrets maßgeblich auf Diodor verwiesen, der durch die Nennung von Archonten für diese Zeit als Argument zu Rate gezogen wurde. Des Weiteren gilt in den meisten Argumentationen das Argumento e silentio, indem das Schweigen bestimmter griechischer Autoren über bestimmte Verhältnisse in Milet zum Ansatzpunkt für einige Forscher wurde etwaige Thesen zu widerlegen. Auf einige Beispiele werde ich im Zuge dieser Arbeit noch eingehen.
1 Oliver, J.H., The athenian decree concerning Miletus in 450/49, In: Transactions and Proceedings of the american philological Association 66 (1935), S. 184.
5
3 Die Binnengliederung des Dekrets
3.1 Das Präskript
Da dieses Dekret nur äußerst fragmentarisch überliefert ist, fällt es besonders schwer eine
inhaltliche Binnengliederung zeilengenau vorzunehmen. Die Inschrift beginnt mit einem
Pr äskript, welches etwa die ersten 2 Zeilen einnimmt und neben der häufiger gebrauchten
Beschlussformel : „Beschlossen haben der Rat und das Volk“ 1 , vermutlich auch das Amt eines
Schriftf ührers und Epistates nennt. Konkrete Namensnennungen der Amtsträger fehlen
jedoch. Des Weiteren kann nur vermutet werden inwieweit innerhalb des Präskripts auch ein
Archon mit Nahmen erwähnt wird. Die Editoren der HGIÜ und andere 2 ergänzten hier die
L ücke mit der Nennung eines Euthynos als Archon. Aus dieser keinesfalls gesicherten
Erg änzung ergeben sich für die Datierung des Dekrets ausschlaggebende Argumentationen,
auf die ich im Laufe der Arbeit noch näher eingehen werde.
3.2 Bestimmungen über Opferleistungen, Schiffsstellungen und
Verfassungsregelungen
Die folgenden Zeilen des Dekrets befassen sich zunächst mit den als üblich angesehenen
Opferleistungen , die von den Milesiern zu erbringen sind. Des Weiteren wird bestimmt, dass
das Volk von Milet ein Fünf Männer umfassendes Kollegium wählen soll, wobei keiner
dieser Männer das Alter von fünfzig Jahren unterschritten haben soll. Die Zahl fünfzig ist hier
nicht überliefert sondern von den Editoren der HGIÜ ergänzt. J.H. Oliver hat zunächst die
Zahl dreißig (τρίάκοντα) an dieser Stelle angenommen. 3 Dem ist die neuere Forschung
jedoch nicht
gefolgt. Weitere Bestimmungen verbieten eine Ablehnung der Wahl seitens des Gewählten
und geben an, dass auch eine Ersatzstellung eines Anderen an Stelle des Gewählten nicht
m öglich sei.Weiterhin wird bestimmt, dass die fünf gewählten Männer als Archonten in Milet
fungieren sollen.
1 Ebenso in HGIÜ 63, 69, 111 u. a.
2 Fornarra, C.W., Archaic Times to the end of the Peloponnesian War, ( Translated Documents of Greece and
Rome. Bd.1) Gateshead 1977 Ebenso Oliver, J.H., The Athenian Decree concerning Miletus in 450/49 (1935),
S.178
3 Vgl.: Oliver, J.H., The athenian decree concerning Miletus in 450/49, TaPhA 66 (1935), 178
6
Arbeit zitieren:
Carsten Mogk, 2006, Das Milet-Dekret und seine Stellung im ersten athenischen Seebund, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Themistokles und die Flottenpolitik zur Zeit der Perserkriege
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 18 Seiten
Die Verfassung Spartas bei Aristoteles: Eine Quellenkritik
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Die Erziehung in der Römischen Republik
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 19 Seiten
Anakyklosis - Der Kreislauf der Verfassungen im 6. Buch des Polybios
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Der "Philhellene" auf Roms Thron: Das Panhellenische Program...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 22 Seiten
Die Briefe des Gaius Plinius Secundus - Die Rolle der römischen Frau i...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Die Flottenbaupolitik des Themistokles
Entwicklung und Folgen
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 16 Seiten
Der Parthenon - Wahrzeichen der Demokratie?
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Seminararbeit, 16 Seiten
Quelleninterpretation: "Volksbeschluss über die Vereinheitlichung...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Handel und Wirtschaft im alten Griechenland
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Das Eherecht im Codex Hammurabi und in den Institutionen des Gaius
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 25 Seiten
Die Nachfolgeregelungen des Kaisers Augustus
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 14 Seiten
Römische Lager im rechtsrheinischen Germanien
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 20 Seiten
Carsten Mogk hat den Text Das Milet-Dekret und seine Stellung im ersten athenischen Seebund veröffentlicht
Carsten Mogk hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare