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Frankreich____________________________________________________________________________ 15 Großbritannien ________________________________________________________________________ 16 Die Vereinigten Staaten _________________________________________________________________ 16 Deutschland __________________________________________________________________________ 17 ,,,Ä.XOWXU³DOV&KDQFH" BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB
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Anliegen dieser Hausarbeit soll in erster Linie sein, einen innerhalb eines angemessenen Rahmens möglichst breiten, wenn natürlich auch nicht vollständigen Überblick über den Begriff des Fremden in den Sozialwissenschaften zu geben. Hierbei kommen verschiedene Ansätze zu Wort, die sich diesem Themenkomplex mal aus Sicht der sich durch den eindringenden Fremden bedroht fühlenden Gemeinschaft, mal aus Sicht des Individuums, das sich in diese Gemeinschaft einfügen muss, nähern, und die unterschiedliche Akzente bei Entstehung, Konsequenzen und ‚Lösungsvorschlägen‘ für die ‚Fremdenproblematik‘ setzen.
Sicherlich grundlegend für ein solches Vorhaben ist der Begriff des Fremden bei Georg Simmel (Kap. I 1.). Auf ihn greifen auch sowohl Zygmunt Bauman (Kap. I 2.) als auch Armin Nassehi (Kap. I 3.) bei der Entwicklung ihrer eigenen Ansätze zurück, wobei insbesondere Letzterer einerseits wiederum Bauman wie auch andere Konzepte in seine Überlegungen einbezieht.
Da in fast allen dargestellten Konzepten dabei auf die Entwicklung der Nationalstaaten allgemein, respektive ihre historisch und regional je unterschiedlichen Antworten bei der Bewältigung ihrer konstitutiven Aufgabe des Umgangs mit Fremden innerhalb ihres Territoriums ein besonderes Augenmerk gerichtet wird, soll anschließend in einem Exkurs exemplarisch auf vier verschiedene nationalstaatliche Integrationskonzepte eingegangen werden (Kap. II).
Im dritten Teil nun wird ein neuer Begriff von Kultur und kultureller Kompetenz nach Dirk Baecker vorgestellt (Kap. III), der eine etwas andere, systemtheoretisch geprägte Herangehensweise und somit eine neue Perspektive in das bis dahin Gesagte bringen soll. Der vierte und letzte Abschnitt schließlich will versuchen, die bisherigen Überlegungen kurz zusammenfassend, eine vorläufige Bilanzierung der bisherigen sozialwissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema vorzunehmen.
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1. Simmel
Die ausführlichste Bezugnahme Georg Simmels auf die Begrifflichkeit des Fremden findet sich in seinem oft zitierten „Exkurs über den Fremden“ in „Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung“. 1 Er beschreibt dort aus Sicht der Gesellschaft das (zunächst räumliche) Eindringen des Fremden in eine organisch gewachsene Gemeinschaft, wobei der Fremde im hier gemeinten Sinne sich eben gerade dadurch vom Besucher oder ‚nur‘ Wandernden unterscheidet, dass er nicht „heute kommt und morgen geht, sondern [...] heute kommt und morgen bleibt“ und daher „innerhalb eines bestimmten räumlichen Umkreises [...] fixiert“ 2 ist und so längerfristig zu einem Teil dieser Gemeinschaft wird. Selbst wenn dies zunächst nur eine Teilhaberschaft als Außenseiter ist, so wird er damit dennoch zum Bestandteil des Gesellschaftsgefüges, wird in diesem Zusammenhang jedoch nicht als Mitglied der ‚In-Group‘, sondern als Mitglied der ‚Out-Group‘ betrachtet. Die Kategorisierbarkeit in die ‚Out-Group‘ zeigt dabei jedoch bereits, dass er damit Teil einer Gesellschaftsstruktur geworden ist. Der Fremde ist „Element der Gruppe selbst [, ...] zugleich ein Außerhalb und Gegenüber.“ 3
Simmel verwendet des Weiteren zur Definition menschlicher Beziehungen die anschaulichen Kategorien Nähe und Ferne. Ein distanziertes Verhältnis beispielsweise ist dann gegeben, wenn der Nahe fern oder der Ferne nah ist. 4 Um den Fernen als nah zu bezeichnen, bedarf es der Nähe allerdings nicht nur im räumlichen, sondern vor allem im soziologischen Sinne. Während ein Besucher nur räumlich nah ist, aber mit der Gesellschaft nicht interagiert, ist der Fremde im soziologischen Sinne nah, da er in einer Beziehung zur Gesellschaft steht.
Zu einem Konflikt kann es nun 5 dadurch kommen, dass der Fremde Ressourcen beansprucht und gesellschaftliche Teilbereiche mitnutzen will. Es entsteht also ein Konkurrenzverhältnis,
1 Simmel, S. 509ff.
2 Simmel, S. 509.
3 Simmel, S.509.
4 Simmel, S.509.
5 I.Ggs. zum „ Händler“ , der ja anders als der Fremde nur ein Besucher ist, dessen Aufenthalt und Anspruch auf gesellschaftliche Teilhabe klar begrenzt und kalkulierbar ist. Simmel, S. 510
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und zwar ein kontinuierliches und nicht genau einzuschätzendes, da mit einem baldigen Verschwinden des Fremden nicht zu rechnen ist. Überschneidungen mit bereits existierenden Strukturen, in die er nicht nur temporär, sondern eben längerfristig eindringt, sind die Ursache dafür, dass er als Fremder betrachtet wird, als Bestandteil einer ‚Out-Group‘, die hier in denkbar ungünstiger Weise, nämlich in Konkurrenz, mit der ‚In-Group‘ korreliert. Diese Situation verursacht Unbehagen und birgt erhebliches Konfliktpotential.
Zu den weiteren, zunächst als Vorzügen zu sehenden Charakeristika des Fremden zählt Simmel seine Beweglichkeit und seine Objektivität: Mit Beweglichkeit meint er vor allem die soziale Beweglichkeit. 6 Der Fremde kommt mit jedem in Kontakt, ist aber mit keinem verbindlich verbunden. Unter der Objektivität des Fremden versteht Simmel, dass ihm sehr offen begegnet wird, bis hin zur Beichte. Er bezeichnet Objektivität als eine „ positivbesondere Art der Teilnahme“ 7 .
Der Fremde ist aufgrund seiner Freiheit „ durch keinerlei Festgelegtheiten gebunden“ 8 , d.h. er ist nicht Bestandteil des gesellschaftlichen Normen- und Traditonsgefüges, er ist unbeeinflusst von den Denkweisen und Vorurteilen der Gesellschaft und bildet sich seine Meinungen und Urteile ganz persönlich. Der Fremde nach Simmel „ übersieht die Verhältnisse vorurteilsloser, mißt sie an allgemeineren, objektiveren Idealen und ist [...] nicht durch Pietät, Gewöhnung, Antezedentien gebunden.“ 9
Objektivität setzt Simmel gleich mit Freiheit, damit, dass der Objektive durch keine Vorurteile in Aufnahme, Verständnis und Abwägung beeinflusst wird, was durchaus auch Gefahren birgt, wenn man sich z.B. vor Augen führt, dass als Grund für Aufstände und Krisen oftmals fremde Hetzer verantwortlich gemacht werden.
Die Objektivität des Fremden bringt aber auch mit sich, dass das Verhältnis zum Fremden abstrakter ist. Man hat „ nur gewisse allgemeinere Qualitäten gemein [, ...] während sich das Verhältnis zu den organischer Verbundenen auf der Gleichheit von spezifischen Differenzen gegen das bloß Allgemeine aufbaut“ . 10 Im Umkehrschluss ist uns der Fremde nah bei „ Gleichheiten nationaler oder sozialer, berufsmäßiger oder allgemein menschlicher Art [... .]
6 Die zunächst gezeigte erhöhte räumliche Beweglichkeit endet ja , wenn er sich niederläßt und „ bleibt“ .
7 Simmel, S. 510.
8 Simmel, S. 510.
9 Simmel, S. 510f.
10 Simmel, S. 511.
6
[Er ist uns] fern, insofern diese Gleichheiten [...] überhaupt sehr Viele verbinden. [...] [So
kommt] auch in die engsten Verhältnisse ein Zug von Fremdheit.“ 11
2. Bauman
Zygmunt Bauman entwickelt (im Anschluss an Ansätze Simmels und Derridas) die These von gesellschaftlicher Strukturierung durch Freund- und Feind-Beziehungen. Das Verhältnis zu Freunden ist dabei geprägt durch Verantwortung und moralischer Pflicht, die ihnen präsumtiv entgegengebracht werden und wofür (zunächst) keine entsprechende Erwiderung nötig ist. Dieses Nicht-Bedürfen der Erbringung einer Vorleistung ist wesentlich, „ Verantwortlichkeit muss ein Geschenk sein“ 12 ; dann erst entsteht ein kooperatives, reziprokes Verhältnis. Bei Feinden hingegen wird in Erwartung von Feindschaft in einem als reaktiv angesehenen Verhalten auf Verantwortung und moralische Pflicht verzichtet, bevor das Gegenüber seine feindselige Haltung bewiesen haben muss. Der Feind ist Feind, und zwar sowieso und zuerst, egal, was man getan hat oder tut.
Die Freund-Feind-Opposition wird zur basalen Differenzierung, anhand deren grundlegender Struktur Wissen entstehen und Handlungsmodi entwickelt werden können. 13 Kongruente Bilder sind dabei: Innen und Außen (letzteres als negative Spiegelung der Positivität des ersteren), Wahres und Falsches, Gutes und Böses, Schönes und Hässliches, Tun und Leiden, Subjekt und Objekt des Handelns sein. Die hierbei anmutende ‚Symmetrie‘ ist jedoch nicht vollständig, primär sind es die Freund-Beziehungen, die klassifikatorisch wirksam werden und zu denen oppositionell die Feindbeziehungen konstruiert werden. Dies ist wohl auf die Kernüberlegung zurückzuführen, dass Gesellschaft durch Differenz entsteht, im Vergleich mit einem (konstruierten) Gegenüber entsteht ‚Identität‘.
Die Klarheit einer dergestalten gesellschaftlichen Konstruktion und damit die wichtigste Grundlage für soziale Handlung wird durch das Auftauchen von Fremden gefährdet. Die durch ihre bloße Existenz entstehende Bedrohung ist auch weitreichender als die der Feinde,
11 Simmel, S. 511.
12 Bauman, S. 74.
13 Bauman, S. 74.
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Arbeit zitieren:
M.A. Péter Szász, 2001, Wer oder was ist 'fremd'? - Von Simmel bis Baecker - Versuch eines Überblicks über die Entwicklung des Fremdenbegriffs, München, GRIN Verlag GmbH
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