Inhaltsverzeichnis
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Inhaltsverzeichnis 1
Vorwort 2
Einleitung 3
Anmerkung zur Sprache 3
1. Belle Époque 4
a) Frauenrolle 4
b) Frauenbild 7
c) Frauensport 8
2. In der Weimarer Republik 16
a) Frauenrolle 16
b) Frauenbild 17
c) Frauensport 20
3. Während des Nationalsozialismus 27
a) Frauenrolle 27
b) Frauenbild 28
c) Frauensport 30
Schlussbetrachtung 35
Selbständigkeits-Erklärung 37
Literaturnachweis 38
Zitierungen 40
Bildquellennachweis 41
Anhang 1: Personenregister 42
Anhang 2: Bildmaterial und Eckdaten zur Belle Époche 47
Anhang 3: Bildmaterial und Eckdaten zur Weimarer Republik 51
Anhang 4: Eckdaten zum Nationalsozialismus 54
Valeska Otto 1
Vorwort
Während dem Erstellen dieser Arbeit kam ich nicht umhin, diesem Werk meinen
persönlichen Titel zu geben:
Das Fischgrätkorsett
© Valeska Otto 2
Einleitung
Die Vielfältigkeit des Sports wie sie heute existiert, hat sich hauptsächlich aus dem Spielsport, der in England entstand, dem Turnsport, der sich in Deutschland begründet, dem gymnastischen Sport, der in Schweden seinen Ursprung findet und natürlich aus den athletischen Wettkämpfen des antiken Griechenlands entwickelt.
In allen uns vertrauten Kulturen wurden, von frühester Zeit an, dem weiblichen und dem männlichen Geschlecht verschiedene Rollen zugeordnet. Dies begründet verständlicherweise, warum das Sporttreiben von Frauen und Männern, Jungen und Mädchen zu verschiedenen Epochen, in verschiedener Art und Weise und unter Bedingungen, die nicht unterschiedlicher sein können, begann.
Diese Ausarbeitung bezieht sich auf die Entwicklung in Deutschland vom Ende des 19. Jahrhundert bis zum Beginn des 2. Weltkrieges. Die grobe Orientierung fällt hierbei auf den Fortgang im Bereich des Turnens.
Anmerkung zur Sprache
Die teilweise schwierige Abhebung von Begriffen, Ausdrücken der jeweiligen Epoche wurde darin versucht, Worte bzw. Redewendungen des zeitgenössischen Sprachgebrauchs durch besondere Markierungen > < abzusetzen. Eine sprachliche Änderung oder Umschreibung wäre eine Einbuße in der Vermittlung des damaligen Zeitgeistes und würde den Text unnötig komplizieren.
© Valeska Otto 3
1. Belle Époque (1880 - 1914)
1.a) Frauenrolle
Der Mediziner und Politiker Rudolf Virchow (1821-1902) äußerte sich als Mitglied des Deutschen Reichstages mehrfach zur Frauenbewegung und zum Frauen-sport: „Weiblichkeit ist abhängig von den Funktionen des Eierstocks[..]. Das Weib ist eben nur Weib durch seine Generationsdrüse[...]“(vgl. Diem, Frau und Sport, Freiburg, 1980, S. 113) Diese durchaus frauenfeindlichen Bemerkungen des Herrn Virchows scheinen seine eindeutige Idee der Frauenrolle darzustellen. Nichtsdestotrotz bereitete er den Frauen seinerzeit große Zugeständnisse in Sachen körperlicher Ertüchtigung sprich Sport. Er bezeichnete das Turnen als absolut notwendigen, integrierenden Teil auch des Unterrichts der Mädchen, besonders auf Landschulen, da dort Mädchen zu oft mit weit über ihre Kräfte gehenden Arbeiten belastet würden. So vertrat er den Standpunkt, dass kräftig ausgeführte Frei- und Handgeräteübungen oder Bewegungsspiele schon ein nicht zu unterschätzendes Gegengewicht zu der schweren Haus- und Feldarbeit böten (vgl. Diem, 1980, S. 113).
Die Aussagen einer einzigen Persönlichkeit der damaligen Zeit spiegelt nahezu die ganze Breite der öffentlichen Meinung über die Rolle der Frau und das Frauenbild um die Jahrhundertwende wieder.
Der Mann stellte das Oberhaupt der Familie dar. Die Frau konnte ausschließlich durch Heirat materielle und gesellschaftliche Anerkennung erreichen, d. h. die Mädchen wurden in häuslicher und schulischer Erziehung auf die Aufgaben der Hausfrau als Repräsentationsgestalt vorbereitet. Sie hatten letztlich als Dekorationsobjekt, als Zierde des Hauses ihres Gatten zu fungieren. Für die Hausarbeit
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© Valeska Otto
gab es schließlich Dienstpersonal. Aus diesem Grund lag der Schwerpunkt der Mädchenerziehung auf moralischen Normen und Werten, Gebote des Anstandes, gefälliges Auftreten in der Öffentlichkeit u. ä. Die weitere Aufgabe der Frauen wurde im Kaiserreich (ab 1871) ganz deutlich als eine Verpflichtung gegenüber dem Vaterland gesehen: die Geburt gesunder, starker Söhne, die für ihr Land kämpfen sollten (vgl. Peyton, Frauensport in Europa, Ahrensburg, 1989, S. 38ff und Müller-Windisch,
Aufgeschnürt und außer Atem, Frankfurt, S30ff). Die jeweils geltenden Norm-
und Wertmuster, Vorstellungen, Ideale sowie die tatsächliche gesellschaftliche Situation der Frauen stellten von Anfang an auch in der Entwicklung der Leibesübungen des weiblichen Geschlechts eine Schlüsselfunktion dar. Eingeengt, in lange etwa 15 Kilo schwere Kleider, wurden die Frauen im wahrsten Sinnen des Wortes unbeweglich gemacht, von ihrem Körper entfremdet, „Das Korsett war ein Panzer, der nicht nur zur Bändigung und Formung des Körpers diente, sondern auch zu der des Geistes.“ (vgl. Peyton, 1989, S. 39) Die Frauen hatten sich in ihrer Kleidung den von Männern angemaß-
© ValeskaOtto
ten ästhetischen Vorstellungen zu unterwerfen. Hierzu zählten beispielsweise enge, zu kleine Schuhe, die einen schmalen und zierlichen Fuß machten oder eng geschnürte Mieder, um die Taille auf einem geringsten Maß zu halten. Die Ärzte und Wissenschaftler, welche die fatalen Folgen wie Missbildungen des passiven Bewegungsapparats, ungenügend ausgebildete Organe (vor allem Lungeninsuffizienz), mangelnde Körperfunktionen (Verdauung, Gebärfähigkeit,…) und ebenso schwerwiegende Krankheiten wie beispielsweise Brustkrebs, Hepatitis, Tuberkulose erkannten, versuchten vergeblich die Gesellschaft des viktorianischen Zeitalters diesbezüglich positiv zu beeinflussen. Das
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© Valeska Otto
Risiko der Folgeschäden am weiblichen Körper war allgemein bekannt und – Mann sowie Frau – nahm sie meist als gegeben hin (vgl. Müller-Windisch, 1995, S. 58ff).
Die Gleichheitsideale der Aufklärung durch die französische Revolution breiteten sich mehr und mehr aus. Stimmen wurden laut, die Forderungen nach Gleichstellung der Geschlechter stellten. Die gering geachteten Merkmale wie Passivität, Emotionalität, die den Frauen zugeschrieben wurden, wollten abgelegt werden bzw. Merkmale, die den Männern zugesprochen wurden und als positiv galten, wurden nun auch von Frauen in Anspruch genommen, d. h. zum Beispiel Aktivität und Rationalität. Nicht zuletzt auch durch die Industrialisierung, während welcher Frauen als billige, geschickte und gefügige Arbeitskräfte galten, musste sich die Rolle der Frauen zur Jahrhundertwende den veränderten Außenweltbedingungen anpassen – die binnenfamiliäre Struktur blieb davon jedoch meist unangetastet (vgl. Peyton, 1989, S. 37/50).
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1.b) Frauenbild
Das Frauenideal setzte sich aus dem Wesen, dem Äußeren, der Sexualität, entsprechend der Komplementärsideologie zusammen. „Mit dem Wesen der Frau sollte ihr Körper harmonisch im Einklang stehen und im Gegensatz zu dem des Mannes durch Zartheit, Sanftheit, wellenförmige Linien, üppige Fülle auszeichnen.“ (vgl. Peyton, 1989, S. 39). Das Bild wurde durch Attribute wie Frigidität, Unschuld, Tugendhaftigkeit komplettiert. Als Folge dessen trat eine Problematisierung der weiblichen Sexualität auf. Die Sexualität der Frauen wurde tabuisiert. Viele Körperteile der Frau wurden tabuisiert. Bewegungen und Verhaltensweisen wurden eingeschränkt. Alles spitzte sich zu bis hin zu einer extremen Prüderie. Dadurch entstanden strenge Vorschriften und Verbote für Kleidung und Verhaltensweisen der Frauen, die sich schließlich auch in der Mode widerspiegelten. Das Ende war das weibliche Ideal einer >glockenförmige Frau< ohne Beine. In ein Fischbeinkorsett eingeschnürt verursachte schon moderates Vorbeugen eine Qual, tief angesetzte, hautenge Ärmel schränkten die Armfreiheit auf ein Minimum ein und verhinderten ein Anheben der Schultern gänzlich; aufgeblähtes Rockvolumen, das durch 5 – 10 kg schwere Unterwäsche und Oberkleidung von ungefähr dem gleichen Gewicht produziert wurde, ließen
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die Tatsache vergessen, dass es sich bei der Frau auch um ein zweibeiniges Lebewesen der Spezies Homo Sapiens handelte (vgl. Peyton, 1989, S 39).
1.c) Frauensport
Der aus der Industrialisierung resultierenden Veränderungen wie Kontakt und Austausch mit anderen Ländern über Reisen oder Medien, Forschungen, Politik usw. gaben Einblicke in das Leben anderer Kulturen. Der menschliche Ehrgeiz in aller Welt zu den Besten und Fortschrittlichsten zu gehören, machte auch vor der Entwicklung der Körperertüchtigungsformen keinen Halt. So profitierte auch der Sport. Durch persönliche Erfahrungen, Presse, etc. veränderten und mischten sich die verschiedenen Sportarten, spezialisierten sich, Sportkleidung veränderte sich in der Funktionalität, bisher unbekanntere Sportarten aus anderen Kulturen hielten Einzug und auch der Bezug von Frauen zum Sport bekam dadurch wichtige Impulse. Beispielsweise sorgte mitunter Queen Victoria von England für die Verbreitung des Radfahrens, da sie selbst gerne Rad fuhr (vgl. Diem, 1980, S 30/Peyton, 1989, S. 160).
Die Rolle der Frau in der Turnbewegung wurde durch das Bestimmungsrecht des Mannes geformt. Er entschied in den Anfängen der Entwicklung des Frauenturnens, ob Frauen überhaupt turnen dürfen oder sollen. Die kulturgeschichtlich bedingte Auffassung von >Frausein<, die vom Mann definiert wurde, beeinflußte alle Bereiche des Frauenturnens: den Übungsbetrieb, die Leistungsfrage, Leistungsbegrenzung und Betätigungseinschränkung, die Turnkleidung, die Stoffauswahl, vor allem die Führungsbeteiligung und ihre Bewertung in der Öffentlichkeit. Frauen konnten sich bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts kaum
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fachkundig zum Turnen äußern, da es nur wenige Turnlehrerinnen und so gut wie keine Ärztinnen gab, ergo vertrat niemand die Belange der Frauen im turnerischen Bereich. Veröffentlichungen über Leibesübungen aus dieser Zeit propagierten auch nur die körperliche Ertüchtigung der Mädchen und schlossen aus, dass erwachsene oder gar verheiratete Frauen turnen könnten (vgl. DTB, Deutsche Turnfeste, Bad Homburg, 1985, S 31/Peyton, 1989, S. 42).
druckt: Charlotte Cooper. Sie nahm ohne offizielle Autorisation des IOC (International Olympic Commitee) an den Olympischen Spielen am 9. Juli 1900 teil und erspielte sich und dem Frauensport in der Weltgeschichte die zwei ersten Goldmedaillen und zwar im Tennis Einzel und Mixed (vgl. Peyton, 1989, S 171).
Ziel der allgemeinen Leibesübungen beider Geschlechter waren, >wesensgemäße Aufgaben< zu fördern (vgl. DTB, 1985, S. 51):
Der Mann sollte
stark
und gesund ins geschäftliche Leben treten
stark
und gesund eine Familie gründen
durchsetzungsfähig
und mutig sein 9
© Valeska Otto
Die Frau sollte voll geistiger Tatkraft als wohlanständige Hausfrau
starkem
und gesundem Nachwuchs das Leben
starke und gesunde Mutter ihrer Kinder sein
Obwohl 1880 anlässlich des 5. Deutschen Turnfestes, Damen als Spenderin des selbst gestickten Bundesbanners agieren und auf Antrag die Erlaubnis zu einer Vorführung bei einer Sonderveranstaltung des Turnfestes erhalten, sind Leibesübungen der Frauen zu dieser Zeit noch die Ausnahme. Die Notwendigkeit der körperlichen Ertüchtigung wurde von Ärzten und Pädagogen zwar erkannt und Mädchenturnen wurde bereits ab 1845 in den Turnvereinen aufgenommen, aber dabei blieb es vorerst. Hauptverantwortlicher Fürsprecher der Leibesübungen für die weibliche Jugend ist wohl der Turnpädagoge Adolf Spiess, der auch als „Vater des Mädchenturnens“ bekannt wurde und das allgemeine Schulturnen begründete (vgl. DTB, 1985, S. 32/Pfister, Frau und Sport, Frankfurt, 1980, S. 41).
Das deutsche Turnen, dessen Grundlagen von Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) erstellt wurden, baute jedoch in seinen >männerbündischen< Inhalten und seiner Organisation auf die Wehrhaftmachung der männlichen Jugend auf. Frauenabteilungen wurden daher bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts schlichtweg abgelehnt (vgl. DTB, 1985, S. 19ff).
Der tatsächliche Beginn des Frauenturnens ist nur grob auf die Mitte der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts festzulegen, da es natürlich keinen allgemeinen Startschuss gab sondern, wie in vielen anderen Lebensbereichen auch, Einzelkämpferinnen andere inspirierten, aus Grüppchen Gruppen wurden und der Stein des Frauensports allmählich in Bewegung kam. Fest steht allerdings, dass der Ausgangspunkt das Männerturnen und das schulische Mädchenturnen war. Die Deutsche Turnerschaft (DT) legte für sich den Beginn im Jahre 1897 fest, wobei der Arbeiter-Turner-Bund (ATB) die Anfänge für das Jahr 1895 notierte. Der ATB hat sich hierbei die Gleichberechtigung der Frau mit auf die Fahne geschrieben und gründete die erste Damenabteilung (TV Fichte, Berlin), was soviel heißt, dass nun die Frauen als Vereinsmitglieder mitgezählt wurden und aus dem Männerbund ein öffentlicher Bund des Turnens wurde. Zunächst reduzierten sich die Angebote für Frauen, Leibesübungen zu betreiben auf einzelne Turnanstalten in einzelnen Städten. Nach und nach erst richteten die 10
© Valeska Otto
Arbeit zitieren:
Valeska Otto, 2007, Frauensport - Die Entwicklung des Frauenbildes von 1900 bis zum 2. Weltkrieg, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
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