Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
Vorwort 3
1 Einleitung 5
2 Der antike Mythos in der Moderne 5
3 Das Flugzeug und der Fliegermythos im Futurismus 9
4 Der Fliegermythos in der Öffentlichkeit 11
5 Flugmetaphern und -motive in der Kunst 14
6 Schlussbemerkungen 16
Literaturverzeichnis 19
2 NA
Vorwort
Als ich mich zu Beginn des Seminars auf dem Zettel mit den Themengebieten bei „Das Fluggerät“ unter der Rubrik „Technik“ eintrug, war mir nicht bewusst, welche ungewohnten Probleme sich mir beim Schreiben dieser Arbeit in den Weg stellen sollten. Selbst als ich bemerkte, dass mir ein roter Faden bei der Ausarbeitung meines Referats fehlte, machte ich mir noch keine weiteren Gedanken bzw. verdrängte diese mit der Gewissheit, dass ich bisher für alle meine Hausarbeiten sehr gute Noten bekommen hatte. Die Verdrängung funktionierte sogar trotz der Schwierigkeit, dass ich zum ersten Mal ein Konzeptpapier für die Arbeit bei meinem Professor abgeben musste. Aber wer es schafft, sich selbst so gut zu bluffen, dem gelingt dies auch bei anderen. Also überspielte ich erfolgreich, dass ich eigentlich keine Ahnung hatte, worüber ich schreiben wollte. Schließlich begann ich – wie immer zu spät – mit meiner üblichen Arbeitsroutine. Ich durchsuchte die Bibliotheken nach allem, was unter den Stichpunkten „Fluggerät“, „Aviatik“ und „Moderne“ zu finden war. Das Ergebnis dieser Suche brachte mich zum ersten Mal ins Grübeln, fand ich doch eine unüberschaubare Menge Material, das zumindest teilweise mit dem Thema zu tun hatte. Denn hier lag, wie ich feststellen sollte, das eigentliche Problem: Das Thema. Wenn mich jemand fragte, mit was für einer Arbeit ich gerade beschäftigt sei, brauchte ich mehrere Sätze um es zu erklären, und nachher hatte ich das Gefühl, dass weder mein Gesprächspartner noch ich selbst wussten, was genau denn nun eigentlich Gegenstand der Arbeit war. Irgendetwas mit Fliegerei, ihrer Bedeutung für die Moderne, Kunst und Kultur etc.
Mit derart schwammigen Vorstellungen ging ich an die Recherche. Ich entlieh unzählige Titel, wälzte einerseits Bücher über Flugvorstellungen in der Antike und andererseits über technische Details des Wright-Flyers. Ich quälte mich sogar durch einen futuristischen Roman, den ich bestenfalls als grausig bezeichnen würde, immer in der Hoffnung, durch einen Zufall das zu finden, was eigentlich der Ausgangspunkt meiner ganzen Suche sein sollte: Einer These oder Fragestellung. Dass ich diese nicht finden konnte, lag – so scheint es mit jetzt – an meiner Unerfahrenheit im wirklich fächerübergreifenden Arbeiten. Die Verknüpfungen, die ich zwischen der Fliegerei und ihrer Rückwirkung auf die Kultur der Moderne finden konnte, sprengten das übliche Ausmaß an philosophischen, literarischen und kunstgeschichtlichen Querverbindungen, die ich bei meinen bisherigen Arbeiten zu bewältigen hatte. Entsprechend waren die Auswirkungen auf die Grenzen meines Themas. Es gelang mir nicht, zu entscheiden, ob Gedichtbände und Manifeste von italienischen Futuristen wie Marinetti oder kunsttheoretische Abhandlungen zu Malern wie Delaunay wirklich
Hintergrund meiner Arbeit sein mussten oder nicht. Gehörte das Thema Frauenfeindlichkeit noch in den Umkreis der Fliegermythen oder war der Zusammenhang schon zu vage? War die ‚Luftschraube‘ als unsichtbare Kraftquelle des Flugzeugs wirklich vergleichbar mit der Entdeckung ähnlicher unsichtbarer ‚Ströme‘ wie der Elektrizität, oder sprengten solche Interpretationen schon die Grenzen des Zumutbaren? Und sollte dies nicht der Fall sein, war die visuelle Darstellung solcher Kräfte in der Malerei relevant für eine Arbeit, die sich eigentlich primär mit dem Fluggerät beschäftigen sollte? Diese Unsicherheit begleitete mich während der gesamten Lektürephase, was dazu führte, dass ich vieles las und wenig aufnahm und letztlich zwar die Bücher durcharbeitete, die ich mir vorgenommen hatte, trotzdem aber mit dem Umfang des Angeeigneten nie zufrieden war und schließlich auf einen leeren Bildschirm starrte, ohne eine Idee zu haben, womit ich anfangen sollte, oder auch nur wusste, wie die Überschrift lauten könnte.
Dass ich einen Weg gefunden habe, mit diesen Fragen umzugehen, beweist die vorliegende Arbeit. Völlig zufriedenstellend beantworten konnte ich sie allerdings nicht. Das Ergebnis ist ein Aufsatz, der den Ansprüchen, die ich mir selber stelle, kaum genügen kann, fehlt ihm doch aus meiner Sicht an einigen Stellen die Kohärenz, der übergeordnete Zusammenhalt. Der Nutzen und auch die Befriedigung, die ich nichtsdestotrotz aus der Arbeit ziehen kann, liegt vielmehr in den hoffentlich dauerhaft gewonnenen methodischen Erkenntnissen. Wenn es mir gelungen sein sollte, mich für die Zukunft für derartige Probleme zu sensibilisieren, dann stellt dies für mich persönlich ebenfalls einen Fortschritt dar.
1 Einleitung
Am 17. Dezember 1903 verwirklichten die Fahrradbauer und Flugzeugbastler Wilbur und Orville Wright in der Abgeschiedenheit von Kitty Hawk in North Coralina mit ihrem ersten, 59 Sekunden dauernden Flug in einer motorisierten, lenkbaren Flugmaschine einen uralten
Menschheitstraum. Sie sollten damit das alltägliche Leben ihrer Zeitgenossen kaum verändern. Im Gegensatz zu den vielen technischen Neuheiten aus der Zeit um die Jahrhundertwende – wie das Radio, das Telefon, das Automobil, das Kino oder die massenhafte Nutzung der Elektrizität – war die Erfindung des Fluggeräts ohne nennenswerten Einfluss auf den Alltag der Menschen. 2 Das hohe Risiko und insbesondere die finanziellen
Mittel, die für die Anschaffung eines Fluggeräts nötig waren, beschränkten den Zugang zu dieser neuen Technologie auf einen sehr kleinen Kreis von Flugpionieren. Dennoch war die Wirkung der Aviatik auf die Kultur und die Vorstellungen der Moderne immens. Sie beflügelte nicht nur die Phantasie und die Ängste von Künstlern und Schriftstellern, Journalisten und Dichtern, sondern auch von unzähligen Menschen, die sich in den Zeitungen über die Fortschritte und Rekorde der Flieger informierten, und von tausenden begeisterten Zuschauern der zahlreichen Flugschauen in Europa und Amerika.
Ziel dieser Arbeit soll sein, diesem Wirken der Aviatik nachzuspüren, ein Schlaglicht zu werfen auf das Aufgreifen und die Verarbeitung antiker Flugmythen und ihrer modernen Ausprägungen, sowie auf die Verwendung von Flugmotiven und -metaphern in Kunst und Literatur der Moderne. Dabei stellt sich die Frage, ob die technische Realisierung mythischer Flugvorstellungen letztlich zu deren Überwindung oder zur Bildung neuer Mythen geführt hat.
2 Der antike Mythos in der Moderne
Flugvorstellungen sind in allen Kulturen der Welt bekannt 3 , was darauf schließen lässt, dass
sie eine anthropologische Grundlage darstellen. C.G. Jung und Sigmund Freud betrachteten Flugträume als ‚Typenträume‘, als Träume, die in der Natur des Menschen begründet liegen. 4
Dabei ist auffällig, dass in den verschiedenen Mythologien die Flugfähigkeit eine typische
2
Robert Wohl: A Passion for Wings. Aviation and the Western Imagination 1908-1918. New Haven, London 1994, (kurz: Wohl, 1994) S.1.
fgh 3 So vor allem auch in den asiatischen und südamerikanischen Hochkulturen. Diese Arbeit beschränkt sich allerdings auf den europäischen Raum, insbesondere auf den Dädalus-Ikarus-Mythos. 4 Wolfgang Behringer, Constance Ott-Koptschlijski: Der Traum vom Fliegen – Zwischen Mythos und Technik. Frankfurt a. M. 1991, S. 68 (kurz: Behringer, Ott-Koptschlijski, 1991).
Eigenschaft, ja ein Privileg der Götter darstellt. 5 Menschen, die sich über ihre natürlichen
Beschränkungen hinwegsetzen und in die Lüfte erheben, nehmen eine besondere Stellung ein, die sie meist in die Nähe der Götter rückt, gleichzeitig aber auch in Gefahr bringt, für ihre Anmaßung bestraft zu werden. Ein Beispiel dafür ist der wohl wirkungsmächtigste Flugmythos im europäischen Raum, die antike Sage von Dädalus und Ikarus. Dädalus wird für das Durchbrechen der natürlichen Weltordnung bestraft, indem er seinen Sohn Ikarus verliert, dessen Hybris mit dem Tod im Meer gesühnt wird, denn „Flügel zu konstruieren und aus eigener Kraft wie ein Vogel zu fliegen, ist dem Menschen im allgemeinen verwehrt. Die Flugepisode und ihr unglückliches Ende kann daher als gültiges Symbol für übermenschliches Streben stehen.“ 6
Dädalus hingegen übersteht den Flug unbeschadet. Hier wird ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Figuren deutlich, der auch die Grundlage für die unterschiedliche Verarbeitung der mythischen Gestalten in der Moderne darstellt. 7 Dädalus, der berühmte
Erfinder der griechischen Mythologie, ist das kreative Genie, der Handwerker, dessen Kunst sich nicht allein auf die Nachahmung der Natur beschränkt, sondern Neues schafft und dadurch ihre Grenzen überwindet. Darin liegt seine Gottähnlichkeit begründet, und in diesen Fähigkeiten lag auch sein symbolischer Wert für die Ingenieure der Zeit um die Jahrhundertwende und ihre neuen Mythen der Machbarkeit und der vollständigen Beherrschung der Natur 8 . Die Techniker und Ingenieure verschafften ihrer relativ jungen
gesellschaftlichen Gruppe Geltung und Legitimation durch einen beinahe grenzenlosen Zukunftsoptimismus und die Propagierung von Wissenschaft und Technik als universelle Macht zur Lösung aller Probleme der Menschheit. 9 Von besonderer Bedeutung war dabei
unter anderem die Aviatik: „Die Beherrschung des Luftraums galt als Höhepunkt moderner industrieller und wissenschaftlich-technischer Leistungen“. 10 Dädalus 11 als Bezwinger
5
Behringer, Ott-Koptschlijski, 1991, S. 26-29.
6 Berhinger, Ott-Koptschlijski, 1991, S. 122.
7 Im Mittelalter und der frühen Neuzeit erscheint Dädalus als der eigentliche Held des Mythos‘. Im Barock avanciert er sogar zum Emblem für den vernünftigen Mittelweg, vgl. Arthur Henkel, Albrecht Schöne (Hrsg.): Emblemata. Handbuch zur Sinnbildkunst des 16. und 17. Jahrhunderts, Taschenausgabe, Stuttgart, Weimar 1996, S. 1617. Das Verhältnis der beiden Figuren in der Antike ist nicht eindeutig festzulegen, wenn auch Ovid eher die Nüchternheit des Dädalus hervorhebt und der Leichtsinnigkeit des Ikarus vorzieht. Vgl. Felix Philipp Ingold: Ikarus Novus. Zum Selbstverständnis des Autors in der Moderne. In: Harro Segeberg (Hrsg.): Technik in der Literatur. Frankfurt a. M. 1987, S. 269-350, S. 271 (kurz: Ingold, 1987).
8 vgl. Sabine Höhler: Luftfahrtforschung und Luftfahrtmythos – Wissenschaftliche Ballonfahrt in Deutschland, 1880-1910. Frankfurt a. M. 2001, S. 128 (kurz: Höhler, 2001).
9 Höhler, 2001, S. 128.
10 Höhler, 2001, S. 11. Zu Machbarkeitsgedanke und Fortschrittsoptimismus sowie der Bedeutung des Dädalusmythos für die Ingenieure des frühen 20. Jahrhunderts vgl. Höhler, 2001, S. 15ff.
11 Neben anderen mythischen Gestalten wie Prometheus und Wieland. Auf diese Mythen kann aus Platzgründen aber nicht weiter eingegangen werden. Vgl. hierzu: Höhler, 2001, S. 129ff.
Arbeit zitieren:
Johannes Kaufmann, 2005, "The Conquest of the Air" - Fliegermythos und Flugmetaphorik in der Kultur der Moderne, München, GRIN Verlag GmbH
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