I. Einleitung. 4
II. Herkunft, Zuordnung und Verbreitung des Guaraní 5
1. Herkunft und Zuordnung des Guaraní 5
2. Verbreitung des Guaraní und aktuelle sprachliche Situation in Paraguay 5
III. Geschichtlicher Hintergrund 7
1. Etappen der Eroberung Hispanoamerikas 7
2. Anfänge der Missionierung und Herausbildung der lenguas generales/ 8
línguas gerais 8
IV. Einflüsse des Guaraní auf das regionale Spanisch. 11
1. Phonetik und Phonologie 11
1.1. Schwächung bzw. Aufhebung der Opposition /r/ und / r/ 11
1.2. Bewahrung der Oppostion // - /j/ 11
1.3. Verlust der Allophonie bei den stimmhaften Okklusiven. 11
1.4. Ersatz von b durch v oder mb 11
1.5. Ersatz von /t/ durch // 12
1.6. Ersatz von mp , nt , k durch mb , nd , g 12
1.7. Glottisverschluss im Hiat dem zweiten, betonten Vokal vorausgehend 12
2. Morphologie 12
2.1. Direkte Einflüsse 12
2.1.1. Diminutivsuffix -í Augmentativsuffix -guasu. 12
2.1.2. Interrogativsuffixe -pa und -piko 13
2.1.3. Ersatz des Elativ-Suffix -ísimo durch das Guaraní-Suffix -ete/ -te 13
2.1.4. Suffix -kue als perfektischen Zustand nach Handlungsende 13
2.1.5. Verlust des destinativ-futurisches Suffix 13
2
2.2.1. Nicht-Existenz eines grammatischen Genus und einer Numerusopposition 13
2.2.2. Pronominalsyntax: „leísmo“ gegenüber dem „loísmo“ 14
2.2.3. Vernachlässigung nicht finaler Konjunktivkonstruktionen. 14
2.2.4. Verbvalenz: zahlreiche Lehnübersetzungen nach der Guaraní- Syntax. 15
3. Lexikalische Einflüsse. 15
BEISPIELE AUS DER TIERWELT 15
BEISPIELE AUS DER UMGANGSSPRACHE 17
V. Fazit 18
Literatur. 20
3
I. Einleitung
Die nachfolgende Ausarbeitung zum Thema „Der Einfluss des Guaraní auf den hispanoamerikanischen Wortschatz“ stellt einen Aspekt der Geschichte des spanischen Wortschatzes dar, der im Rahmen der Sprachwissenschaft und in Bezug auf das Spanische Hispanoamerikas von Bedeutung ist.
Hinsichtlich des Gegenstandes geht es um den Einfluss einer mestizisierten indigenen Sprache auf das Spanisch in bestimmten Regionen Hispanoamerika: Das Guaraní, eine der weit verbreiteten Sprachen innerhalb der Familie der über 30 Tupí-Guaraní-Sprachen, die noch heute zahlreich in entsprechenden Gegenden Hispanoamerikas von normalen Staatsbürgern gesprochen wird. Hierbei muss insbesondere die besondere Situation Paraguays berücksichtigt werden, ein zweisprachiges Land, in dem fast die gesamte Bevölkerung neben dem Spanischen Guaraní spricht. Folglich lassen sich wechselseitige Einflüsse der beiden Sprachen beobachten. Aufgrund des Seminarthemas, das sich auf die Geschichte des spanischen Wortschatzes bezieht, soll in der nachfolgenden Arbeit lediglich der Einfluss des Guaraní auf das jeweils regionale hispanoamerikanische Spanisch dargestellt werden. Vorab soll jedoch zunächst auf die Herkunft, Zuordnung und Verbreitung des Guaraní eingegangen und daraufhin der geschichtliche Hintergrund erläutert werden, um die Situation Guaraní-sprachiger Regionen nachzuvollziehen. Es folgen dann schließlich phonetische, phonologische, morphologische und lexikalische Einflüsse des Guaraní auf das regionale Spanisch.
Im Hinblick auf die aktuelle Forschungslage sei das pluridimensionale Projekt „Atlas Lingüístico Guaraní-Románico“ (ALGR) unter der Leitung von Herrn Prof. Dietrich/ Münster und Herrn Prof Thun/ Kiel zu erwähnen. „Ziel des Projekts ist die Erstellung einer empirischen Grundlage für die Beschreibung der sprachlichen Verhältnisse im Gebiet des kolonialen Paraguay, das heute Paraguay und angrenzende Zonen in Argentinien und Brasilien (früher bis nach Uruguay hinein) umfasst“ 1 .
Aufgrund dieser aktuellen Ergebnisse werden sich ein Großteil der Quellenangaben der nachfolgenden Arbeit auf Bibliographien von Prof. Dietrich beziehen.
1 http://www.uni-muenster.de/CeLA/forschu/guarani.htm, 09.08.2005, 15:08h
4
II. Herkunft, Zuordnung und Verbreitung des Guaraní
1. Herkunft und Zuordnung des Guaraní
Das Guaraní ist der Tupí-Guaraní-Familie zugehörig. Tupinambá ist ursprünglich die Sprache der Einheimischen an der Küste Brasiliens. Die erste Grammatik entstand 1549 von dem Jesuitenpater José de Anchieta, dem Vater der brasilianischen Jesuitenmission; ab diesem Zeitpunkt wurde die Sprache, insbesondere im Hinblick auf die Missionsarbeit, beschrieben und erlernt. Dies erfolgte lange Zeit nur an der brasilianischen Küste, da das Innere des Kontinents bis in das 18.Jahrhundert weitgehend unerschlossen blieb.
Im 16.Jahrhundert entstand die brasilianische Mestizenbevölkerung „mamelucos“, die aus der Vermischung von portugiesischen Siedlern mit indianischen Frauen resultierte. Deren aus dem Tupinambá entwickelte Umgangssprache wird als língua brasílica bezeichnet. Sie diente ebenfalls als Verkehrssprache zwischen Siedlern und Tupinambá-Indios und anderen Indios. Ab Mitte des 19.Jahrhunderts wurde für die língua brasílica der Terminus Tupí eingeführt. Das Guaraní Paraguays weist eine enge Verwandtschaft mit der língua brasísilica auf und wurde von den Jesuiten ab 1549 in Brasilien und ab 1612 in Paraguay beschrieben und gelehrt 2 .
2. Verbreitung des Guaraní und aktuelle sprachliche Situation in Paraguay
Es existieren ca. 50 Tupí-Guaraní-Sprachen, wie zum Beispiel das Cario/ Carijó, Tupinambá, Chiripá/ Nhandeva, Mbyá, Kawahyb, Parintintin, Juma, Kamayurá oder Avañe’e, das sogenannte Paraguay-Guaraní. Die der Tupí-Guaraní-Familie zugehörigen Sprachen sind in Paraguay, im Nordosten Argentiniens, in Ostbolivien und im Amazonasgebiet (Brasilien, Peru, Teile Franz.-Guayanas) verbreitet 3 .
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Guaraní heute in Paraguay, Argentinien und im brasilianischen Westen nicht von Indianern, sondern von normalen Staatsbürgern gesprochen wird. Aus diesem Grund besteht die Notwendigkeit zur Unterscheidung von tribalen Guaraní-Sprachen, d.h. tatsächliche Stammessprachen und nicht-tribalem Guaraní, das auch als Paraguay-Guaraní bezeichnet wird. So ist das Paraguay-Guaraní die Muttersprache von über 90%
2 Dietrich, Wolf, “Amerikanische Sprachen und Romanisch”, LRL, Bd. VII, Art. 480 a-c, Tübingen 1998, 440ff.
3 Dietrich, Amerikanische Sprachen und Romanisch, 433
5
der Paraguayer in und um Paraguay herum, woraus eine Gesamtsprecherzahl von ca. 5 Millionen resultiert 4 . Aufgrund dieser besonderen sprachlichen Situation in Paraguay dient das Guaraní als nationales Identifikationsmerkmal, weshalb das Guaraní auch als „lengua nacional“ bezeichnet wird. In der Verfassung von 1992 ist das Guaraní als zweite offizielle Sprache Paraguays anerkannt und in den Grundschulen wird der Unterricht in der offiziellen Muttersprache der Schüler gewährleistet 5 . Zudem trägt auch die Landeswährung Paraguays den Namen „Guaraní“, es existieren Radiosendungen auf Guaraní und in Asunción befindet sich ein „Instituto de lingüística guaraní“, wo Guaranílehrer für die zweisprachige Erziehung in den Schulen ausgebildet werden 6 .
4 Dietrich, Wolf, „Zum historischen Sprachkontakt in Paraguay“, in: Hassler, Sprachkontakt und Sprachvergleich, Münster 2001, 56
5 Dietrich, Amerikanische Sprachen und Romanisch, 483
6 Dietrich, Die indianischen Sprachen und die (latein)amerikanische Identität, Arbeitshefte des Lateinamerika-Zentrums Nr.12, Münster 1993, 18
6
Arbeit zitieren:
Sandra Wilberding, 2005, Der Einfluss des Guaraní auf den hispanoamerikanischen Wortschatz, München, GRIN Verlag GmbH
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