Univer sit ät Essen
Wint er semest er 2001/ 2002
Fachber eich 2 - Unt er r icht sf ach Pädagogik
Ver anst alt ung: Haupt st uf enseminar
Kat egor ie
I sabel Ebber
,QKDOWVYHU]HLFKQLV
(I )
Zum Geleit .
Seit e 2 bis Seit e 3. (I I )
Zum Begr if f At t r akt ivit ät , seinen Ver wandt schaf t sbeziehungen und diesbezüglicher Relevanz f ür die Par t ner wahl.
Seit e 3 bis Seit e 4. (I I I )
Zum For schungsber eich „f acial at t r act iveness“, seinen Repr äsent ant en und hist or ischen Wur zeln.
Seit e 4 bis Seit e 5. (I V)
Zu At t r akt ivit ät skr it er ien, ihr er Ent st ehung und ihr en Einf luss auf die Par t ner wahl.
Seit e 5 bis Seit e 9. (V)
Zum Einf luss von weiblicher und männlicher At t r akt ivit ät auf die Selbst pr äsent at ion bei Aussicht einer Ver abr edung.
Seit e 9 bis Seit e 10. (VI )
Zum Einf luss von weiblicher und männlicher At t r akt ivit ät auf das Mienenspiel von Fr auen.
Seit e 10 bis Seit e 12. (VI I )
Das Beaut ycheckf or schungspr oj ekt .
Seit e 13 bis Seit e 17. (VI I I )
Zum Einf luss von Dur chschnit t lichkeit auf die At t r akt ivit ät weiblicher und männlicher Gesicht er .
Seit e 17 bis Seit e 19. (I X)
Zum Einf luss von Feminisier ung und Maskulinisier ung auf die At t r akt ivit ät weiblicher und männlicher Gesicht er .
Seit e 20 bis Seit e 22.
Zum Einf luss von Alt er sunt er schieden auf die At t r akt ivit ät weiblicher und männlicher Gesicht er .
Seit e 22 bis Seit e 24. (XI )
Zum Einf luss von (A)symmet r ie und (A)symmet r iest är ken auf die At t r akt ivit ät weiblicher und männlicher Gesicht er .
Seit e 24 bis Seit e 28. (XI I )
Schlusswor t .
Seit e 29 bis Seit e 30. (XI I I )
Lit er at ur ver zeichnis.
Seit e 31 bis Seit e 35. (XI V)
Anhang. Gedanken zur Aussagekr af t des Gesicht es.
Seit e 36 bis Seit e 37.
Warum erfolgt in dieser Arbeit die Spezialisierung auf das Gesicht als die Partnerwahl beeinflussende Variable? Weil das Gesicht in seiner Form und Oberfläche, sowie in seinen mimischen Veränderungen bei der Wahrnehmung und Wiedererkennung einer Person, seiner charakterlichen Einschätzung und Sympathiebewertung einen Fixierungspunkt darstellt 1 , kann man schlussfolgern, dass es bei der Partnerwahl eine wesentliche Rolle spielt. Den Einfluss von Gesichtsproportionen auf die Zuordnung von positiven und negativen
Charaktereigenschaften belegt bereits eine frühe empirische Untersuchung von %UXQVZLN
aus dem Jahr 1934. 2 Das Gesicht als Informationsquelle für Verhalten ist damit Objekt der Bewertung und daher Objekt der Selektion. Dass Attraktivität für die Partnerwahl eine große Rolle spielt, wobei physische Merkmale eher die Attraktivität einer Frau ausmachen und beruflicher und sozialer Status eher die Attraktivität eines Mannes, haben etliche Studien
nachgewiesen. 3 Beispielsweise präferieren in der Studie von )UDQ]HQXQG+DUWPDQQ
44, 5 % der männlichen und 34, 6 % der weiblichen Befragten von insgesamt 490 Befragten eine physisch attraktive Partnerin, einen physisch attraktiven Partner. Gleichsam präferieren 53 % der Frauen und vergleichsweise nur 30,1 % der Männer eine gute berufliche Stellung. 4 Die theoretische Basis von Attraktivitätsstudien besteht in der sozialbiologischen Hypothese, die Wahl eines Partners sei genetisch programmiert durch das (un)bewusste Ziel bestimmt, den Reproduktionserfolg zu maximieren. Schlussfolgernd sind Attraktivitätsmerkmale Reproduktionserfolg versprechende Merkmale. Schlussfolgernd ist Attraktivität ein Selektionskriterium. Im Schwerpunkt werden diese sozialbiologischen Zusammenhänge aus der Evolutionsforschung in dieser Arbeit neben der Frage, was ein Gesicht attraktiv macht, erörtert. Dabei wird geschlechtsspezifisch nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten differenziert. Attraktivitätsvergleichstudien fußen auf der Grundlage von per Computertechnik manipulierten hoch standardisierten Photos als Stimulusmaterial. Da der Forschungsbereich weniger theorie- und mehr empiriebestimmt ist, spielen die unterschiedlichen Forschungsmethoden und ihre kritische Qualitätsbetrachtung eine größere Rolle. Die sich durch methodisch sorgfältige Überprüfungen aller aktuell
forschungsrelevanten Hypothesen auszeichnende deutsche Beautycheckstudie bildet dabei das empirische Fundament dieser Arbeit.
1 Vgl. Ellis, H. D.: Recognizing faces. In: British Journal of Psychology. 1975. Vol. 66. S. 409 bis S. 426.
2 Brunswik, E.: Wahrnehmung und Gegenstandswelt. Leipzig/Wien 1934. S. 221.
3 Vgl. Rowatt, W. C. / Cunningham, M. R. / Druen, P. B.: Lying to get a date: The effect of facial attractiveness on the
willingness to deceive prospective dating partners.
In: Journal of social and personal relationships. 1999. Vol. 16. Heft 2. S. 209 bis S. 225.
Vgl. Tooke, W./Camire, L.: Patterns of deception in intersexual and intrasexual mating strategies.
In: Ethology and Sociobiology. Vol. 12. S. 345 bis S. 364.
Vgl. Franzen, A./Hartmann, J.: Die Partnerwahl zwischen Wunsch und Wirklichkeit:
Eine empirische Studie zum Austausch von physischer Attraktivität und sozialem Status. In: Klein, T. (Hg.): Partnerwahl und
Heiratsmuster. Sozialstrukturelle Voraussetzungen der Liebe. Opladen 2001. S. 183 bis S. 206.
4 Vgl. Ebd. S. 186 bis S. 188.
(I I )
=XP%HJULII$WWUDNWLYLWlWVHLQHQ9HUZDQGWVFKDIWVEH]LHKXQJHQXQGGLHVEH]JOLFKHU
5HOHYDQ]IUGLH3DUWQHUZDKO
:HVWHUEDUNH\ beschreibt den Begriff „Attraktivität“ und seine Attribute wie folgt:
Ä8QWHU $WWUDNWLYLWlW ZLUG KLHU NHLQHVZHJV 6FK|QKHLW YHUVWDQGHQ VRQGHUQ
Dass die Attraktivität des Gesichts doch entgegen der Meinung von Westerbarkey objektiven
Kriterien unterliegt, wird in dieser Arbeit herausgearbeitet. +HQVV von der Universität
Saarbrücken untersucht empirisch den Zusammenhang zwischen Attraktivität, Schönheit, sexueller Anziehung und Sympathie.
,Q([SHULPHQWRUGQHQEHLZHLEOLFKHQ3UREDQGHQXQVWDQGDUGLVLHUWH3KRWRV
Die Analyse der Korrelationen zwischen je zwei Rangordnungen und die Skalen-Interkorrelationen sind für das Konzept Sympathie hoch, für die drei anderen sehr hoch. Bei nicht signifikanten Geschlechtseffekten kann man folgende Analogien ableiten:
Ä$WWUDNWLYLWlW6FK|QKHLWXQGVH[XHOOH$Q]LHKXQJVLQG±DXVGHU6LFKWGHU,QGLYLGXHQ±
5 Westerbarkey, J.: Medienmenschen. Publizistische Komponenten personaler Attraktivität.
In: Communications. 1995. Vol. 20. Heft 1. S. 26.
6 Vgl. Henns, R.: Geschlecht, Alter und physische Attraktivität. Zur Urteilerübereinstimmung bei Attraktivitätseinschätzungen.
Saarbrücken 1992. (=Arbeiten der Fachrichtung Psychologie. Universität des Saarlandes, 163). S. 249 bis S. 252.
:HU DWWUDNWLY VFK|QVH[XHOO DQ]LHKHQG LVW LVW LP JURHQ XQG JDQ]HQ DXFK
Die Konkordanzanalyse der Rangordnungen und der Attraktivitätsrankings zeigt ausgeprägte Konsensmaße. 8 Diese Urteilerübereinstimmung unterstützt die evolutionsbiologische Hypothese, das Standardvorstellungen über Attraktivität genetisch programmiert sind. Die 4 Konzepte, geltend als Eignungskriterien und Präferenzkriterien für die Partnerwahl, lassen im Falle eines hohen Attraktivitätsniveaus auf einen Vorteilsbonus auf dem Markt der Partnerwahl schließen, denn wer attraktiv ist, ist dann auch schön, sexy und sympathisch.
(I I I )
=XP)RUVFKXQJVEHUHLFKÅIDFLDODWWUDFWLYHQHVV´VHLQHQ5HSUlVHQWDQWHQXQG
KLVWRULVFKHQ:XU]HOQ
Über das Gesicht und seine Aussagekraft gibt es etliche alltagsphilosophische Überlegungen 9 und folgende historische Wurzeln heutiger wissenschaftlicher Forschung.
*LRYDQQL %DWWLVWD 'HOOD 3RUWD
SXEOL]LHUW GDV %XFK ³'H KXPDQD
7 Vgl. Ebd. S. 281 bis S. 282.
8 Vgl. Ebd. S. 297 bis S. 301.
9 Siehe Anhang: Gedanken zur Aussagekraft des Gesichtes.
10 Vgl. Darwin, C.: Der Ausdruck der Gefühle bei Mensch und Tier. Düsseldorf 1964.
11 Vgl. Eibl-Eibesfeldt, I.: Liebe und Hass. Zur Naturgeschichte elementarer Verhaltensweisen. 12. Auflage. München 1985.
12 Vgl. Ekman, P.: The face of man: Expressions of universal emotions in a new Guinea village. New York.
3KUHQRORJLHGLHDXV6FKlGHOIRUPHQEHVWLPPWHJHLVWLJH9HUDQODJXQJHQ]XVFKOLHHQ
Der Bereich „facial attractiveness“ ist ein Ableger der physiognomischen Forschung, charakterisiert durch die Nutzung ihrer evolutionsbiologischen Theorien. Empirische Arbeiten dazu sind im Schwerpunkt in den 90er-Jahren mehrheitlich in psychologischen Fachbereichen entstanden. In Deutschland ist der Forschungsbereich
unterrepräsentiert. Bekanntheitsgrad als deutscher Forscher hat +HQQV mit etlichen
Publikationen über Attraktivitätskriterien und Partnerwahl, erlangt . 14 In englischsprachigen psychologischen Fachzeitschriften findet man eine Fülle von empirischen Untersuchungen mit im großen und ganzen 4 Forschungsschwerpunkten: Studien über die Beeinflussung des
Attraktivitätsurteils durch die *HVLFKWVV\PPHWULH liefern unter anderem Friedenberg 15 ,
German, Mealey und Bridgstock, Perret, Burt, Penton-Voak et.al., Rhodes, Yoshikawa, Clark et. al., Grammer und Thornhill, Gangestad und Simpson. Studien über potentielle
Attraktivitätsvorteile von 'XUFKVFKQLWWVJHVLFKWHUQ liefern Langlois und Roggmann, Perret,
Lee, Penton-Voak et. al., Rhodes und Tremewan, Rhodes, Yoshikawa, Clark et. al. und
Thornhill. Den Einfluss von niedrigen und hohen .LQGFKHQDQWHLOHQ überprüfen Lee, Penton-Voak et. al., Jones und Perret. Attraktivitätsunterschiede zwischen DOWHQ XQG MXQJHQ *HVLFKWHUQ erforschen Mc Kelvie, Mc Lellan und Henns.
(I V)
=X$WWUDNWLYLWlWVNULWHULHQLKUHU(QWVWHKXQJXQGLKUHQ(LQIOXVVDXIGLH
3DUWQHUZDKO
Empirisch mehrfach nachgewiesen und bei den meisten methodischen Konzeptionen von Photovergleichen durch variierenden Links-rechts-Positionierungen berücksichtigt ist:
Ä*HQHUDOL]LQJ WR QRUPDO IDFHWRIDFHLQWHUDFWLRQV ZKDW WKH REVHUYHU VHHV LQ WKH
Dass der neurophysiologische Verarbeitungsprozess bei visueller Linksorientierung auch
dazu führt, dass die rechten Gesichtshälfte attraktiver empfunden wird, haben neben &KHQ *HUPDQ XQG =DLGHO auch %XUW XQG 3HUUHW 17 nachgewiesen, indem sie Gesichter in der
13
Vgl. Landau, T.: Von Angesicht zu Angesicht. Was Gesichter verraten und was sie verbergen. Hamburg 1995. S. 153 bis S. 178.
14 Vgl. Ronald Henns: Publications. Online unter: http://www.uni-saarland.de/fak5/ronald/Publicat/Publicat.htm
15 Anmerkung: Die Literatur zu den im folgenden aufgezählten Wissenschaftlern ist im Literaturverzeichnis angegeben.
16
Chen, A.C./German, C./Zaidel, D.W.: Brain asymmetry and facial attractiveness: Facial beauty is not simply in the eye of the
beholder. In: Neuropsychologia. 1997. Vol. 35. Heft 4. S. 473.
17 Burt, D.M./Perret, D.I: Perceptual asymmetries in judgements of facial attractiveness, age, gender speech, and expression.
Position varrierend aus Gesichtshälften mit attraktiven und kontrastär weniger attraktiven Gesichtszügen konstruierten, jedoch unabhängig davon die rechten Gesichtshälften als attraktiver bewertet wurden. Die Basis der Attraktivitätsforschung besteht im Zusammenspiel der lerntheoretischen und der evolutions- bzw. sozialbiologischen Theorie, welche folgende Merkmale als Reize für angeborene Auslösemechanismen benennt:
Ä$Q]HLFKHQ IU EHVRQGHUH hEHUOHEHQVTXDOLWlWHQ .UDIW '\QDPLN $XVGDXHU DOVR
Schlussfolgernd impliziert die Theorie zum einen eine universelle Urteilerübereinstimmungsbasis, zum anderen einen durch das Ausselektieren von nicht reproduktionsfähigen und -schwachen Merkmalen charakterisierten Selektionsprozess. Daraus folgt, dass sich in Gesichtern „[...] die in der Evolution entstandenen Partnerwahlkriterien widerspiegeln.“ 19 Experimente, die belegen, dass die Blicke von Babys länger auf attraktiveren Gesichtern verharren, bestätigen die Evolutionstheorie. 20 Diese muss jedoch mit einschränkender Geltung in ergänzender Kombination mit der kulturellen Lerntheorie herangezogen werden, da sich einige Präferenzen nur als kulturell entwickelte erklären lassen:
$XIGHU6XFKHQDFK%HVRQGHUKHLWHQYRQ$WWUDNWLYLWlWVW|WPDQEHLVSLHOVZHLVHGDUDXI
0HDOH\ %ULGJVWRFN XQG 7RZQVHQG von der University of Queensland erörtern in
Bezug auf Wirkung und Entstehung von sexuellen Geschlechtsmerkmalen des Gesichtes:
Ä2QHYDULDEOHWKDWVHHPVWRSOD\DQLPSRUWDQWSDUWLQWKHSHUFHSWLRQRIDWWUDFWLYHQHVV
In: Neuropsychologia. Vol. 35. S. 685 bis S. 693.
18 Westerbarkey, J.: Medienmenschen. Publizistische Komponenten personaler Attraktivität.
In: Communications. 1995. Vol. 20. Heft 1. S. 27.
19 Landau, T.: Von Angesicht zu Angesicht. Was Gesichter verraten und was sie verbergen. Hamburg 1995. S. 359.
20 Vgl. Langlois, J. H. Infant preferences for attractive faces: Rudiments of a stereotype?
In: Developmental Psychology. 1987. Vol. 23. S. 363 bis S. 169.
Vgl. Rubenstein, A.J./Kalakanis, L./Langlois, J.H.: Infant preferences for attractive faces: A cognitive explanation?
In: Developmental Psychology. 1999. Vol. 15. S. 848 bis S. 855.
21 Vgl. Westerbarkey, J.: Medienmenschen. Publizistische Komponenten personaler Attraktivität.
In: Communications. 1995. Vol. 20. Heft 1. S. 28
Arbeit zitieren:
Isabel Ebber, 2002, Zur Attraktivität des Gesichts als Partnerwahlmotiv, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Emotionale Kompetenz in der betrieblichen Weiterbildung
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Diplomarbeit, 121 Seiten
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Fragestellungen und Themen der deutsch- und englischsprachigen Ästheti...
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Wissenschaftlicher Aufsatz, 17 Seiten
Bewegungstherapie bei Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung
Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung
Magisterarbeit, 107 Seiten
Isabel Ebber's Text Zur Attraktivität des Gesichts als Partnerwahlmotiv ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Isabel Ebber hat den Text Zur Attraktivität des Gesichts als Partnerwahlmotiv veröffentlicht
Isabel Ebber hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare