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Seminararbeit, 1998, 28 Seiten
Autor: Ilka Borchardt
Fach: Ethnologie / Volkskunde
Details
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Institut für Ethnologie)
Tags: Margaret, Mead, Derek, Freeman, Ethnologische, Autoritäten, Krise, Geschichte, Entwicklung, Ethnologie
Jahr: 1998
Seiten: 28
Note: sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-14237-3
Dateigröße: 275 KB
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Margaret Mead und Derek Freeman, Ethnologische Autoritäten in der Krise
von Ilka Borchardt
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 1
2 BIOGRAPHISCHES UND WISSENSCHAFTLICHES UMFELD MARGARET MEADS 2
2.1 Eine kurze Biographie 2
2.2 Die politische Situation 5
2.3 Die wissenschaftlich - theoretische Situation 6
3 MEADS EIGENE WISSENSCHAFTLICHE ARBEIT 8
3.1 "Jugend und Sexualität in primitiven Gesellschaften" 8
3.2 Einige wichtige Thesen Meads 11
4 DEREK FREEMAN - EIN KRITIKER 14
4.1 "Liebe ohne Aggression" 14
4.2 Rezensionen 19
5 ZUSAMMENFASSUNG 24
6 LITERATURVERZEICHNIS 25
1 Einleitung
Margaret Mead wird in der Literatur oft als eine Wissenschaftlerin beschrieben, deren Arbeit wegweisend für Ethnologen und Soziologen nicht nur der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts war. Durch die Bedeutung, die ihrer Forschung zugemessen wurde und wird, erhält auch sie selbst etwas wie einen Glorienschein, der jede Art von Kritik zu Blasphemie erklärt.
Der Mythos "Margaret Mead" wurde 1983 von Derek Freeman als einem der ersten öffentlich in seinem Buch "Liebe ohne Aggression" in Frage gestellt.
In meiner Arbeit werde ich im ersten Kapitel Meads persönliche und wissenschaftliche Umfeld skizzieren, um damit ihre Glorifizierung als Wissenschaftlerin wenigstens teilweise zu erklären.
Im zweiten Kapitel lege ich einige der wichtigsten Thesen Meads dar, auf die sich auch Derek Freeman bezog.
Anschließend stelle ich das bereits genannte Werk "Liebe ohne Aggression" vor. Die Wirkung und die Reaktionen darauf untersuche ich anhand von Rezensionen.
Leider kann ich persönlich kein Urteil abgeben, wieweit Freemans Kritik nun gerechtfertigt ist, da ich selber viel zu wenig über die untersuchte Region Samoa weiß. Deshalb beschränke ich mich auf die Beschreibung und den Vergleich beider Forschungen. Wichtig ist mir die Wirkung beider Arbeiten in der Öffentlichkeit, da sie den Grad an Mystifizierung M.Meads verdeutlichen.
Die genannten Rezensionen fand ich zufällig durch Hinweise in anderen Artikeln. Ich suchte bewußt eine Freeman bejahende und eine ablehnende aus, da in dieser Arbeit der Platz fehlt, sich mit mehr differenzierten Positionen zu befassen.
Zitate aus englischsprachigen Texten habe ich nicht übersetzt, um eine möglichst hohe Genauigkeit zu gewährleisten.
2 Biographisches und wissenschaftliches Umfeld Margaret Meads
2.1 Eine kurze Biographie
Margaret Mead wurde am 16.11.1901 als Älteste von fünf Kinder in Philadelphia geboren. Sie entstammte einer Akademikerfamilie: Ihre Mutter hatte Soziologie studiert, der Vater lehrte an der Universität als Professor für Finanzwissenschaften. In ihrer Autobiographie "Brombeerblüten im Winter" beschreibt sie die Atmosphäre im Elternhaus u.a. so: "Da ich in einer akademisch geprägten Umgebung aufwuchs, hörte ich immer wieder Gespräche über Universitätspolitik und Finanzen, über Tricks und Schliche, die sich ehrgeizige Männer ausdachten, und über solche, die sich einen Namen machten, indem sie die Werke anderer zitierten oder beinahe zitierten, ohne Quellen anzugeben. Da ich mit Universitätspolitik und akademischen Auseinandersetzungen aufwuchs, bekam ich schon sehr früh ein Gefühl dafür, wie sich das akademische Leben abspielte."
Zusammen mit ihren Geschwistern wurde sie von der Großmutter väterlicherseits unterrichtet, die ihr beibrachte, "gleichzeitig induktiv und deduktiv zu lernen".
Ab 1919 studierte sie am College, wo sie sich erst im letzten Jahr, 1922, dazu entschloß, Ethnologie bei Franz Boas zu studieren. Ruth Benedict war zu dieser Zeit Boas′ Assistentin. "Franz Boas, der neben Benedict entscheidenden Einfluß auf Mead haben sollte, wurde schon damals, in den 20er Jahren, als der Vater der amerikanischen Anthropologie angesehen. (...) Was immer Mead in späteren Jahren tat, war von der Boas-Schule geprägt, das heißt von dem Gedanken, daß jedes kulturelle Phänomen, jede menschliche Verhaltensweise, jedes kulturelle Zeugnis (...) als Teil eines gesamten kulturellen Systems zu sehen und in Bezug zu allen anderen Phänomen der jeweiligen Kultur zu setzen sei."
Im Sommer 1925 reiste sie zu ihrer ersten 9-monatigen Feldforschung, die einen Kompromiß zwischen ihren eigenen und Boas′ Wünschen darstellte: Sie wollte "ihr Volk" in der Südsee, in Polynesien finden, Boas dagegen wünschte eine Studie bei amerikanischen Indianern, ob Adoleszenzverhalten biologisch determiniert oder kulturell veränderlich ist. 1928 veröffentlichte sie die Ergebnisse ihrer Forschung unter dem Titel Coming of Age in Samoa (dt. Kindheit und Jugend in Samoa). Diese Arbeit wurde ein Bestseller, Freeman bezeichnet sie für den Anfang der 60er Jahre als das "meistgelesene anthropologische Werk überhaupt". Seiner Meinung nach wurde das Buch nicht nur von Fachleuten, wie z.B. Boas, Benedict, Evans-Pritchard, Lowie, Malinowski und Sapir, sondern auch von Vertretern anderer Wissenschaften (Psychologie, Sexualwissenschaft, Philosophie) begeistert aufgenommen und kaum hinterfragt.
1930 erschien der Bericht ihrer zweiten Forschung Growing up in New Guinea. Ihr Thema war dabei die Beschreibung des typischen Verhaltens von Manus-Kindern, die Erforschung ihres Denkens und der Vergleich mit dem Denken westlicher Kinder. Auch ihre weiteren Forschungen führten sie meist in den Pazifik. So entstand z.B. auch Sex and Temperament in Three Primitive Societies in Zusammenarbeit mit ihrem damaligen Ehemann Reo Fortune 1935. Hier untersuchte sie die These, daß männliche und weibliche Eigenschaften in verschiedenen Kulturen verschieden definiert werden. In ihrer dritten Forschungsperiode 1936 - 1939 arbeitete sie mit Gregory Bateson in Bali und Neu Guinea. Die in dieser Zeit entstandenen Fotos und Filme zur Dokumentation von Verhaltensabläufen und -mustern gelten auch heute noch als Klassiker der Visuellen Anthropologie.
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