2
Inhaltsverzeichnis:
I. Einleitung 1
II. Quellen 1
1. Persische Quellen 1
2. Griechische und römische Quellen 2
a) Herodot 2
b) Xenophon 2
c) Andere Autoren 2
III. Das Straßennetz der Perser 3
1. Vorpersische Straßen 3
2. Ausbau und Vermessung der persischen Straßen 3
3. Die wichtigsten Straßenverbindungen 4
a) Von Sardes nach Susa 4
b) Von Persepolis nach Susa 5
c) Andere Verbindungen 5
IV. Die Funktion der Königsstraßen 6
1. Militärische Funktion 6
2. Nachrichtenübertragung 6
3. Handel 7
a) Handelsprodukte 7
b) Nachweise in den Quellen 7
c) Einschränkung des Handelsverkehrs 8
d) Andere Handelswege 9
e) Schussfolgerung 9
3
V. Die Organisation des Verkehrswesens 9
1. Die Versorgung der Reisenden 9 a) Wegstationen 9 b) Proviantrationen 10
2. Die Sicherheit auf den Straßen 12 3. Reisebegleiter 12
VI. Schluss
Literaturverzeichnis
4
I. Einleitung
Schon allein ein kurzer Blick auf die geographischen Gegebenheiten des Perserreiches der Achämeniden verdeutlicht die Bedeutung eines gut ausgebauten Straßennetzes für seinen inneren Zusammenhalt. Vom persischen Kernland aus betrachtet mussten sowohl in westlicher Richtung nach Kleinasien und Ägypten als auch in östlicher Richtung nach Zentralasien und Indien Tausende von Kilometern durch hohe Gebirge und weite Wüsten überbrückt werden.
In dieser Arbeit soll nach einer kurzen Beschreibung des vorliegenden Quellenmaterials und der wichtigsten Straßenverbindungen verdeutlicht werden, welchen Funktionen die persischen Königsstraßen vorrangig gewidmet waren, und durch welche Maßnahmen der Verkehr im Großreich sichergestellt und unterstützt wurde, um so einen kleinen Einblick in die inneren alltäglichen Abläufe im Reich der Achämeniden zu erhalten.
II. Quellen
1. Persische Quellen
Eine ganze Reihe der in Persepolis gefundenen Tontafeln enthalten Hinweise über Reisende, die auf persischen Straßen unterwegs waren. Bei den Tontafeln der Serie Q 1 handelt es sich um kurzgefasste Verwaltungsnotizen der Proviantausgabe an Reisende. Sie sind recht einheitlich aufgebaut und enthalten Angaben über die Menge an L ebensmittel, die Namen der Geber und Empfänger, die Zusammensetzung der Reisegruppen, die Auftraggeber, die Ausgangs- und Endpunkte der Reisen und ihre Datierung.
Die Texte sind in elamischer Sprache und in Keilschrift verfasst und lassen sich auf die Jahre 509 - 494 v.Chr. datieren, wobei der größte Teil der Tafeln aus den Jahren 500-499 v.Chr. stammen 2 . Sie zeigen gewissermaßen eine Momentaufnahme der täglichen Handlungen des hochentwickelten Reisesystems der Perser 3 . Entwicklungslinien lassen sich aus i hnen jedoch nicht ableiten. Darüber hinaus wird in fast allen Texten erwähnt, dass der Empfänger der Proviantrationen die schriftliche Autorisation des Königs 4 , eines hohen Beamten 5 oder eines Satrapen 6 vorzeigen konnte. Daraus ist zu schließen, dass nur von Reisenden die Rede ist, die
1 PF 1285-1579 (publiziert bei: Hallock, R.T.: Persepolis Fortification Tablets) und Pfa 12-23 (publiziert bei: Hallock R.T.: Selected Fortification Texts, in CDAFI, 8 (1978), S. 109-136.
2 Hallock, R.T.: Persepolis Fortification Tablets, S. 74.
3 Ebd., S. 6.
4 PF 1364, 1440, 1795 u.a.
5 PF 1369, 1374, 1462 u.a.
6 PF 1404, 1455 u.a.
5
in offiziellem Auftrag unterwegs waren. Zudem ist der Inhalt der Überlieferung stark beeinflusst von der Art der Archivierung und dem Zufall ihrer Entdeckung. Außerdem sind viele der Tontafeln noch nicht ausgewertet 7 . Dies a lles ist zu beachten, wenn Verallgemeinerungen über die Nutzung der Straßen aus den Tontafeln gezogen werden sollen.
2. Griechische und römische Quellen
Erzählende Quellen über das Straßensystem der Perser sind ausschließlich von nichtpersischen Autoren überliefert.
a) Herodot
Die ausführlichsten Hinweise über persische Straßen und deren Nutzung finden sich bei Herodot. Er beschreibt beispielsweise in Exkursen die Königsstraße von Sardes nach Susa 8 und das Postreitersystem 9 .
Aus der Beschreibung der örtlichen Gegebenheiten lässt sich allerdings ablesen, dass seine Kenntnis nach Osten hin stark abnimmt, 10 und sein geographischer Horizont geht über Babylon und Susa nicht heraus 11 . Wahrscheinlich hat Herodot Mittel- und Ostanatolien nicht selbst besucht, sondern stützte sich auf ein älteres, möglicherweise persisches Dokument 12 . Im Ganzen wird die Beschreibung Herodots aber als zuverlässig betrachtet 13 .
b) Xenophon
Eine Reihe interessante Hinweise über die persischen Straßen finden sich bei Xenophon in der Anabasis 14 und der Kyropaedia 15 . Anders als Herodot war Xenophon selbst als Söldner tief ins Perserreich vorgedrungen 16 und stützt sich zudem auf andere Quellen 17 .
c) andere Autoren
Das persische Straßensystem findet außerdem Erwähnung bei Diodor 18 und Quintus Curtius 19 . Bei diesen Autoren ist zu beachten, dass es sich um Militärhistoriker handelt und ihre Sicht
7 Briant, P.: De Sardes à Suse, AchHist VI, S. 69.
8 Hdt. 5, 52
9 Hdt. 9,98.
10 Chaumont, M.L.: L’Arménie et la route royale des Perses, in REArm 20 (1986/87), S. 287, 291.
11 Briant, P.: Histoire de l’Empire Perse, S. 369.
12 How, W.W./ Wells, J.: A commentary on Herodotus, Bd. 2, S. 21.
13 Müller, D.: Von Kritalla nach Doriskos, in IM 44 (1994), S. 17, 38.
14 Xen. Anab. 1, 2, 16; 1,5,7; 2, 4, 24
15 Xen. Kyr. 8, 6, 17
16 Tuplin, Ch.: Ancient Travellers, AchHist VII, S. 44; Koch, H.: Es kündet Dareios der König, S. 25.
17 Joannes, F.: L’itinéraire des Dix-Mille en Mésopotamie, in Pallas 43 (1995), S. 173.
18 Diod. 19, 17, 7
6
auf die Funktionalität der Straßen in dieser Hinsicht gelenkt ist 20 . Darüber hinaus schreiben sie in späterer Zeit.
Bessere Voraussetzungen liegen beim W erk des Ktesias vor, der Ende des 5. Jahrhunderts v.Chr. als Gefangener in Persien lebte 21 . Die für das Thema interessantesten Teile des Werkes 22 sind jedoch nicht überliefert 23 .
III. Das Straßennetz der Perser
1. Vorpersische Straßen
Als die Perser die Nachfolge der elamischen, medischen, assyrischen, babylonischen, lydischen und ägyptischen Herrscher antraten, fanden eine ganze Reihe uralter Karawanenwege vor 24 . In der Nähe von wichtigen Städten Babyloniens und Assyriens waren die Straßen bereits mit Stein oder Ziegel gepflastert oder mit Bitumenbelag versehen 25 . Längere Handels- und Militärstraßen waren noch nicht gepflastert 26 .
2. Ausbau und Vermessung der persischen Straßen
Diese Straßen wurden von den Persern planmäßig ausgebaut und erweitert 27 , so dass auf ihnen auch Reisewagen fahren konnten 28 . Ein archäologisch näher untersuchter Straßenabschnitt bei Naqsh-i Rustam weist eine Breite von fünf Metern auf 29 . Da die Straßen jedoch größtenteils weiterhin nicht gepflastert wurden 30 , verwandelten sich mitunter in der Regenzeit die staubigen Pisten in schlammige Wege, in denen die Wagen stecken blieben 31 . Problematisch war auch die Überwindung der zahlreichen großen Flüsse. Dies wurde durch permanente Brücken 32 und Brückenboote 33 gelöst. Xenophon berichtet, dass über den Tigris eine Pontonbrücke aus 37 ineinander verhakten Schiffen führte 34 .
19 Curt. 5, 8, 5
20 Briant, P.: Histoire de l’Empire Perse, S. 370.
21 Koch, H.: Es kündet Dareios der König, S. 25.
22 Ktesias, Persika 64.
23 How, W.W./ Wells, J.: A commentary on Herodotus, Bd. 2, S. 21.
24 Wiesehöfer, J.: Handel des Achämenidenreiches, in MBH I/1 (1982), S. 5, 7; Carvaignac, E.: Les deux routes d’Asie Mineure, in JA 244 (1956), S. 341, 345.
25 Schmidt, H.J.: Straßen in altorientalischen Wohngebieten, in BM 3 (1964), S. 125.
26 Forbes, R.J.: Ancient Roads, S. 70.
27 Wiesehöfer, J.: Handel des Achämenidenreiches, in MBH I/1 (1982), S. 5, 7.
28 Hdt. 7, 83; Xen. Kyr. 6, 2, 36; Diod. 18, 26.
29 Kleiss, W.: Ein Abschnitt der achämenidischen Königsstraße, in AMI N.F. 14 (1981), S. 45, 48.
30 Hdt. 7, 115; Graf, D.F.: The Persian Royal Road System, AchHist VIII, S. 167, 173.
31 Xen. Anab. 1, 5, 7.
32 Hdt. 1, 186.
33 Xen. Anab. 1, 2, 5.
34 Xen. Anab. 2, 4, 24.
Arbeit zitieren:
Thomas Woelki, 2002, Königsstraßen im Reich der Achämeniden, München, GRIN Verlag GmbH
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