Von der Geburt bis zum Erwachsensein -
Übergangsriten als distinktive Merkmale
unterschiedlicher sozialer Gruppen
Thorsten Laumann
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2 - 3
2. Die Einteilung der Lebensalterphasen 3
3. Die Geburt 4 - 5
4. Der Zahnwechsel 5 - 6
5. Die Zeit des Tirocinium fori 6 - 9
6. Die Hochzeit 9 - 11
7. Die Anwendung der Sitten bei den Sklaven 11 - 12
8. Ein Vergleich mit den heutigen Bräuchen 12 - 13
9. Schlussbemerkung 13 - 14
10. Literaturverzeichnis 15
11. Quellen 15 - 16
1. Einleitung
Es war ein langer Weg, den die Menschen des Römischen Reiches durchleben mussten, bis sie als erwachsene Personen angesehen wurden. Das Kinder und Jugendalter wurde in mehrere Abschnitte untergliedert, in denen die Kinder jeweils an sozialem Ansehen gewannen. So begann das Leben mit der Geburt, wechselte in einen weiteren Abschnitt mit dem Zahnwechsel und auch mit dem einsetzen der ,,pubertas", der Pubertät. Weitere Stationen von der Geburt zum Erwachsensein waren das Anlegen der ,,toga virilis" und die oftmals anschließende Lehrzeit, das ,,tirocinium fori". Als absoluter Abschluss der Kinder- und Jugendphase galt im Römischen Reich und auch in der Kaiserzeit die Hochzeit.
Jeder dieser Lebensabschnitte wurde in der Antike mit einem Ritual zelebriert, das deutlich machte, dass das Kind beziehungsweise der Jugendliche in einen neuen sozialen Status eingetreten ist. Ob diese Übergangsriten aber bei Jungen und Mädchen, in allen Schichten und in allen regionalen Gebieten des Römischen Reiches dieselben waren, untersucht diese Arbeit. Während der Analyse wird dargestellt, wie die Rituale durchgeführt wurden und welche rechtlichen und sozialen Konsequenzen sie für die Kinder und Jugendlichen hatten. Ein Schwerpunkt legt diese Arbeit besonders auf den Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter. Da gerade die Zeit des Kindesalter in der antiken Literatur oft als der schlimmste und meist verachtete Lebensabschnitt beschrieben wird1, galt der Übergang zum Status des Erwachsenen als ein sehr wichtiger Lebensabschnitt, der in vielen Quellen der Antike auch dargestellt wird. Somit werden dem Anlegen der ,,toga virilis" und dem Brauch der Hochzeit die größte Aufmerksamkeit geschenkt.
Zum Abschluss zieht diese Arbeit einen Vergleich zwischen der Anwendung der antiken Übergangsriten und denen der heutigen Zeit. Dabei soll analysiert werden, ob der Zeitpunkt des Zahnwechsels oder die Durchführung der Hochzeit heute dieselben Konsequenzen haben wie in der Antike, oder ob sie sich verändert haben.
Gestützt wird diese Untersuchung auf die antiken Quellen von mehreren bekannten Autoren. Da die Autoren der Antike hauptsächlich aus der Oberschicht der damaligen Gesellschaft stammen, sind heute vorrangig Informationen über die Erziehung in der Oberschicht erhalten. Dennoch werden auch Einsichten in das Erziehungswesen der Sklaven gegeben werden.
2. Die Einteilung der Lebensalterphasen
In der Antike gab es keine festgelegte Einteilung der Lebensalterphasen. Zwar überschnitten sich die unzählig vielen Theorien über die Einteilung des Lebens oft in einigen Punkten, doch es gab keine allgemeingültige Vorstellung über die Abgrenzung der einzelnen Lebensabschnitte. Aus der Quelle ,,De aetatibus hominis" von Isidorus geht eine Aufteilung hervor, die in der Antike jedoch einen großen Zuspruch erfuhr: ,,Gradus aetatis sex sunt: Infantia, pueritia, adulescentia, iuventus, gravitas atque senectus."2
Die erste Stufe des Lebens, die ,,infantia", ist nach Isidorus die Zeit von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr. Sie zeichne sich dadurch aus, dass das Kind in dieser Phase noch nicht sprechen könne und zudem sehr unselbständig lebe. Der zweite Lebensabschnitt, in der Antike mit ,,pueritia" bezeichnet, reiche bis zum 14. Lebensjahr. In dieser Zeit sei das Kind vom Gesetz her noch nicht zeugungsberechtigt. Das Alter des jungen Erwachsenen, ,,adulescentia", dauere bis zum 28. Lebensjahr. Der stärkste von allen Abschnitten war nach Isidorus die Jugendzeit, die in der Antike oftmals bis zum 50. Lebensjahr dauerte. Bis zum 70. Jahr galt der Mensch im Römischen Reich als ,,gravitas" und nicht mehr als jung, aber auch noch nicht als alt. Erst mit dem 70. Jahr an wurde der antike Mensch zum ,,senectus" oder auch ,,senex", also zum weisen Greis, ernannt.
Auffallend bei vielen Theorien über die Einteilung der Lebensalterphasen ist die Möglichkeit, sie rechnerisch zu interpretieren. So lassen sich einige Aufteilungen in ein Siebenerschema, andere wiederum in ein Fünferschema aufteilen. Das heißt, dass viele Einteilungen alle sieben beziehungsweise alle fünf Jahre einen neuen Einschnitt erleben, der den Menschen in einen neuen Lebensabschnitt führt.3 Dennoch gibt es wie gesagt keinen allgemeingültigen Ansatz.
3. Die Geburt
[...]
1 Stahlmann, Ines: Lebensalter, Antike, in: Dinzelbacher, Peter: Europäische Mentalitätsgeschichte, Hauptthemen in Einzeldarstellungen, Stuttgart 1993. S. 209-210. Künftig zitiert als: Stahlmann: Lebensalter.
2 Isid. orig. XI c.
3 Höhn, Georg: Die Einteilungen der Lebens- und Weltalter bei Griechen und Römern, Würzburg 1912. S. 4.
Arbeit zitieren:
Thorsten Laumann, 2001, Von der Geburt bis zum Erwachsensein - Übergangsriten als distinktive Merkmale unterschiedlicher sozialer Gruppen, München, GRIN Verlag GmbH
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