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Der Konservatismus der Nachkriegszeit - nicht nur 60 Jahre CDU/CSU

Wissenschaftlicher Aufsatz, 2005, 25 Seiten
Autor: Holger Czitrich-Stahl
Fach: Geschichte - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Details

Kategorie: Wissenschaftlicher Aufsatz
Jahr: 2005
Seiten: 25
Note: 1,0
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V65084
ISBN (E-Book): 978-3-638-57736-6
ISBN (Buch): 978-3-638-67036-4
Dateigröße: 223 KB
Anmerkungen :
Auszug aus meiner Ersten Staatsarbeit, Universität Bielefeld 1988


Zusammenfassung / Abstract

Vorbemerkung (Juli/August 2005) Die CDU wird in dieser Jahreszeit 60 Jahre alt. Das heißt zurück zu blicken auf 36 Jahre Regierungsmacht in der Bundesrepublik Deutschland. Die CDU stellte vier Bundeskanzler. Konrad Adenauer regierte von 1949-1963. Widerwillig wurde der ”Alte von Röhndorf” 1963 im Alter von 87 Jahren abgelöst von Ludwig Erhard (Kanzler 1963-1966). Als die FDP 1966 das Handtuch warf, folgte Kurt Georg Kiesinger als Chef der Großen Koalition von 1966-1969. Die längste Kanzlerschaft war Helmut Kohl zugedacht von 1982-1998. Länger als die Union im Westen regierte im Osten Deutschlands, in der DDR, nur die SED von 1949-1989. In diesen Jahren hat die CDU/CSU die Weichen der Republik zu stellen vermocht. Aus der Nachkriegszeit erwuchs der Weststaat BRD mit dem Wirtschaftswunder, dem nachholenden Aufschwung der Nachkriegsjahrzehnte, integriert in das Nordatlantische Bündnissystem, die Gemeinschaft der westlichen Demokratien und die Europäische Gemeinschaft. Helmut Kohl oblag die Realisierung der ihm weltgeschichtlich zufällig zufallenden Einheit der Deutschen, ein Highlight in der vormals eher tristen Phase seiner Regierungszeit, abgerundet durch die Fortentwicklung der EWG zur Europäischen Union. Auch dieser folgende Artikel entstammt meiner Forschungstätigkeit der Jahre 1987-1991 und ist meinem Buch ” Konservatismus und nationale Identität in der Bundesrepublik Deutschland” aus dem Jahr 1989 entnommen. Auch hier gilt, dass ich die Gliederung und die Quellenangaben neu beziffert habe. Das Originalkapitel beginnt im Übrigen auf der Seite 60.


Textauszug (computergeneriert)

Der Konservatismus der Nachkriegszeit – nicht nur 60 Jahre CDU/CSU

von: Holger Czitrich-Stahl

 


I. Vorbemerkung (Juli/August 2005)  2

II. Der Konservatismus in der Nachkriegszeit  3

II.1. Der Pragmatismus der Nachkriegszeit  3
II.2. Vom “Gärtnerkonservatismus zur “Tendenzwende”  6

1 Organisationen  8
2 Zeitschriften und Periodika  8

II.3 Die Re-Ideologisierung des Konservatismus seit der “Tendenzwende”  10
II.4 Der deutsche Imperativ - der Konservatismus der achtziger Jahre  16

Anmerkungen 22

 


 

I. Vorbemerkung (Juli/August 2005)

Die CDU wird in dieser Jahreszeit 60 Jahre alt. Das heißt zurück zu blicken auf 36 Jahre Regierungsmacht in der Bundesrepublik Deutschland. Die CDU stellte vier Bundeskanzler. Konrad Adenauer regierte von 1949-1963. Widerwillig wurde der ”Alte von Röhndorf” 1963 im Alter von 87 Jahren abgelöst von Ludwig Erhard (Kanzler 1963-1966). Als die FDP 1966 das Handtuch warf, folgte Kurt Georg Kiesinger als Chef der Großen Koalition von 1966-1969. Die längste Kanzlerschaft war Helmut Kohl zugedacht von 1982-1998. Länger als die Union im Westen regierte im Osten Deutschlands, in der DDR, nur die SED von 1949-1989.

In diesen Jahren hat die CDU/CSU die Weichen der Republik zu stellen vermocht. Aus der Nachkriegszeit erwuchs der Weststaat BRD mit dem Wirtschaftswunder, dem nachholenden Aufschwung der Nachkriegsjahrzehnte, integriert in das Nordatlantische Bündnissystem, die Gemeinschaft der westlichen Demokratien und die Europäische Gemeinschaft. Helmut Kohl oblag die Realisierung der ihm weltgeschichtlich zufällig zufallenden Einheit der Deutschen, ein Highlight in der vormals eher tristen Phase seiner Regierungszeit, abgerundet durch die Fortentwicklung der EWG zur Europäischen Union. Auch dieser folgende Artikel entstammt meiner Forschungstätigkeit der Jahre 1987-1991 und ist meinem Buch ” Konservatismus und nationale Identität in der Bundesrepublik Deutschland” aus dem Jahr 1989 entnommen. Auch hier gilt, dass ich die Gliederung und die Quellenangaben neu beziffert habe. Das Originalkapitel beginnt im Übrigen auf der Seite 60.

II. Der Konservatismus in der Nachkriegszeit

Es ist unter dieser Überschrift nicht der Versuch zu verstehen, eine Geschichte der CDU/CSU in einer weiteren Ausgabe zu kreieren. Strukturen und Organisationen konservativen Denkens und konservativer Politik sind nicht mit den Parteigrenzen von CDU und CSU deckungsgleich. ”Die Geschichte des Konservatismus als politisch-geistige Strömung, die sehr komplexer Natur ist, ist nicht identisch mit der Geschichte konservativer Parteien, Verbände und Institutionen. Letztere sind und waren wesentliche Bestandteile: als Träger und Kristallisationspunkte der politischen Ideologie... von Klasseninteressen/Klassenbewußtsein und Herrschaftspraxis (1)

II.1. Der Pragmatismus der Nachkriegszeit

Caspar von Schrenck-Notzing, geboren 1927, Herausgeber von `Criticon` (die zu den führenden konservativen Zeitschriften zu zählen ist), und Großaktionär in mehreren Siemens-Unternehmen und der WMF (2), betrachtet den ”Ausdruck ´konservativer Politiker` ... wegen der beiden in ihm enthaltenen und miteinander kaum zu vereinbarenden Komponenten” auch heute noch als problematisch (3).

Die CDU stellt für konservative Theoretiker keinesfalls per se eine konservative Partei dar. Dies trifft um so mehr auf die Nachkriegs-CDU zu, die zunächst als ein Sammelbecken der verschiedenen konfessionell gebundenen Parteien wie dem ”Zentrum” und ihres Milieus, der nationalistisch-protestantischen DNVP und der diversen regionalen Organisationen der Weimarer Republik entstand. Die CDU verzeichtete lange Jahre auf eine systematische Organisationsbildung und nahm so den Charakter eines Kanzlerwahlvereins für Konrad Adenauer an, wie es von 1949 bis 1963 häufig hieß. Mohler bezeichnet als konservative Parteien oder gar nur als Ansätze dazu die ”Deutsche Partei” (DP), die von 1947 bis 1961 unter der langjährigen Führung von Joachim von Merkatz und Heinrich Hellwege stand, sowie die bayerische CSU, jeweils aber nur ”streckenweise”. (4).

Für Mohler ist entscheidend, dass es analog zur Weimarer Republik keine ”Rechte” im politischen Spektrum gab, da über den breiten Nenner des Antikommunismus hinaus keine wirklich konservativen Akzente gesetzt worden seien. Tatsächlich, bei aller für Konrad Adenauer bezeugten Wertschätzung, wird diesem jedoch vorgeworfen, dass er sich nicht konsequent für eine nationale Wiedervereinigung stark gemacht habe und stattdessen den Weg nach Westen einschlug. “Es ist ein Charakteristikum der deutschen Rechten, daß in ihr ´Konservatismus` und ´Nationalismus` ... scharf voneinander getrennt sind.” (5) Mohlers Kritik, die von anderen Mitstreitern geteilt wird, richtet sich gegen den Pragmatismus der Nachkriegsjahre. Dieser Pragmatismus ist historisch die Reaktion auf die Kompromittierung in den Jahren der Zerstörung der Weimarer Republik; der Vorwurf der aktiven Sterbehilfe, die der Demokratie von Konservativen in Form der jungkonservativen Ideologien von Moeller van den Bruck bis Carl Schmitt, durch die Teilnahme an der `Harzburger Front` und durch die Beteiligung an Präsidialkabinetten und an der “Regierung der nationalen Erhebung” Hitler - von Papen geleistet wurde, stand wie ein Schlagschatten drohend hinter jeder konservativen Regung. “Auf die Buß- Klage der unmittelbaren Nachkriegszeit antwortete ihre breite Mehrheit mit der kollektiven Flucht in jenen eigenartig passiven Gärtner- und Demutskonservatismus, der die Konservativen damals zu einer harmlosen, höchstens belächelten Arabeske des Wirtschaftswunders schrumpfen ließen.” (6)

[...]


(1) Ludwig Elm (Hg.), Konservatismus heute, Köln 1986, S. 10

(2) Vgl. Armin Mohlers Laudatio zu Caspar von Schrenck-Notzings 60. Geburtstag in Criticon 100/101, 1987, S.53

(3) C. von Schrenck-Notzing, Gibt es eine Konservative Internationale ?, in: Gerd-Klaus Kaltenbrunner (Hg.), Die Herausforderung der Konservativen, München 1974, S. 56

(4) Mohler, Von Rechts gesehen, Stuttgart 1974, S.45. Siehe auch Constanze Tenner, Die Bedeutung der Deutschen Partei für den Neuformierungsprozeß des Konservatismus nach 1945, in: Konservatismusforschung 7, Jena 1987, S. 159

(5) Mohler, ebd.

(6) Mohler, Tendenzwende für Fortgeschrittene, München 1978, S. 40


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