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1. Einführendes S. 3 2. Wissenschaftstheoretische Hintergründe S. 4
2.1. Die Theorie, zwischen Realität und Utopie S. 5
2.2. Die Funktion der Empirie und ihrer Methoden S. 6
2.3. Die Praxis in der Realität S. 8 3. Die „Kulturindustrie“ im Wandel der Zeit S. 9
3.1. Die ursprüngliche Funktion der „Kulturindustrie“ S. 9
3.2. Die Aufgabe empirischer Methoden in der Markt- und S.10 Meinungsforschung 3.3. Praxis heute in der Medienrealität S.12 4. Adornos Malheur, die Umsetzbarkeit der Theorie in Praxis S.14 5. Literaturverzeichnis S.16
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1. Einführendes
Theodor W(iesengrund) Adorno zählt zu einer Generation deutsch-jüdischer Intellektueller, die theoretische Einsichten des Marxismus, der Psychoanalyse und der Phänomenologie Husserls für die kritische Analyse der kapitalistischen Gesellschaft nutzen wollte. Er selbst schreibt seiner jüdischen Abstammung wesentlichen Einfluß auf sein Denken und Schaffen zu, denn er konstatiert, dass „ . . . die Juden als nicht angepaßte verfolgt werden und daß eben darum ihr Bewußtsein zuweilen übers Gesellschaftssystem hinausreicht . . .“, ( T.W. Adorno 1955: S.127. ) was sich in Form der sogenannten „kritischen Theorie“ eindrucksvoll manifestiert. Mit seinem Freund Max Horkheimer, dem Direktor des Instituts für Sozialforschung an der Frankfurter Universität, überstand Adorno das amerikanische Exil und reimportierte anschließend die „Kritische Theorie“ wieder nach Frankfurt, wo sie bereits Anfang der 30er-Jahre entwickelt wurde. Daher auch die synonym gebräuchliche Bezeichnung „Frankfurter Schule“. Anfang der 50er-Jahre verschlug es „Teddy“ ( wie er sich privat tatsächlich nannte ) nochmals in die USA, da er dort ein Jahr zu verbringen hatte, um seine amerikanische Staatsbürgerschaft nicht zu verlieren ( M. Plessner 1995: S.48.). Die Erfahrungen, die er im damals schon sehr fortgeschrittenen Amerika gemacht hatte, inspirierten ihn sicherlich stark zu seiner „Theorie der Kulturindustrie“ als integraler Bestandteil seiner Gesellschaftstheorie in der Tradition der kritischen Theorie. Die kritische Theorie steht im Zeichen der Hoffnung, daß wirkliche Erkenntnisse, im Unterschied zu verklärender Ideologie, den Menschen als Mittel dazu dienen könnten, Sinn und Vernunft in die Welt zu bringen. In den sechziger Jahren wurde sie entsprechend zum Kristallisationspunkt gesellschaftskritischen Denkens im und gegen den weithin immobilen CDU-Staat, und damit zu einer theoretischen Quelle der Studentenbewegung von 1967/68, die ja auch den Springer-Verlag exemplarisch als Repräsentant des kulturindustriellen Komplexes ins Visier nahm. Denn der „ . . . Gesamteffekt der Kulturindustrie ist der einer Anti-Aufklärung; in ihr wird ( ... ) Aufklärung, nämlich die fortschreitende technische Naturbeherrschung, zum Massenbetrug, zum Mittel der Fesselung des Bewußtseins. Sie verhindert die Bildung autonomer, selbständiger, bewußt urteilender und sich entscheidender Individuen.“ ( T.W. Adorno 1977: S.325. ) Das diese Aussage begründende philosophische Fragment „Kulturindustrie“ wird in dieser Arbeit von verschiedenen Seiten aus betrachtet. Denn das, meiner Meinung nach etwas übereilt als „Theorie“ titulierte,
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philosophische Fragment „Kulturindustrie“, sowie der mit ihm bezeichnete kulturindustrielle Komplex der Medien, haben im Wandel der Zeit innerhalb weniger Dekaden verschiedene Gesichter angenommen, die widersprüchlicher von ihrer Bedeutung und Rolle für die Gesellschaft kaum sein könnten. Ich versuche in dieser Arbeit darzulegen, wie aus Adornos ursprünglich gut gemeinten negativen Utopie der „Kulturindustrie“ über die Stationen Theorie und Empirie schließlich bedenkliche Praxis wurde. Ausgehend von einer wissenschaftstheoretischen Abhandlung der für meine Ausführungen relevanten Begriffe, stelle ich anhand einiger Statements aus dem Nachlaß der 68er-Generation und bewußt ausgewählter Beispiele aus dem Medienzirkus die tatsächliche Funktion von Adornos Werk in der gesellschaftlichen Praxis dar. Als Erstes wurde es Adorno zum Verhängnis, dass seine Theorie in Form gewaltsamer Proteste von den Studenten in Praxis umgesetzt wurde. Zweitens nahm sich der von ihm als „Kulturindustrie“ bezeichnete Komplex des Mediensystems langfristig seiner Theorie an, und mißbrauchte sie förmlich für ihr Profitinteresse. 2. Wissenschaftstheoretische Hintergründe
Nach Endruweit muß in den Sozialwissenschaften „ . . . dem Umstand Rechnung getragen werden, daß alle ihre Gegenstände im Gegensatz zu den meisten Gegenständen der Naturwissenschaft sehr stark dem sozialen Wandel im Laufe der Zeit und auch der Differenzierung gegenüber einander zur selben Zeit unterliegen.“ ( Endruweit 1993: S.8. ) In diesem Teil der Arbeit behandle ich von diesem Umstand ausgehend die für meine Betrachtung relevanten Auslegungen und Funktionsweisen der wesentlichen wissenschaftstheoretischen Begriffe, die da wären Theorie, Empirie und Praxis.
Gemeinsam mit dem Marxismus vertritt die kritische Theorie eine „philosophisch-
kritische“ Wissenschaftsauffassung, und enthält sich darum ganz bewußt QLFKW einer
wertenden Interpretation der Realität. Aus dieser Wissenschaftsauffassung ist offensichtlich auch Adornos Theorieverständnis abzuleiten: Er verweigert sich in diesbezüglichen Ausführungen ganz bewußt der Praxis des Definierens, die er als „scholastischen Restbestand“ ( T.W. Adorno 1969: S.86.) begreift, und versucht als Ästhet, sein Verständnis der Begriffe in einer methodischen Einheit von Form und Inhalt zu vermitteln. Mit ein-eindeutigen Definitionen kann ich also entsprechend Adornos Wissenschaftsauffassung nur für die Darstellung der positivistischen Position (des
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Matthias Brabetz, 2002, Adornos Kulturindustrie im Wandel der Zeit - Von einer Theorie der Medien bis zur Praxis in der Medienrealität -, München, GRIN Verlag GmbH
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