Fördert oder beeinträchtigt die Globalisierung die
Entwicklungschancen der Entwicklungsländer?
von: Christian Blume
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.03
2. Definition der Begriffe Globalisierung und Entwicklungsländer S.04
3. Gewinner- und Verlierer des Globalisierungsprozesses S.05
4. Literaturverzeichnis S.09
1. Einleitung
Nur selten, so scheint es, wurde ein Phänomen wie das der Globalisierung in der Gegenwart breiter diskutiert, seine Definitionsmerkmale unterschiedlicher akzentuiert und seine Konsequenzen ambivalenter beurteilt. Die Globalisierung bildet einen welthistorischen Megatrend1, welcher tief greifende und von vielen als unumkehrbar bezeichnete Veränderungsprozesse in der Weltwirtschaft, aber auch auf den Ebenen der Weltgesellschaft und der Weltpolitik aufnimmt und dabei scheinbar genauso viele Chancen wie Probleme aufwirft. Von Befürwortern als Heilgeschichte ideologisiert, welche Wohlstand und Fortschritt in alle Länder dieser Welt bringt, wird der Globalisierungsprozess von seinen schärfsten Kritikern als entgrenztes Bedrohungsszenario inszeniert, welches insbesondere auf Kosten der Entwicklungsländer den Wohltand der OECD-Welt zu erhalten und zu mehren sucht. Doch ist gerade die Frage nach dem Überwiegen positiver beziehungsweise negativer Einflüsse des Globalisierungsprozesses auf die Entwicklungschancen der Entwicklungsländer nicht mit einem einfachen ja oder nein zu beantworten, sondern fordert vielmehr eine differenziertere Betrachtung der Entwicklungsländer, des Globalisierungsprozesses und seiner maßgeblichen Akteure. Ausgehend von der These, dass der Globalisierungsprozess als solcher zwar überwiegend positive Entwicklungspotenziale für die Entwicklungsländer eröffnet, jedoch die reale Gestaltung und Implementation der Globalisierung die ärmsten Länder dieser Welt weiter marginalisiert und selbst die Erfolgsbilanzen der Globalisierungsgewinner unter den Entwicklungsländern kritisch zu bewerten sind, wird im Folgenden versucht ein differenziertes Bild des Globalisierungsprozesses und seiner Auswirkungen auf die Entwicklungsländer zu ermöglichen, um die in der These formulierte Janusköpfigkeit der Globalisierung untermauern zu können.
Dazu werde ich eingangs die für diese Thematik elementaren Begriffe Globalisierung und Entwicklungsländer definieren, um eine genauere Unterscheidung zwischen Globalisierungsgewinnern und Globalisierungsverlierern zu ermöglichen. Aufbauend auf diese Begriffsbestimmungen sollen sowohl die positiven als auch die negativen Einflüsse des Globalisierungsprozesses auf die Entwicklungschancen der Entwicklungsländer beleuchtet werden und eine Abwägung zwischen Vor- und Nachteilen des Globalisierungsprozesses erfolgen. Von dieser Bewertung ausgehend wird nochmals die oben formulierte These aufgegriffen und abschließend kritisch hinterfragt.
2. Definition der Begriffe Globalisierung und Entwicklungsländer
Wie bereits angedeutet existiert eine Vielzahl von Definitionen des Globalisierungsbegriffes, die aufgrund unterschiedlicher Betrachtungsweisen und Schwerpunktsetzungen jeweils unterschiedliche Aspekte hervorheben. Als Kern des Globalisierungsbegriffes kann, angelehnt an Rainer Tetzlaff, ein komplexer multidimensionaler Prozess der Entgrenzung und Enträumlichung zum einen und der Verdichtung und Vernetzung zum anderen gelten.2 In zahlreichen Definitionen findet sich eine ökonomisch orientierte Bestimmung des Globalisierungsbegriffes3, da dieser in erster Linie für die Beschreibung der zunehmenden weltweiten ökonomischen Vernetzung, der Internationalisierung der Produktion und der Entgrenzung des Welthandels herangezogen wurde. Meist unberücksichtigt bleiben dabei die nicht minder relevanten Dimensionen der kulturellen, sozialen und politischen Globalisierungsprozesse, die von der weltweiten Verbreitung westlicher Wertvorstellungen, über die zunehmende Entgrenzung der Staatenwelt bis hin zur Verdichtung transnationaler sozialer Beziehungen reichen. Doch erfasst und durchdringt die Globalisierung die verschiedenen Gesellschaften und Ökonomien der Nationalstaaten nicht in gleichem Maße. Während auf der einen Seite die Triade Nordamerika, Europa und Ostasien, ergänzt durch einige dynamische Schwellenländer, auf der Überholspur des Globalisierungsprozesses von der zunehmenden Vernetzung von Ökonomie, Kapital, Ideen und Wissen profitieren, sind auf der anderen Seite ganze Regionen der Welt nachweislich fast vollständig wirtschaftlich und politisch marginalisiert.4
[...]
1 Nuscheler, 2004, S. 53
2 Tetzlaff, 2000, in: Nuscheler, 2004, S. 53
3 Vgl. Friedrichs, 1997, S. 3
4 Nuscheler, 2000, S. 247
Arbeit zitieren:
Christian Blume, 2004, Fördert oder beeinträchtigt die Globalisierung die Entwicklungschancen der Entwicklungsländer?, München, GRIN Verlag GmbH
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