Die Wahrnehmung
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 5
2 Ebenen der Wahrnehmung 6
2.1 Ebene der Empfindung 6
2.2 Ebene der eigentlichen Wahrnehmung 6
2.3 Ebene der Klassifikation 7
3 Die Sinnesphysiologie 8
3.1 Die Sinnesphysiologie der optischen Wahrnehmung 8
3.1.1 Das visuelle System 8
3.1.2 Das menschliche Auge 9
3.2 Vom Sehnerv zum Gehirn 13
3.3 Das Helligkeitssehen 14
3.4 Das Farbsehen 17
3.4.1 Das elektromagnetische Spektrum 17
3.4.2 Die Unterscheidung der Farben 17
3.5 Die Farbwahrnehmung eines Objektes 18
3.6 Arten der Farbmischung 18
3.7 Wahrnehmungstäuschungen 19
3.8 Farbmodelle 20
3.8.1 Weißsehen 23
3.8.2 Spektralfarben 23
3.8.3 Schwarzsehen 23
3.9 Farbtheorien 24
3.9.1 Dreikomponenten- (Trichomatische) Theorie von Young und Helmholtz 24
3.9.2 Gegenfarbentheorie von Hering 25
3.9.3 Gegenfarbzellenmodell 26
3.9.4 Duplizitätstheorie von Kies 27
3.9.5 Dominator-Modulator-Theorie von Granit 27
3.10 Farb- und Helligkeitskontraste 27
3.10.1 Simultankontraste 28
3.10.2 Sukzessivkontrast: Das negative Nachbild 29
4 Sinnesphysiologie im Bereich der akustischen Wahrnehmung 29
4.1 Das auditive System 29
4.2 Hörtheorien 30
4.2.1 Resonanztheorie von Helmholtz 31
4.2.2 Dispersionstheorie von Bekesy 31
5 Psychophysik 32
5.1 Wegbereiter der Psychophysik 32
5.1.1 Weber 32
5.1.2 Fechner 32
5.1.3 Wundt 33
5.1.4 Stevens 33
5.1.4.1 33
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5.2 Themen- und Aufgabenbereiche der Psychophysik 33
5.2.1 Schwellenarten 34
5.3 Mathematischer Zugang 35
5.3.1 Weber: Konstanz der relative Unterschiedsschwelle 35
5.3.2 Fechner: logarithmische Beziehung zwischen Reizen der Innen- und Außenwelt 35
5.3.3 Stevens: psychophysische Potenzfunktion 36
6 Wahrnehmungsprozesse 37
6.1 Das Tiefensehen 37
6.1.1 Angeboren oder erlernt? 37
6.1.2 Tiefencues 37
6.1.3 Panum´scher Empfindungskreis 40
6.2 Technische Geräte bei der Untersuchung des Tiefensehen 41
6.2.1 Haploskop 41
6.2.2 Stereoskop 41
6.2.3 Pseudoskop 41
6.3 Phänomen der Gestaltanalyse 42
6.3.1 Virtuelle Figuren 42
6.3.2 Das Phi-Phänomen 43
7 Wahrnehmungskonstanzen 44
7.1 Die Größenkonstanz 44
7.2 Helligkeitskonstanz 45
7.3 Formkonstanz 45
8 Mustererkennung 46
8.1 Schablonenvergleich 46
8.2 Merkmalsanalyse 46
9 Klassifikation 47
9.1 Klassifikationsprozesse 48
9.1.1 Bottom-up 48
9.1.2 Top-down 48
9.2 Der Einfluss von Kontext, Umgebung und Erwartung auf die Wahrnehmung 49
9.2.1 Mehrdeutigkeit und optische Täuschungen 49
9.2.1.1 Umspringbilder 49
9.2.1.2 Wahrnehmungstäuschungen 49
9.3 Kontexteinflüsse 50
9.3.1 Kontext auf Buchstaben- und Wortebene 50
9.3.2 Kontext des Reizmaterials 50
9.3.3 Sozialer Kontext 50
9.3.3.1 Das Honeyphänomen 50
9.3.3.2 Hypothese der „Unschärfe“ 51
9.3.3.3 Die Wahrnehmungsabwehr 51
9.3.3.4 Akzentuierung der Wahrnehmung 51
9.3.4 Kulturelle Einflüsse auf die Wahrnehmung 53
9.3.5 Motivationale Einflüsse auf die Wahrnehmung 53
9.3.6 Interindividuelle Einflüsse auf die Wahrnehmung 53
10 Wahrnehmungstypologien 54
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10.1 Typologie der Integration 54
10.1.1 Die eidetische Veranlagung 55
10.1.2 Feldabhängigkeit und -unabhängigkeit 55
11 Zusammenfassung 56
11.1 Sinnesphysiologie im Bereich der visuellen Wahrnehmung 56
11.2 Sinnesphysiologie im Bereich der akustischen Wahrnehmung 57
12 Literatur 59
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1 Einleitung
Mit der Erforschung der Wahrnehmung begann man bereits zu den Anfängen der Psychologie Ende des 19. Jahrhunderts (Guttmann, 1996). Die Wahrnehmung basiert auf sehr komplexe Mechanismen, die ich anhand der optischen Wahrnehmung kurz erläutern möchte: Auf der Netzhaut entsteht kein zweidimensionales Bild der Wirklichkeit. Der physikalische Reiz wird bei der Netzhaut von zweidimensionalen angeordneten Rezeptoren aufgenommen. Anschließend wird er über Ganglienzellen und deren Axone als „nervöser“ Impuls weitergeleitet. Aufgrund dessen entwirft der Organismus seine eigene Wirklichkeit (Kalat, 1995). Um die Informationsverarbeitung der Wahrnehmung leichter verständlich zu machen wird diese in Teilprozesse, genannt Ebenen der Wahrnehmung, unterteilt:
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2 Ebenen der Wahrnehmung
Man unterscheidet drei Ebenen der Wahrnehmung:
2.1 Ebene der Empfindung
Empfindung entsteht durch die Stimulation eines Rezeptors, wodurch neuronale Impulse ausgelöst werden. Dies verursacht die noch „unverarbeitete“ Erfahrung eines Gefühls oder eine Kenntnis von Bedingungen innerhalb und außerhalb des Körpers. Auf dieser Ebene wird daher physikalische Energie in eine neurale Aktivität von Gehirnwellen umgewandelt.
Die Erforschung der Empfindungen ist Aufgabe der Sinnesphysiologie und der Psychoakustik (Guttmann, 1996; Zimbardo, 1995; Anderson, 1995).
2.2 Ebene der eigentlichen Wahrnehmung
Hier wird das Außenliegende „wahr-„genommen. Dazu werden Elemente mit Hilfe von Organisationsprinzipien zu Einheiten zusammengefasst, wodurch eine dreidimensionale Sicht, die Tiefenwahrnehmung, möglich wird. Zudem laufen Verarbeitungsprozesse der Konstanz ab, die es uns ermöglichen unterschiedlich weit entfernte, gleich große Objekte als tatsächlich gleich groß wahrzunehmen.
Mit Hilfe der Verarbeitungsprozesse der Organisation, Tiefe und Konstanz können somit Merkmale eines Gegenstandes vorverarbeitet werden. Sie sind die Voraussetzung für den Prozess der Mustererkennung, welche den nächsten Schritt, die Klassifikation, ermöglicht (Guttmann, 1996; Zimbardo, 1995; Anderson, 1995).
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2.3 Ebene der Klassifikation
Hier wird das Wahrgenommene in vertraute Kategorien eingeordnet. Es treffen dabei „datengesteuerte“ (Bottom-up) auf „hypothesen-/ vorstellungsgeleitete“ Verarbeitungsprozesse. Am Schnittpunkt dieser beiden Prozesse findet die Klassifikation statt:
Klassifikation bedeutet daher beispielsweise, dass „Bild“ als Gemälde zu erkennen und vielleicht auch als solches eines bestimmten Malers (Guttmann, 1996; Zimbardo, 1995; Anderson, 1995).
Quelle: http://www-dpmi.tu-graz.ac.at/~neuper/files/Wahrnehmung.pdf
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3 Die Sinnesphysiologie
3.1 Die Sinnesphysiologie der optischen Wahrnehmung
Ihre Aufgabe ist es zu untersuchen, wie biologische Mechanismen physikalische in neurale Ereignisse umwandelt werden. Ihr Ziel ist es, den Weg von der physikalischen Energie bis zur Sinnesempfindung auf neuraler Ebene zu erklären (Guttmann, 1996).
3.1.1 Das visuelle System
Das visuelle System zählt zu den wichtigsten Sinnen des Menschen. Um effektiv funktionieren zu können muss es über eine hohe Reizselektivität verfügen können. Nur elektromagnetische Schwingungen mit einer Wellenlänge von 380 bis 750 Nanometer dürfen erregungsbildend wirken. Dies entspricht einem Farbspektrum von violett bis rot (Guttmann, 1996).
Quelle: www.seilnacht.tuttlingen.com/ Lexikon/Licht.htm
Zudem muss eine Differenzierung der eintreffenden Strahlen nach Frequenz, Intensität und Richtung durchgeführt werden.
Sieht man sich die Entwicklung des optischen Systems an und vergleicht es mit anderen Spezien, so erkennt man, dass die Empfindsamkeit für elektromagnetische Schwingungen an bestimmte Differenzierungen gebunden sein muss. Beispielsweise können einfachere Lebewesen wie Regenwürmer Lichtreize mit Hilfe des gesamten Körperepithels wahrnehmen. Jedoch findet man bei den meisten Lebewesen Mechanismen zur Erhöhung der Selektivität, wie z.B. die Konzentration lichtempfindlicher Elemente in bestimmten Körperregionen (Augenflecken) oder das
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Einsinken des Rezeptorepithels zu einer Sehgrube. Der nächste Schritt ist eine Verengung der "Sehöffnung", wodurch Richtungssehen ermöglicht wird. Vor allem Wirbeltiere haben eine erhöht Sehschärfe durch Linsensysteme (Guttmann, 1996).
Das menschliche Auge besitzt die Fähigkeit die Linse zu krümmen. Diese Akkomodation ermöglicht es sowohl Dinge in unmittelbarer Nähe, als auch sehr weit entfernte Objekte scharf zu sehen. Zudem besitz unser Auge die Fähigkeit zur Adaption. Dies bedeutet, dass es sich auf verschiedene Reizintensität einstellen kann (Zimbardo, 1995).
3.1.2 Das menschliche Auge
Quelle: www.seilnacht.tuttlingen.com/ Lexikon/Licht.htm
Das menschliche Auge funktioniert wie eine Lochkamera (Anderson, 2001):
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Ein einfallender Lichtstrahl dringt zuerst durch die Hornhaut, die durchsichtige oberste Schicht des Auges, auch Cornea genannt. Danach durchläuft er die Pupille, eine Öffnung in der undurchsichtigen Iris. Die Iris oder Regenbogenhaut ist ein die Pupille umgebender Muskelring. Sie kontrolliert die Menge des einfallenden Lichtes durch entsprechende Kontraktion. Zudem enthält die Iris Pigmente, die ihr die Augenfarbe verleihen. Die Pupillenweite verändert sich aber nicht nur durch Licht sondern auch bei emotionalen Reaktionen, geistige Anstrengung, Konzentration etc. Nach der Iris passiert der Lichtstrahl die Linse, welche in eine flexible Membrankapsel eingebettet ist. Ihre Form (flach, entspannt, gekrümmt oder verdickt) wird durch den sie umgebenden Ziliarmuskel reguliert, wodurch die Akkomodation ermöglicht wird. Durch den Glaskörper hindurch trifft der Strahl auf die Retina, auch Netzhaut genannt. Um ein Bild auf der Retina zu fokussieren muss das Licht zum Zentrum des Auges hin gebrochen werden. Hierzu dient einerseits die Krümmung der Hornhaut, andererseits die Linse, die das Lichtmuster auf den Kopf stellt. Die Netzhaut ist eine komplexe Membran, die aus bis zu 10 unterschiedlichen Zellschichten besteht. Die Information der Lichtwellen werden dort in neurale Impulse umgewandelt, die im Gehirn verarbeitet werden können. In der Netzhaut beginnt die Interpretation der ankommenden Reize.
Netzhaut kann in drei Hauptschichten von Zellen unterteilt werden (Zimbardo, 1995):
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Quelle: http://www.medizinfo.de/augenheilkunde/bildseiten/retina.htm
Quelle: www.seilnacht.tuttlingen.com/ Lexikon/Farbe/Farbe.html
- Photorezeptoren:
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Sie sind lichtempfindliche Sinneszellen und am weitesten von der Pupille entfernt. Man unterscheidet hier zwischen Stäbchen und Zapfen. Sie sind das Verbindungsstück zwischen der "hellen Außenwelt" des Lichts und der "dunklen Innenwelt" der neuronalen Prozesse und visuellen Empfindungen. Man schätzt, dass sich rund 125 Millionen Stäbchen in der Peripherie der Retina und 3 bis 6 Millionen Zapfen im Zentrum der Netzhaut befinden.
- bipolare Zellen
Sie liegen in der Mitte zwischen Photorezeptoren und Ganglienzellen. Ihre Aufgabe ist es, die Impulse zahlreicher Rezeptoren miteinander zu verbinden und die sich daraus ergebenden Resultate an die Ganglienzellen weiterzuleiten. Sie besitzen einen Dendriten mit zahlreichen Verzweigungen, ein Axon und ein Endköpfchen. Weiters unterteilt man sie in "On" und "Off" Zellen.
- Ganglienzellen
Diese sind der Pupille am nächsten. Jede dieser Zellen integriert die Signale mehrerer bipolarer Zellen zu einer einzigen Impulsrate. Auch sie unterteilen sich in "On"- "Off"-Zellen. Die Axone der Ganglienzellen bilden zusammen den Sehnerv (nervus opticus), welcher visuelle Information aus dem Auge zum Gehirn transportiert. Die Stelle, an welcher der Sehnerv das Auge verlässt wird als blinder Fleck bezeichnet. Dies ist die einzige Stelle im Auge, an welcher sich keine Rezeptoren befinden. Die durch diesen Fleck fehlende Information wird einerseits durch das andere Auge und andererseits durch das Gehirn kompensiert.
Im Zentrum der Netzhaut befindet sich die Sehgrube beziehungsweise Fovea. An dieser Stelle sieht man am schärfsten sowohl die Farb- als auch das räumliche Sehen betreffend. Diese Stelle ist dicht mit Zapfen bei völligem Fehlen von Stäbchen besetzt. Jedem Zapfen ist hier eine eigene bipolare Zelle zugeordnet (Kalat, 1995). Die 125 Millionen Stäbchen und 3 bis 6 Millionen Zapfen fungieren als Rezeptoren. Sie übertragen die Erregung auf die bipolaren Zellen, von welchen sie zu den rund 1 Million Ganglienzellen weitergeleitet werden. Letztere bilden den Sehnerv und leiten den Impuls zu höheren Verarbeitungsmechanismen im Gehirn weiter (Guttmann, 1996).
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Elisabeth Janisch, 2002, Die Wahrnehmung, München, GRIN Verlag GmbH
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