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Seminararbeit, 2006, 18 Seiten
Autor: Michael Kunth
Fach: Geschichte - Frühgeschichte, Antike
Details
Tags: Sexualisierung, Frauen-Biografie, Ciceros, Angriffen, Clodia, Metelli
Jahr: 2006
Seiten: 18
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 18 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-52635-7
Dateigröße: 196 KB
Eine Episode aus der unruhigen späten Republik: Ciceros sexuelle Diffamierung von Clodia Metelli, der Schwester seines Erzfeinds P. Clodius Pulcher, in der Gerichtsrede Pro Caelio. Ciceros Anschuldigungen beeinflussten nachhaltig das Clodia-Bild in der älteren Forschung. In dieser Arbeit werden die sexuellen Codes der Diffamierung kritisch gegengelesen.
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Sexualisierung einer Frauen-Biografie –
Zu Ciceros Angriffen gegen Clodia Metelli (56 v. Chr.)
von: Michael Kunth
Inhalt
Einleitung
I. Die Situation der Clodia Metelli
I.1 Clodias Abkunft und rechtlicher Status
I.2 Die Verbindung zu P. Clodius Pulcher
I.3 Die iuvenes barbatuli
II. Clodias Aktivitäten nach Cicero
II.1 meretrix - Clodia als aktive Gestalterin
II.2 impududicita - Clodia in der Öffentlichkeit
III. Zusammenfassung
IV. Bibliographie
Einleitung
Im Jahre 56 v. Chr.1 saß M. Caelius Rufus, ein junger Mann aus dem Ritterstand und ehemaliger Schüler von Cicero und Crassus,, auf der Anklagebank. Der Anklagepunkt lautete vi, bewaffneter Aufruhr und Gewaltanwendung. Caelius soll an den Übergriffen auf die alexandrinische Gesandtschaft in Neapel und Puteoli und an der Ermordung des Gelehrten Dion, der die Delegation angeführt hatte, beteiligt gewesen sein. Die Gesandtschaft wollte in Rom gegen die Wiedereinsetzung des vertriebenen Königs protestieren. Der König Ptolemaios XII befand sich in Rom im Exil und wurde von einflussreichen Kreisen Roms, darunter Pompeius, unterstützt.
In Ciceros Verteidigungsrede für Caelius geht es aber nur am Rande um die Ägyptenfrage. Scheinbar werden nicht politische Themen verhandelt, sondern nur ein Streit eines ehemaligen Liebespaares. Clodia wirft Caelius, ihrem ehemaligen Geliebten vor, er habe sich bei ihr Gold geliehen, das er für die Durchführung seiner Übergriffe gegen die Gesandtschaft genutzt habe, ferner habe er sie vergiften wollen. Cicero als letzter der wohl sechs Redner hatte die Aufgabe, die vorangegangenen Vorwürfe der Anklage, in denen Caelius’ sexuelle Eskapaden betont wurden, zu entkräften und zweitens die Zeugin der Anklage, Clodia, unglaubwürdig zu machen. So platzierte Cicero die sexuelle Diffamierung Clodias ins Zentrum seiner Rede.
Das negative Bild, das Cicero in seiner Rede von Clodia entwarf, beeinflusste auch antike Autoren wie Cassius Dio und Plutarch und ebenso die ältere Forschung. Das mag verschiedene Gründe haben. Zum einen ist die Rede Pro Caelio2 die einzige Quelle über diesen Prozess. Die anderen Reden sind nicht erhalten, auch Cicero berichtet in keiner anderen Schrift darüber. Zum anderen ist in der älteren Forschung die Tendenz zu erkennen, die Person Cicero positiv darzustellen. Überliefert ist eine Fülle von Cicero-Texten, die aufgrund Ciceros herausragenden rhetorischen Fähigkeiten wohl auch die älteren Forscher überzeugten. Ein weiterer Grund für die negative Clodia-Darstellung mag daran liegen, dass Frauengeschichte lange Zeit als nicht beachtenswerter Teil der Geschichte gesehen wurde und dass das Frauen-Bild heute ein anderes ist als damals. Die neuere Forschung hingegen versucht die Entstehung des negativen Clodia-Bilds zu erklären, um dann die Figur kritisch zu rekonstruieren.3 Die lange angenommene Identität von Clodia mit Catulls Lesbia in seinen Gedichten wird von der neueren Forschung angezweifelt, Dixon zweifelt auch eine Liebesbeziehung von Catull zu Clodia an. Debattiert wird über einen vermeintlichen politischen Einfluss Clodias und wie groß er war. In der vorliegenden Arbeit sollen nun Ciceros sexuelle Angriffe auf Clodia kritisch hinterfragt werden. Im ersten Teil wird Clodias Situation rekonstruiert anhand von drei relevanten Faktoren. Im zweiten Teil soll untersucht werden, wie Clodias Situation in Ciceros Rede Pro Caelio sexuell diffamiert wird und was das Reden über Sexualität mit Politik zu tun hat.
II. Die Situation der Clodia Metelli
Clodias Situation fußte auf drei Faktoren: Ihrem rechtlichen Status als Witwe aus der Oberschicht, der Verbindung mit ihrem Bruder P. Clodius Pulcher und dem Unterhalten eigener Beziehungsnetze wie den iuvenes barbatuli.
II.1 Clodias Abkunft und rechtlicher Status
Cicero bringt in Pro Caelio Clodias Abstammung aus der Familie der Claudier zur Sprache.4 Clodia entstammte der gens Claudia5, einer der angesehensten und ältesten patrizischen Geschlechter Roms. Die Familie soll berühmt und berüchtigt gewesen sein für ihren ausgeprägten Adelsstolz. Man zählte in der Familiengeschichte 32 Konsuln, sieben Zensoren, fünf Diktatoren und sieben Triumphe. Einer der wichtigsten Repräsentanten war Ap. Claudius, im Alter wegen einer Erblindung „Caecus“ genannt. Er war Konsul (307 und 296), Zensor (312), und Erbauer der nach ihm benannten via Appia und der aqua Appia. Die Familie unterhielt traditionell auch verwandtschaftliche Verbindungen zu anderen angesehenen Familien, zum Beispiel der gens Iulii und den Metelli. Die Claudier befanden sich nach Wiseman „at the heart of the ruling class of the Roman Republic.“6
[...]
1 Die folgenden Jahreszahlen beziehen sich – sofern nicht deutlich gekennzeichnet – auf den Zeitraum vor Christi.
2 Cicero, Rede für Caelius, herausg. u. übers. von Marion Giebel. Stuttgart 1994.
3 Vgl. Dixon, Suzanne: Reading Roman Women. London 2001, Kap.9; Skinner, Marilyn B.: Sexuality in Greek and Roman Culture. Oxford 2005, Kap.7 u. 8; Wiseman, Tim P.: Catullus and his world. A Reappraisal. Cambridge 1990, Kap.2 u. 3.
4 Cic.Cael.14,33 u. 14,34.
5 Der Name „Clodius“/ „Clodia“ ist eine vulgarisierte Form von „Claudius“/ „Claudia“. Die Familie übernahm diese Form, nachdem P. Clodius Pulcher im Jahre 59 zum Plebejerstand gewechselt war, um das Amt des Volkstribuns ausüben zu können.
6 Wiseman, Tim: Catullus, S.20.
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