Eidesstattliche Erklärung
Hiermit erkläre ich an Eides Statt, dass ich die vorliegende Arbeit selbständig und ohne unerlaubte fremde Hilfe angefertigt, andere als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel nicht benutzt und die den benutzten Quellen wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe.
Berlin, den 23.05.2002
I
Erfolgsstrategien der Beschaffung über elektronische
Marktpl ätze aus der Perspektive der Industrie
Inhalt
INHALTSVERZEICHNIS......................................................................................... I
ABBILDUNGSVERZEICHNIS IV
TABELLENVERZEICHNIS. V
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
GLOSSAR VIII
EINLEITUNG 1
1
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG. 1
1.2 AUFBAU DER ARBEIT 2
2 ELEKTRONISCHE MARKTPLÄTZE 4
2.1 BEGRIFFLICHE ABGRENZUNG UND FUNKTIONEN 4
2.1.1 Electronic Business. 5
2.1.2 Electronic Commerce. 5
2.1.3 Elektronischer Markt und elektronischer Marktplatz. 7
2.2 FUNKTIONEN ELEKTRONISCHER MARKTPLÄTZE 9
2.2.1 Informationsphase. 10
2.2.2 Transaktionsphase 10
2.2.3 Abwicklungsphase. 11
2.3 FORMEN, AUSPRÄGUNGEN UND EINTEILUNG ELEKTRONISCHER
MARKTPL ÄTZE. 12
2.3.1 Einteilung nach Handelspartnern 12
2.3.2 Betreibermodelle elektronischer Marktplätze. 14
2.3.3 Vertikale und horizontale Marktplätze 15
2.3.4 Offene und geschlossene Marktplätze 15
II
2.3.5 Arten der Preisbildung. 16
2.3.5.1 Blackboard 17
2.3.5.2 Auktion und Rückwärtsauktion 17
2.3.5.3 Börse 19
3 ELEKTRONISCHE BESCHAFFUNG 20
3.1 LÖSUNGSANSÄTZE UND EINSATZFELDER VON E-PROCUREMENT. 20
3.2 VOR- UND NACHTEILE FÜR EINKAUFENDE UNTERNEHMEN 22
3.2.1 Auswirkungen auf die Preise 23
3.2.2 Transparenz der Wertschöpfungskette. 23
3.2.3 Automatisierung und Dezentralisierung 24
3.3 ERFOLGSFAKTOREN BEI DER IMPLEMENTIERUNG VON E-PROCUREMENT 25
3.3.1 Eignung verschiedener Güterarten. 25
3.3.2 Auswirkungen auf Aufbau- und Ablauforganisation. 30
3.3.3 Auswahl eines geeigneten Marktplatzes 33
4 BEWERTUNG AUSGEWÄHLTER EINKAUFSPLATTFORMEN. 35
4.1 BEWERTUNGSKRITERIEN 36
4.2 ERGEBNISSE DER BEWERTUNG VON EINKAUFSPLATTFORMEN 44
4.3 BEST PRACTICES VERSCHIEDENER BRANCHEN 46
5 ERFOLGSSTRATEGIEN UND ENTWICKLUNGSTENDEN ZEN 57
5.1 ANFORDERUNGEN AN ZUKUNFTSFÄHIGE ELEKTRONISCHE MARKTPLÄTZE. 57
5.1.1 Skalen-, Netz- und Lock-In-Effekte. 57
5.1.2 Content, Commerce und Community. 60
5.1.3 Integrationsfähigkeit 61
5.2 HINDERNISSE UND BARRIEREN BEIM AUFBAU UND BETRIEB EINES
ELEKTRONISCHEN MARKTPLATZES 62
5.3 PROBLEME DER NUTZUNG ELEKTRONISCHER MARKTPLÄTZE AUS SICHT
DER BESCHAFFENDEN UNTERNEHMEN 65
5.4 FUSION UND KOOPERATION 67
5.5 BEST CASE - DER OPTIMALE MARKTPLATZ 69
5.5.1 Value-Added-Services 70
III
5.5.2 Kollaboration 71
5.5.3 Vernetzung 72
5.6 ENTWICKLUNGSSTAND UND TRENDS 74
6 DIE ROLLE DER LOGISTIK-DIENSTLEISTER 77
6.1 ENTWICKLUNGSSTAND UND -TENDENZEN 77
6.2 PERSPEKTIVEN DURCH INTEGRATION VON LOGISTIK UND ELECTRONIC
COMMERCE. 79
6.2.1 Computerintegrierte Logistik. 80
6.2.2 Steuerung elektronischer Marktplätze 82
7 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK. 85
ANHANG. 88
LITERATURVERZEICHNIS 90
IV
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1: EINORDNUNG VON ELECTRONIC COMMERCE.
ABBILDUNG 2: UMSATZPROGNOSE FÜR E-COMMERCE IN EUROPA
ABBILDUNG 3: M:N-BEZIEHUNG EINES MARKTPLATZES
ABBILDUNG 4: MARKTPLATZFUNKTIONEN ENTLANG DES BESCHAFFUNGSPROZESSES
ABBILDUNG 5: UNTERTEILUNG VON MARKTPLÄTZEN NACH HANDELSPARTNERN
ABBILDUNG 6: AUKTIONSFORMEN
ABBILDUNG 7: EINSATZFELDER DES E-PROCUREMENT
ABBILDUNG 8: ABC-ANALYSE.
ABBILDUNG 9: STRATEGISCHE OPTIONEN ZUR LIEFERANTENANBINDUNG
ABBILDUNG 10: OPTIMIERUNG DES BESTELLPROZESSES
ABBILDUNG 11: MARKTPLATZ COVISINT
ABBILDUNG 12: MARKTPLATZ CC-CHEMPLORER
ABBILDUNG 13: MARKTPLATZ SOURCINGPARTS
ABBILDUNG 14: MARKTPLATZ VIRTUAL CHIP EXCHANGE.
ABBILDUNG 15: MARKTPLATZ NEWTRONCOMPONET
ABBILDUNG 16: GLEICHGEWICHT AUF VIRTUELLEN MÄRKTEN
ABBILDUNG 17: ZUSAMMENWIRKEN VON SKALE-N, NETZ- UND LOCK-I-NEFFEKTEN
ABBILDUNG 18: VERNETZUNG ELEKTRONISCHER MARKTPLÄTZE.
ABBILDUNG 19: ZUSAMMENSPIEL ZWISCHEN WARE-N UND TRANSPORT-
MARKTPL ÄTZEN
ABBILDUNG 20: FUNKTIONSPRINZIP DER COMPUTERINTEGRIERTEN LOGISTIK
Tabellenverzeichnis
TABELLE 1: VOR- UND NACHTEILE DER TEILNAHME AN ELEKTRONISCHEN
MARKTPLÄTZEN.......................................................................................22 TABELLE 2: ÜBERSICHT ÜBER UNTERSUCHTE MARKTPLÄTZE .....................................36 TABELLE 3: BEWERTUNGSKRITERIEN ..........................................................................37 TABELLE 4: PREISMODELLSYSTEMATIK.......................................................................43 TABELLE 5: ANZAHL DER MARKTPLÄTZE BIS 2004 .....................................................68
Abkürzungsverzeichnis
A2A Administration-to-Administration A2B Administration-to-Business A2C Administration-to-Consumer ASP Application Service Provider B2A Business-to-Administration B2B Business-to-Business B2C Business-to-Consumer bzw. beziehungsweise C2A Consumer-to-Administration C2B Consumer-to-Business C2C Consumer-to-Consumer CIL Computerintegrierte Logistik CRM Customer Relationship Management d. h. das heißt DPS Desktop Purchasing System E-Business Electronic Business E-Commerce Electronic Commerce EDI Electronic Data Interchange EDIFACT Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport E-Procurement Electronic Procurement ERP Enterprise Resource Planning et al. et alii (und andere) etc. et cetera f. folgende ff. fortfolgende Hrsg. Herausgeber IT Informationstechnologie k. A. keine Angabe
MRO Maintenance, Repair and Operations OEM Original Equipment Manufacturer SSL Secure Socket Layer Vgl. Vergleiche WWW World Wide Web XML Extensible Markup Language z. B. zum Beispiel
Glossar
A2A-, A2B-, A2C-, Marktplatzbezeichnungen nach den beteiligten B2A-, B2B-, B2C-, Handelspartnern. Der erste Buchstabe gibt an, wer auf der C2A-, C2B-, C2C-Angebotsseite steht, also Administration, Business bzw. Marktplatz Consumer. Der zweite Buchstabe zeigt die Nachfrageseite auf. APS-Systeme Advanced-Planning-and-Scheduling-Systeme sind in der Lage,
BMEcat Format für den Austausch von Produktdatenkatalogen zwischen Lieferanten und beschaffender Organisation. Content Service Ein Content Service Provider (Cybermediär) hält als Dritt-Provider anbieter beim Direct Purchasing den Katalog im Internet vor
CRM Customer Relationship Management ist eine Geschäfts-
Customizing Anpassen von Software an die Ansprüche des Kunden durch
Data Mining Data Mining stellt einen iterativen Prozess von der Bereit-
Desktop Purchasing Ein Desktop Purchasing System ist eine Variante des Direct System Purchasing, bei dem der Katalog beim Abnehmer vorgehalten
Digitale Signatur Eine digitale Signatur bzw. elektronische Unterschrift ist eine
Direct Purchasing Unter Direct Purchasing versteht man die dezentrale
EDI Electronic Data Interchange ist ein Verfahren, um
EDIFAC T Electronic Data Interchange for Administration, Commerce
E-Fulfillment Vollständige Auftragsabwicklung von der Internetbestellung
E-Logistics Strategische Planung und Entwicklung aller für die
ERP-System Enterprise Resource Planning bezeichnet im allgemeinen
FAQ Frequently Asked Questions ist die Auflistung von häufig
Firewall Bezeichnung für einen Computer mit der Aufgabe, das
Fourth Party Logistics Systemintegratoren, die die Planung, Steuerung und Provider (4PL) Überwachung aller organisatorischen Prozesse und
KEP-Dienstleister Kurier-, Express-, und Paketdienstleister Kontraktlogistik Vergabe von Logistiktätigkeiten an einen Logistik-Dienstleister in längerfristigen Kontrakten MRO Maintenance, Repair and Operations ist die Bezeichnung für
Newsletter Elektronisches Mitteilungsblatt, das per E-Mail verschickt wird und ein effektives Instrument im Marketing darstellt. Outsourcing Auslagerung von bestimmten Teilleistungen, die nicht zu den Kernkompetenzen eines Wirtschaftsunternehmens zählen.
Portal Ein Portal ist eine Einstiegsseite für eine spezifische
Privacy Policy Verpflichtung eines Internetdienstleisters, Diskretion über die von ihm über seine Kunden erlangten Daten zu bewahren. Schnittstelle Eine Schnittstelle ist der Übergang an der Grenze zwischen
Shop System Ein Shop System ist eine Variante des Direct Purchasing, bei
SSL Secure Socket Layer ist ein allgemeines Sicherungsprotokoll
Supply Chain Beinhaltet die Planung und Steuerung der Material- und Management Informationsflüsse entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Third Party Logistics 3PL-Dienstleister sind Systemdienstleister mit um den Provider (3PL) Transport nahestehende Dienstleistungen erweitertem
Tracking and Tracing Sendungsverfolgung und -auffindung. Value Added Services Mehrwertdienstleistungen, die über die angebotene Kerndienstleistung hinausgehen.
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Die Beschaffung vieler Unternehmen hat sich in den letzten Jahren durch die Verbreitung des Internet grundlegend verändert. Insbesondere im Business-to-Business-Bereich wird mit erheblichem Einsparpotenzial durch die Beschaffung über elektronische Marktplätze gerechnet. Allerdings ist die anfängliche Euphorie mittlerweile einer zurückhaltenden Einstellung gewichen. Nur wenige Unternehmen beschaffen den Großteil ihrer Güter über das Internet und etliche Unternehmen nutzen elektronische Marktplätze gar nicht. Dennoch gibt es eine Vielzahl elektronischer Märkte, deren Zahl sich weiter erhöht.
Den beschaffenden Unternehmen stellt sich die Frage, für welchen Marktplatz bzw. für welche Marktplätze sie sich entscheiden. Leider findet sich in der Regel nicht ein einzelner Marktplatz, der alle Bedürfnisse eines Unternehmens erfüllt. Und häufig fällt die Entscheidung für einen ungeeigneten Marktplatz, weil die Auswahl nicht sorgfältig durchgeführt wurde und kritische Faktoren außer acht gelassen worden sind. Die Kenntnis der kritischen Faktoren, die den Erfolg eines elektronischen Marktplatzes ausmachen, ist daher für die Auswahl und den Betrieb von Marktplätzen von herausragender Bedeutung. Der Aufbau eines eigenen privaten elektronischen Marktplatzes stellt häufig eine geeignete Alternative zur Teilnahme an bestehenden offenen Plattformen dar. In jedem Fall sind finanzieller sowie der häufig vernachlässigte organisatorische Aufwand nicht zu vernachlässigen.
Die vorliegende Arbeit soll auf Unzulänglichkeiten heutiger elektronischer Marktplätze aufmerksam machen und ein Erfolgsmodell für die nahe Zukunft entwickeln. Die bedeutende Rolle der Logistik-Dienstleister soll im Rahmen der Abwicklung über elektronische Marktplätze herausgestellt und mögliche Geschäftsmodelle hierzu entwickelt werden, da die Logistik bei dem Handel über das Internet eine Schlüsselposition einnimmt.
Einleitung 2
1.2 Aufbau der Arbeit
Die Arbeit teilt sich in sieben Hauptabschnitte sowie den Anhang. Der Einleitung folgend werden im zweiten Abschnitt zunächst einige Begriffe erläutert und voneinander abgegrenzt. Im Kapitel 2.2 werden die Funktionen elektronischer Marktplätze innerhalb der Phasen Information, Transaktion sowie Abwicklung genannt. Das Kapitel 2.3 beinhaltet die unterschiedlichen Formen und Ausprägungen elektronischer Märkte nach denen sich diese einteilen lassen.
Der dritte Abschnitt befasst sich mit der elektronischen Beschaffung, wobei der Hauptfokus auf die Beschaffung über elektronische Marktplätze gelegt wurde. Hier werden verschiedene Lösungsansätze und Einsatzfelder von E -Procurement kurz betrachtet. Anschließend werden im Kapitel 3.2 die bedeutendsten Vorteile diskutiert, die Unternehmen entstehen, welche ihre Beschaffung auf elektronische Marktplätze umstellen. Welche Faktoren insbesondere bei der Implementierung von Electronic Procurement beachtet werden müssen, wird im Kapitel 3.3 herausgearbeitet. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Eignung verschiedener Güterarten, die Auswirkungen auf Aufbau- und Ablauforganisation sowie das Problem der Auswahl eines geeigneten Marktplatzes geworfen.
Der Kern der vorliegenden Arbeit tritt im Kapitel 4 in Erscheinung. Dort geht es um die Bewertung von insgesamt 42 Einkaufsplattformen der Branchen Chemie, Automobil, Elektro, Bau, Stahl und Metall, Healthcare, Food sowie einiger branchenübergreifender Plattformen. Dazu werden zunächst die Kriterien, nach denen die Bewertung vorgenommen wurde, erläutert, bevor im Kapitel 4.2 der Gesamteindruck dargestellt wird. Die ausführliche Beschreibung von identifizierten Best Practices wird im Kapitel 4.3 vorgenommen. Die tabellarische Auswertung aller untersuchten Marktplätze befindet sich im Anhang.
Aufbauend auf der Bewertung der b etrachteten Einkaufsplattformen werden im fünften Abschnitt Erfolgsstrategien und Entwicklungstendenzen abgeleitet. Dazu werden im Kapitel 5.1 Anforderungen untersucht, die ein Marktplatz grundsätzlich
Einleitung 3
erfüllen muss, um auch in Zukunft überlebensfähig zu sein. Dies betrifft Skalen-, Netz- und Lock-In-Effekte, außerdem die drei Kernbereiche Content, Commerce und Community sowie die Fähigkeit der Integration verschiedener IT-Systeme. Anschließend wird auf die Hindernisse und Barrieren eingegangen, die sich beim Aufbau und Betrieb elektronischer Marktplätze ergeben. Welche Probleme nach wie vor aus Sicht der beschaffenden Unternehmen bei der Beschaffung über elektronische Märkte auftreten, wird im Kapitel 5.3 diskutiert. Daraus ergibt sich für viele Marktplätze die unter 5.4 erwähnte Notwendigkeit zur Fusion oder Bildung von Kooperationen. Das Kapitel 5.5 leitet aus den vorherigen Ergebnissen eine Zukunftsvision für Einkaufsplattformen ab, wobei explizit auf anzubietende Mehrwertdienste, Kollaboration sowie weit gehende Vernetzung eingegangen wird. Das Kapitel 5.6 beschreibt, in welchem Entwicklungsstadium sich elektronische Marktplätze heute befinden und welche Trends insbesondere in der Automobil- und der Chemie-Branche festzustellen sind.
Der herausragenden B edeutung der Logistik-Dienstleister innerhalb der elektronischen Beschaffung wird im sechsten Abschnitt Rechnung getragen. Zunächst wird ein Überblick über Entwicklungsstand und Entwicklungstendenzen innerhalb der Logistikbranche bezüglich Electronic Comme rce geliefert bevor auf Perspektiven eingegangen wird, die sich aus der Integration von Logistik und Electronic Commerce ergeben. Zu diesen Perspektiven zählen vor allem das Konzept der computerintegrierten Logistik sowie der Steuerung elektronischer Marktplätze durch Logistik-Dienstleister.
2 Elektronische Marktplätze
Das Internet hat die Welt verändert und sich auf die verschiedensten Bereiche des täglichen Lebens und insbesondere auch der Wirtschaft ausgedehnt. Im Zuge dieser rasanten, durch die explosionsartige Verbreitung des Internets zu einer globalen und öffentlichen Ressource in den 90er Jahren 1 hervorgerufenen Entwicklung haben sich unter anderem Beschaffungs- und Absatzwege von Unternehmen sowie Konsumenten durch die Nutzung von elektronischen Marktplätzen drastisch verändert. Mittlerweile haben sich verschiedene Arten von elektronischen Marktplätzen zur Beschaffung im Internet etabliert, die sich zum Teil erheblich durch verschiedene Ausprägungen und Funktionalitäten unterscheiden.
Ziel dieses Kapitels ist es, zunächst einige Begrifflichkeiten, die im Laufe dieser Arbeit immer wieder aufgegriffen werden, zu klären und gegebenenfalls zu definieren. Anschließend soll ein Überblick über bestehende Geschäftsmodelle und Funktionalitäten elektronischer Marktplätze verschafft werden.
2.1 Begriffliche Abgrenzung und Funktionen
Die Begrifflichkeiten, die mit dem elektronischen Handel in Verbindung gebracht werden, sind in der Literatur zum Teil kontrovers diskutiert. Um eine einheitliche Grundlage zu schaffen, sollen zu Beginn dieser Arbeit die wichtigsten Ausdrücke definiert und erklärt werden. Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass sich im Glossar eine kurze Erläuterung der am häufigsten gebrauchten Begriffe befindet.
Durch die erwähnte Entwicklung und Verbreitung des Internets haben sich mittlerweile eine Reihe von Funktionen von elektronischen Marktplätzen herausgebildet, die kurz dargestellt und einem Drei-Phasen-Modell zugeordnet werden.
1 Vgl. Musch, J. (1997)
Elektronische Marktplätze 5
2.1.1 Electronic Business
E-Business ist ein weit gefasster Begriff, der häufig unterschiedlich definiert wird. Probleme bereitet heute oftmals die Abgrenzung zum E -Commerce, auf die im fo lgenden näher eingegangen wird.
In der vorliegenden Arbeit wird unter E-Business die Geschäftsabwicklung bezüglich Gütern und Dienstleistungen unter Zuhilfenahme moderner Informations- und Kommunikationstechnologien wie dem Internet, Intranet oder Extranet verstanden. 2 Dabei kann jeder Teil der Wertschöpfungskette eines Unternehmens beeinflusst werden, so dass unterschiedliche Wertschöpfungsketten oder unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse elektronisch integriert und verzahnt werden. 3 Ziel des Einsatzes von E -Business ist es, die Position und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens dadurch kontinuierlich zu verbessern 4 , dass eine Vielzahl von Geschäftsprozessen neu und effizient gestaltet wird und damit E-Business fest in der Unternehmensstrategie verankert ist. 5
2.1.2 Electronic Commerce
Electronic Commerce wird in einer engeren Begriffsfassung für die elektronische Unterstützung insbesondere von Handelsaktivitäten verwendet, die in direktem Zusammenhang mit dem Kauf oder Verkauf von Gütern oder Dienstleistungen stehen. Somit stellt E -Commerce neben der Kommunikation über elektronische Medien z. B. via E -Mail (Electronic Communication), der Zusammenarbeit mit elektronischer Unterstützung etwa durch Bildung virtueller Projekträume (Electronic Collaboration), der Weiterbildung über elektronische Informations- und Kommunikationstechniken (Electronic Education) sowie der elektronischen Informatio nsbeschaffung und Unterhaltung (Electronic Information/Entertainment) einen Teilbereich des E-Business dar. 6 E-Commerce kann damit als eine engere Fassung
2 Vgl. Clarke, Roger (2002)
3 Vgl. Möhrstädt, D. (2001); S. 20 f.
4 Vgl. Pinci, M. L. (2001); S. 3
5 Vgl. Walser, M.; Zimmer, A. (1999); S. 5
6 Vgl. Wirtz, B. W. (2000); S. 19
Elektronische Marktplätze 6
von E -Business verstanden werden, die immer die Abwicklung einer Geschäftstransaktion voraussetzt. 7 Die folgende Abbildung 1 verdeutlicht diesen Sachverhalt.
Abbildung 1: Einordnung von Electronic Commerce 8
Eine exakte Abgrenzung scheint nicht möglich und auch nicht notwendig zu sein, da die Grenzen fließend sind. Hauptunterscheidungsmerkmal ist die Eigenschaft von E-Commerce, dass es direkter als E-Business mit kommerziellen Aktivitäten, die sich speziell zwischen den Marktteilnehmern abspielen, zu tun hat, während sich E-Business über alle Geschäftsprozesse innerhalb und außerhalb des Unternehmens erstreckt. 9
Dem E-Commerce wird zunehmend auch in Deutschland eine wachsende Bedeutung beigemessen, insbesondere wird vorausgesagt, dass der grenzüberschreitende Handel über das Internet stark zunehmen wird. 10 Starkes Wachstum wird dabei im Businessto-Business-Bereich vorhergesagt. Dies verdeutlicht die folgende Abbildung 2.
7 Vgl. Loebbecke, C. (2001) S. 95
8 in Anlehnung an Wirtz, B. W. (2001); S. 6
9 Vgl. Merz, M. (1999); S. 17-18
10 Vgl. Lopez-Bassols, V.; Vickery, G. (2001); S. 17
Elektronische Marktplätze 7
Abbildung 2: Umsatzprognose für E-Commerce in Europa 11
Demnach findet der Großteil aller E -Commerce-Aktivitäten heute und erst recht zukünftig im Business-to-Business-Bereich statt.
E-Commerce wird mittlerweile vielfach als elektronisch basierter Vertriebs- bzw. Beschaffungskanal verwendet. Aktuell e rweist sich eine Ausgestaltung des E-Commerce als besonders erfolgsversprechend und zukunftsweisend - die Bildung elektronischer Marktplätze. 12
2.1.3 Elektronischer Markt und elektronischer Marktplatz
Durch die permanent fortschreitende Entwicklung im Bereich E -Business und E-Commerce ist auch für die Begriffe elektronischer Markt bzw. elektronischer Marktplatz in der Literatur keine eindeutige Definition zu finden. 13 Dabei wird zwischen elektronischem Markt und elektronischem Marktplatz in der Regel nicht differenziert.
11 Quelle: eMarketer (Januar 2001)
12 Vgl. Möhrstädt, D. G. (2001); S. 22
13 Vgl. Loebbecke, C. (2001); S. 99
Elektronische Marktplätze 8
Allgemein können Märkte als ökonomische Orte des Tausches von Gütern und Dienstleistungen gegen kompensatorische Güter oder Dienstleistungen - meist in Form von Geld - verstanden werden, an denen Anbieter und Nachfrager zentral zusammengeführt werden. 14 Kennzeichnend für einen Marktplatz ist dabei die m:n- Beziehung zwischen Angebot und Nachfrage, es stehen demnach immer mehrere Anbieter auch mehreren Nachfragern gegenüber. Ist hingegen auf einer Seite nur ein Marktteilnehmer vorhanden, spricht man lediglich von Beschaffung bzw. Verkauf. 15 Die Abbildung 3 illustriert die m:n-Beziehung.
Abbildung 3: m:n-Beziehung eines Marktplatzes 16
Als besondere Ausprägung eines Marktes wird ein elektronischer Markt verstanden, der zeit- und ortsunabhängige Zugangsmöglichkeiten sowie transparente Informationen für die Marktteilnehmer bietet. 17 Die Besonderheit elektronischer oder auch virtueller Marktplätze ist die Unterstützung der Zusammenkunft von Anbietern und Nachfragern durch vernetzte elektronische Datenleitungen. 18 Bestimmte oder sogar
14 Vgl. Brenner, W. (2001); S. 58
15 Vgl. The Boston Consulting Group (2000a); S. 12
16 in Anlehnung an: Einsporn, T.; Palme, K.; Wiegand, R. (2000); S. 16
17 Vgl. Schinzer, H. (1998); S. 1160
18 Vgl. Kollmann, T. (2001); S. 39
Elektronische Marktplätze 9
sämtliche Transaktionsphasen werden durch Informations-, Kommunikations- und Medie ntechnologien unterstützt. 19
2.2 Funktionen elektronischer Marktplätze
Elektronische Marktplätze besitzen weitreichende Funktionen, die über die reine Abwicklung der Transaktion deutlich hinausgehen. Die einzelnen Funktionen lassen sich beim Einkauf über einen elektronischen Marktplatz unterschiedlichen Phasen zuordnen, die im folgenden näher erläutert werden. Zu beachten ist, dass sich die einzelnen Phasen überschneiden und die Übergänge fließend sind. Eine übersichtliche Darstellung der einzelnen Funktionen und deren Zuordnung in der Wertschöpfungskette liefert die Abbildung 4.
Abbildung 4: Marktplatzfunktionen entlang des Beschaffungsprozesses 20
Zusätzlich zu den drei wesentlichen Funktionen Information, Transaktion sowie Abwicklung treten zunehmend Zusatzdienste (Value-Added-Services) und Beratungsfunktionen in den Vordergrund, die den gesamten Beschaffungsprozess von der Einkaufsstrategie bis hin zur Abwicklung oder sogar zu Einkaufs-
19 Vgl.Loebbecke, C. (2001) S. 99
20 in Anlehnung an Berlecon Research (2001); S. 19
Elektronische Marktplätze 10
kooperationen und langfristigen Lieferbeziehungen unterstützen. Dazu zählen beispielsweise Versicherungs- oder Finanzdienstleistungen.
Elektronische Marktplätze decken häufig nur einen Teil der genannten Funktionen ab, vielmehr konzentrieren sie sich meist auf eine Phase und decken die übrigen Funktionen über externe Dienstleister ab. So steht für einfach strukturierte Einkaufsplattformen die Transaktion im Vordergrund. Portalbasierte elektronische Marktplätze hingegen führen zwar ebenso Anbieter und Nachfrager zusammen, im Mittelpunkt stehen aber nicht Verkaufsprozesse, sondern der Zugang zu umfassenden Informationen zu einer bestimmten Thematik. 21 Selbstverständlich existieren auch Mischformen, bei denen die Verkaufsprozesse von ausführlichen Marktinformationen begleitet werden.
2.2.1 Informationsphase
Während der Informationsphase, die auch gelegentlich in eine Wissens- und Absichtsphase unterteilt wird, steht die Geschäftsanbahnung im Mittelpunkt. Durch intensive Informationsversorgung sollen Unsicherheiten reduziert und die Marktteilnehmer mit dem notwendigen Wissen versorgt werden. 22 Hierzu liefern die Betreiber von elektronischen Marktplätzen eine Reihe von Möglichkeiten, exemplarisch seien hier bereitgestellte Produktinformationen, Suchdienste, Produktkataloge oder Rating- Dienste genannt. 23 Den Übergang zur Transaktionsphase markiert die Abgabe von Angeboten.
2.2.2 Transaktionsphase
Die Marktpreisbildung und das dazugehörige Aushandeln der Konditionen geschieht in der Transaktions- bzw. Vereinbarungsphase. Es kommen dabei verschiedene Preisbildungsmechanismen zum Einsatz, grundsätzlich wird zwischen statischen und
21 Vgl. Schmitt, S.; Schneider, B. (2001); S. 6
22 Vgl. KPMG (2001b); S. 7
23 Vgl. Schmid, B. F. (1999); S. 18 f.
Elektronische Marktplätze 11
dynamischen Mechanismen unterschieden. 24 Das statische Festpreismodell kommt auf elektronischen Marktplätzen relativ selten zur Anwendung. Aufgrund der Interaktivität und räumlichen Unabhängigkeit, die das Internet bietet, kommen häufiger dynamische Modelle wie Auktionen oder Börsen vor. 25 Die genaue Funktionsweise dieser sowie weiterer Modelle wird im folgenden Abschnitt näher erläutert.
Vorbereitend auf die Abwicklungsphase wird in der Transaktionsphase der Vertrag mit allen notwendigen Angaben geschlossen. Allerdings findet wegen der derzeit noch bestehenden rechtlichen Unsicherheit nur selten der Vertragsschluss auf elektronischem Wege statt, vielmehr wird bisweilen zur Absicherung ein schriftliches Dokument - meist in Form eines Faxschreibens - erstellt.
2.2.3 Abwicklungsphase
Die A bwicklungsphase umfasst die beidseitige Erfüllung des Kaufvertrages, dazu gehört z. B. die Lieferung der erworbenen Produkte, die Zahlung der Kaufsumme, die Korrespondenz mit Behörden etc. 26 Ebenfalls in die Abwicklungsphase fallen logistische und informatorische Zusatzleistungen wie Tracking and Tracing oder die Auftragsverfolgung, wenn auch ein fließender Übergang zu den bereits erwähnten Zusatzdiensten festzustellen ist.
Eine bedeutende Rolle spielen sogenannte Integrationsfunktionen elektronischer Marktplätze, durch die eine langfristige Kundenbindung mittels Anbindung informationstechnischer Systeme erfolgen kann. Den hohen Investitionskosten der Kunden steht dabei langfristiges Senkungspotential der Prozesskosten gegenüber. 27
24 Vgl. Schwickert, A. C.; Pfeiffer, E. (2000); S. 15
25 Vgl. KPMG (2001b); S. 8
26 Vgl. Loebbecke, C. (2001); S. 100
27 Vgl. Berlecon Research (2001); S. 20
Elektronische Marktplätze 12
2.3 Formen, Ausprägungen und Einteilung elektronischer Marktplätze
Elektronische Marktplätze lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen, von denen die wichtigsten im folgenden explizit dargestellt werden. Im allgemeinen erfolgt eine Klassifikation elektronischer Marktplätze nach den beteiligten Marktteilnehmern, dem Betreibermodell, der generellen Ausrichtung, dem Maß der Offenheit sowie dem Preisbildungsmechanismus. Grundsätzlich sind sämtliche Kombinationen denkbar. Von einer optimalen Kombination kann nicht gesprochen werden, da die Eignung eines Marktplatzes je nach Anwendungsfall variiert. Insbesondere die Art der zu beschaffenden Güter sowie das dazugehörige Marktumfeld beeinflussen die Eignung verschiedener Marktplatzkonzepte für die Beschaffung.
2.3.1 Einteilung nach Handels partnern
Die heute am weitesten verbreitetste Klassifizierung ist die Einordnung nach den beteiligten Handelspartnern, wobei an dieser Stelle lediglich diejenigen Formen erläutert werden sollen, bei denen wenigstens einer der Handelspartner ein Unternehmen ist, also Business-to-Administration (B2A), Business-to-Business (B2B) sowie Business-to-Consumer (B2C). Im Mittelpunkt der weiteren Betrachtung steht jedoch allein der B2B-Bereich. Alle übrigen Formen werden im Glossar kurz umrissen. Die folgende Abbildung 5 liefert einen Überblick über die möglichen Einteilungen nach Handelspartnern.
Elektronische Marktplätze 13
Abbildung 5: Unterteilung von Marktplätzen nach Handelspartnern 28
Eher selten anzutreffen sind B2A-Marktplätze. Bei dieser Art von Marktplätze n stehen Unternehmen dem Staat als Handelspartner gegenüber. 29 Obwohl der Fiskus in der Regel träge im Hinblick auf technische Neuerungen reagiert, lässt sich auch im B2A-Bereich in den nächsten Jahren erhebliches Potenzial feststellen.
Weit mehr Potenzial besitzen allerdings B2C-Marktplätze, durch die ein zusätzlicher Vertriebskanal für die privaten Haushalte als Endkunden geschaffen wird. Erfolgreiche B2C-Marktplätze wie beispielsweise der wohl bekannteste unter ihnen: „Amazon.com“, trugen maßgeblich zur rasanten Verbreitung des Internets im privaten Bereich bei. 30
Besonderes Wachstum wird allerdings den über elektronische Marktplätze interorganisational zwischen Unternehmen getätigten Geschäften zugesprochen. So prognostiziert das Marktforschungsinstitut Forrester Research im Business-to-Business-Bereich für das Jahr 2004 ein Handelsvolumen in Höhe von 745 Mrd. US-Dollar in den USA. 31 Die hohe Bedeutung von B2B-Marktplätzen für Unternehmen resultiert aus zahlreichen Vorteilen für beteiligte Unternehmen, die im Anschluss
28 eigene Darstellung
29 Vgl. Pinci, M. L. (2001); S. 8
30 Vgl. Schwickert, A. C.; Pfeiffer, E. (2000); S. 14
31 Vgl. Dudenhöffer, F. (2001); S. 200
Elektronische Marktplätze 14
noch näher untersucht werden. Im Folgenden konzentriert sich die Arbeit auf den Bereich B2B mit seinen Wirkungen und zukünftigen Herausforderungen.
2.3.2 Betreibermodelle elektronischer Marktplätze
Die Nutzung des Internets für die Beschaffung ist daraus entstanden, dass Unternehmen Ihr Produktangebot oder einen Teil davon im Internet meist in Form eines Kataloges als weiteren Absatzkanal angeboten haben. Die Weiterentwicklung derartiger Vertriebs- und auch Beschaffungskonzepte führte häufig durch Konsortienbildung zum Aufbau elektronischer Marktplätze. Man kann daher käufergetriebene, verkäufergetriebene und unabhängige bzw. neutrale Marktplätze unterscheiden.
Käufergetriebene Marktplätze werden in der Regel von einem Zusammenschluss mehrerer Nachfrager mit dem Ziel betrieben, die Beschaffung der Betreiberunternehmen primär durch eine Verbesserung der Kommunikationsprozesse zu optimieren.
Durch verkäufergetriebene Marktplätze versucht hingegen ein Zusammenschluss mehrerer Anbieter eine größere Gruppe von Nachfragern zu erreichen. Dabei werden nicht selten bestehende Kunden-Lieferanten-Beziehungen auf einen elektronischen Markt übertragen.
Um die Vorteile von käufergetriebenen und verkäufergetriebenen Marktplätzen zu vereinen und eine Gewinnsituation sowohl für Anbieter als auch Nachfrager zu erreichen, haben sich neutrale Marktplätze gebildet, die von unabhängigen Dritten betrieben werden und keine eigenen Produkte oder Dienstleistungen über den Marktplatz kaufen oder verkaufen. Die Marktplatzbetreiber treten als Intermediär auf ohne dabei für eine Seite Partei zu ergreifen. 32 Dies fördert das Vertrauen in den
32 Vgl. IKB. Report (2001); S. 16
Elektronische Marktplätze 15
Marktplatz, da sich sowohl A nbieter als auch Nachfrager Vorteile von einer Teilnahme versprechen.
2.3.3 Vertikale und horizontale Marktplätze
Ein weiteres Unterscheidungskriterium ergibt sich aus der Zahl der Branchen, für die ein Marktplatz von Nutzen ist. Dabei unterscheidet man vertikale und horizontale Märkte.
Branchenspezifische Marktplätze werden als vertikal bezeichnet. Diese sind häufig durch die notwendige profunde Branchenkenntnis in der Lage, tief ausdifferenzierte, exakt auf die Branche zugeschnittene Funktionalitäten zu bieten, so dass auf einem derartigen Marktplatz ein weites Spektrum an Produkten und Dienstleistungen zu finden ist.
Horizontale Marktplätze hingegen bieten ein begrenztes Spektrum für alle möglichen Branchen an. Sie konzentrieren sich damit nicht auf eine Branche, sondern auf Produkte und Dienstleistungen, die von vielen unterschiedlichen Unternehmen nachgefragt werden, wie beispielsweise Büroartikel. 33
2.3.4 Offene und geschlossene Marktplätze
In den meisten Fällen ist der Zugang zu B2B-Marktplätzen nur über eine Registrierung beim Marktplatzbetreiber möglich. Derartige Registrierungen erfolgen in der Regel über ein Online-Formular, das entweder manuell bearbeitet und überprüft wird oder eine automatische Freischaltung bewirkt. Allerdings unterscheiden sich Marktplätze darin, ob sie offen oder geschlossen sind. Offene Marktplätze sind dadurch gekennzeichnet, dass der Zugang für sämtliche Interessenten prinzipiell möglich ist.
33 Vgl. Hepp, M.; Schinzer, H. (2000)
Elektronische Marktplätze 16
Die Betreiber geschlossener Marktplätze verfolgen hingegen das Ziel, das Marktgeschehen einer begrenzten Anzahl von Unternehmen über eine Internet-Plattform abzuwickeln, wobei die beteiligten Unterne hmen zumindest einer Geschäftsseite (Lieferanten oder Nachfrager) in der Regel den Marktplatz selbst betreiben. Zugang erhält lediglich ein bestimmter Kreis von Geschäftspartnern. 34 Der Vorteil für die beteiligten Unternehmen besteht darin, dass sie exakte Informationen über die Geschäftspartner besitzen und so Risiken z. B. durch Zahlungsunfähigkeit oder Lieferschwierigkeiten vermeiden können.
2.3.5 Arten der Preisbildung
Kennzeichnend für jeden elektronischen Marktplatz ist der Preisbildungsmechanismus, mit dem der jeweilige Marktpreis zustande kommt. Verschiedene Methoden kommen zur Anwendung, die sich in ihrer Dynamik und der Rolle der Beteiligten unterscheiden. So kann die Preisbildung statisch oder dynamisch erfolgen.
Statisch erfolgt sie, wenn ein Preis individuell und einseitig festgelegt wird und keine Verhandlung des Preises möglich ist. Die dynamische Preisbildung kann einseitig oder zweiseitig erfolgen. Bei der einseitigen dynamischen Preisbildung konkurriert eine Seite (Angebot oder Nachfrage) um das jeweilige Gut. Zweiseitig bedeutet dementsprechend, dass beide Seiten konkurrieren und auf diese Weise ein Preis erzielt wird, der dem Gleichgewichtspreis aus Angebot und Nachfrage am nächsten kommt. 35
Im folgenden werden die gängigsten Preisbildungsmechanismen elektronischer Marktplätze kurz dargestellt.
34 Vgl. IKB.Report (2001); S. 16 f.
35 Vgl. Schwickert, A. C.; Pfeiffer, E. (2000); S. 15 f.
Elektronische Marktplätze 17
2.3.5.1 Blackboard
Bei einem Blackboard werden Kauf- oder Verkaufswünsche statisch über den elektronischen Marktplatz publiziert. Ein Interessent fordert anschließend Kontaktinfo rmationen an und schließt in der Regel bilateral einen Kaufvertrag außerhalb des Marktplatzes. Gelegentlich werden Mischformen zwischen statischer und dynamischer Preisbildung verwendet, wobei Blackboards verwendet werden, die jedoch eine Nachverhandlungsmöglichkeit zulassen. Nicht zu v erwechseln sind Blackboards mit einfachen Katalogen bzw. Online-Shops, die sich dadurch unterscheiden, dass auf der Angebotsseite lediglich ein Verkäufer auftritt. Ein Multi-Lieferanten-Katalog, bei dem die Produkte mehrerer Lieferanten in einem Katalog zusammengefasst sind, zählt hingegen zu dem Preisbildungsmechanismus Blackboard.
Das Blackboard stellt den einfachsten Preismechanismus dar, ist aber dadurch weit verbreitet. Es bietet weiterhin den Vorteil, dass potentielle Käufer jederzeit einen Kaufvertrag schließen können, es muss nicht zunächst ein zeitintensiver Preisfindungsmechanismus in Gang gesetzt werden.
2.3.5.2 Auktion und Rückwärtsauktion
Zu den dynamischen Preisbildungsmechanismen zählen Auktionen sowie Rückwärtsauktionen. Traditionell sind Auktionen in vielfacher Ausgestaltung, unter anderem als Englische Auktion, Holländische Auktion oder auch als Höchstpreisauktion, die gelegentlich als verdeckte Auktion bezeichnet wird, vorzufinden.
Die wohl bekannteste und am weitesten verbreitetste Auktionsform ist die englische Auktion, bei der die Bieter sukzessive so lange ihre Gebote erhöhen, bis gerade noch ein Anbieter übrig bleibt, der dann den Zuschlag erhält. Im Gegensatz dazu beginnt bei der Holländischen Auktion der Auktionator mit einem relativ hohen Startgebot, das so weit gesenkt wird, bis sich der erste Bieter bereit erklärt, zu dem entsprechenden Preis zu kaufen.
Elektronische Marktplätze 18
Die Höchstpreisauktion zeichnet sich durch eine verdeckte Angebotsabgabe aus. Der Bieter mit dem höchsten Gebot erhält logischerweise den Zuschlag. 36 In der Abbildung 6 werden die drei Auktionstypen nochmals übersichtlich dargestellt.
Abbildung 6: Auktionsformen 37
Online-Auktionen umgehen die traditionelle Problematik, dass alle Beteiligten für den begrenzten Zeitraum der Auktion zeitgleich an einem Ort zusammentreffen müssen. 38 Bei Online-Auktionen sind prinzipiell alle Ausgestaltungen der Auktion bzw. weitere Mischformen denkbar. Die wohl häufigste Variante ist allerdings die Englische Online-Auktion, da diese in hohem Maße von den Vorteilen des Internet profitiert. Maßgeblich ist, dass Marktplatzbetreiber die „Spielregeln“ der Auktion eindeutig kommunizieren, damit es nicht zum Abbruch während der Laufzeit kommt. Fehler durch unklare Regelung treten beispielsweise immer wieder auf, weil im internationalen Umfeld Kommata und Punkte zur Abgrenzung von Dezimalstellen unterschiedlich verwendet werden.
Ähnlich der Holländischen Auktion laufen Rückwärtsauktionen (Reverse Auctions) ab, die gelegentlich auch a ls Ausschreibungen bezeichnet werden und auf
36 Vgl. zu den verschiedenen Auktionsformen Hepp, M.; Schinzer, H. (2000); S. 1517 f.
37 Quelle: Wirtz, B. W. (2001); S. 455
38 Vgl. Reichwald, R.; Hermann, M.; Bieberbach, F. (2000); S. 542
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elektronischen Marktplätzen weit verbreitet sind. Während des Zeitraums der Rückwärtsauktion haben Lieferanten die Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterbieten. 39 Der Kaufinteressent hat im Vorfeld meistens die M öglichkeit, bestimmte Lieferanten von der Auktion auszuschließen. 40
2.3.5.3 Börse
Eine Börse ist ein zweiseitiger dynamischer Preisbildungsmechanismus, bei dem gleichzeitig Angebots- und Nachfragegebote abgegeben werden. 41 Aufgabe des Intermediärs ist es, den Abgleich zwischen Angebot und Nachfrage zu koordinieren. Dabei können Käufer und Verkäufer je nach Ausgestaltung der Börse anonym bleiben, so dass lediglich der Marktplatzbetreiber als Zwischenhändler die Identität der potenziellen Handelspartner kennt. 42 Börsen unterscheiden sich von Auktionen im wesentlichen dadurch, dass die Preise sowohl steigen als auch fallen können.
39 Vgl. Bauer, R et al.; S. 42
40 Vgl. Aust, E.; Diener, W.; Engelhardt, P.; Lüth, O. (2000); S. 30 ff.
41 Vgl. Schwickert, A. C.; Pfeiffer, E. (2000); S. 18
42 Vgl. Hepp, M.; Schinzer, H. (2000); S. 1518
3 Elektronische Beschaffung
Elektronische Beschaffung bzw. Electronic Procurement, das hier synonym zu dem Begriff Electronic Purchasing verwendet werden soll, ist die elektronisch organisierte Beschaffung mit dem Ziel der effizienten Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen. 43 Zur Beschaffung zählen im allgemeinen neben dem operativen Einkauf sowie den begleitenden administrativen Tätigkeiten auch die strategischen Aufgabenfelder Lieferantensuche, Pflege von Lieferantenbeziehungen und Abschluss von Rahmenverträgen. 44 E-Procurement beeinflusst die Bereiche Beschaffung, Materialwirtschaft und Logistik nachhaltig und spielt eine zentrale Rolle innerhalb des E-Business.
Die Bedeutung des E-Procurement innerhalb der gesamten E-Business-Strategie wird von den meisten Unternehmen als besonders hoch angesehen. Dennoch steckt die Implementierung immer noch in den Kinderschuhen 45 , wobei erhebliche Branchenunterschiede bestehen.
3.1 Lösungsansätze und Einsatzfelder von E-Procurement
Für den Einsatz von E -Procurement im Unternehmen existieren in der heutigen Praxis mehrere Lösungsansätze, die sich in der unterschiedlichen technischen sowie organisatorischen Komplexität unterscheiden und zum Teil aufeinander aufbauen. Mit steigender organisatorischer Komplexität geht immer auch steigende technische Komplexität einher. Dies wird in der folgenden Abbildung 7 verdeutlicht.
43 Vgl. Möhrstädt, D. G. et al. (2001) S. 22
44 Vgl. Bauer et al.; S. 12
45 Vgl. Deloitte Consulting (2001) S. 10
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Abbildung 7: Einsatzfelder des E-Procurement 46
Der Einsatz von elektronischen Informations- und Kommunikationsmedien ist heute primär in Form von Datenaustausch per E -Mail bereits weit verbreitet. Direct Purchasing ermöglicht die Durchführung von Bestellungen über elektronische Kataloge direkt durch die Mitarbeiter des Unternehmens über Desktop Purchasing Systeme, Shop Systeme oder Content Service Provider, die hier allerdings nicht näher untersucht werden sollen. 47 Eine kurze Beschreibung dieser Varianten des Direct Purchasing befindet sich im Glossar. Im Fokus der Betrachtung steht die Beschaffung unter Zuhilfenahme des Internets über elektronische Marktplätze, dies soll zur Vereinfachung im folgenden unter E-Procurement verstanden werden.
Meist sind die Bausteine des E-Procurement auf niedrigerem Komplexitätsniveau in den Leistungen elektronischer Marktplätze integriert, so werden beispielsweise Ausschreibungen und Auktionen auf Marktplätzen angeboten. Als zukünftige Herausforderung gilt die Integration der Beschaffungsprozesse in das Supply Chain Management und somit die konsequente Umsetzung unternehmensübergreifender
46 Quelle: Brenner, W.; Zarnekow, R. (2001); S. 492
47 Eine Erläuterung der Begriffe befindet sich im Glossar.
Elektronische Beschaffung 22
Bescha ffungsprozesse vom Rohstofflieferanten bis hin zum Endkunden und zusätzlich im After-Sales-Bereich. 48
3.2 Vor- und Nachteile für einkaufende Unternehmen
Der Einkauf wird zunehmend zur strategischen Waffe im globalen Wettbewerb. 49 Somit steigt der Konkurrenzdruck, und die Effizienz des gesamten Beschaffungsprozesses wird weiterhin an Bedeutung gewinnen. Auch wenn Kosteneinsparungen durch die Unternehmen, die bereits E-Procurement umgesetzt haben, nur selten exakt angegeben werden können, wird das Einsparungspotenzial durch die weitgehende Elektronisierung der Beschaffungsprozesse als besonders hoch eingestuft. 50 Die folgende Tabelle 1 liefert eine Übersicht über die den Nachfragern und Lieferanten entstehenden Vor- und Nachteile.
Tabelle 1: Vor - und Nachteile der Teilnahme an elektronischen Marktplätzen 51
48 Vgl. Brenner, W.; Zarnekow, R. (2001); S. 492 ff.
49 Vgl. Einsporn, T.; Palme, K.; Wiegand, R.; (2000); S. 10 f.
50 Vgl. Storbeck, O. (2001)
51 In Anlehnung an Bauer, R. et al. (2001); S. 31
Elektronische Beschaffung 23
Die bedeutendsten Vor- und Nachteile, die einkaufenden Unternehmen bei der Implementierung von E-Procurement entstehen, sollen im folgenden näher betrachtet werden.
3.2.1 Auswirkungen auf die Preise
Einkaufspreise können durch zwei Effekte reduziert werden. Zum einen werden Bestellungen verstärkt gebündelt, dadurch steigt das Bestellvolumen und Einkäufer sind in der Lage, günstigere Preise mit den Lieferanten auszuhandeln. Zum anderen wird dem einkaufenden Unternehmen durch die wesentlich verbesserten Möglichkeiten der Informationsbeschaffung über einen elektronischen Marktplatz der Preisvergleich wesentlich vereinfacht, so dass automatisch ein umfassender Marktüberblick generiert wird. Das einkaufende Unternehmen kauft dann beim günstigsten Lieferanten ein 52 oder bezieht weitere Kriterien wie Qualität oder Liefertreue mit in die Auswahl ein.
Mit einer Senkung der Einkaufspreise durch die Teilnahme an elektronischen Marktplätzen rechnen nahezu alle Unternehmen, allerdings wird die Höhe der Preissenkung inzwischen eher nüchtern betrachtet und nicht als ausschlaggebender Faktor gesehen. 53 Dennoch kann der erhöhte Preisdruck für zahlreiche Lieferanten kritisch sein.
3.2.2 Transparenz der Wertschöpfungskette
Einkaufende Unternehmen in stark fragmentierten Wertschöpfungsketten profitieren in hohem Maße von der Nutzung elektronischer Marktplätze, indem die Markteffizienz deutlich erhöht wird. Die stark vereinfachte Informationsbeschaffung ermö glicht es den Unternehmen, die Lieferantenauswahl effektiver zu gestalten und so die Suchkosten drastisch zu reduzieren. E -Procurement bewirkt häufig, dass Unternehmen auf bisher unbekannte Lieferanten stoßen, die ohne die elektronische
52 Vgl. Eyhozer, K. (1999); S. 20
53 Vgl. Dr. Wieselhuber & Partner GmbH (2001); S. 6 f.
Elektronische Beschaffung 24
Anbindung unentdeckt geblieben wären. 54 Dieser Sachverhalt verdeutlicht, dass ebenso auf Seiten der Lieferanten positive Effekte zum Tragen kommen. Doch nicht nur die verbesserte Lieferantenauswahl bewirkt positive Effekte. Die erhöhte Transparenz der gesamten Wertschöpfungskette ermöglicht das Monitoring - optimalerweise in Echtzeit - aller über den elektronischen Marktplatz laufenden Beschaffungsaktivitäten. Ein implementiertes Warnmodul kann beispielsweise frühzeitig vor Lieferengpässen warnen.
Demgegenüber kann sich nachteilig auswirken, dass persönliche Beziehungen zu den Lieferanten verloren gehen. Durch die erhöhte Transparenz steigt für Lieferanten der Konkurrenzdruck und den beschaffenden Unternehmen fällt die Auswahl des unter verschiedenen Gesichtspunkten günstigsten Anbieters leichter. Viele Marktplätze zielen jedoch auch darauf ab, bestehende Kunden-Lieferanten-Beziehungen durch verstärkte informationstechnische Verflechtung zu intensivieren.
3.2.3 Automatisierung und Dezentralisierung
Das größte Potenzial wird in der Automatisierung sowie der damit einhergehenden weitgehenden Vereinfachung und Beschleunigung der unternehmensinternen Beschaffungsprozesse gesehen. Die Beschaffung über elektronische Marktplätze führt idealerweise durch die Einbindung in das unternehmensinterne Warenwirtschaftssystem zu einer Dezentralisierung des Einkaufs und damit zu einer drastischen Reduzierung der Abwicklungskosten. Zusätzlich werden bei der konsequenten Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien fehleranfällige Medienbrüche und Redundanzen vermieden und so die Qualität gesteigert 55 . Dem stehen allerdings zunächst hohe Investitionskosten gegenüber. Auch führt die Integration heterogener Informationssysteme häufig zu unerwarteten Problemen. Ein ebenfalls wichtiger Aspekt der Dezentralisierung von Beschaffungs- 54 Vgl.Booz Allen & Hamilton (2001); S. 8 f.
55 Vgl. Robben, M. (2000)
Elektronische Beschaffung 25
prozessen besteht in der Entlastung des Einkaufs, so dass sich dieser verstärkt auf seine strategischen Aufgaben konzentrieren kann. 56
3.3 Erfolgsfaktoren bei der Implementierung von E-Procurement
Zahlreiche Hindernisse und Unzulänglichkeiten der konventionellen Beschaffung können mit Hilfe des E -Procurement scheinbar problemlos eliminiert werden. Insbesondere in Verbindung mit der Nutzung elektronischer Märkte werden gewaltige Potenziale vermutet. Unternehmen haben die Notwendigkeit zum Einstieg in das E-Business erkannt, haben aber noch mit der Umsetzung zu kämpfen. 57
Für die erfolgreiche Umsetzung einer E -Procurement- Lösung müssen einige Faktoren erfüllt sein und organisatorische Veränderungen bedacht werden. Probleme treten häufig schon zu Beginn der konkreten Umsetzung einer E-Business-Strategie auf, die das Scheitern des gesamten E-Business-Vorhabens verursachen können. Eine wesentliche Rolle zum Gelingen spielt daher die systematische Vorbereitung sowie die wohlüberlegte Auswahl einer konkreten Beschaffungs-Strategie unter Berücksicht igung der gesamten E -Business-Srategie. 58 Zentraler Bestandteil der Beschaffungs-Strategie ist die Abstimmung der Güterarten mit dem Beschaffungskonzept, auf die im folgenden eingegangen wird. Weiterhin dürfen die Auswirkungen auf die Ablauf- und die Aufbauorganisation nicht vernachlässigt werden. Schließlich ist die Auswahl geeigneter und erfolgsversprechender elektronischer Marktplätze von besonderer Bedeutung und soll durch die vorliegende Arbeit erleichtert werden.
3.3.1 Eignung verschiedener Güterarten
Grundvoraussetzung für den Erfolg der Beschaffung über elektronische Marktplätze ist die Eignung der gehandelten Güter. Zur Segmentierung des Einkaufsvolumens
56 Vgl. Aust, E.; Diener, W.; Engelhardt, P.; Lüth, O. (2000) S. 21 ff.
57 Vgl. Booz Allen & Hamilton (2000)
58 Vgl. Pinci, M. L. (2001); S. 10 f.
Elektronische Beschaffung 26
bietet sich eine ABC-Analyse an. Hierbei versteht man unter A -Artikeln direkte produktionsrelevante Güter, die nur in geringen Mengen beschafft werden, aber einen hohen Wert besitzen. B-Artikel sind Güter, die einen mittleren prozentualen Anteil am wertmäßigen Beschaffungsvolumen aufweisen. Der größte Mengenanteil liegt bei den indirekten C-Artikeln oder auch MRO-Artikeln (Maintenance, Repair and Operations), die allerdings gleichzeitig den geringsten wertmäßigen Anteil am Beschaffungsvolumen haben. 59 Die folgende Abbildung 8 verdeutlicht nochmals den Sachverhalt.
Abbildung 8: ABC-Analyse 60
Da aber in der traditionellen Beschaffung annähernd gleiche Prozesse sowohl für A-, B- und C -Artikel notwendig sind, verursachen die C -Artikel den höchsten Bescha ffungsaufwand im Verhältnis zu dem geringen Wertanteil, so dass die anfallenden Abwicklungskosten den Wert der C-Produkte häufig um ein Vielfaches übersteigen. 61 Daraus lassen sich wiederum unterschiedliche Strategien für verschiedene Güter ableiten. Für C-Artikel steht die Reduktion der Prozesskosten im
59 Vgl. Gabler-Wirtschaftslexikon (1997); Stichwort „ABC-Analyse“
60 Quelle: http://www-public.tu-bs.de:8080/~y0013356/skripte/bwl/sem1/f10.pdf; Abruf 22.03.2002
61 Vgl. Koppelmann, U.; Brodersen, K.; Volkmann, M. (2001); S. 84
Arbeit zitieren:
Nikolaus Prenz, 2002, Erfolgsstrategien der Beschaffung über elektronische Marktplätze aus der Perspektive der Industrie, München, GRIN Verlag GmbH
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