Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 3
I.1 Quellenlage. 4
II. Skizzierung der Gesellschaftssysteme von Sparta und Athen im 5./4. Jahrhundert. 5
II.1. Sparta. 5
II.2. Athen. 6
III. Erziehung und Bildung der Frauen. 8
IV. Die Stellung der Frau im Oikos. 11
V. Schlussbetrachtung. 13
VI. Literaturverzeichnis. 15
2
1. Einleitung
Im Zuge des gesellschaftlichen Umbruchs der sechziger Jahre wurde die Rolle der Frau neu diskutiert. Die Auswirkungen der geführten Debatte sind in der Forschung der Alten Geschichte deutlich spürbar. Obwohl es bereits in früheren Zeiten Abhandlungen über Frauen im klassischen Griechenland gegeben hat 1 , gewinnt dieses Thema am Ende des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Zunehmend sind es Frauen, die sich, vielleicht aus einer weniger klischeebehafteten Sicht als Männer, dem Thema nähern. In den Achtziger Jahren ist es vor allen Sarah B. Pomeroy, die mit ihrem Buch „Frauenleben im klassischen Altertum“ eine wissenschaftlich fundierte Arbeit zu diesem Aspekt der griechischen Geschichte vorlegt. In den neunziger Jahren erscheint von Christine Schnurr-Redford eine sehr facettenreiche Abhandlung über die Frauen im klassischen Athen. In den letzten Jahren sind es vor allen Dingen Maria H. Dettenhofer und Lukas Thommen, die sich mit der Rolle der Frau kritisch auseinandersetzen. Als Grundlage für die Erforschung der Lebensweise von Frauen in Sparta und Athen dienen im wesentlichen überlieferte Texte von drei antiken Autoren; Xenophon, Aristoteles und Plutarch. Es ergibt sich hier eine besondere Quellenproblematik auf die an anderer Stelle noch ausführlich eingegangen wird. Unter Einbeziehung der antiken Autoren und der neueren Forschung wird in der vorliegenden Arbeit untersucht, worin die größere „Freiheit“ der spartanischen Frau im Vergleich zur der Frau in Athen bestand und wodurch sie begründet wurde. Um dies darzustellen, werde ich mein Augenmerk auf zwei Aspekte des Frauenlebens richten, zum einen auf die Erziehung der Frau in Sparta und in Athen und zum anderen auf die Stellung der Frau im Oikos in der jeweiligen Polis. Für das Verstehen der Zusammenhänge und die, daraus resultierende, unterschiedliche Erziehung der beiden Stadtstaaten, ist es unumgänglich die verschiedenen Gesellschaftssysteme zu skizzieren. Sie dienen als Basis für die folgenden Betrachtungen der weiblichen Lebensumstände. Es sei an dieser Stelle betont, dass das Interesse dieser Arbeit vor allem in der Betrachtung der Andersartigkeit Sparta liegt.
1 Einen detaillierten Forschungsabriss speziell zum Thema Frauen im klassischen Athen (untergliedert in
die Abschnitte: Sekundärliteratur bis zum 20. Jahrhundert und Sekundärliteratur des 20. Jahrhunderts):
SCHNURR-REDFORD, Christine, Frauen im klassischen Athen: sozialer Raum und reale
Bewegungsfreiheit, Berlin 1996
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I.2. Quellenlage
Die Hauptquellen zum Thema Frauen im antiken Griechenland bilden die schon erwähnten, überlieferten Texte von Xenophon, Aristoteles und Plutarch. In diesen beschäftigen sich die Autoren mehr oder weniger ausführlich mit den Lebensumständen der Frauen, wobei Sparta immer als Sonderfall betont wird. Die Problematik dieser Quellen begründet sich zum einen durch ihre geringe Anzahl, in den unterschiedlichen Tendenzen und Intentionen der Autoren sowie in deren Zeitgenossentum. Xenophons Überlieferungen sind von einer starken Spartabewunderung geprägt. Er schreibt im 4. Jahrhundert über die Polis, als diese auf dem Höhepunkt ihrer Macht angekommen war. Mit dem Sieg im Peloponnesischen Krieg nimmt Sparta eine Vorbildfunktion, insbesondere sein Erziehungssystem, auf der attischen Halbinsel ein. Diese subjektive Wertung Spartas fließt sowohl in die Oikonomia als auch in der Lakedaimonion politeia des Zeitgenossen Xenophons, wobei es sich bei der erstgenannten um eine ökonomische und bei der letzteren um eine staats-theoretische Schrift handelt. Diese beiden Werke trugen nicht unerheblich zu einer Idealisierung der kriegerischen Polis bei.
Auch Aristoteles beschäftigt sich im 4. Jahrhundert als Zeitgenosse mit Sparta. Allerdings kritisiert er im zweiten Buch der Politea die spartanische Verfassung und nennt als Wurzel allen Übels die Zuchtlosigkeit der Frauen, deren Ursache er in dem Versäumnis Lykurgs sieht, keine Normen für Frauen geschaffen zu haben. Seine proathenische Einstellung in bezug auf Gesellschaft und Politik spiegelt sich auch in den Schilderungen über die gesellschaftliche Rolle der Frau wieder. Plutarchs Beitrag zu einem antiken Frauenbild basiert zu einem großen Teil auf hellenistischen Quellen. Da seine Schaffensperiode jedoch im 2. Jahrhundert n. Chr. anzusiedeln ist, trennen ihn bereits 600 Jahre von der Klassik. Demnach sind die Lebensumstände der griechischen Frauen und ihre gesellschaftliche Position nur im 4. Jahrhundert v. Chr. zeitgenössisch, durch Xenopon und Aristoteles, belegt. In seinen Texten äußert Plutarch Kritik an der Meinung Aristoteles', Lykurgs Reformen seien der Ursprung des Chaos und verantwortlich für Missstände im spartanischen Staat. Er billigt diese Reformen und gesteht den Frauen sich daraus ergebende "positive
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Tugenden" 2 zu. Darüber hinaus geht Plutarch von einer Verfallstheorie des spartanischen Staates aus, die nicht näher erläutert und erklärt wird. 3 Charakteristisch für alle Quellen ist eine gewisse Einseitigkeit der Berichterstattung. Diese resultiert aus dem Umstand, dass sie aus männlicher Sichtweise verfasst wurden. Des Weiteren beschränken sich die Informationen, die wir erhalten auf spartanische und athenische Frauen der Oberschicht. Hinzu kommt der Fakt, dass keiner der Autoren sich zum Ziel setzte ein objektives Gesamtbild der Frauen in ihrer Zeit zu erstellen. Die für uns zugänglichen Berichte in bezug auf dieses Thema sind zumeist kurze Artikel, Auffälligkeiten im Zusammenhang mit politischen oder gesellschaftlichen Ereignissen.
II. Skizzierung der Gesellschaftssysteme Spartas und Athens im 5./4. Jahrhundert
Als Verständnisbasis für die unterschiedliche Lebensweise der Frauen in Sparta und Athen entwerfe ich im folgenden einen Abriss beider Gesellschaftssysteme in der Blüte ihrer Zeit.
II.1 Sparta
Den Spartanern galt ihre Staatsordnung als sehr alt, gegründet von den Herakliten, die sie ins Land geführt hatten. Parallel dazu entwickelte sich der Mythos vom Staatsmann Lykurg. Dieser lässt sich weder zeitlich exakt einordnen, noch gibt es über ihn detaillierte Informationen, wie Geburtsjahr, -ort, Herkunft und Lebensweg. Er gilt als legendärer Stifter der Eunomia, der "Wohl"ordnung des politischen und gesellschaftlichen Systems. Diese wurde ihm von dem Orakel Delphi offenbart und als die "Große Rhetra" festgehalten. Das Gesetzgebungswerk der Spartaner beruhte demnach auf einem Vertrag zwischen Göttern und Menschen, er war unantastbar. 4 Die göttliche Legitimation rechtfertigte das gesellschaftliche und politische System einer tendenziös oligarchischen Gesellschaft.
Die gesellschaftliche Struktur Spartas wies mehrere Besonderheiten auf. Zunächst gab es eine Minderheit von Vollbürgern, die über die vollen politischen Rechte verfügten. Daneben existiert eine Mehrheit, die sich aus Staatssklaven (Heloten, welche kriegerisch unterworfen worden waren) und Umwohnern (Periöken) zusammensetzten.
2 THOMMEN, Lukas, Spartanische Frauen, in: Museum Helveticum 56 (1999), S.134
3 THOMMEN, S. 133-135
4 BALTRUSCH, Ernst, Sparta: Geschichte, Gesellschaft, Kultur, München 1998, S.16-19
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Arbeit zitieren:
Jennifer Heider, 2002, Frauen im antiken Griechenland - Sparta und Athen - Ein Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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