CHARLES FOURIER
Ein utopischer Sozialist
Hausarbeit für das Hauptseminar Zur französischen Soziologie des 19. Jahrhundert
Seminar für Soziologie
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
SS 1997
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1. Einleitung 3
2. Fouriers historische Umwelt 4
3. Das Leben Charles Fouriers 6
4. Kritik an der falschen Gesellschaftsform 9
4.1. Der Handel 10
4.2. Die Ehe m 11
4.3. Die Stellung der Frau 12
4.4. Die Philosophen 12
5. Theorie der vier Bewegungen 14
6. Theorie der Leidenschaften 16
7. Die sozietäre Gesellschaft 17
8. Die neue Welt 18
9. Zusammenfassung 19
Literatur 22
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Ich möchte mich in dieser Arbeit einem Theoretiker und Autor widmen, der u.a. laut Marx und Engels zu den kritisch-utopischen Sozialisten zu rechnen ist und Claude-Henri de Saint-Simon sowie Robert Owen in die Reihe der Vorbereiter des wissenschaftlichen Sozialismus gehört. „Die eigentlich sozialistischen und kommunistischen Systeme St. Simons, Fouriers, Owens usw. tauchen auf in der ersten, unentwickelten Periode des Kampfs zwischen Proletariat und Bourgeoisie,...“ 1 Die Rede ist von François Marie Charles Fourier. Fourier, der ab dem Alter von 17 Jahren die Wirren der Großen Französischen Revolution miterlebte, hinterließ seiner Nachwelt ein schon zu Lebzeiten sehr umstrittenes literarisches Werk, denn „bis heute ist man in der Verlegenheit, wenn man genau angeben soll, wo seine Theorie, dies Gewebe aus realistischer Beobachtung, Phantasie und Kalkül einzuordnen sei“. 2 Mit Blick auf die Beachtung die er u.a. bei Marx und Engels gefunden hat, wäre es nicht angebracht ihn einfach in die sogenannte schöne Literatur zu verbannen und ihn als eine Art Science-Siction-Autor zu deklassieren, so haben die beiden Autoren bemerkt: „Die sozialistischen und kommunistischen Schriften bestehen aber auch aus kritischen Elementen. Sie greifen alle Grundlagen der bestehenden Gesellschaft an.“ 3 Trotzdem ist die literarische Leistung Fouriers nicht zu verleugnen, so daß sich einig Dichter seines Werkes angenommen haben. So geht André Breton auf die „wunderliche und irre Seite“ der Theorien Foureirs ein, bemerkt aber auch man könne „nicht nachdrücklich genug unterstreichen, daß bei der mögli-
chen Einführung eines neuen 0\WKRV, auf den sich ein dauerhafter Zusammenhalt gründen ließe, Fourier fraglos als einer der allerersten zu Rate gezogen, ja in umfassender Weise nutzbar gemacht werden muß“. 4
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„ Wie Breton weiter feststellt, entzieht sich Fouriers Werk jeder verkürzenden Zusammenfassung: Wer sich eine angemessene Vorstellung von ihm machen möchte, muß allein auf dieses Werk zurückgreifen.“ 5 Auch wenn diese Aussage etwas entmutigend wirkt, will ich der Aufgabe stellen und Charles Fourier in der Art vorzustellen, daß ich erst einen historischen Überblick gebe, sein Leben skizziere und dann sein Werk vorstelle. Fourier geht niemals nur auf ein Thema separat ein und wiederholt sich häufig. Auch wenn eine solche Vorgehensweise meinerseits einen sehr interessanten Einblick in das Wesen des Werks und Fouriers gestatten würde, habe ich mich der Übersichtlichkeit zu liebe und auf die Gefahr der Reduktion hin für eine etwas stärker in Themenbereiche gegliederte Darstellung entschieden.
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Um das Leben und das Werk eines Menschen verstehen und beurteilen zu können, muß man die politischen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten seiner Zeit berücksichtigen, was in dem Fall Fouriers angesichts seiner Kritik an denselben noch zwingender ist. Deshalb stelle ich hier einen kurzen und groben Abriß der französischen Geschichte vor, der dem Anspruch der Vollständigkeit nicht gerecht werden kann und nur die von mir als wichtig erachteten Geschehnisse berücksichtigt.
Frankreich erlebte nach den zahlreichen Hugenottenkriegen des 16. Jahrhunderts, mit dem Anfang des 17. Jahrhunderts beginnenden Absolutismus einen neuen Aufschwung und entwickelte sich zu einer neuen militärischen und wirtschaftlichen Macht in Europa. Schon zum Ende desselben Jahrhunderts deutete sich jedoch mit dem Verlust des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688-1697) eine Wende an, die durch den ebenfalls erfolglos geführten Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714), der Frankreich an den Rand des Abgrunds brachte, bestätigt wurde.
Das verschwenderische Leben Ludwigs XV. sowie die hohen finanziellen Belastungen durch Kriege und die Unterstützung des nordamerikanischen Un-
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abhängigkeitskrieges brachten Frankreich immer näher an einen Staatsbankrott, der auch durch den zum Ende des Jahrhunderts wieder aufgenommenen Austausch von Waren und Techniken mit dem seit ca. 1780 in der Phase der Industrialisierung befindlichen England nicht abgewendet werden konnte. Ferner brachte eine Anzahl von Viehseuchen, das starke Bevölkerungswachstum und die zunehmende Arbeitslosigkeit weiteres Elend über das Land, das angesichts der Privilegien des Adels und des Klerus noch bitterer zu ertragen war. Trotz einiger Reformversuche unter Ludwig XVI. wurde die öffentliche Kritik am Ancien Régime, die vom Geist der im 18. Jahrhundert beginnenden aufklärerischen Strömungen und deren französischen Wortführern Voltaire sowie Montesquieu getragen wurde, immer lauter, bis diese Bewegung mit der Versammlung der Generalstände, der Selbsternennung des „ Dritten Standes“ zur Nation und dem Pariser Volksaufstand vom 14.7.1789 ihren vorläufigen Höhepunkt fand.
In den folgenden Jahren entwickelte sich Frankreich, das nun von einer verfassunggebenden Nationalversammlung regiert wurde, unter dem Druck der radikal-revolutionären Jakobinischen Bergpartei von einer konstitutionellen Monarchie zu einer Republik, was am 21.1.1793 zum Tode Ludwigs XVI. auf dem Schafott führte.
Der Jakobinerklub errichtete unter der Führung von Danton und Robbespierres eine Schreckensherrschaft, in der keine Parteien und Meinungen zugelassen wurden, die von ihren radikalen revolutionären Gedanken auch nur im geringsten abwichen, und das Christentum durch einen Kultus der Vernunft ersetzt sowie ein neuer, mit der Revolution beginnender Kalender eingeführt wurde. Mit blutigen Terror setzten sich die Jakobiner gegen Aufständische in der Bretagne und den südfränzösischen Städten durch; die äußeren Feinde wurden durch die Massenheere des allgemeinen Volksaufgebotes bekämpft. Diese grausame Phase der Revolution endete mit dem Tod Robbespierres am 27.7.1794 auf dem Schafott, auf das er zuvor so viele Andersdenkende geschickt hatte.
Unter der neuen Regierung, dem Direktorium, die nun von gemäßigten Republikanern gestellt wurde, kam es zur Entwertung des Papiergeldes der Revolution, den Assignaten, was zum Staatsbankrott Frankreichs führte. Mit Schuld
Arbeit zitieren:
Jan Eickhoff, 1997, Charles Fourier. Ein utopischer Sozialist, München, GRIN Verlag GmbH
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