Gliederung
1 Terminologie Seite 3
2 Zur Historie der Affrikate Seite 7
3 Phonematische Wertung Seite 10
4 Die Regeln Trubetzkoys Seite 12
5 Abschluss Seite 15
6 Bibliographie Seite 17
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1. Terminologie
Affricare - lat. anreiben; fricare - reiben, auch abreiben ist als etymologischer Ursprung des linguistischen Gebrauchs Affrikate und Affrizierung feststehend, und auch in der internationalen Literatur und Forschungswelt herrscht, was die Begrifflichkeit angeht, ein erfreulicher Konsens: engl. affricate, frz. affriquée, it. affricata, sp. affricada 1 . In der deutschsprachigen Literatur tritt der Begriff der Affrikaten zum ersten Mal 1876 bei Sievers auf 2 . Alternativvarianten wie Halbverschlußkonsonant (bei Jakobson 1941) 3 , mi-occlusive (Grammont 1933) haben sich ebenso wenig behaupten können, wie frz. assibilée, miconstrictive oder mi-chuintante 4 . 1837 sprach Rudolf von Raumer in Bezug auf [ts], [dz], [tR\ und [dY\ von „lingualen Diphthongen“ und Jacob Grimm bezeichnete sie in der Deutschen Grammatik sogar als dreifache Konsonantenverbindungen 5 . Aus diesen doch teils differenten Versuchen der Bezeichnung schließt Luschützky, dass der Terminus weniger an seinen lateinischen Ursprung, als vielmehr an das Vorbild der Aspirata angelehnt sein muss. Der Ausdruck Affrikate meint eine konsonantische Lautverbindung, die sich aus einen Frikativ und einen Plosiv zusammensetzt und sich in einem nicht-nasalen oralen Verschlusslaut niederschlägt. Der orale Verschluss der ersten Phase wird nur soweit gelöst, dass sich bei der nachfolgenden Phase eine Reibung ergibt. Affrikate sind obstruente Sprachlaute, dessen artikulatorisches Merkmal „eine mehr oder weniger ausgeprägte Verschlussphase mit unmittelbar darauffolgender, mehr oder weniger homorganischer Engebildung ist“ 6 . Affrikate werden wie Frikative produziert, denen ein Verschluss, der an derselben Stelle (homorgan) wie die Enge des Frikativ gebildet wird, vorausgeht. Der Frikativteil der Lautverbbindung ist i.d.R. kürzer als der einzelner Frikative. Akustisch gesehen ist dieser Laut eine mehr oder minder ausgeprägte Pause, die von einem schwachen plosiven Impuls eingeleiteten Turbulenzgeräusch gefolgt wird 7 .
1 Luschützky, H. C.: Zur Phonologie der Affrikaten, Frankfurt a. Main, 1992, S.5, Anm. 2. L. meint, dass die Bedeutung affricare – anreiben irreführend sei, insofern, dass eine umgekehrte Anordnung von Verschluss und Reibung suggeriert wird, indes bei den Affrikaten die Reibung im „Abglitt“ erfolgt.
2 Sievers, E.: Grundzüge der Lautphysiologie. Zur Einführung in das Studium der Lautlehre der indogermanischen Sprachen. Reprint der 1876 in Leipzig erschienenen Ausgabe, Olms Verlag, Hildesheim/New York 1980.
3 Jakobson, R.: Aphasie und allgemeine Lautgesetze, Suhrkamp, Frankfurt, 1988.
4 Luschützky, ebd.
5 Grimm, Jacob, Deutsche Grammatik Bd2, Verlag Olms-Weidmann, Hildesheim 1985.
6 Luschützky, S.5/6.
7 Ebd. S.6.
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„Im Sonagramm zeigt sich die Ausbildung des Frikativs mit zunehmender Verschlussöffnung sehr deutlich durch eine schräg verlaufende (meist fallende) Untergrenze des frikativen Energieschwerpunktes“:
Innerhalb des Homorganizitätskriteriums wird von einigen Forschern noch mal differenziert in sogenannte echte und unechte Affrikate 9 . Die phonologische Lösung, eine Affrikate ist ein Plosiv, der in einem homorganen Frikativ gelöst sei, mag bei dt. „Blitz“ oder „Zug“ zutreffen, scheitert aber an dt. „Pflaume“, hier soll der Frikativ nicht homorgan mit dem Plosiv sein. 10 Das Merkmal der Homorganizität scheint also kein verlässliches und hinreichendes Charakteristikum der Affrikaten zu sein.
Bußmann bemerkt in ihrem Lexikon der Sprachwissenschaft, dass Affrikate der Form [tR] und [px] heterorgan sind, hingegen seien die Affrikate [pf], [ts], [dz] und [kx] homorgan. Ihre Zweiteilung der Affrikate scheint aber in sich inkonsistent, wirft man einen Blick auf die phonologische Struktur der konsonantischen Artikulationsstellen. Die Affrikate /pf/ ist eine Lautverbindung des Plosiv fortis /p/, der labial gebildet und artikuliert wird und des Frikativ fortis, der ebenfalls labial artikuliert wird, aber dental gebildet ist. Eine Unterscheidung der beiden Konsonanten aus phonologischer Sicht trifft auf die Artikulationsstelle sehr wohl zu, in Bezug auf das artikulierende Organ aber ist keine Differenzierung möglich. Die Affrikate /pf/ ist mit Recht als homorgan anzusehen, entgegen der Auffassung, sie sei unecht.
8 http://www.phonetik.uni-muenchen.de/SGL/SGLKap2.html. Abb. 2.19: Affrikate [ts] gefolgt von [o.]
9 http://www.phonetik.uni-muenchen.de/Lehre/Skripten/TRANS2/TRANS2Stunde7.html.
10 Ebd. Im selben Zusammenhang ist hier auch engl. Plural „bit-s“ angeführt, das als unecht affrikat bezeichnet wird, da die Endung –s über die Morphemgrenze hinaustritt. Unklar ist mir hierbei, warum dann nicht von einer homorganen Lautverbindung gesprochen werden kann, schließlich ändert die Morphemgrenze und die Tatsache, dass der Frikativ als hinzugefügte Endung in Erscheinung tritt nichts an der affrikaten Lautqualität.
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Bußmanns Einordnung der Affrikate /tR/ als heterorgan scheint aus dieser Perspektive jedoch etwas problematischer zu sein. Der Plosiv fortis /t/ wird alveolar gebildet und apikal bis laminal artikuliert, in oppositionaler Weise der Frikativ fortis /R/, der postalveolar gebildet, aber ebenso apikal bis laminal artikuliert wird. Die Laute der Affrikaten /tR/ sind also phonologisch different in einer Artikulationsstelle, aber indifferent im Artikulationsorgan, ebenso wie die nach Bußmann homorgane Affrikate /pf/. Die Einordnung des Organs als apikal bis laminal lässt also keine genaue Differenzierung zu, und beide Laute /t/ und /R/ scheinen daher homorgan zu sein. Bußmanns Unterscheidung beruht eventuell auf der Annahme der Plosiv sei eher apikal und der Frikativ eher laminal und daher für die heterorgane Lösung bestimmt. Eine nähere Betrachtung zeigt aber, dass die Phonologie die Artikulationsstelle alveolar und postalveolar sehr wohl differenzieren, das dazugehörige Organ jedoch nicht exakt festlegen kann. Es ist also fraglich, ob /tR/ in der Tat heterorgan ist.
Die Homorganizität der Affrikate, ohne sie dabei in echt oder unecht zu trennen, ist eine allgemein akzeptierte Eigenschaft dieser Konsonanten, die aber hin und wieder auf Kritik stößt. Luschützky spricht von „mehr oder weniger homorganischer Engebildung“ und diese Formulierung scheint den Kern der Problematik wohl am besten zu treffen. Es ist davon auszugehen, dass Affrikate homorgan sind, aber wie im Fall von /tR/ in geringer, unwesentlicher Form davon abweichen 11 .
Der Vorgang des Hinzutretens einer homorganischen Friktion an einen Plosiv wird durch den Terminus Affrizierung gekennzeichnet. Affrizierung ist das nomen actionis für eine (historische) Lautveränderung zur Bildung von Affrikaten aus ursprünglichen Verschlusslauten. Bußmann verweist auf die im Deutschen stattgefundene zweite, sogenannte hochdeutsche Lautverschiebung, bei der /p/, /t/ und /k/ affriziert und somit zu den Affrikaten
11 Die Ausnahmen der Schweizer-Deutschen Affrikate /px/ sei hier nicht berücksichtigt. Sie stellt eine Sonderform innerhalb des Konsonantensystems dar und wird deswegen in die allgemeine Betrachtung nicht mit einbezogen.
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Arbeit zitieren:
Jan Theuerl, 2006, Affrikate, Affrizierung - zur deutschen Typologie, München, GRIN Verlag GmbH
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Legasthenie - Zu Ursachen und Symptomen
Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung
Hausarbeit, 15 Seiten
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