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Die folgende Hausarbeit soll einen Einblick in das Leben und Wirken Joachim I. Kur- fürstvon Brandenburg gewähren. Dabei soll sein Wirken in der Mark Brandenburg und im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im Zentrum der Hausarbeit stehen. Es war nicht schwer über Joachim genügend Literatur zu finden, denn das Leben und Wirken Joachims wurde von den verschiedenen Historikern untersucht und aufbereitet. Auffällig ist, dass die meiste von mir rezipierte Literatur ihre Schwerpunkte auf Joachims Kirchenpolitik setz, was im Blick auf die beginnende Reformation der Kirche in der Zeit der Regentschaft Joachims nicht verwundert. Bei Planung und Umsetzung der Hausarbeit hat das Buch „Die Mark Brandenburg“ von Johannes Schultze eine zentrale Rolle gespielt. Ich habe nun versucht wie Schultze in seinem Buch, meine Hausarbeit auf eine breitere Basis zu stellen und verschiedene Schwerpunkte zu setzen. So habe ich am Anfang meiner Arbeit, um ein besseres Bild von Joachim zu zeichnen, wichtige Aspekte seiner Persönlichkeit zu beschrieben. Das soll die Untersuchung der weiteren Schwerpunkte im Hauptteil der Arbeit, die da wären, die Planung und Eröffnung der Oder-Universität, das Verhältnis des Kurfürsten zu seinen Ständen, die Befriedung der Mark, das Verhältnis des Kurfürsten zu den Nachbarn der Mark und Joachims Kirchenpolitik unterstützen. Es stellt sich nun die zentrale Frage welche Rolle Joachim I. in allen diesen eben genannten Punkten spielte. Leider lässt sich das komplexe Thema der Hausarbeit schwer in 10 bis 15 Seiten erschöpfend betrachten. So konnte ich zumeist zu jeder von gemachten Behauptung oder Beschreibung nur ein exemplarisches oder mir gut erscheinendes Beispiel als Unterstützung beibringen. Auch kann ich beispielsweise bei der Beschreibung Joachims Persönlichkeit nicht alle genannten Eigenschaften Joachims mit Beispielen unterstützen. Des Weiteren kann nicht auf jede genannte Person mit einem kleinen Exkurs eingegangen werden. Verschiedene Themen innerhalb der genannten Schwerpunkte können nur angeschnitten werden oder müssen gänzlich weggelassen werden. So habe ich Aspekte weggelassen, die Joachims Rolle im Türkenkrieg, in den Hostienschändungsprozessen, bei den Problemen mit Nikolaus von Minckwitz, bei den Königswahlen und beim Anfall der Herrschaft über Ruppin betreffen. Außerdem können die Geschehnisse am und um den Wormser Reichstag von 1521 herum nur angeschnitten werden. Die Hausarbeit soll zeigen das sich die oben genannten Schwerpunkte sich in den ver- schiedensten Aspekten berühren und das sie keineswegs als autonom anzusehen sind.
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Joachim I. wurde am 21.2. 1484 voraussichtlich in Cölln an der Saale geboren. Er war der erste Sohn von Kurfürst Johann Cicero von Brandenburg und seiner Frau Magarete, Tochter des Herzogs Wilhelm III. von Sachsen. 1
Mit sieben Jahren wurde der Kurprinz zur Ausbildung und Erziehung nach Neustadt an die Aisch in Franken gebracht. Hier wurde er von seiner Stiefgroßmutter Anna von Sachsen, der Witwe von Albrecht Achilles, erzogen. Ihr wurde eine sehr gute Hofhaltung nach gesagt. 2 Joachims Vater Johann Cicero war sehr darauf bedacht, Joachim eine gründliche und abwechslungsreiche Ausbildung zu bieten. Dazu sollte vor allen die Ruhe und Abgeschiedenheit des fränkischen Hofes in Neustadt beitragen. Am Neustadter Hof bekam der Kurprinz eine humanistische Schulbildung, die darauf ausgerichtet war ihn auf seine spätere Aufgaube als Herrscher vorzubereiten. Er wurde in Französisch, Italienisch, Latein, Geschichte, Geometrie, Arithmetik und Musik unterrichtet. Besonders im Lateinischen galt Joachim I. als sehr begabt. So erhielt er später auf den Kurfürstenversammlungen, wie schon sein Vater den Spitznamen „deutscher Cicero“. Auch ritterliche Tugenden wie Reiten, Fechten und Jagen wurden bei seiner Ausbildung in Neustadt nicht vernachlässigt. Joachim I. war wohl einer der gelehrtesten Kurfürsten seiner Zeit. 3 So kann man bei Leopold von Ranke nachlesen, dass es den Kurfürsten als Ehre genug erschien, dass der Legat des Kaisers auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 vom Gelehrtesten „aus ihrem Kollegium, Kurfürst Joachim, der sich im Lateinischen mit hinreichender Geläufigkeit ausdrückte und wenigstens bei weitem besser als die Geistlichen begrüßt wurde“ 4 .
Der Sponheimer Abt Johann Trittenheim der in seinem 9monatigen Aufenthalt vom Jahre 1505 bis in das Jahr 1506 am Berliner Hof engen Kontakt zu Joachim pflegte, beschrieb in seinen späteren Aufzeichnungen Joachim als einen Förderer gelehrter Leute und pries die mündlichen und schriftlichen Lateinfähigkeiten des jungen Kurfürsten an. Auch lobte er die guten Kenntnisse die Joachim in Mathematik und Geschichte besaß. Außerdem sah Trittenheim in Joachim einen eifrigen Regenten und einen unbestechlichen Pfleger der Gerechtigkeit, der einen selten ausgeglichen Charakter habe. In den späteren Aufzeichnungen des Sponheimer Abtes findet man jedoch kein Wort über Frömmigkeit oder kirchliche Tugend.
1 vgl. 9HWWHU.ODXV: Preußen, 5. durchgesehene Auflage, Berlin (Diederichs Verlag) 1977, S. 26.
2 vgl. 6FKXOW]H-RKDQQHV: Die Mark Brandenburg, Die Mark unter Herrschaft der Hohenzollern 1415 - 1535,
Bd. 3, Berlin (Duncker & Humblot) 1963, S. 173.
3 vgl.1HXKDXV+HOPXW: Die brandenburgischen Kurfürsten im Jahrhundert der Reformation 1499 - 1598, in :
.UROO)UDQN/RWKDU+UVJ, Preussens Herrscher, Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II., München (Ver-lag C. H. Beck) 2000, S. 56.
YRQ5DQNH/HRSROG: Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation, ungekürzte Textausgabe, Wien 4
(Phaidon-Verlag) o. J., S. 573.
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Das ist als erstaunlich anzusehen, war doch Joachim später einer der Führer der altkirchlichen aggressiven Partei, die versuchte den Wittenberger Reformator Martin Luther mit allen Mitteln als Ketzer zu entlarven. 5
Bis jetzt wurde ein recht positives Bild von Joachim gezeichnet. Er wird als gebildet, sprachgewandt, gerecht und ausgeglichen beschrieben. Nun gibt es aber verschiedene Zeitgenossen Joachims und einige Vertreter der Historiographie die Joachim weniger positiv beschreiben. So stellen sie Joachim als verschlagen, übermäßig ehrgeizig, habsüchtig und geldgierig dar. Er soll sich außerdem wiederholt als Sprecher der Reichsstände und des Kurfürstenkollegiums aufgespielt haben, ohne das diese ihn dazu ermächtigt hatten. Ebenso wurde Joachim Jähzorn und grober Zugriff nachgesagt. So kam es beispielsweise am 19. Februar 1521 im Streit um das Wormser Edikt, fast zu einem Handgemenge zwischen Joachim I. und Friedrich dem Weisen von Sachsen, und das vor der vollständig anwesenden Fürstenversammlung. Seinem angesprochenen Jähzorn und wahrscheinlich auch seinen Handgreiflichkeiten, konnte sich seine Frau Elisabeth im Jahre 1528 nur durch die Flucht nach Sachsen entziehen. Joachim I. hatte erfahren das seine Frau im Jahre 1527 zum Luthertum übergewechselt war, und seine Wut so wie Enttäuschung war beträchtlich. 6 Das Joachim I. ehrgeizig war, ob übermäßig oder nicht, zeigt sich in der Entschlossenheit mit der er seinen Herrschaftsantritt verfolgte. Als sein Vater Johann Cicero 1499 starb, ohne ein Testament hinterlassen zu haben, war Joachim gerade 15 Jahre alt. Er war also noch nicht volljährig. Eigentlich hätte Joachim jetzt laut dem Hausgesetz „ Dispositio Achillea“ , festgelegt von seinem Großvater Albrecht Achilles 1473, unter die Vormundschaft seines Oheims und Stiefonkels Markgraf Friedrich V. von Brandenburg-Ansbach und -Kulmbach fallen müssen. Doch dieser Vormundschaft wiedersetzte sich Joachim und übernahm mit Unterstützung verschiedener märkischer Räte die Regentschaft über die Mark Brandenburg. Schon ab dem 7. März 1499 legte er sich den Kurfürstentitel zu und stellte mit diesem Titel auch erste Urkunden aus. 7
Endgültig hatte sich Joachim durchgesetzt, als ihn König Maximilian am 7. November 1499 mit der Kurwürde versah. 8 „ Um sich als volljährig und selbständig zu erweisen, warb Joachim, noch nicht 16jährig, um die Hand der Tochter des Königs Johann von Dänemark Elisabeth. Zwei Jahre später, am 10. April 1502, fand die Vermählung in Stendal statt.“ 9
5 vgl. 6FKXOW]H-RKDQQHV, S. 173 - 174.
6 vgl. +HLQULFK*HUG: Kurfürst Joachim von Hohenzollern, Markgraf von Brandenburg, in : 5HXWHU)ULW] +UVJ, Der Reichstag zu Worms von 1521, Reichspolitik und Luthersache, 2. unveränderte Auflage, Köln,
Wien (Böhlau Verlag KG) 1981, S. 348 - 349.
7 vgl. 6FKXOW]H-RKDQQHV, S. 173.
8 vgl. 1HXKDXV+HOPXW, in : .UROO)UDQN/RWKDU+UVJ, S.56. 6FKXOW]H-RKDQQHV, S. 175. 9
Arbeit zitieren:
Wolfram Wegehaupt, 2002, Joachim I. Nestor, Kurfürst von Brandenburg und sein Wirken in der Mark Brandenburg und im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, München, GRIN Verlag GmbH
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