Pflichtfach: Volkswirtschaftslehre Studienschwerpunkt: Marketing
Name: Jörg Staller
Semester: SS 2002 Studienplansemester: 7. Semester
Abgabetermin: 17. Juni 2002
$EELOGXQJVYHU]HLFKQLV
Abbildung 1: Beurteilungskriterien für den funktionsfähigen Wettbewerb
Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Aberle,
Abbildung 2: Ursachen und Komponenten der Unternehmenskonzentration
Quelle: Abbildung in Berg,
7DEHOOHQYHU]HLFKQLV
Tabelle 1: Begründung und Legalisierungsverfahren für Kartelle
Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Herdzina,
IV
(LQOHLWXQJ
3UREOHPVWHOOXQJ
In der Wettbewerbstheorie und -politik wird der :HWWEHZHUE als ein systembegründendes
Prinzip der Marktwirtschaft gesehen. Die Literatur setzt oft sogar Marktwirtschaft mit Wettbewerbswirtschaft gleich, was im weiteren Sinn aussagt, dass Wettbewerb in allen (volkswirtschaftlichen) Bereichen einer Marktwirtschaft auftreten sollte. Ein Grundkonsens über die eigentliche Bedeutung und Funktion des Wettbewerbs lässt sich aus den gesellschaftlichen Grundrechten der Freiheit, des Wohlstands und der Verteilungsgerechtigkeit ableiten. Nur eine wettbewerbliche Organisation der Märkte sichert deren Teilnehmern hinreichend große Handlungsspielräume und Wahlmöglichkeiten (Freiheitsfunktion), verhindert das Entstehen / Bestehen von nicht leistungsgerechten Einkommen (Verteilungsfunktion) und zwingt die Marktteilnehmer zur Anpassung an Datenänderungen, zur Verbesserung des Faktoreinsatzes und zur Realisierung von Fortschritt (Anpassungs-, Allokations- und Fortschrittsfunktion). 1
Der Wettbewerb weist jedoch eine Tendenz zur Selbstauflösung auf, da die Marktteilnehmer in der Regel versuchen, die Freiheitsspielräume anderer unangemessen einzuschränken, sich Verteilungsvorteile auf Kosten anderer zu verschaffen oder sich dem Anpassungs- und Fortschrittsdruck zu entziehen. Er muss daher durch wettbewerbspolitische Maßnahmen und regulierende Strategien des Staates geschützt und gefördert werden, was in diesem Zusammenhang auch den wichtigsten Aufgabenbereich der Wettbewerbspolitik darstellt.
$XIEDXXQGhEHUEOLFN
Der Grobaufbau dieser Arbeit umfasst im wesentlichen zwei Hauptabschnitte, einen eher theoretischen und einen praktischen. Der Theorieteil setzt sich dabei mit grundlegenden Betrachtungen zum Thema auseinander. Nach Formulierung von Zielsetzungen und Funktionen wettbewerbspolitischer Aktivitäten, die im Zusammenhang mit den sogenannten „Leitbildern“ der Wettbewerbspolitik zu sehen sind, werden die Ursachen für das Zustandekommen solcher Maßnahmen näher betrachtet. Jene Ursachen sind im allgemeinen solche Verhaltensweisen von Marktteilnehmern, die der Beeinträchtigung des
1 Vgl. Ahrns / Feser (1995), S. 37 ff
1
Wettbewerbs zu Lasten anderer Teilnehmer dienen. Darunter gehört unter anderem die Bildung von Kartellen und Unternehmenszusammenschlüssen, untereinander abgestimmtes Verhalten oder die Ausnutzung wirtschaftlicher Macht aufgrund einer dominierenden Position in der Marktwirtschaft. Hier stellt sich nun die Frage, in welcher Weise die Wettbewerbsbedingungen verändert werden müssen, wenn diese durch eben genannte Erscheinungen beeinträchtigt sind. Der Umsetzung dieser Problematik wird das dritte Kapitel gerecht. Der notwendige Schutz und die Förderung des Wettbewerbs setzt einen neutralen Dritten voraus, was in diesem Fall nur der Staat sein kann. Am deutschen Wettbewerbsrecht und dessen Gesetzestexten orientiert, werden in diesem Abschnitt der Arbeit Regelungen und Instrumente (wie beispielweise das Verbot von Kartellen oder die Fusionskontrolle) vorgestellt, welche vor allem willkürliche Wettbewerbsbeschränkungen
verhindern sollen. Ferner werden unter auch solche Bereiche berücksichtigt, die
gewissen Ausnahmeregelungen durch den Staat unterliegen. Als Beispiel sei hier das „natürliche“ Monopol genannt, welches durch staatliche Regulierung kontrollierbar wird.
*UXQGODJHQGHU:HWWEHZHUEVSROLWLN
(LQRUGQXQJ=LHOVHW]XQJXQG)XQNWLRQHQ
Für den Begriff Wettbewerb findet sich in der Literatur keine eindeutige und allgemein akzeptierte Definition. Vielmehr werden ganz unterschiedliche Marktgegebenheiten und Beschreibungen verschiedener Sachverhalte als Wettbewerb bezeichnet. Im weiteren muss daher eine Unterscheidung des Wettbewerbsbegriffes hinsichtlich seiner Verwendung erfolgen. Unter ordnungspolitischen Gesichtspunkten ist die Betrachtung von Wettbewerb als Prozess zweckmäßig. Die Marktparteien sind bemüht, unabhängig und in Rivalität zueinander, mit der Gegenseite zum Tausch zu kommen. Letztlich kommt es auf das Bieten besserer Bedingungen bei freiem Marktzugang an, vorausgesetzt es existieren Alternativen und Substitutionsmöglichkeiten unter Ausschluss unlauterer Methoden der Rivalität. 2 Nur dann kann Wettbewerb seine allgemeine Lenkungsfunktion in der dezentralen Wirtschafts-politik erfüllen (auf weitere Funktionen wurde bereits unter hingewiesen). Des
weiteren wird Wettbewerb aufgrund seiner ökonomischen und gesellschaftspolitischen Bedeutung auch als eigenständiger Wert an sich gesehen. Daraus folgt die Betrachtung als Institution unter der Voraussetzung wirtschaftlicher Freiheit. Der Wettbewerb, als Instrument dezentraler Steuerung, setzt Handlungsspielräume voraus und in Folge dessen
2 Vgl. Herdzina (1993), S. 8 ff
2
aber ebenso rechtsstaatliche Rahmenbedingungen, die das Ausüben der wirtschaftlichen Freiheitsrechte gestatten. Diese wirtschaftlichen Freiheitsrechte stellen die Konkretisierung des Postulats der individuellen Freiheitsrechte dar. Der Wettbewerb als solches ist deshalb, vor allem für Befürworter eines extremen Wirtschaftsliberalismus, eine eigenständige Zielvorgabe, denn dessen Schutz und Erhalt dient gleichzeitig dem Schutz und Erhalt der individuellen Freiheiten. 3 Während durch die Wettbewerbstheorie Determinanten und Wirkungen des Wettbewerbs innerhalb einer Wirtschaftsordnung erklärt werden sollen, befasst sich die Wettbewerbspolitik hauptsächlich mit den zwei Fragenkomplexen:
• Was ist das wirtschaftspolitische Leitbild und wie ist es theoretisch zu begründen?
• Welche wettbewerbspolitischen Maßnahmen sind geeignet, in der Marktwirtschaft den normierten Wettbewerb herbeizuführen und zu sichern?
Im weiteren sollen daher unter Wettbewerbspolitik, als zentraler Bestandteil der Ordnungspolitik (spezielle Wirtschaftspolitik), alle Maßnahmen wirtschaftspolitischer Akteure zur Sicherung und Förderung des Wettbewerbs verstanden werden. Dieses schließt auch Marktmacht reduzierende Maßnahmen ein. 4 Die damit einhergehende Schaffung und Beeinflussung wirtschaftlicher Strukturbereiche und Verhaltensweisen von Unternehmen
zum Zweck der :RKOIDKUWVPD[LPLHUXQJ wird für Verfechter einer interventionistischen
Industriepolitik oft als wichtigstes Zielkriterium angesehen.
Aus den bisherigen Ausführungen und den teilweise verschiedenen Auffassungen dazu, lassen sich weitere übergeordnete Zielsetzungen 5 wettbewerbspolitischer Konzeptionen
ableiten, die im wesentlichen auf den erwähnten Leitbildern beruhen (Vgl. auch ):
• Schaffung und Sicherung einer Rahmenordnung (Wettbewerbsordnung) mit sanktionsbewehrten Regeln zur Förderung von Effizienz und Fortschritt sowie zur Gewährleistung individueller Freiheitsrechte wirtschaftlichen Handelns.
• Verhinderung von unlauterem Wettbewerb, beispielsweise durch Täuschung, Betrug oder Drohung ausgelöst, durch Schaffung gleicher Startbedingungen für jeden Marktteilnehmer („a level playing field“).
• Das ökonomische Verhältnis zwischen Großunternehmen und dem Mittelstand möglichst gleichgewichtig zu erhalten.
3 Vgl. Aberle (1992), S. 17
4 Vgl. Weimann (1996), S. 274
5 Vgl. Neumann, M. (2000), S. 1
3
Arbeit zitieren:
Jörg Staller, 2002, Wettbewerbspolitik und Regulierung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Dollarkrise im Währungssystem von Bretton Woods
VWL - Geldtheorie, Geldpolitik
Seminararbeit, 31 Seiten
Regulierung, Deregulierung und Privatisierung in marktwirtschaftlich o...
VWL - Makroökonomie, allgemein
Seminararbeit, 26 Seiten
Das Weltwirtschaftssystem - Das Bretton-Woods-System
Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie
Hausarbeit, 18 Seiten
Internationale Direktinvestitionen und ihre Wirkungen auf die Beschäft...
VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen
Seminararbeit, 47 Seiten
Liberalisierung des Energiemarktes - Chancen und Risiken der Deregulie...
VWL - Mikroökonomie, allgemein
Hausarbeit, 22 Seiten
Onlineauktionen am Beispiel des Internetauktionshauses eBay
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 22 Seiten
Bilanzierung von Humankapital im Profisport
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Seminararbeit, 25 Seiten
Online-Rechtsgeschäfte - unter besonderer Berücksichtigung des Kaufver...
Hausarbeit, 21 Seiten
Darlegungs- und Beweislast bei Internetauktionen
Jura - Medienrecht, Multimediarecht, Urheberrecht
Seminararbeit, 31 Seiten
Vertragsschluss bei Internet-Auktionen
Jura - Zivilrecht / BGB AT / Schuldrecht / Sachenrecht
Seminararbeit, 35 Seiten
Jörg Staller hat den Text Wettbewerbspolitik und Regulierung veröffentlicht
Jörg Staller hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare