3.1) Rollentheorie nach Parsons
Talcott Parsons zählt zu den großen Klassikern der Soziologie. In seiner Strukturell-funktionalen Theorie wurde er von dem Physiologen L.J.Henderson , dem Ökonomen A. Marshall und dem Funktionalismus von Malinowski beeinflusst. (vgl. HILLMANN 1994, Seite 652). Diese Theorie versucht soziale Phänomene zu analysieren. Im Mittelpunkt stehen die Begriffe der Struktur und der Funktion. Es findet bei jedem sozialen Problem ein Rückbezug auf das existierende soziale System als Ganzes statt. (vgl. HILLMANN 1994, Seite 847).
Die grundsätzliche Frage, die Parsons sich in seiner Theorie stellt ist wie in einer Gesellschaft Ordnung entsteht und wie diese Ordnung erhalten werden kann. Elemente die zum Erhalten einer Gesellschaftsstruktur beitragen werden als funktional, solche welche die Wirksamkeit des Systems beeinträchtigen als dysfunktional bezeichnet. (vgl. ABELS 1999, Seite 74). Wobei jedoch die „Kategorie der Dysfunktion“ als eine „im Grunde residuale Kategorie, die im Rahmen der struktur-funktionalen Theorie keinen Platz findet“ (DAHRENDORF 1974, Seite 239) gesehen wird. Ein elementarer Teil einer Gesellschaftsstruktur ist das Handeln der Individuen. Jedoch kann dieses Handeln nach Parsons „nicht in seiner Totalität, sondern nur durch einen gegebenen differenzierten Sektor seines Systems sozialer Beziehungen dargestellt, und wird vorwiegend als >Rolle< bezeichnet“ gesehen werden.(vgl. DAHRENDORF 1974, Seite 228). Handeln wird in Parsons s Theorie immer von drei Systemen beeinflusst. Dem „kulturellen System“, in diesem System sind Normen und Werte einer Gesellschaft verankert. Handlungen sind immer auch kulturell geprägt und von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich. Jedes kulturelle System hat z.B. seine eigenen Symbole. Dieses System nimmt die höchste Stufe ein, es wird den anderen beiden übergeordnet.
Dem „sozialen System“, welches das Handeln und die Beziehung des Handelnden zu den Anderen beschreibt. Es setzt sich aus der Gesamtheit aller Interaktionen zusammen.
Als drittes System, dass „Persönlichkeitssystem“, welches bei jedem Individuum spezifisch ist und seine jeweiligen Bedürfnisse und persönlichen Antriebe beinhaltet. Dieses System enthält auch immer Elemente aus den kulturellen und sozialen System, jedoch verschmelzen sie hier und können nicht mehr klar voneinander getrennt werden. Die Rolle ist bei Parsons als Schnittpunkt der drei Systeme zu betrachten. (vgl. ABELS 1999, Seite 72 f.).
Betrachten werden kann immer nur ein bestimmter Sektor eines Handelnden in einer bestimmten Handlung. Nicht jedes Verhalten eines Akteurs wird beobachtet, sondern nur das gegenüber eines anderen Positionsinhabers in einer sozialen Struktur. (vgl. OPP 1970, Seite 128). Diese „Grundeinheit der Analyse sozialer Systeme“ wird als „Status-Rolle“ bezeichnet. Wobei der Begriff des >Status< dem der >Struktur< und der Begriff der >Rolle< dem der >Funktion< entspricht. Der Status zeigt die Position an, die das Individuum in der Gesellschaft einnimmt und die Rolle ist der Prozessaspekt also das Handeln anderen gegenüber. (vgl. DAHRENDORF 1974, Seite 231).
„Dieses strukturierte Gebilde des Handelns hat Parsons Kollektiv genannt. Die Verortung des Handelnden in dieser Struktur wird als Status bezeichnet. Die funktionale Bedeutung des Handelns in diesem Status kommt im Begriff der Rolle zum Ausdruck.“ (ABELS 1999, Seite 74). Parsons geht davon aus, dass Erwatungen die an eine Rolle gestellt werden das richtige Verhalten in einer Rolle vorgeben. Die Gesellschaft stellte an den Inhaber einer bestimmten Rolle auch gleichzeitig immer Erwartungen an sein Handeln.„So wird von einer Ehefrau , als Verpflichtung ihres Status, erwartet, dass sie die Verantwortung für die Haushaltsführung und gegebenenfalls für die Kinderpflege übernimmt“ (PARSONS 1954, Seite 43). Die Rolle fungiert als Verhaltensaspekt des Status. Wenn diese Erwartungen sich in einer Gesellschaft verfestigt haben, redet Parsons davon, dass sie sich institutionalisiert haben. (vgl. DAHRENDORF 1974, Seite 232). Institutionen sind somit legitime, verfestigte Erwartungen.
Arbeit zitieren:
Josina Johannidis, 2002, Die Theorie des Rollenkonflikts nach Robert K. Merton, München, GRIN Verlag GmbH
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