Untertitel: Die Entstehung der Sagen über ein geheimnisvolles Lebewesen
Fachbuch, 2001, 24 Seiten
Autor: Ernst Probst
Fach: Germanistik - Sonstiges
Details
Jahr: 2001
Seiten: 24
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-10372-5
ISBN (Buch): 978-3-638-63686-5
Dateigröße: 330 KB
Das Einhorn schildert die Entstehung der Sagen über ein geheimnisvolles Lebewesen. Zahlreiche Abbildungen.
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Zusammenfassung / Abstract
"Das Einhorn gleicht dem Pferde, ist nur ein wenig größer, weiß am Körper und rötlich am Kopf. Seine Augen sind blau und auf der Stirn trägt es ein einziges, mächtiges, eine Elle langes Horn. Das Horn ist unten zunächst weiß, dann schwarz und an der Spitze feuerfarben". Mit diesen Worten beschrieb wahrscheinlich als erster Ktesias von Knidos, der Leibarzt der Perserkönige Artaxerxes II. und Darios II., um 400 vor Christus das Einhorn. Die Legenden von diesem merkwürdigen Fabeltier geisterten mehr als 2000 Jahre lang durch die menschliche Phantasie, bis es endlich als nicht existent entlarvt wurde. Becher, die aus dem Horn eines Einhorns angefertigt werden, glaubte Ktesias von Knidos, schützten den Trinker vor Gift und Epilepsie. Das auch als „indischer Esel“ bezeichnete Tier sei nie lebendig zu fangen. Später kam die Mär auf, das scheue Geschöpf lasse sich nur zu Füßen einer Jungfrau, von deren Unberührtheit es magisch angezogen werde, gefangen nehmen.
Textauszug (computergeneriert)
MANUALERNST PROBST
Das Einhorn
Das Einhorn
Von Christian Morgenstern (1871-1914)
Das Einhorn lebt von Ort zu Ort
nur noch als Wirtshaus fort.
Man geht hinein zur Abendstund
und sitzt den Stammtisch rund.
Wer weiß? Nach Jahr und Tag sind wir
auch ganz wie jenes Tier.
Hotels nur noch, darin man speist -
(so völlig wurden wir zu Geist).
Im ,,Goldenen Menschen" sitzt man dann
und sagt sein Solo an ...
Es war nie lebendig zu fangen
Wie aus dem sagenhaften Einhorn ein Mammut wurde
Das Einhorn gleicht dem Pferde, ist nur ein wenig größer, weiß am Körper und rötlich am Kopf. Seine Augen sind blau und auf der Stirn trägt es ein einziges, mächtiges, eine Elle langes Horn. Das Horn ist unten zunächst weiß, dann schwarz und an der Spitze feuerfarben". So beschrieb im Detail wahrscheinlich als erster der Leibarzt der Perserkönige Artaxerxes II. und Darios II., Ktesias von Knidos, um 400 vor Christus das Einhorn. Die Legenden von diesem merkwürdigen Fabeltier geisterten mehr als 2000 Jahre lang durch die menschliche Phantasie, bis es endlich als nicht existent entlarvt wurde.
Becher, die aus dem Horn eines Einhorns angefertigt werden, so sagte der erwähnte griechische Arzt, schützten den Trinker vor Gift und Epilepsie. Das auch als ,,indischer Esel" bezeichnete Tier sei jedoch außerordentlich schwer zu jagen, da es ,,ungemein flüchtig" wäre. Es sei daher nie lebendig zu fangen. Später kam die Mär auf, das scheue Geschöpf lasse sich nur zu Füßen einer Jungfrau, von deren Unberührtheit es magisch angezogen werde, gefangen nehmen.
Beiläufig und trocken erwähnte der römische Feldherr Cäsar (100-44 v. Chr.) das Einhorn in seinem Bericht ,,Der gallische Krieg", in dem er seine Feldzüge gegen die Kelten schilderte. Er hatte Geschichten gehört, dass solche seltsamen Wesen im so genannten ,,Herzynischen Wald" lebten, der so groß war, dass ein Reisender ihn nicht in 60 Tagen durchqueren konnte. Cäsar notierte über das Einhorn: ,,Es sieht aus wie ein Hirsch, auf dessen Stirn in der Mitte zwischen den Ohren ein einziges Horn wächst, länger und gerader als alle Hörner, die wir kennen". Vermutlich um 200 n. Chr. verbreitete das Buch mit dem Titel ,,Physiólogus" die Kunde vom Einhorn weiter. Dieses Werk der Natursymbolik entstand in Alexandria (Ägypten).
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