Bei GRIN registrieren oder einloggen

Jetzt registrieren
Für neue Autoren: kostenlos, einfach und schnell
Dies wird Ihr Benutzername, bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse an

Passwort vergessen


Neues Passwort anfordern
Der Wohnraum der Fulbe mit wissenschaftlichem Blick close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Titel: Der Wohnraum der Fulbe mit wissenschaftlichem Blick (Hausarbeit)
Der Wohnraum der Fulbe mit wissenschaftlichem Blick

Hausarbeit, 2006, 25 Seiten
Autor: Schirin Agha-Mohamad-Beigui
Fach: Ethnologie / Volkskunde

Details

Institution/Hochschule: Universität Hamburg
Tags: Wohnraum, Fulbe, Raumbergriff
Kategorie: Hausarbeit
Jahr: 2006
Seiten: 25
Note: 1.3
Literaturverzeichnis: ~ 12  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V52854
ISBN (E-Book): 978-3-638-48454-1
ISBN (Buch): 978-3-638-86638-5
Dateigröße: 216 KB

Zusammenfassung / Abstract

Diese Seminararbeit behandelt eine Westafrikanische Ethnie, die unter dem Namen Fulbe bekannt ist und das Konzept Raum, wie es in der Wissenschaft analysiert wird. In meinem Beitrag werden wissenschaftliche Modelle und Theorien über die Bedeutung und Entstehung von Raum auf empirische Daten der Fulbe angewendet. Ich versuche einerseits die empirischen Daten mit den wissenschaftlichen Konzepten zu analysieren und andererseits möchte ich die wissenschaftlichen Ansätze anhand der Daten auf ihre Anwendbarkeit überprüfen. Auf diese Art soll einerseits eine Konkretisierung der abstrakten, wissenschaftlichen Konzpte erreicht werden, andererseits möchte ich eine These bezüglich Raumkonstruktion durch die Fulbe gewinnen. Theorieorientierte Arbeiten, die Eingang in diesem Beitrag gefunden haben, sind 1. Rappaport (1994) aus dessen Arbeit die Definition des Begriffes Setting entnommen wurde 2. Haller (1994) aus dessen Arbeit verschiedene Raumdefinitionen und eine sozial orientierte Analyse der Nutzung von „Orten“ Anwendung fanden 3. Rolshoven (2003) aus deren Arbeit soziale Merkmale von Raum generiert wurden 4. Bordieu (1991), aus dessen Arbeit eine Theorie der Genese und Funktion von (bewohntem) Raum angewandt wurde und 5. Dickhardt; Hauser-Schäublin (2003) aus deren Arbeit eine Analyse empirischer Erfassungsmöglichkeit von Raum verwendet wurde. Diese Ansätze sind von westlichen Wissenschaftlern erarbeitet worden, um das Konzept Raum verständlich, empirisch erfassbar und interpretierbar zu machen. Dabei schließen die Ansichten der verschiedenen Autoren sich nicht aus, sondern fokussieren jeweils unterschiedliche Sachverhalte und Aspekte der Raumentwicklung und Raumkonstruktion durch handelnde Menschen und Menschengruppen, um eine universal gültige Verbindung zwischen Raum und Mensch herzustellen.


Textauszug (computergeneriert)

MANUAL

Der Wohnraum der Fulbe mit wissenschaftlichem Blick

von: Schirin Beigui

 


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 1

Wissenschaftliche Raumauffassungen 2

A. Das Haus suduu 5

B. Der Hof wuro 16

C. Kamps mit mehreren Höfen 19

D. Der Wohnraum der Fulbe 23

Literaturverzeichnis 24

Karten und Abbildungen
 


 

 

Einleitung

Diese Seminararbeit behandelt eine Westafrikanische Ethnie, die unter dem Namen Fulbe bekannt ist. Die Fulbe besitzen eine, durch arabische Dokumente erwiesene, Kontinuität von mindestens 600 Jahren1. Die Menschen, die unter diesem Begriff zusammengefasst werden, zeichnen sich durch eigene ethische Prinzipien, das pulaaku, eine gemeinsame Sprache, die landläufig als Ful, Fulfulde und Pulaar bekannt ist und durch eine Präferenz für eine nomadische Form der Rinderhaltung aus. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich auf die gesamten Sahelzone Westafrikas, vom Senegal bis an den Tschadsee, und sogar im Sudan finden sich etablierte Gruppen der Fulbe. In dieser Arbeit soll eine Beschreibung des Wohnraumes der Fulbe und eine Interpretation von Raumstrukturen bei den Fulbe erreicht werden.

Viele Wissenschaftler haben sich mit ethnologischen und linguistischen Aspekten der Fulbe beschäftigt. Die ethnologischen Arbeiten, die in diesem Beitrag Eingang gefunden haben, sind 1. eine ethnographische Arbeit von Stenning (1959), der eine Gruppe nomadischer Fulbe in Nigeria unter Einbeziehung historischer Aspekte untersuchte 2. Schareika (2003), der sich mit Umweltwissen und Rationalität der Weidewanderungen einer Gruppe nomadischer Fulbe im Niger beschäftigte 3. Bierschenk (1997), der ökonomische Strategien agropastoraler Fulbe in mehreren Regionen Nordbenins analysierte. Aus diesen Arbeiten wurden Karten und Beschreibungen des Wohnraumes der untersuchten Menschen exzerpiert, um diese als Datengrundlage für diesen Beitrag zu verwenden. Wohnraum meint hier den Bereich, in dem der Alltag eines Haushaltes stattfindet, wobei der Raum der Weidung der Herde davon ausgeschlossen wird.

Um den Wohnraum der Fulbe begreifen zu können, war es notwendig auf Raumansätze in der wissenschaftlichen Literatur zurückzugreifen. Theorieorientierte Arbeiten, die Eingang in diesem Beitrag gefunden haben, sind 1. Rappaport (1994), aus dessen Arbeit die Definition des Begriffes Setting entnommen wurde 2. Haller (1994), aus dessen Arbeit verschiedene Raumdefinitionen und eine sozial orientierte Analyse der Nutzung von „Orten“ Anwendung fanden 3. Rolshoven (2003), aus deren Arbeit soziale Merkmale von Raum generiert wurden 4. Bordieu (1991), aus dessen Arbeit eine Theorie der Genese und Funktion von (bewohntem) Raum angewandt wurde und 5. Dickhardt; Hauser-Schäublin (2003), aus deren Arbeit eine Analyse empirischer Erfassungsmöglichkeit von Raum verwendet wurde. Diese Ansätze sind von westlichen Wissenschaftlern erarbeitet worden, um das Konzept Raum verständlich, empirisch erfassbar und interpretierbar zu machen. Dabei schließen die Ansichten der verschiedenen Autoren sich nicht aus, sondern fokussieren jeweils unterschiedliche Sachverhalte und Aspekte der Raumentwicklung und Raumkonstruktion durch handelnde Menschen und Menschengruppen, um eine universal gültige Verbindung zwischen Raum und Mensch herzustellen. Der Mensch als soziales Wesen, dessen Handlungen als soziale Prozesse zu verstehen sind, die mit Raum oder Räumen Verbindungen eingehen.

In meinem Beitrag versuche ich die wissenschaftlichen Ansätze und die Daten über die Fulbe in Interaktion treten zu lassen, indem ich einerseits die Daten mit den wissenschaftlichen Konzeptualisierungen analysiere und andererseits die wissenschaftlichen Ansätze anhand der Daten auf ihre Anwendbarkeit überprüfe. Auf diese Art möchte ich einerseits eine Konkretisierung der wissenschaftlichen Ansätze erreichen, andererseits möchte ich eine These bezüglich Raumkonstruktion durch die Fulbe gewinnen. Dieser Bericht ist nicht in Kapiteln organisiert, sondern wird durch die verschiedenen Analyseeinheiten 1. Haus. 2. Hof. 3. Kamp strukturiert, die sukzessive analysiert werden.

Wissenschaftliche Raumauffassungen

Das Wort wuro bezeichnet in der Sprache der Fulbe, dem Fulfulde, eine Heimstätte (Stenning 1959:107). Das Wort Heimstätte impliziert eine „flächenmäßige Ausdehnung im physischen Raum“ (Haller 1994:6). Gleichzeitig geht eine Heimstätte eine untrennbare Verbindung mit dem Wesen Mensch bzw. mit dem Leib ein. Der „Leib“ als der grundsätzliche, minimalistische „Ort des Menschen, von dem aus er handelt und interagiert“ (Dickhardt; Hauser-Schäublin 2003:16). Aber auf welche Art verbindet sich bei den Fulbe im Ausdruck wuro die Flächenextension mit der Leiblichkeit? Haller (1994:11) analysiert, dass „Flächenextension“ vorerst willkürlich sei und erst durch Interaktion, Bedeutungszuweisung und Identität zur Lokalität, zum Ort oder zum Territorium werde. Er definiert „Lokalität“ als eine „ ...geographische Extension mit Identität, Namen und Grenzen.“ Unter dem Begriff „Ort“ versteht er „...den Aspekt der tatsächlichen Nutzung einer Lokalität als Interaktionsfeld durch eine soziale Gruppe...“ und Territorium sei, wenn „...zum Aspekt der Nutzung ein Besitzanspruch auf die Lokalität dazu [kommt]...“ (ebd.:5). Haller verknüpft Menschen mit Raum, indem dem Raum durch die Menschen eine Bedeutung gegeben würde. Bedeutung suche sich einen Raum in dem sie sich manifestiere. Darüber hinaus gebe es Mechanismen der Traditionalisierung, die Interaktionskontexte und Identitäten an Orte fixierten. Menschen würden ihre Interaktion und ihre Identität verorten (ebd.:9ff). Entgegen den früheren Raumauffassungen in den Gesellschaftswissenschaften, die Forschungssubjekte anhand eines geographischen Raumes definierten, plädiert auch Rolshoven (2003) für eine Konkretisierung der Analysen. Physischer Raum sei kein entsozialisiertes Gefäß kultureller Erscheinungen (ebd.:191f). Sozialwissenschaftlich orientiert, betrachtet sie Lefevre folgend Raum als Instrument und Modell (ebd.:199f), welches individuelles Handeln „als Teil sozialer Prozesse und somit Teil der Konstitution von Kultur“ abbilde. Sie sieht in dem aus der Perspektive des Individuums gedachten und aus seiner empirischen Erfahrung heraus entwickelten Raumbegriff ein Gerichtetsein der Ausdehnungsdimensionen des physischen Raumes als oben/unten, hinten/vorne, rechts/links, welches zugleich Kulturmuster und symbolische Verortungen in der Gesellschaft beschreibbar machten. Räume seien begreifbar als 1. Dialektik des Wahrnehmens und Realisierens 2. konzipierter Raum, in dem sich ein diskursiver Moment ergäbe und 3. individuell realisierte Räume. Auch Bordieu (1991:26) analysiert konzipierte Gegensätze im materiellen Raum als „Struktur des sozialen Raums (...), wobei der bewohnte (oder angeeignete) Raum als eine Art spontaner Metapher des sozialen Raums fungiert.“ Er führt weiter aus, dass in einer hierarchischen Gesellschaft Räume und Raumstrukturierungen soziale Distanzen zum Ausdruck brächten.

[...]


1 Siehe Abu-Manga Al-Amin. 1986. “Fulfulde in the Sudan”. Dietrich Reimer Verlag. Berlin


Kommentare

Bisher keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:


Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.hausarbeiten.de/e-book/52854/der-wohnraum-der-fulbe-mit-wissenschaftlichem-blick
please wait Bitte warten