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Karl Hirschbold und sein sprachpflegerisches Werk. Journalistische Sprachpflege zwischen Kritik und Unterhaltung

Seminararbeit, 2005, 28 Seiten
Autor: Elisabeth Augustin
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 28
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V52485
ISBN (E-Book): 978-3-638-48189-2

Dateigröße: 273 KB


Textauszug (computergeneriert)

Karl Hirschbold und sein sprachpflegerisches
Werk. Journalistische Sprachpflege zwischen
Kritik und Unterhaltung

von: Elisabeth Augustin

Sommersemester 2005, 8. Semester

 


Gliederung

1. Einleitung  2

1.1 Problemkreis Sprachpflege: Definitionen und Begriffsklärungen  2
1.2 Zur Situation der Sprachpflege in Österreich  6

2. ‚Eine Institution‘: Der Sprachpfleger Karl Hirschbold 8

3. Hirschbolds sprachpflegerische Werke  10

3.1 Achtung! Immer im ‚Sprachdienst‘: Zu Hirschbolds Sprachpolizei  14
3.2. „Der Hirschbold pirscht hold“: Zu den Pirschgängen im Sprachrevier 16
3.3 Zur Wirkung von Hirschbolds sprachpflegerischer Tätigkeit  16
3.4 Zusammenfassung und begriffliche Einordnung  18

4. Kritische Auseinandersetzung mit Hirschbolds Werk  19

4.1 Hirschbolds problematische Methode  19
4.2 Sprache als Herrschaftsinstrument und Mittel zur sozialen Ausgrenzung 21
4.3. Abgrenzung, Ausgrenzung und soziales Ungleichgewicht in den Texten von Hirschbold: Die Umsetzung in konkreten Beispielen 22

Anhang

Tabellenverzeichnis
Literaturverzeichnis


 

 

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, eine erste Einführung in den Bereich der Sprachpflege zu geben. Neben einem theoretischen Teil, in dem Definitionen und Einteilungskriterien dargestellt werden, wird auch die praktische Arbeit eines Sprachpflegers vorgestellt. Wichtige Werke von Karl Hirschbold, die ‚Pirschgänge im Sprachrevier‘ und die Sammlung von Radiobeiträgen ‚Achtung! Sprachpolizei.‘, bieten einen ersten Einblick in den Bereich journalistischer Sprachpflege. Eine Bewertung Hirschbolds Tätigkeit, im Hinblick auf den Erfolg oder Nicht-Erfolg seiner sprachpflegerischen Bemühungen, soll erfolgen. Auf eine kritische Betrachtungsweise und einen reflexiven Zugang wird besonderer Wert gelegt. Den Themen Sprache als Herrschaftsinstrument und Sprache als Mittel zur sozialen Aus- und Abgrenzung wird deshalb im Rahmen der Arbeit Platz eingeräumt. Bevor die Person Karl Hirschbold und seine Arbeit näher vorgestellt wird, folgen einige einführende Wort über Sprachpflege und Sprachkritik.

1.1 Problemkreis Sprachpflege: Definitionen und Begriffsklärungen

Seit der Gründung sogenannter Sprachgesellschaften zu Beginn des 17. Jahrhunderts wird Sprache als etwas erkannt, das gefördert und gepflegt werden soll. Die größte deutsche Sprachgesellschaft war die im Jahr 1617 gegründete ‚Fruchtbringende Gesellschaft‘ (der ‚Palmenorden‘). Gegründet vom Fürsten Ludwig von Anhalt, konnte der Palmenorden auf so bekannte Mitglieder wie von Birken, Gryphius, Harsdörffer oder auch Martin Opitz verweisen. Ziele dieser frühen Sprachpflege waren vor allem die Emanzipation des Deutschen gegenüber dem Lateinischen und dem Französischen. Fremdwortpurismus (also die Ablehnung jeglicher Fremdwörter) und Bemühungen um die Hebung des Stils kennzeichnen die Arbeit der ‚Fruchtbringenden Gesellschaft‘ bzw. die ihrer Mitglieder.1 Umgangssprachlich kann Sprachpflege als das Feld bewussten Einwirkens in Sprache beschrieben werden. Das Lexikon der Sprachwissenschaft beschreibt Sprachpflege als „Form der Sprachlenkung“2 Ziel ist die „Verbesserung des Sprachgebrauchs bzw. der sprachlichen Kompetenz“3. Es geht also um bewusste Sprachreflexion und Änderung des Sprachgebrauchs. Als Kriterien für Sprachpflege werden angeführt: „Die moderate S[prachpflege] beruht auf wissenschaftlicher Sprachkritik, ihre Kriterien sind funktionale, strukturelle, soziale, historische [...], aber auch ästhetische, kulturkritische [...] oder politische [...].“4

Diese Definition macht deutlich, dass Sprachpflege einerseits bei sprachinternen Kriterien (zB. Sprachökonomie, Verständlichkeit uvm.) und somit beim Sprachsystem und seinen Möglichkeiten sowie bei Sprech- und Schreibvarianten ansetzt. Andererseits wird jedoch bemerkt, dass das Instrument der Sprachpflege von politischen Interessen vereinnahmt werden kann. Gerade im deutschsprachigen Raum ist die Skepsis gegenüber politischer Sprachpflege und die Sensibilität für eine nationalistisch motivierte Sprachpflege besonders groß. In einem Aufsatz beschreibt Joachim Sartorius diese ambivalente und vorsichtige Haltung gegenüber Sprachpflege im deutschsprachigen Raum. Diese Haltung resultiert, so Sartorius, aus den spezifischen geschichtlichen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus.5 Damit gemeint ist die propagandistische und persuasive Sprachverwendung (durch zB. sich wiederholende Schlagworte und Redewendungen) zur Verbreitung nationalsozialistischer Ideologien und zur Förderung der Kriegsbereitschaft. Aus dieser Situation heraus galt Sprachpolitik lange Zeit als Tabu: „Sprachpolitik war [...] ein lange tabuisierter Begriff. Er galt als belastet durch die politische Instrumentalisierung von Sprache während des Dritten Reichs zu kriminellen Zwecken..."6 In diesem Zusammenhang ist der Umstand interessant, dass seit dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahr 1995 anscheinend eine neue Phase der Sprachreflexion eingesetzt hat. Sichtbar wird das zB. an der, politisch und wirtschaftlich bedeutenden, Forderung der Mitgliedsländer Deutschland und Österreich, Deutsch als gleichwertige Arbeitssprache innerhalb der Europäischen Union einzusetzen.7 Ein Mittel von und eine Voraussetzung für Sprachpflege ist die Sprachkritik. Das Lexikon der Sprachwissenschaft bietet eine mögliche Definition und Erklärung des Begriffes Sprachkritik:

„Sprachkritik. Kritische Beurteilung sprachlicher Ausdrucksmittel, und zwar einerseits als Stilkritik, d.h. als Kritik am konkreten Sprachgebrauch ( Stilistik) bzw. als Bewertung von Sprachnormen (zB. Nominalstil), andererseits als kritische Reflexion der Ausdrucksmöglichkeiten des Sprachsystems, z.B. beim Funktionsverbgefüge, bei der Akkusativierung durch transitive Verben, [...]. Die wissenschaftliche S. [...] stützt sich meist auf funktionale Kriterien (z.B. Differenzierung vs. Ökonomie) und ist Voraussetzung für Sprachpflege, Sprachregelung. Die publizistische S. (Sprachglossen[...]), zielt häufig auf Gesellschaftskritik oder politische Einflussnahme..."8 Allgemein kann Sprachkritik also als kritische Beurteilung sprachlicher Ausdrucksmittel aufgefasst werden. Die eben gegebene Definition unterscheiden zwischen einer Kritik an konkreten Sprachäußerungen, als Stilkritik oder Bewertung von Sprachnormen, und der Kritik am Sprachsystem selbst. Weiters wird zwischen wissenschaftlicher und publizistischer Sprachkritik unterschieden, wobei für wissenschaftliche Sprachkritik gilt, dass sie sich an funktionalen Kriterien orientiert. Ein Mittel publizistischer Sprachkritik ist die Sprachglosse.

Sprachglossen wollen zugleich belehren und unterhalten. In ihrer Diplomarbeit weist Eva Jambor darauf hin, dass die journalistische Form Sprachglosse meist mehr unterhalten als belehren will.9 In der vorliegenden Arbeit wird noch zu zeigen sein, wie diese allgemeinen Charakteristika auf Hirschbolds Sprachglossen anzuwenden sind.

[...]


1 Anm.: Zum Themenkreis Sprachgesellschaften siehe: Seminar Sprachkultur und Sprachpflege. Referat vom 11.4.2005. Gehalten von Igor Pelesic.

2 Hadumod Bußmann [Hg.]: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart: Kröner 3. aktualisierte und erweiterte Auflage 2002, S. 627f.

3 Ebd. S. 627f.

4 Ebd. S. 627f.

5 Vgl. Joachim Sartorius: Sprachpolitik im Rahmen der auswärtigen Kulturpolitik. Stellenwert, Arbeitsprinzipien und zukünftige Perspektiven. In: Horst Dieter Schlosser [Hg.]: Sprache und Kultur. Frankfurt/Main: Lang 2000. S. 9-16, Zit. S. 10. (= Forum angewandte Linguistik, Bd. 38).

6 Ebd. S. 11f.

7 Vgl. ebd. S. 9.

8 Lexikon Sprachwissenschaft (Anm. 2), S. 625.

9 Vgl. Eva Juliana Jambor: Sprachkritik als Sprachbewertung. Hirschbolds ‚Pirschgänge im Sprachrevier‘. Diplomarbeit. Wien: 1991, S.


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