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Gliederung:
1. Einleitung 2
1.1 Problemkreis Sprachpflege: Definitionen und Begriffsklärungen 2
1.2 Zur Situation der Sprachpflege in Österreich 6
2 . Eine Institution : Der Sprachpfleger Karl Hirschbold 8
3. Hirschbolds sprachpflegerische Werke 10
3.1 Achtung Immer im Sprachdienst : Zu Hirschbolds Sprachpolizei 14
3.2. „Der Hirschbold pirscht hold“: Zu den Pirschgängen im Sprachrevier 16
3.3 Zur Wirkung von Hirschbolds sprachpflegerischer Tätigkeit 16
3.4 Zusammenfassung und begriffliche Einordnung 18
4. Kritische Auseinandersetzung mit Hirschbolds Werk 19
4.1 Hirschbolds problematische Methode 19
4.2 Sprache als Herrschaftsinstrument und Mittel zur sozialen Ausgrenzung 21
4.3. Abgrenzung, Ausgrenzung und soziales Ungleichgewicht in den Texten von
Hirschbold: Die Umsetzung in konkreten Beispielen 22
Anhang:
Tabellenverzeichnis
Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, eine erste Einführung in den Bereich der Sprachpflege zu geben. Neben einem theoretischen Teil, in dem Definitionen und Einteilungskriterien dargestellt werden, wird auch die praktische Arbeit eines Sprachpflegers vorgestellt. Wichtige Werke von Karl Hirschbold, die ‚Pirschgänge im Sprachrevier‘ und die Sammlung von Radiobeiträgen ‚Achtung! Sprachpolizei.‘, bieten einen ersten Einblick in den Bereich journalistischer Sprachpflege. Eine Bewertung Hirschbolds Tätigkeit, im Hinblick auf den Erfolg oder Nicht-Erfolg seiner sprachpflegerischen Bemühungen, soll erfolgen. Auf eine kritische Betrachtungsweise und einen reflexiven Zugang wird besonderer Wert gelegt. Den Themen Sprache als Herrschaftsinstrument und Sprache als Mittel zur sozialen Aus- und Abgrenzung wird deshalb im Rahmen der Arbeit Platz eingeräumt.
Bevor die Person Karl Hirschbold und seine Arbeit näher vorgestellt wird, folgen einige einführende Wort über Sprachpflege und Sprachkritik.
1.1 Problemkreis Sprachpflege: Definitionen und Begriffsklärungen
Seit der Gründung sogenannter Sprachgesellschaften zu Beginn des 17. Jahrhunderts wird Sprache als etwas erkannt, das gefördert und gepflegt werden soll. Die größte deutsche Sprachgesellschaft war die im Jahr 1617 gegründete ‚Fruchtbringende Gesellschaft‘ (der ‚Palmenorden‘). Gegründet vom Fürsten Ludwig von Anhalt, konnte der Palmenorden auf so bekannte Mitglieder wie von Birken, Gryphius, Harsdörffer oder auch Martin Opitz verweisen. Ziele dieser frühen Sprachpflege waren vor allem die Emanzipation des Deutschen gegenüber dem Lateinischen und dem Französischen. Fremdwortpurismus (also die Ablehnung jeglicher Fremdwörter) und Bemühungen um die Hebung des Stils kennzeichnen die Arbeit der ‚Fruchtbringenden Gesellschaft‘ bzw. die ihrer Mitglieder. 1 Umgangssprachlich kann
1 Anm.: Zum Themenkreis Sprachgesellschaften siehe: Seminar Sprachkultur und Sprachpflege. Referat vom 11.4.2005. Gehalten von Igor Pelesic.
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Sprachpflege
als das Feld bewussten Einwirkens in Sprache beschrieben werden. Das Lexikon der Sprachwissenschaft beschreibt Sprachpflege als „Form der Sprachlenkung“ 2 Ziel ist die „Verbesserung des Sprachgebrauchs bzw. der sprachlichen Kompetenz“ 3 . Es geht also um bewusste Sprachreflexion und Änderung des Sprachgebrauchs. Als Kriterien für Sprachpflege werden angeführt:
„Die moderate S[prachpflege] beruht auf wissenschaftlicher Sprachkritik, ihre Kriterien sind funktionale, strukturelle, soziale, historische [...], aber auch ästhetische, kulturkritische [...] oder politische [...].“ 4
Diese Definition macht deutlich, dass Sprachpflege einerseits bei sprachinternen Kriterien (zB. Sprachökonomie, Verständlichkeit uvm.) und somit beim Sprachsystem und seinen Möglichkeiten sowie bei Sprech- und Schreibvarianten ansetzt. Andererseits wird jedoch bemerkt, dass das Instrument der Sprachpflege von politischen Interessen vereinnahmt werden kann. Gerade im deutschsprachigen Raum ist die Skepsis gegenüber politischer Sprachpflege und die Sensibilität für eine nationalistisch motivierte Sprachpflege besonders groß.
In einem Aufsatz beschreibt Joachim Sartorius diese ambivalente und vorsichtige Haltung gegenüber Sprachpflege im deutschsprachigen Raum. Diese Haltung resultiert, so Sartorius, aus den spezifischen geschichtlichen Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus. 5 Damit gemeint ist die propagandistische und persuasive Sprachverwendung (durch zB. sich wiederholende Schlagworte und Redewendungen) zur Verbreitung nationalsozialistischer Ideologien und zur Förderung der Kriegsbereitschaft. Aus dieser Situation heraus galt Sprachpolitik lange Zeit als Tabu: „Sprachpolitik war [...] ein lange tabuisierter Begriff. Er galt als belastet durch die politische Instrumentalisierung von Sprache während des Dritten Reichs zu kriminellen Zwecken..." 6 In diesem Zusammenhang ist der Umstand interessant, dass seit dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahr 1995 anscheinend eine neue Phase der Sprachreflexion eingesetzt hat. Sichtbar wird das zB. an der, politisch und wirtschaftlich bedeutenden, Forderung der
2 Hadumod Bußmann [Hg.]: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart: Kröner 3. aktualisierte und erweiterte Auflage
2002, S. 627f.
3 Ebd. S. 627f.
4 Ebd. S. 627f.
5 Vgl. Joachim Sartorius: Sprachpolitik im Rahmen der auswärtigen Kulturpolitik. Stellenwert, Arbeitsprinzipien und zukünftige Perspektiven. In: Horst Dieter Schlosser [Hg.]: Sprache und Kultur. Frankfurt/Main: Lang 2000. S. 9-16, Zit. S. 10. (= Forum angewandte Linguistik, Bd. 38).
6 Ebd. S. 11f.
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Mitgliedsländer Deutschland und Österreich, Deutsch als gleichwertige Arbeitssprache innerhalb der Europäischen Union einzusetzen. 7 Ein Mittel von und eine Voraussetzung für Sprachpflege ist die
Sprachkritik.
Das Lexikon der Sprachwissenschaft bietet eine mögliche Definition und Erklärung des Begriffes Sprachkritik:
„Sprachkritik. Kritische Beurteilung sprachlicher Ausdrucksmittel, und zwar einerseits als Stilkritik, d.h. als Kritik am konkreten Sprachgebrauch ( Stilistik) bzw. als Bewertung von Sprachnormen (zB. Nominalstil), andererseits als kritische Reflexion der Ausdrucksmöglichkeiten des Sprachsystems, z.B. beim Funktionsverbgefüge, bei der Akkusativierung durch transitive Verben, [...]. Die wissenschaftliche S. [...] stützt sich meist auf funktionale Kriterien (z.B. Differenzierung vs. Ökonomie) und ist Voraussetzung für Sprachpflege, Sprachregelung. Die publizistische S. (Sprachglossen[...]), zielt häufig auf Gesellschaftskritik oder politische Einflussnahme..." 8
Allgemein kann Sprachkritik also als kritische Beurteilung sprachlicher Ausdrucksmittel aufgefasst werden. Die eben gegebene Definition unterscheiden zwischen einer Kritik an konkreten Sprachäußerungen, als Stilkritik oder Bewertung von Sprachnormen, und der Kritik am Sprachsystem selbst. Weiters wird zwischen wissenschaftlicher und publizistischer Sprachkritik unterschieden, wobei für wissenschaftliche Sprachkritik gilt, dass sie sich an funktionalen Kriterien orientiert. Ein Mittel publizistischer Sprachkritik ist die
Sprachglosse.
Sprachglossen wollen zugleich belehren und unterhalten. In ihrer Diplomarbeit weist Eva Jambor darauf hin, dass die journalistische Form Sprachglosse meist mehr unterhalten als belehren will. 9 In der vorliegenden Arbeit wird noch zu zeigen sein, wie diese allgemeinen Charakteristika auf Hirschbolds Sprachglossen anzuwenden sind.
„Information, Erklärung und Unterrichtung des Lesers über Schwierigkeiten und Neuerungen in der Sprache“ 10 sind die grundlegenden Funktionen von Sprachglossen. Sie zielen also auf eine sprachfördernde Wirkung ab:
7 Vgl. ebd. S. 9.
8 Lexikon Sprachwissenschaft (Anm. 2), S. 625.
9 Vgl. Eva Juliana Jambor: Sprachkritik als Sprachbewertung. Hirschbolds ‚Pirschgänge im Sprachrevier‘. Diplomarbeit. Wien: 1991, S. 10.
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„Sprachfördernde Wirkung kann ihnen [den Sprachglossen] ähnlich wie den Antibarbari durch einen Abschreckungseffekt zukommen, der durch die Bloßstellung eines vom Glossenverfassers für falsch und kritikwürdig erachteten Sprachgebrauchs erzielt wird.“ 11
Antibarbari sind sprachpflegerische Werke. Diese Sammlungen über ‚Sprachwidrigkeiten‘ sind ab ungefähr 1800 in Umlauf gekommen. Antibarbarus setzt sich aus der Vorsilbe ‚anti‘ (mit der Bedeutung von gegen, wider, entgegen) und dem lateinischen Wort für Barbar ‚barbarus‘ zusammen. „Das griech. Wort [bárbaros] ist mit aind. [altindisch] barbara-h ‚stammelnd‘ identisch und bezeichnet ursprünglich den fremden Ausländer, der mit der einheimischen Sprache und Gesittung nicht vertraut war und darum als ‚roh und ungebildet‘ galt.“ 12
Wichtige Hinweise zur Begriffsbestimmung von Sprachkritik stammen auch von Hans-Martin Gauger. Er weist auf den wichtigen Umstand hin, dass Sprache bei der Sprachkritik Gegenstand der Kritik ist - nicht das Subjekt. Als Subjekt bestimmt Gauger den Sprachkritiker. 13 Sprachkritik ist also immer an ein Subjekt, den Sprachkritiker/ Sprachphilosophen/ Wissenschaftler, gebunden. Diesem Umstand kommt besondere Bedeutung zu, da Sprachkritik wertend vorgeht und es der Kritik um postulierte Idealzustände von Sprache geht. 14
Eine Bewertung von Sprachkritik und Sprachkritikern muss demnach vor allem danach fragen, welche Kriterien der Sprachkritik zu Grunde liegen, woher diese Kriterien stammen und wie ihre sachlich systematische Berechtigung aussieht. 15
Eine weitere Besonderheit ist, dass das Mittel der Kritik und das Kritisierte bei der Sprachkritik im Medium der Sprache zusammenfallen. Bereits Gauger hat kurz und prägnant darauf verwiesen: "Das Instrument der Kritik ist auch das Kritisierte." 16
Zwei wichtige Unterscheidungsmerkmale in Bezug auf Sprachkritik sollen an dieser Stelle noch vorgestellt werden:
Erstens die Einteilung in eine normative und eine nicht-normative Sprachkritik. Nach Franz Deubzer ist eine Sprachkritik nach sprachimmanenten Kriterien und die puristische Sprachkritik als Fremdwortkritik dem Bereich der normativen Sprachkritik zuzuordnen. 17
10 Ebd. S. 10.
11 Albrecht Greule/Elisabeth Ahlvers-Liebel: Germanistische Sprachpflege. Geschichte, Praxis und Zielsetzung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1986, S. 66. Zit. nach: Jambor (Anm. 9), S. 10.
12 Duden Band 7. Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. 3. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim: Dudenverlag 2001, S. 70.
13 Vgl. Hans-Martin Gauger: Über Sprache und Stil. München: Beck 1995, S. 29.
14 Vgl. ebd. S. 30.
15 Vgl. ebd. S. 30.
16 Vgl. ebd. S. 30.
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Zweitens die Unterscheidung zwischen einer ‚freien‘ Sprachkritik als Stilkritik und einer sogenannten dienstbaren Sprachkritik, die als Kulturkritik beziehungsweise politische Kritik zu Tage tritt. Bei der ‚dienstbaren‘ Sprachkritik wird die Kritik nicht um der Sprache selbst willen ausgeübt, sondern dient als Mittel zum Zweck von Kulturkritik, Gesellschaftskritik oder politischer Kritik. 18
Mit Gauger soll auf die Differenzierung zwischen Sprachkritik und Sprachskepsis hingewiesen werden: "Sprachkritik ist mit Sprachskepsis nicht identisch. Aber Sprachskepsis ist stets Sprachkritik.“ 19
Sprachskepsis ist also ein Unterbegriff und ein Instrument der Sprachkritik. Betont wird, dass nicht jede Sprachkritik Skepsis gegenüber den Möglichkeiten der Sprache und der Verständigung sowie der Repräsentationsleistung von Sprache generell beinhaltet. An Hand der eben ausgebreiteten Begriffe, soll eine Zuordnung des Sprachpflegers Karl Hirschbold, im Anschluss an die Darstellung der Primärwerke, gegeben werden.
1.2 Zur Situation der Sprachpflege in Österreich
Bevor im Einzelnen auf Karl Hirschbold eingegangen wird, soll in einigen Worten die Situation der Sprachpflege in Österreich kurz skizziert werden.
In einer bereits etwas älteren Publikation aus dem Jahr 1967 weist Maria Hornung darauf hin, dass Sprachpflege in Österreich weder amtlichen Charakter hat, noch institutionalisiert ist. Auch an den Universitäten spiele Sprachpflege keine Rolle. Hornung berichtet:
"Zunächst muß vorausgeschickt werden, daß die Sprachpflege in Österreich keinen amtlichen Charakter hat - wie es nach Collinders Angabe etwa im Norden [Europas] der Fall ist - und auch der Mitwirkung der Universitäten entbehrt." 20
Für Österreich lokalisiert Hornung drei wichtige ‚Institutionen‘ der Sprachpflege:
17 Vgl. Franz Deubzer: Methoden der Sprachkritik. München: Fink 1980, S. 11-30. (= Münchner Germanistische Beiträge; Bd. 27). Zit. nach: Vgl. Jambor (Anm. 9), S. 3.
18 Vgl. Willy Sanders: Sprachkritikastereien und was der 'Fachler' dazu sagt. Darmstadt 1992. Zit. nach: Vgl. Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. 3 Bde. Berlin ua.: de Gruyter 1999, Bd. 3, 19. und 20. Jahrhundert, S. 312f.
19 Gauger (Anm. 13), S. 30.
20 Maria Hornung: Sprachpflege in Österreich. In: Hugo Moser [Hg.]: Sprachnorm, Sprachpflege, Sprachkritik. Jahrbuch 1966/1967. Düsseldorf. Schwann 1967, S. 215-219, Zit. S. 215. (= Sprache der Gegenwart. Schriften des Instituts für deutsche Sprache. Band II).
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Elisabeth Augustin, 2005, Karl Hirschbold und sein sprachpflegerisches Werk. Journalistische Sprachpflege zwischen Kritik und Unterhaltung, München, GRIN Verlag GmbH
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