Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
Seite
Abbildungsverzeichnis. III
Tabellenverzeichnis. IV
Abk ürzungsverzeichnis. V
1. Einleitung. 1
1.1 Problemstellung. 1
1.2 Vorgehensweise 2
2. Grundlagen von Lieferantenparks. 4
2.1 Begriffsbestimmung von Lieferantenparks 4
2.1.1 Begriffsdefinition Lieferantenpark 6
2.1.2 Wissenschaftliche Abgrenzung zu verwandten Ansätzen. 6
2.1.2.1 Industriecluster. 6
2.1.2.2 Gewerbe- bzw. Industriegebiete. 7
2.1.2.3 Güterverkehrszentren (GVZ) 8
2.1.2.4 Versorgungszentren (VZ) 10
2.1.2.5 Logistik-/Lieferantenzentren (LLZ) 11
2.2 Entwicklung und Treiber von Lieferantenparks. 13
2.2.1 Ursprünge der heutigen Lieferantenparkkonzepte. 13
2.2.2 Gründe für die Entstehung von Lieferantenparks 14
2.3 Beteiligte Parteien des Lieferantenparks 17
2.3.1 Automobilhersteller 17
2.3.2 Parklieferanten. 19
2.3.3 Logistik- und Servicedienstleister 22
2.3.4 Betreiber 23
3. Logistiknetzwerke in der Automobilindustrie 25
3.1 Definition und Charakterisierung von Logistiknetzwerken 25
3.2 Charakterisierung von Logistiknetzwerken in der Automobilindustrie. 28
3.3 Supply Chain Management Ansatz 30
Inhaltsverzeichnis II
3.3.1 Begriffsdefinition Supply Chain Management 31
3.3.2 Ziele des Supply Chain Managements 34
3.3.3 Das SCOR-Modell 35
3.4 Versorgungskonzepte in Automobilnetzwerken. 39
3.4.1 Konventionelle Lageranlieferung 39
3.4.2 Direktanlieferung Just-in-Time 40
3.4.3 Direktanlieferung Just-in-Sequence 41
3.5 Nischenstellung des Lieferantenparks im Automobilnetzwerk
und aktueller Implementierungsstand. 42
4. Nutzenpotenziale von Lieferantenparks in der Automobilindustrie. 46
4.1 Definition von Nutzenpotenzialen 46
4.2 Strukturierung der Nutzenpotenziale von Lieferantenparks. 47
4.2.1 Infrastruktur/Gebäude. 47
4.2.2 Logistik. 48
4.2.3 Nicht-logistische Dienstleistungen 50
5. Empirische Untersuchung 51
5.1 Forschungsdesign und methodische Grundlagen 51
5.2 Besonderheiten der internationalen Marktforschung 55
5.3 Angewandtes Forschungsdesign 56
5.3.1 Analysemodell und Fragebogengestaltung. 58
5.3.2 Maßnahmen zur Erhöhung der Rücklaufquote 60
5.4 Erste Resultate der empirischen Erhebung 61
5.4.1 Automobilhersteller 62
5.4.3 Parklieferanten. 65
5.4.2 Logistik- und Servicedienstleister 68
5.4.4 Betreiber 71
6. Schlussbetrachtung und Ausblick 73
Anhang VII
Literaturverzeichnis XLIV
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Aufbau der Arbeit.
Abb. 2: Themenfeldtreiber von Lieferantenparks
Abb. 3: Strukturelles Beziehungsgeflecht eines Lieferantenparks
Abb. 4: VDA-Empfehlung 5000 "Eignung Teilespektrum"
Abb. 5: Dimensionen zur Erfassung von Logistiknetzwerken
Abb. 6: Zulieferpyramide der Automobilindustrie
Abb. 7: Supply Chain Management
Abb. 8: Ebenen des SCOR-Modells.
Abb. 9: Kernprozesse im SCOR-Modell.
Abb. 10: Typische Versorgungskonzepte in der Automobilindustrie
Abb. 11: Logistiknetzwerk mit und ohne Lieferantenpark.
Abb. 12: Implementierungsstand europäischer Lieferantenparks
Abb. 13: Nutzenpotenziale der Lieferantenpark-Logistik.
Abb. 14: Die 5 D's der Marketingforschung.
Abb. 15: Analysemodell
Abb 16: Projektplan der empirischen Erhebung
Tabellenverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Definitionen von Lieferantenparks 5
Tab. 2: Begriffskonstituierende Merkmale von Lieferantenparks 5
Tab. 3: Gegenüberstellung verwandter Versorgungsstrukturen. 12
Tab. 4: Einordnung des Lieferantenparks innerhalb der Sourcing-Toolbox 19
Tab. 5: Implementierungsstand europäischer Lieferantenparks 45
Tab. 6: Arten der Befragung 54
Tab. 7: Maßnahmen zur Erhöhung der Rücklaufquote 60
Tab 8: Rücklauf der schriftlichen Fragebögen (Stand Dezember 2004) 62
Abkürzungsverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis
BauNVO........................... Baunutzungsverordnung
CKD ................................. Completely Knocked Down CoCKEA .......................... Coordinating Competencies and Knowledge in the European Automobile System
EDV ................................. Elektronische Datenverarbeitung FB/IE................................ Fortschrittliche Betriebsführung/ Industrial Engineering
GIF................................... Gewerbe- und Industriepark Bad Friedrichshall GVZ ................................. Güterverkehrszentrum
IFF ................................... Institut für Industrielle Fertigung und Fabrikbetrieb Ifm.................................... Institut für Mittelstandsforschung IPA ................................... Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IT...................................... Informationstechnologie JIS.................................... Just-in-Sequence; Zeitpunktgenaue Belieferung in Verbaufolge
JIT.................................... Just-in-Time; Zeitpunktgenaue Anlieferung am Bedarfsort
LDL .................................. Logistikdienstleister LiNet ................................ Lieferantennetzwerkmanagement LLZ................................... Lieferanten-/Logistikzentrum m.b.H ............................... mit beschränkter Haftung
OEM................................. Original Equipment Manufacturer; Automobilhersteller o.V. .................................. ohne Verfasser SCC ................................. Supply Chain Council SCM................................. Supply Chain Management SCOR .............................. Supply Chain Operations Reference SDL.................................. Servicedienstleister SGF ................................. Strategisches Geschäftsfeld SL .................................... Sublieferant SOP ................................. Start of Production; Serienstart
Abkürzungsverzeichnis VI
VDA ................................. Verband der Automobilindustrie
VDI................................... Verband der Industrie VZ .................................... Versorgungszentrum WA ................................... Warenausgang WE ................................... Wareneingang WiSt ................................. Wirtschaftswissenschaftliches Studium WZB................................. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung ZfAW................................ Zeitschrift für die gesamte Wertschöpfungskette Automobilwirtschaft
ZfB ................................... Zeitschrift für Betriebswirtschaft ZL..................................... Zentrallager
Einleitung 1
1. Einleitung
In der Automobilindustrie kristallisiert sich zunehmend ein Trend der Weiterentwicklung traditioneller Unternehmensstrukturen, hin zu netzwerkartigen Verflechtungen wirtschaftlich selbständiger Unternehmen, heraus. Dies ist zurückzuführen auf das stetig steigende Beschaffungsvolumen der Automobilhersteller aufgrund der hohen Variantenvielfalt, verbunden mit einer weiter sinkenden Wertschöpfungstiefe und zunehmenden Produktionsvolumina. Um den stetig wachsenden Kundenanforderungen und der immensen Konkurrenzsituation im Markt gerecht zu werden, ist der Automobilhersteller gefordert, Leistungssteigerungen und Kostensenkungen parallel zu realisieren. Dies gilt verstärkt auch für den Bereich der Logistik. Neue Versorgungsstrukturen, insbesondere das Konzept des Lieferantenparks, stellen hierfür einen geeigneten Lösungsansatz dar, um diesen Anforderungen gerecht zu werden und sind zudem ein Zeichen des Wandels der Logistik. 1 Die ersten Versorgungsstrukturen dieser Art entstanden Ende der 80er Jahren; derzeit sind europaweit 27 in Betrieb und mindestens drei weitere in der Entstehungs- bzw. Planungsphase. 2
1.1 Problemstellung
In der Presse werden räumlich konzentrierte Versorgungsstrukturen, insbesondere Lieferantenparks, als „Mega-Trends“ der Automobilindustrie tituliert. 3 Darüber hinaus ist von Automobilherstellern zu hören, dass in den letzen Jahren weder ein Automobilwerk ohne zugehörigen Lieferantenpark gebaut wurde noch ein neues Werk geplant wird, ohne dass eine zugehörige Versorgungsstruktur, meist in Form eines Lieferantenparks, im Rahmen der Werkstrukturplanung vorgesehen wird, auch wenn die Realisierung erst später erfolgt. 4 Groben Schätzungen zufolge lassen sich beispielsweise im Bereich der Logistik Kostenreduktionen in Höhe von bis zu 35% durch die Errichtung solcher Ver-
1 vgl.Barthel, H. u.a. (2003), S. 6; vgl. Barth, H. (2002), S. 52
2 vgl. Barth, H. (2002), S. 52 (modifiziert aufgrund eigener Recherchen)
3 vgl. Wöhrle, T. (2001), S. 46
4 vgl. Barth, H. (2002), S. 52
Einleitung 2
sorgungsstrukturen in unmittelbarer Nähe zum Automobilwerk realisieren. 5 Jedoch gibt es bisweilen keine umfassende Untersuchung, die die verschiedenen Nutzenpotenziale aller beteiligten Unternehmen eines Lieferantenparks ganzheitlich analysiert respektive aufgezeigt. Daher besteht sowohl in der Praxis als auch auf theoretischer Ebene ein umfassender Forschungsbedarf. Das Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart hat sich zu einem international führenden Know-how Träger im Themenfeld nachhaltiger Versorgungsstrukturen entwickelt. Dies schlägt sich sowohl in Forschungsaktivitäten als auch in zahlreichen Industrieprojekten nieder. Zur Ermittlung der Nutzenpotenziale von Lieferantenparks wurde ein europaweites Forschungsprojekt gestartet. Die Forschungsergebnisse münden nach der ganzheitlichen Auswertung, welche im Rahmen einer Nachfolge-Diplomarbeit am Fraunhofer IPA stattfindet, in einer erstmaligen Marktstudie zu diesem Themenfeld.
Die vorliegende Arbeit ist in dieses Forschungsprojekt eingebettet, mit der Zielsetzung, die Versorgungsstruktur Lieferantenpark genauer zu erfassen, von verwandten Konzepten abzugrenzen und die Sonderstellung innerhalb von Logistiknetzen in der Automobilindustrie aufzuzeigen. Des Weiteren werden mittels einer empirischen Analyse Nutzenpotenziale von Lieferantenparkkonzepten in den Bereichen Infrastruktur, Logistik und nicht-logistische Dienstleistungen aus den verschiedenen Perspektiven der beteiligten Parkparteien ermittelt und aufgezeigt.
1.2 Vorgehensweise
Zunächst werden in Kapitel 2 die Grundlagen von Lieferantenparks veranschaulicht. Die Begriffsbestimmung erfolgt mit Hilfe einer wissenschaftlichen Abgrenzung zu verwandten Ansätzen bzw. Konzepten von Lieferantenparks. Danach werden die Ursprünge, Themenfeldtreiber und beteiligte Unternehmen von Lieferantenparks vorgestellt und erläutert. In Kapitel 3 erfolgt nach einer theoreti-
5 vgl. Klug, F. (2003), S. 29
Einleitung 3
schen Beschreibung von Logistiknetzwerken und dem Supply Chain Management, als Ansatz zur Organisation und Koordination von Netzwerken, die Ein-ordnung des Lieferantenparks in die Logistiknetzwerke der Automobilindustrie. Des Weiteren wird der aktuelle Umsetzungsstand von Lieferantenparks in Europa aufgezeigt. In Kapitel 4 werden dann mögliche Nutzenpotenziale der Lieferantenparkkonzepte strukturiert und inhaltlich dargestellt. Die quantitative Ermittlung und transparente Darstellung dieser Potenziale erfolgt in Kapitel 5 an-hand einer empirischen Untersuchung von europäischen Lieferantenparks in der Automobil- und Zuliefererindustrie. Hierzu werden zunächst forschungsmethodische Grundlagen erläutert und ein spezifisches Forschungsdesign entworfen. Für die Erhebung kommt ein speziell entwickeltes Analysemodell zum Einsatz, dessen Struktur auf den theoretischen Erkenntnissen der vorherigen Kapitel aufbaut. Kapitel 6 schließt mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse und zeigt zukünftige Trends von Lieferantenparks in der europäischen Automobil- und Zulieferindustrie auf.
Abb. 1: Aufbau der Arbeit
Grundlagen von Lieferantenparks 4
2. Grundlagen von Lieferantenparks
Das folgende Kapitel behandelt grundlegende Aspekte von Lieferantenparks, jedoch konzentriert sich die vorliegende Arbeit hierbei ausschließlich auf Lieferantenparkkonzepte in der Automobil- und Zuliefererindustrie. 6 Dies basiert auf der Tatsache, dass in diesem Industriezweig die Optimierung von logistischen Prozessen sehr stark forciert wird und schon zahlreiche dieser Versorgungsstrukturen erfolgreich umgesetzt wurden.
2.1 Begriffsbestimmung von Lieferantenparks
In der vorwiegend angelsächsischen Literatur finden sich verschiedene Definitionsansätze von Lieferantenparks (engl. supplier parks). Tab. 1 gibt einen Überblick über verschiedene Autoren sowie deren Definitionen des betrachteten Themenfeldes.
6 Zu ähnlichen Strukturen, z.B. in der Chemieindustrie, vgl. Lonke, D. (2000), S. 66 ff.
7 Larsson, A. (2002), S. 769
8 Gareis, K. (2002), S. 21
9 Verband der Automobilindustrie (2003), S.16
Grundlagen von Lieferantenparks 5
Tab. 1: Definitionen von Lieferantenparks
Eine Unschärfe des Begriffs Lieferantenpark entsteht durch eine Vielzahl weiterer, meist OEM-spezifischer Begriffsbezeichnungen wie z.B. Industrieparks, Business Malls, Innovationsparks, Supplier Campuses, Supplier Hubs oder Industrial Condominums, die jedoch synonym verwendet werden. 13 Anhand der recherchierten Definitionen lassen sich die folgenden begriffskonstituierenden Merkmale von Lieferantenparks (vgl. Tab. 2) ableiten: 14
Tab. 2: Begriffskonstituierende Merkmale von Lieferantenparks 15
10 Sako, M. (2003), S. 1
11 Reiss, M/Präuer, A. (2003), S. 251
12 Miemczyk, J. u.a. (2004), S. 2
13 vgl. Sako, M. (2003), S.1 ; vgl. Larsson, A. (2002), S. 769 ; vgl. Göres, M. (2001), S. 52
14 vgl. Kubicek, H. (1975), S. 86
15 in Anlehnung an Gareis, K. (2002), S. 20
Grundlagen von Lieferantenparks 6
Mit Hilfe der oben genannten Merkmale kann eine eigene Arbeitsdefinition zum Themenfeld Lieferantenparks erstellt werden, die als Basis der vorliegenden Arbeit dient.
2.1.1 Begriffsdefinition Lieferantenpark
Unter einem Lieferantenpark wird eine abnehmernahe, industriell nutzbare Fläche samt Gebäuden und Infrastruktur verstanden, die durch eine ganzheitliche strategische Planung entstanden ist und von einem oder mehreren Betreibern bewirtschaftet wird. Sie dient der gemeinschaftlichen Nutzung mehrerer Modulbzw. Systemlieferanten derselben Branche sowie eingebundenen Logistik- und Servicedienstleistern, die in der Regel für einen Abnehmer, oftmals unter Nutzung von Synergieeffekten, spezifische Unterstützungs-, Logistik-, und Endmontagetätigkeiten durchführen.
2.1.2 Wissenschaftliche Abgrenzung zu verwandten Ansätzen
Anhand der zuvor aufgezeigten begriffskonstituierenden Merkmale von Lieferantenparks erfolgt in diesem Kapitel eine wissenschaftliche Abgrenzung ausgewählter verwandter Ansätze zu Lieferantenparks. Die Auswahl dieser Ansätze konzentriert sich auf Standortgemeinschaften von Industrieunternehmen, deren Bezeichnungen eine inhaltliche respektive sprachliche Ähnlichkeit aufweisen. Es werden daher nachfolgend Industriecluster (Kap. 2.1.2.1), Gewerbebzw. Industriegebiete (Kap. 2.1.2.2), Güterverkehrszentren (Kap. 2.1.2.3), Ver-sorgungszentren (Kap. 2.1.2.4) und Logistik-/Lieferantenzentren (Kap. 2.1.2.5) kurz dargestellt und anhand der ausgewählten Merkmale mit dem Konzept des Lieferantenparks verglichen und abgegrenzt.
2.1.2.1 Industriecluster
Industriecluster sind geographische Konzentrationen miteinander verbundener Unternehmen und Institutionen eines spezifischen Wirtschaftszweigs. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür stellt das so genannte Silicon Valley, der Stanford
Grundlagen von Lieferantenparks 7
Industrial Park in Kalifornien, dar. 16 Für die geographische Lage sind unterschiedliche Ursachen verantwortlich. Meist sind jedoch besonders ausgeprägte Standortfaktoren, wie natürliche Potenziale oder ein stark wachsender Standort eines Unternehmens, ausschlaggebend. 17 Im Fall Silicon Valley war die Ansiedlung der US Luftwaffe und die darauf folgende Errichtung eines Forschungsinstituts der Universität Stanford im Bereich Elektronik ein entscheidender Treiber für die Ansiedlung technologieintensiver Industriebetriebe. 18 Die Standortentstehung eines Industrieclusters ergibt sich somit im Laufe der Zeit und unterliegt keiner strategischen Entscheidung respektive Planung eines einzelnen Unternehmens bzw. einer einzelnen Institution. 19
Die beteiligten Unternehmen eines Industrieclusters sind in der Regel rechtlich und wirtschaftlich unabhängige Unternehmen und gehören meist einer Schlüsselbranche an. Ergänzend dazu siedeln sich oft zahlreiche Betriebe in diesem Gebiet an, die weitere Dienstleistungen bereitstellen. 20 Die beteiligten Unternehmen bilden durch die Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette und der regionalen Agglomeration ein Beziehungsgeflecht. 21 Gemeinsame Einrichtungen, wie Produktionsstätten oder Bürokomplexe existieren in Industrieclustern nicht, wodurch sich eine gemeinsame Wahrnehmung der Aufgaben für den Standortbetrieb in der Regel nicht findet. 22
2.1.2.2 Gewerbe- bzw. Industriegebiete
Industriegebiete „dienen ausschließlich der Unterbringung von Gewerbebetrieben und zwar vorwiegend solcher Betriebe, die in anderen Baugebieten unzulässig sind.“ 23 Dies beinhaltet Gewerbebetriebe aller Art, Lagerhäuser, Lagerplätze, öffentliche Betriebe sowie Tankstellen. 24 Die Ansiedlungsmöglichkeit bei Gewerbegebieten ist allerdings ist stärker eingeschränkt, da hier nur "nicht er- 16 vgl.Porter, M. E. (1998), S. 78
17 vgl. Gareis, K. (2002), S. 22
18 vgl. Reichart, T. (1999), S. 178 f.
19 vgl. Gareis, K. (2002), S. 22
20 vgl. Reichart, T. (1999) S. 162 ff.
21 Zur Entwicklung informeller Beziehungen aufgrund regionaler Zusammenballung, vgl. Porter,
M.E. (1998), S. 80
22 vgl. Gareis, K. (2002), S. 23
23 § 9, Abs. 1 BauNVO
24 vgl. § 9, Abs. 2 BauNVO
Grundlagen von Lieferantenparks 8
heblich belästigende Gewerbebetriebe" untergebracht werden dürfen. Dies führt dazu, dass diese speziell für Geschäfts- und Bürogebäude konzipiert werden. 25 Die geographische Lage von Gewerbe- bzw. Industriegebieten ergibt sich weniger aus Standortqualitäten, sondern richtet sich nach den vorhandenen Landreserven der Stadt. Die Industriebetriebe werden daher gezwungen, ihre Standorte in den ausgewiesenen Industrie- bzw. Gewerbezonen zu suchen. 26 Ursache hierfür ist, dass die Standortentstehung von staatlichen Institutionen geplant wird. Voraussetzung für die Standortentstehung ist eine entsprechende Verfügungsberechtigung der Gemeinde über geeignete Grundstücke sowie der Stand und die Entwicklungsfähigkeit von Erschließungsprogrammen. 27 Die beteiligten Unternehmen in Gewerbe- und Industriegebieten sind rechtlich und wirtschaftlich unabhängige Unternehmen meist unterschiedlicher Branchen, zwischen denen jedoch keine oder eher zufällige Beziehungen bestehen. In-formelle Beziehungen kommen lediglich durch die räumliche Nähe zustande. 28 Eine gemeinsame Gebäude- bzw. Grundstücksnutzung gibt es im Regelfall nicht, so dass eine gemeinsame Wahrnehmung der Aufgaben für den Stand-ortbetrieb nicht vorliegt. 29
Ein regionales Beispiel ist das Gewerbe- und Industriegebiet „Berner Feld“ in Rottweil, als Konglomerat unterschiedlichster Nutzungen, bestehend aus zahlreichen Industrieunternehmen und Handwerksbetrieben unterschiedlicher Branchen. 30
2.1.2.3 Güterverkehrszentren (GVZ)
Die Bund-/Länder Grundsätze „GVZ“ des Bundesverkehrsministeriums für Verkehr definieren ein Güterverkehrszentrum als Zusammenführung von autark agierenden Verkehrs-, Logistik- und Dienstleistungsunternehmen an einem verkehrsgünstigen Standort, an dem ein Verkehrsträgerwechsel von mindestens zwei Verkehrsträgern (Strasse, Schiene, Wasser und evtl. Luft) durchgeführt
25 vgl. § 8, Abs. 1 BauNVO
26 vgl. Ritter, W. (1998), S. 286
27 vgl. Strickrodt, G. (1974), S. 133
28 vgl. Gareis, K. (2002), S. 25 f.
29 vgl. ebenda, S. 26
30 vgl. Wirtschaftsförderung Rottweil (2004), URL siehe Literaturverzeichnis
Grundlagen von Lieferantenparks 9
wird. Kennzeichnend ist die Schnittstellenfunktion zwischen Nah- und Fernverkehr (Überregionalität) möglichst vieler Verkehrsträger (Multimodalität) sowie die Konzentration logistischer Dienstleistungen (Multifunktionalität). Unerlässliches Merkmal eines GVZ ist zudem die Kooperation der verschiedenen Logistikdienstleister (Spediteure, Transportdienstleister, Lagerbetriebe, etc.) zur Erzielung von Synergien. 31 Eine gute Übersicht für den deutschen Raum bietet die Deutsche GVZ-Gesellschaft m.b.H. mit einer Internetdatenbank über momentan 34 Güterverkehrszentren in der Bundesrepublik Deutschland. 32 Für die geographische Lage ist eine optimale Anbindung an übergeordnete Verkehrsnetze der unterschiedlichen Verkehrsträger ausschlaggebend. So sollte z.B. hinsichtlich des Verkehrsträgers Strasse eine direkte Autobahnanbindung gegeben sein. 33 Bezüglich der Standortentstehung obliegt die Planung und Realisierung der GVZs, aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Interessenlage, den Kommunen und den Länderregierungen. Für die übergeordnete Planung und Finanzierung der Verkehrsträger ist der Bund zuständig. 34 Die Beteiligten eines GVZ sind rechtlich und wirtschaftlich selbständige Logistik- Industrie und Handelsunternehmen, mit der gezielten Absicht, Synergieeffekte und Rationalisierungsvorteile im Sinne einer kooperativen Zusammenarbeit auszuschöpfen. 35 Die Aufgaben beim Standortbetrieb resultieren aus der Schnittstellenfunktion des GVZ und lassen sich daher mit Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung und Verkehrsberuhigung umschreiben. Folglich dienen diese Aufgaben insgesamt der Rationalisierung des Verkehrs respektive der optimalen Ausnutzung von Transportressourcen. 36 Ob diese Aufgaben von den Beteiligten jedoch zusammen oder einzeln erfüllt werden, hängt von den verschieden organisatorischen Gestaltungen des GVZ ab. 37 Als überregional bekanntes Praxisbeispiel ist hierbei das Güterverkehrszentrum Regensburg zu nennen. 38
31 vgl. Deutsche GVZ-Gesellschaft (2001), URL siehe Literaturverzeichnis
32 vgl. Deutsche GVZ-Gesellschaft (2004), URL siehe Literaturverzeichnis
33 vgl. Möller, H.C. (2001), S. 14
34 vgl. Thies, C. (1998), S. 45
35 vgl. Fohrmann, M. (2000), S. 106 f.
36 vgl. Witte, H. (1995), S. 14 f.
37 vgl. Krampe, H. (1993), S. 301 ff.
38 vgl. Güterverkehrszentrum Regensburg GmbH (2004), URL siehe Literaturverzeichnis
Grundlagen von Lieferantenparks 10
2.1.2.4 Versorgungszentren (VZ)
Ein Versorgungszentrum dient der Bündelung von Logistikfunktionen in der Hand eines oder mehrerer spezialisierten Logistikdienstleister(s), flankiert mit einer engen Partnerschaft der direkt im Versorgungszentrum angesiedelten Lieferanten. 39 Die geographische Lage ergibt sich aus dem Standort des Abnehmers. Daher ist in der Automobilindustrie ein Versorgungszentrum in unmittelbarer Nähe zum Produktionswerk des Automobilherstellers angesiedelt, bzw. befindet sich direkt auf dessen Werksgelände. 40 Des Weiteren wird eine gute infrastrukturelle Anbindung, im Idealfall an einem trimodalen Knotenpunkt (Autobahn, Schiene, Wasser) angestrebt. 41 Die kundenseitige Anbindung erfolgt z.B. über eine Elektrohängebahn oder mit Hilfe von Elektrofahrzeuge über eine speziell installierte Brücke, um weder vom öffentlichen Straßenverkehr abhängig zu sein noch von diesem beeinflusst zu werden. Die Standortentstehung basiert aufgrund der unmittelbaren räumlichen Nähe zum Abnehmer auf einer strategischen Planung von Seiten des Abnehmers. Der Einbezug des als Betreiber fungierenden Logistikdienstleisters sowie der VZ-Lieferanten in der Planungsphase ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Die beteiligten Unternehmen im Versorgungszentrum sind somit der/die Logistikdienstleister sowie die im VZ angesiedelten Modul- bzw. Systemlieferanten. Die Aufgaben des Logistikdienstleisters bei Standortbetrieb umfassen Tätigkeiten der Kommissionierung (Bereitstellung von Teilen aus dem Lager), der Portionierung (Bereitstellung einer bestimmten Menge von Teilen), der Sequenzierung (Bereitstellung von Teilen in der Produktionsreihenfolge) sowie der Leergutabwicklung. 42 Die VZ-Lieferanten führen in der Regel verschiedene Vormontagetätigkeiten durch.
Ein Beispiel für diese Versorgungsstruktur ist das Versorgungszentrum der BMW AG in Leipzig.
39 vgl. Götz, H.J. (2004), S. 40; vgl. Rossberg, R. (2002), URL siehe Literaturverzeichnis
40 vgl. Rossberg, R. (2002), URL siehe Literaturverzeichnis
41 vgl. o.V. (2003), S. 49
42 vgl. Götz, H.J. (2004), S. 40; vgl. Schenker Deutschland AG (2004), URL siehe Literaturver-
zeichnis
Grundlagen von Lieferantenparks 11
2.1.2.5 Logistik-/Lieferantenzentren (LLZ)
Das Logistik-/Lieferantenzentrum ist charakterisiert durch eine 1-stufige Lagerabwicklung, d.h. zwischen Automobilhersteller und Lieferant gibt es nur noch ein Lager, welches in der Fachliteratur als Konsignationslager 43 bezeichnet wird. Dieses Lager wird von einem oder mehreren Dienstleistungsunternehmen im Auftrag und auf Kosten der Lieferanten bewirtschaftet. Über Zeitpunkt und Menge der Lagerbefüllung entscheiden die Lieferanten selbständig. 44 Dadurch entsteht für sie ein deutlich größerer Dispositionsspielraum in Bezug auf Losgrößen und Rüstzeiten. Die geographische Lage ergibt sich durch den Stand-ort des Abnehmers. In der Automobilindustrie ist daher ein LLZ in unmittelbarer Nähe zum Verbauort der Fahrzeugmontage angesiedelt, meist direkt auf dem Werksgelände des Automobilherstellers. 45 Der Standortentstehung liegen daher die strategischen Planungen des OEM zugrunde. Der Kreis der Beteiligten eines LLZ ist klein und besteht lediglich aus dem Logistikdienstleister, welcher als Betreiber fungiert. Die Lieferanten gehören nicht zur Standortgemeinschaft, da lediglich ihre Lieferumfänge im LLZ abgewickelt werden, ihre Unternehmen aber nicht physisch vor Ort vertreten sind. Es handelt sich daher nicht um System- bzw. Modullieferanten, sondern um reine Komponentenlieferanten. Die Hauptaufgaben des Logistikdienstleisters beim Standortbetrieb bestehen vornehmlich aus Lagerung und Kommissionierung. 46 Ein Beispiel für diese Ver-sorgungsstruktur ist das LLZ der DaimlerChrysler AG in Sindelfingen, in dem die Umfänge von momentan 124 verschiedenen Lieferanten aus 165 verschiedenen Standorten abgewickelt werden. 47
Die nachfolgende Tabelle fasst die Abgrenzung der verwandten Ansätze gegenüber Lieferantenparks abschließend zusammen und zeigt eine direkte Gegenüberstellung auf.
43 Im Konsignationslager hat der Automobilhersteller die Verfügungsgewalt über die Bestände.
Die Fakturierung erfolgt erst bei Entnahme der Güter, vgl. Arnold, U. (1997) S. 163
44 vgl. Graf, H./Hartmann, C. (2004), S. 46
45 vgl. ebenda, S. 45
46 vgl. Szczodrowski, D./ Stegemann, N. (2003), URL siehe Literaturverzeichnis
47 vgl. DaimlerChrysler AG (2004), URL siehe Literaturverzeichnis
Grundlagen von Lieferantenparks 13
2.2 Entwicklung und Treiber von Lieferantenparks
Im folgenden Kapitel werden die Ursprünge heutiger Lieferantenparkkonzepte in der Automobilindustrie kurz dargestellt und die für die Entstehung verantwortlichen Themenfeldtreiber aufgezeigt und erläutert.
2.2.1 Ursprünge der heutigen Lieferantenparkkonzepte
Die Ursprünge der heutigen Lieferantenparks gehen auf die aus Japan kommenden Keiretsu-Systeme, so genannten Zulieferer-Familien, zurück. 48 Ein Keiretsu ist eine Unternehmensgruppe von Industrieunternehmen, Handelsunternehmen und Banken mit zentraler Führung, die die Aktivitäten der beteiligten Unternehmen koordiniert. Zusammengehalten werden die Keiretsu-Systeme durch den Technologie- und Personaltransfer zwischen den Gruppenmitgliedern sowie aufgrund der gemeinsamen Planung und Durchführung wichtiger In-vestitionsvorhaben. Als Beispiel für Keiretsu lassen sich die Firmenstrukturen von Mitsubishi, Toyota, Nissan, Fuji und Hitachi nennen. 49 Die ersten Realisierungen heutiger Lieferantenparkkonzepte finden sich in Südamerika, insbesondere wurden in Brasilien von amerikanischen und europäischen Automobilherstellern neue Produktions- und Versorgungsstrukturen getestet. 50 Die ersten europäischen Lieferantenparks sind in den frühen 90er Jahren entstanden, zu den frühen Realisierungen gehören der Ford Supplier Park in Almussafes/Valencia und der Park von Volkswagen/Seat in Abrera/Barcelona. 51 Eine Vorreiterrolle hinsichtlich Lieferantenparks ist sicherlich dem Automobilhersteller Ford zuzuschreiben, mit momentan vier Lieferantenparks in drei europäischen Ländern, Saarlouis und Köln in Deutschland, Valencia in Spanien sowie Genk in Belgien. 52
48 vgl. Wright, H. u.a. (1998) S. 87
49 vgl. Sydow, J. (1992), S. 38 ff.
50 vgl. Sako, M. (2003), S. 11
51 vgl. Larsson, A. (2001), S. 2
52 vgl. Sako, M. (2003) s. 13 f.
Grundlagen von Lieferantenparks 14
2.2.2 Gründe für die Entstehung von Lieferantenparks
Um die stetig wachsende Zahl europäischer Lieferantenparks nachvollziehen zu können, werden nachfolgend die Themenfeldtreiber des Konzeptes Lieferantenpark (vgl. Abb. 2) aufgezeigt und anschließend im Einzelnen erläutert.
Abb. 2: Themenfeldtreiber von Lieferantenparks 53
Für die Entstehung von Lieferantenparks ist in großem Maße das immer wichtiger werdende Kriterium Versorgungssicherheit verantwortlich. Dieses resultiert aus dem steigende Beschaffungsvolumen der Automobilhersteller, hervorgerufen durch die Reduzierung der Fertigungs- bzw. Wertschöpfungstiefe (Outsourcing) und der stetig steigenden Variantenvielfalt. 54 Der Begriff Outsourcing, abgeleitet von Outside Resource Using, steht für eine strategisch ausgerichtete Entscheidung zugunsten des Fremdbezugs 55 und basiert maßgeblich auf zwei theoretischen Erklärungsansätzen, dem Transaktionskostenansatz nach Coase (1937) und Williamson (1991) sowie dem Res-
53 vgl.Klug, F. (2003), S. 28 (leicht modifiziert)
54 vgl. ebenda, S. 28
55 vgl. Arnold, U. (1997), S. 74
Grundlagen von Lieferantenparks 15
sourcenbasierten Ansatz nach Penrose (1959). 56 Allgemeine Zielsetzung des Outsourcings sind der Fixkostenabbau und die Erhöhung der Flexibilität gegenüber Nachfragediskontinuitäten. 57 Allerdings stehen diesen Vorteilen steigende Transaktions- und Logistikkosten gegenüber. 58
Durch die stetig wachsende Variantenanzahl, hervorgerufen aufgrund steigender Kundenerwartungen, erhöht sich die Komplexität der Logistikprozesse. 59 Beispielhaft für die enorme Erhöhung der Variantenanzahl lassen sich die Stoßfängervarianten beim Audi A6 nennen, die sich seit der Einführung von 1.200 auf über 20.000 erhöht haben. 60 Ein Lieferantenpark dient hierbei der Komplexitätsreduzierung durch die Bündelung der Materialströme. 61 Eng verbunden mit der zunehmenden Variantenvielfalt ist der Trend der Modularisierung der Teilegruppen für die Produktion. Als prinzipielle Gründe für die Modularisierung werden von Baldwin/Clark die Ziele Kostensenkung, Qualitätssteigerung und Erhöhung der Innovationsfähigkeit genannt. 62 In der Realität werden daher montageintensive Module von den Zulieferern im Lieferantenpark komplett montiert und oftmals mittels spezieller Transportsysteme, wie z.B. einer Elektrohängebahn, produktionssynchron an das Band des Automobilherstellers geliefert. 63 Durch die Modularisierung kann der Automobilhersteller Ver-antwortlichkeiten, nicht nur in der Produktion, sondern auch im Planungsprozess auf die Lieferanten verlagern. 64 Insbesondere beim Endtransport großvolumiger Module, wie beispielsweise dem Tankmodul, können enorme Einsparpotenziale realisiert werden, da diese Module den größten Transportkostenblock innerhalb der Lieferkette verursachen. 65 Eine Transportabwicklung über einen Lieferantenpark in unmittelbarer Nähe zum Automobilwerk ist daher besonders geeignet.
56 vgl. Coase, R.H. (1937) S. 386 ff.; vgl. Penrose, E.T. (1959); vgl. Williamson, O.E. (1991), S.
269 ff.
57 vgl. Matiaske, W./Mellewigt, T. (2002), S. 646 ff.
58 vgl. Ihde, G.B. (1988), S. 13 ff.
59 vgl. Klug, F. (2001), S. 54
60 vgl. Haug, C. (2000), S. 54
61 vgl. Klug, F. (2001), S. 54
62 vgl. Baldwin, C.Y./Clark, K.B. (1997), S. 86 f.
63 vgl. Gillies, C. (2004), S. 26
64 vgl. Larsson, A. (2001), S. 7
65 vgl. Barthel, H. u.a. (2003), S. 7; vgl. Klug, F. (2003), S. 29
Grundlagen von Lieferantenparks 16
Zusätzlich dazu können, durch die Anlieferung über die oben genannten Trans-portsysteme, LKW-Fahrten auf öffentlichen Strassen eingespart werden, wodurch das Verkehrsaufkommen entlastet wird und Transportkosten minimiert werden können.
Durch die geographische Nähe des Lieferantenparks zum Automobilhersteller kann zudem den steigenden Kundenanforderungen hinsichtlich Lieferflexibilität und -qualität entsprochen werden, da aufgrund schneller und flexibler Reaktionsmöglichkeiten seitens der Lieferanten auch kurzfristige Produktänderungen am Fahrzeug durchgeführt werden können. Die Vorlaufzeit vor dem Einfrieren der Montagereihenfolge, dem so genannten „Frozen Horizon“, die den Lieferanten für Arbeitsvorbereitung, Produktion und Anlieferung verbleibt, wird durch einen Lieferantenpark enorm verkürzt. Bei herkömmlichen Anlieferungen über mehrere hundert Kilometer beträgt die Vorlaufzeit mehrere Tage, bei einer Versorgung über einen werksnahen Lieferantenpark oftmals wenige Stunden. 66 Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Treiber für die Errichtung eines Lieferantenparks sind Förderprogramme im Rahmen der wirtschaftlichen und staatlichen Standortförderung. Insbesondere wirtschaftlich benachteiligte Regionen werden von lokalen und nationalen Einrichtungen mit Subventionen unterstützt. 67 Auf überregionaler Ebene werden beispielsweise von der der europäischen Union Strukturfonds für Klein- und mittelständische Unternehmen bereitgestellt. 68 Ein regional ausgerichtetes Beispiel ist das Engagement der Stadt Emden, welche durch ein eigens gegründetes Unternehmen, die Zukunft Emden GmbH, den Bau eines Lieferantenparks in unmittelbarer Nähe zum Volkswagen Werk in Emden vorantreibt. Hierbei werden neben finanziellen Unterstützungen auch die ansonsten langwierigen Genehmigungsverfahren vereinfacht. 69 Letztendlich aber ist der ausschlaggebende Treiber für die Entstehung von Lieferantenparks der Automobilhersteller selbst, der durch seine Marktmacht über enormes Druckpotenzial verfügt, um seine Lieferanten dazu zu bewegen, sich in unmittelbarer Nähe zum Produktionswerk anzusiedeln. 70
66 vgl. Barth, H. (2002), S. 52
67 vgl. Larsson, A. (2002), S. 779
68 vgl. Europäische Union (2004), URL siehe Literaturverzeichnis
69 vgl. Voitel, J. (2003), URL siehe Literaturverzeichnis
70 Zur Entwicklung der Machtposition in der Lieferanten-Automobilhersteller Beziehung, vgl.
Gehrke, G. (2003), S. 16 ff.
Grundlagen von Lieferantenparks 17
2.3 Beteiligte Parteien des Lieferantenparks
Im folgenden Kapitel werden die beteiligten Parteien eines Lieferantenparks vorgestellt (vgl. Abb. 3). Zunächst wird die Sichtweise des Automobilherstellers auf den Lieferantenpark erläutert, danach werden die im Lieferantenpark angesiedelten Parteien, bestehend aus Parklieferanten, Logistik- und Servicedienstleistern, eingehender betrachtet. Abschließend werden mögliche Betreibermodelle von Lieferantenparks erläutert.
Abb. 3: Strukturelles Beziehungsgeflecht eines Lieferantenparks 71
2.3.1 Automobilhersteller
Aus der Sicht des Automobilherstellers stellt der Lieferantenpark ein geeignetes Konzept dar, um verschiedene Lieferanten in räumlicher Nähe zum Produktionswerk anzusiedeln und dadurch seine Beschaffungspolitik zu optimieren. Da die Versorgung kompletter Werkstrukturen oder einzelner Produktionslinien
71 eigene Darstellung
Grundlagen von Lieferantenparks 18
über einen Lieferantenpark eine langfristig ausgerichtete Entscheidung ist, kann sie der strategischen Beschaffung im Allgemeinen zugeordnet werden. 72 Strategische Beschaffungsprogramme basieren auf einer sinnvollen Kombination verschiedener beschaffungsstrategischer Elemente und Prinzipien. Typische Kombinationen dieser Merkmalsausprägungen werden als Sourcing-Konzepte bezeichnet und bildenden den Kern einer Beschaffungsstrategie. Entsprechend der Sourcing-Toolbox nach Arnold können Sourcing-Konzepte anhand der folgenden sechs Merkmalsdimensionen unterschieden werden:
Anzahl der Bezugsquellen (Lieferantendimension)
Komplexität des Inputfaktors (Objektdimension) Zeitlicher Ablauf der Bereitstellung (Zeitdimension) Größe des Beschaffungsmarktraumes (Arealdimension) Struktur der beschaffenden Organisation (Subjektdimension) Ort der Wertschöpfung (Wertschöpfungsdimension) 73
Innerhalb der Sourcing-Toolbox können Lieferantenparks als Ausprägung der Wertschöfungsdimension (vgl. Tab. 4) interpretiert werden. Dieser Sourcing-Ansatz rückt den Ort, an dem der Lieferant die Leistungserstellung erbringt, in den Mittelpunkt. Differenziert wird hierbei zwischen einer vom Abnehmer räumlich weiter entfernten Produktion des Lieferanten (external sourcing) und einer Produktion direkt beim Abnehmer bzw. in unmittelbarere direkter Umgebung (internal sourcing). Entsprechend dem Integrationsgrad wird zwischen drei Intensitätsstufen differenziert: Der Lieferant produziert in unmittelbarer Nähe zum Abnehmer (Lieferantenpark). Der Lieferant betreibt seine Wertschöpfung direkt im Werk des Abnehmers („factory within a factory“) 74 . Der Lieferant übernimmt die Endmontagetätigkeiten des Abnehmers („entmaterialisiertes Unternehmen“), so
72 Die strategische Beschaffung gibt wiederum die Rahmenbedingungen für die taktische Be-
schaffung und diese wiederum für die operative Beschaffung vor, vgl. Zahn, E. (1979), S. 210
73 vgl. Arnold, U. (1997), S. 93 ff.
74 Das Lehrbuchbeispiel eines „factory within a factory“-Systems wird bei der Fertigung des
Smart Cars der Micro Compact Car AG (MCC) in Hambach angewendet, vgl. Fischer, A.
(2000), S. 18 ff.
Grundlagen von Lieferantenparks 19
dass das fokale Unternehmen, der Vermarkter des Endprodukts, keinerlei Fertigungsaktivitäten mehr selbst durchführt. 75
Tab. 4: Einordnung des Lieferantenparks innerhalb der Sourcing-Toolbox 76
Neben der Hauptzuordnung in die Wertschöpfungsdimension erfolgt die Ver-sorgung aus einem Lieferantenpark bezüglich der weiteren Dimensionen der Sourcing-Toolbox in Kombination mit der Beschaffung von Modulen oder Systemen (modular oder system sourcing) in Eigenregie (individual sourcing) bei einem strategisch ausgewählten Lieferanten (single sourcing) in situativ lokalen Märkten (local sourcing) zeitnah zum Bedarfs- bzw. Einbauzeitpunkt (JIT/JISsourcing).
2.3.2 Parklieferanten
Lieferanten werden definiert als Hersteller von Komponenten, Modulen, Teil-oder Komplettsystemen, die für ein Abnehmerunternehmen bestimmt sind. 77 Mit dem vom Lieferanten erstellten Produkt stehen die erbrachten Zusatzleistungen wie Lagerhaltung, Materialwirtschaft, Logistik oder bestimmte Entwicklungsleistungen in enger Verbindung. 78
75 vgl. Arnold, U. (1999), S. 309
76 vgl. Arnold, U. (1996), Sp. 1872 (leicht modifiziert)
77 vgl. Fieten, R./Schmidt, A. (1994), S. 1. Zur Abgrenzung und genaueren Erläuterung der Beg-
riffe Teile-/Komponenten- und System-/Modulzulieferer, vgl. Gehrke, G. (2003), S. 14 f.
78 vgl. Schmidt, K.H. (1972), S. 222
Arbeit zitieren:
Dipl.-Kaufmann techn. Oliver Florian Friede, 2004, Ermittlung von Nutzenpotenzialen europäischer Lieferantenparkkonzepte in der Automobil- und Zuliefererindustrie aus den verschiedenen Perspektiven der beteiligten Parkparteien, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Ansätze zur Analyse und Optimierung von Logistiknetzwerken
Diplomarbeit, 145 Seiten
Robuste Logistiknetzwerke nach biologischem Vorbild
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Diplomarbeit, 141 Seiten
Oliver Florian Friede hat den Text Ermittlung von Nutzenpotenzialen europäischer Lieferantenparkkonzepte in der Automobil- und Zuliefererindustrie aus den verschiedenen Perspektiven der beteiligten Parkparteien veröffentlicht
Oliver Florian Friede hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare