Die filmische Umsetzung einer Literaturvorlage
„Die [...] Welt unterteilt sich in jene, die „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ bereits gelesen haben und jene, die sie noch lesen werden“, schrieb die Sunday Times über die Werke des britischen Professors für Linguistik John Ronald Reuel Tolkien.
Nachdem „Der Hobbit“ 1937 erschien, arbeitete Tolkien über zehn Jahre an den Nachfolgewerken bis er 1954 schließlich den ersten Teil „Die Gefährten“ veröffentlichte. Seine in 25 Sprachen übersetzte Werke wurden, mit mehr als 50 Millionen verkauften Stück bald ein weltweiter Erfolg.
Wie bei den meisten Bestsellern sollte es auch hier nur eine Frage der Zeit sein bis „Der Herr der Ringe“ verfilmt werden würde.
Doch aufgrund der Komplexität des zugrundeliegenden Stoffes galt dieses Epos jahrzehntelang als unverfilmbar. Wie sollte man ein über 1100 Seiten fassendes Werk, in dem in jeder Seite soviel Information, sowohl zur Entwicklung der Charaktere als auch zur Darstellung der komplexen Welt mit all ihren Kulturen, Sprachen und Erscheinungen in einen abendfüllenden Spielfilm packen? Eine möglich Antwort auf diese Frage lies lange Zeit auf sich warten. Erst 1977 wagte sich Warner Bros. unter der Regie von Ralph Bakshi an einen ersten Versuch einer filmischen Umsetzung. Diese ca. 2h 10min lange Umsetzung des Stoffes aus den ersten beiden Buchvorlagen stellte die Geschehnisse teils mit traditioneller Zeichentrickanimation, teils mit abgefilmten, stilisierten und übermalten Bildern dar. Diese Stilform wurde sicher nicht aus rein stilistischen Gründen, sondern mehr aus Kosten- und umsetzungstechnischen Gründen gewählt. Es wurde nie ein abschließender Teil zu diesem animierten Film gemacht, da er ein totaler Misserfolg war, der sowohl finanziell scheiterte als auch in vielen Bereichen qualitativ nicht überzeugen konnte. Trotzdem birgt dieser Film in einigen Bereichen Potential.
Der bereits erwähnte Stil des Films mit real gefilmtem und übermaltem Material und traditionellen Animationen ist meiner Meinung nach nicht sehr gelungen und oft unpassend montiert.
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Ein weiteres Problem war die Geldknappheit bei der Produktion. Umso näher das Projekt der Fertigstellung entgegen kam umso knapper wurden die finanziellen Mittel, was man dem Film leider auch ansieht. Wo anfangs
die real gefilmten Elemente noch genau und eindeutig übermalen wurden, was den animierten und gefilmten Teilen mehr Zusammenhalt gab, wurde gegen Ende des Films immer öfter darauf verzichtet.
Inhaltlich gibt es auch einige Kritikpunkte. Wer die Buchvorlage nicht gelesen hat wird des öfteren Schwierigkeiten mit der im Film sehr komprimierten Handlung haben. Vieles mag für den Zuschauer vielleicht nicht ganz sinnvoll und zusammenhängend erscheinen. Auch die
Charakterentwicklung kommt viel zu kurz.
Nichtsdestotrotz hat dieser animierte Film auch einige positive Aspekte aufzuweisen. Die Stimmen der Charaktere sind gut gewählt, allen voran John Hurts Stimme für Aragorn. Auch die Atmosphäre des Films ist meiner Meinung nach, vor allem in den früheren Szenen sehr gut gelungen. Sie ist bedrückend und es wird ein Gefühl von Mittelerde, dem Schauplatz der Geschehnisse vermittelt. Sogar Peter Jackson übernahm einige Szenen, zum Beispiel die bei der sich die Hobbits unter einer Baumwurzel vor dem suchenden schwarzen Reiter verstecken, fast eins zu eins aus der über zwanzig Jahre alten Bakshi-Umsetzung.
Dieser Trickfilm war, wahrscheinlich auch aufgrund des großen Misserfolgs für lange Zeit dann auch der einzige Versuch, Tolkiens Fantasy Epos umzusetzen. Walt Disney, Stanley Kubrick und John Boorman - Sie alle hatten Visionen den Herrn der Ringe zu verfilmen. Tolkien selber wollte nicht, dass Disney jemals seine Bücher verfilmt und auch Hollywood wagte sich nicht an dieses Projekt. Erst der zuvor relativ unbekannte Neuseeländer Peter Jackson wagte einen neuen Versuch. Diesmal allerdings nicht als Zeichentrick-Variante sondern als real gedrehter Film, was natürlich die Erwartungen, vor allem als der erste Trailer im Internet auftauchte und etwas vom Umfang des Projektes erahnen lies steigerte. Gleichzeitig regte sich aber auch erste Skepsis bei den Fans der Literaturvorlage, war Peter Jackson zuvor doch für eher durchschnittliche Splatter- und B-Movies wie Braindead oder Bad Taste verantwortlich. Sollte die lang erwartete Umsetzung, die
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von tausenden Fans herbei ersehnt wurde nun ein billiger (im Sinne vom Stil und der Qualität) Action-Splatter-Film werden?
Tatsächlich kann man im Film Peter Jacksons filmische Herkunft erkennen, doch verzichtete er großteils auf unsinnige Splattereinlagen.
Im großen und ganzen ist diese Umsetzung meiner Meinung nach gelungen. Auch wenn sich hierzu unterschiedliche Meinungen äußern, ist doch ein grossteil der Meinungen durchwegs positiv.
Die Daily Mail schrieb, der Film habe „...eine mythische Größe und ein tiefes Verständnis der menschlichen Korrumpierbarkeit,...“, die Los Angeles Times meinte der Film sei „Gemacht mit Intelligenz, Vorstellungskraft, Leidenschaft und Können,...“ und Screen International schrieb: „optisch eindrucksvoll, thematisch ernst und moralisch gewichtig“. Peter Jackson hatte hier natürlich ein gewaltiges Budget - mehr als das zehnfache von Bakshis Film - und die volle Unterstützung in seiner Heimat gehabt. Nachdem es anfangs aber auch für Peter Jacksons Version einige Schwierigkeiten zur Finanzierung gab und das Projekt fast scheiterte, da die bisherige Produktionsfirma Miramax verlangte nur einen einzigen Film aus dem Stoff zu machen, wurde schließlich NewLine als Geldgeber gewonnen und das als Zweiteiler geplante Werk in drei Teile geteilt.
Die Entscheidung den Film in drei Teilen zu bringen war sehr gut, denn sogar in diesen ungefähr drei Stunden dauernden Teilen fällt viel Stoff aus den Büchern weg. Das ist aus meiner Sicht auch der Hauptkritikpunkt bei den Filmen, allerdings muss einem hierbei auch klar sein, dass Teile gekürzt werden müssen um eine Filmadaption zu ermöglichen. Hätte man wirklich alles aus dem Buch auf die Leinwand gebracht, hätte ein Film wahrscheinlich neun Stunden Spielzeit gehabt. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache sind die gekürzten Szenen durchwegs akzeptabel, auch wenn ich, vor allem als ich den Film das erste Mal sah, doch einige aus dem Buch noch sehr stark in meiner Erinnerung gebliebenen Szenen vermisste. Während die beschwerliche Reise der Hobbits von ihrer Heimat bis nach Bruchtal ungefähr die Hälfte des ersten Buchs einnimmt, kommt einem dazu dieser Teil im Film vor wie eine Achterbahnfahrt. Die Protagonisten hetzen quasi von einem beeindruckenden Schauplatz zum nächsten und dabei werden viele von mir mit
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großer Vorfreude erwartete Szenen, Charaktere und Schauplätze einfach ausgelassen. Kein Tom Bombadil, eine sehr interessante Figur, kein Düsterwald, keine Hügelgräber und Lutz, das Pony wird erst erwähnt als es die Gruppe schon wieder verlässt. Auch die vielen Elbenlieder aus dem Buch werden, abgesehen von einer kurzen Sequenz in der halben Stunde länger dauernden Extended Edition weggelassen.
Anfangs war meine Enttäuschung über die ausgelassenen Stellen und die Kürzung vieler Stellen doch sehr groß. Betrachtet man das allerdings im Nachhinein wird klar: Diese Szenen sind zwar sehr interessant und unterhaltsam tragen zum Verlauf der Geschichte aber nicht allzu viel bei, zur Darstellung der Welt und vor allem zur Charakterentwicklung allerdings schon.
Das führt auch zum nächsten Kritikpunkt: Die Charaktere. Die Entwicklung der Charaktere und deren Darstellung fällt in vielen Fällen viel zu kurz aus. Viele Charaktere, die einem im Buch sehr ans Herz wachsen bleiben im Film blass und nicht lange in Erinnerung. Sam beispielsweise ist total unterbewertet und bekommt im Film wenig Aufmerksamkeit, genauso wie die anderen beiden Hobbits Merry und Pippin, die fast noch stärker als Sam blass und farblos erscheinen. Ich konnte lange
zwischen diesen beiden Charakteren gar nicht unterscheiden. Zugute halten muss man aber, dass sich diese Umstände im zweiten Teil bessern und einem die Charaktere näher kommen, ja sogar ans Herz wachsen. Elijah Wood als der Ringträger Frodo und vor allem Sir Ian McKellen als Gandalf sind aber sehr getroffen und ausdrucksstark.
Allerdings ist Frodo und auch die zwei Hobbits Merry und Pippin, meiner Meinung nach nicht ganz der Beschreibung Tolkiens gerecht geworden. Hobbits sind im Buch als fröhliche, sorglose, kleine, rundliche und dickliche Wesen beschrieben. Frodo ist im Film aber auch vor seiner beschwerlichen Odyssee weder dicklich noch besonders fröhlich und sorglos. Das ist aber nur ein Detail das der schauspielerischen Darstellung Elijah Woods nichts abtut.
Einige der unsterblichen Elben, die im Buch als große, schlanke, weise und mystische Erscheinungen beschrieben werden, sind meiner Meinung in der Umsetzung auch nicht ganz getroffen. Allen voran Elrond, der Anführer der Elben in
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Arbeit zitieren:
Simon Wendler, 2003, "Der Herr der Ringe" - Die filmische Umsetzung einer Literaturvorlage, Die Völker und deren Darstellung im Film, München, GRIN Verlag GmbH
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