Belagerungsmaschinen und Katapulte
von: Uli Gönczi
Inhaltsverzeichnis
Vorwort: 3
1. Einige Bemerkungen zu der Geschichte der Belagerungsmaschinen und Katapulte
1.1. Schriftliche Quellen: 4
1.2. Neuzeitliche Rekonstruktionsversuche an Hand dieser Quellen: 5
1.3. Die Geschichte der Belagerungsmaschinen und Katapulte. 6
2. Belagerungsmaschinen
2.1. Belagerungstürme, Helepolen: 10
2.2. Die sambuca, bzw. tolleno: 13
3. Katapulte
3.1. Die Nicht-Torsions-Geschütze: 16
3.2. Die Torsionskraft: 19
3.3. Der monagker: 20
3.4. Torsionsgeschütze: 21
3.5. Versuche mit anderen Federsystemen: 24
4. Der Onager und ein kurzer Ausblick ins Mittelalter:
4.1. Der Onager: 26
4.2. Niedergang der Torsionsgeschütze: 29
4.3. Die trebuchet: 29
Nachwort: 31
Fußnoten: 32
Vorwort
Ich möchte in meiner Arbeit auf die antike Belagerungstechnik, die Poliorketik, eingehen. Im Sinne des Seminar-Themas werde ich hierbei versuchen, hauptsächlich die technischen Aspekte der Belagerungsmaschinen zu beleuchten und weniger auf die - sicherlich auch sehr faszinierende - Strategie einzugehen. Strategien der Angreifer und Ge- genstrategien der Verteidiger sollen in meiner Arbeit nur in ihren elementarsten Grundzügen zum Tragen kommen, da sie den Umfang der Arbeit sprengen würden. Ebenso sollen vor der karthagischen Belagerung von Selinunt (409 v. Chr.) der Oikumene bereits bekannte Belagerungswerkzeuge - wie z. B. Mauersicheln, Mauerwidder, etc. – und Hilfskonstruktionen - z. B. fahrbare Schutzlauben, Dämme, etc. - nur in Zusammenhang mit den Innovationen erwähnt werden. Bei den Geschützen versuche ich eine - soweit möglich - chronologische Entwicklungsgeschichte aufzuzeigen. Hierbei werde ich als "Stan- dardgeschütz", den gastraphetes beschreiben und bei den folgenden Geschützen nur auf ihre innovativen Teile eingehen. Die Probleme der antiken Geschütznamen )1, den bildlichen Nachweisen von Geschützen auf archäologischen Funden )2 und archäologische Funde von Geschützteilen )3 möchte ich außer Acht lassen.
1. Einige Bemerkungen zu der Geschichte der Belagerungsmaschinen und Katapulte:
1.1. Schriftliche Quellen:
Die wichtigsten schriftlichen Quellen für unser Wissen über die antiken Belagerungsmaschinen und Katapulte sind:
- Philons Ta Philonos Belopoiika.
- Herons Ktesibiog Belopoiicha.
- Bitons Kataskegai polemikon organon kai katapaltikon.
- Vitruvs De Architectura X. 10. 1: De Scorpionum Rationibus.
- einige Fragmente von Geschützbeschreibungen aus der späten Kaiser- zeit, u. a. Ammianus Marcellinus` Beschreibung des Onagers.
Philons Datierung hängt eng zusammen mit der umstrittenen Datierung von Ktesibios, einem Techniker der ausdrücklich zusammen mit Ptolomaeus Euergetes erwähnt wird. Das Problem ergibt sich nun daraus, dass zwei Ptolomaeer den Titel Euergetes (Wohltäter) angenommen haben, die aber zeitlich knapp hundert Jahre auseinander liegen:
- Ptolomaeus III. Euergetes (246 - 221 v. Chr.)
- Ptolomaeus VIII. Euergetes (145 - 116 v. Chr.)4
Philon sagt von sich selbst, dass er sein Wissen von Leuten, die noch mit Ktesibios zusammengearbeitet haben, erhalten hätte. )5 Philon stammt aus Byzanz. Heron von Alexandria ist ungefähr in die zweite Hälfte des ersten Jahrhunderts n. Chr. )6 einzuordnen. Ihm dürften noch Teile von Ktesibios` Werk zu Augen gekommen sein, da er sich eng daran orientiert. Dies zeigt sich an einigen für seine Zeit untypischen Äußerungen. So beginnt er sein Werk, in dem er die Stadtväter mahnt, sich zur Sicherheit ihrer Städte Geschütze zuzulegen. Zu Herons Zeiten genießt jedoch die mediterane Welt die Vorzüge der pax romana. Den Titel seines Werkes könnte man auch grob übersetzen: `Herons Edition von Ktesibios Belopoiika′.
Bitons Werk ist an König Attalus adressiert und es ist wohl der pergamenische König Attalus I. (ca. 239 - 197 v. Chr.) anzunehmen. )7 Sein Werk ist in technischer Hinsicht von zweifelhaften Wert. Vitruvius schrieb seine zehn Werke über Architektur in augusteiischer Zeit. In seinem zehnten Buch in den Kapiteln zehn bis zwölf berichtet er über einige Geschütze der römischen Legionen. Höchstwahrscheinlich diente er bereits unter Caesar als Zeugwart im technischen Personal des Heeres - als fabri, wohl als praefectus fabrum. Unter Augustus hatte er so einen Rang sicher inne und ist beruflich mit der Wartung und Reparatur von Skorpionen und Ballistae beschäftigt, was ihn zu einer sehr kompetenten Quelle macht. Die Tatsache, dass Vitruv unter Augustus diesen Posten inne hat, macht es rückwirkend sehr wahrscheinlich, dass er diesen Posten bereits unter Caesar hatte, da kompetente Facharbeiter dieser Art sehr rar waren und deswegen langfristig beschäftigt wurden. )8
1.2. Neuzeitliche Rekonstruktionsversuche an Hand dieser Quellen:
[...]
1) siehe zu diesen Problem: Pauly-Wissowa: RE V 6,1 "Festungskrieg" (Liebenam) S.2253, RE V 7,1 "Geschütze" (Schneider) S. 1308, RE V 10,2 "Katapulta" (Lammert) S. 2482, RE V 13 A1 "Skorpion", S. 581. E. Schramm in Johannes Kromayer und Georg Veith: Heerwesen und Kriegsführung der Griechen und Römer. München 1963. S. 230. E. W. Marsden: Greek and Roman Artillery. Technical Treatises. Oxford 1971. S. 44, Anmerkung 5.
2) RE V 7,1 "Geschütze" (Schneider) S. 1302, S. 1309. - Erwin Schramm: Die antiken Geschütze der Saalburg. Bad Homburg vor der Höhe 1980. (Nachdruck von 1918 mit einer Einführung von Dietwulf Baatz). S. 30.
3) Allein schon wegen der Tatsache, dass das Hauptmaterial der antiken Maschinen Holz war, können keine spektakulären Funde erwartet werden. Marsden: Artillery. S. 52, A 28: Metallteile einer Spannfeder. Fundort: Emporion, Spanien. Marsden, Artillery, S. 253, A 8: Teile einer Ziegelrampe eines Onagers. Marsden, Artillery, S. 240, A 8: Funde von verschossenen Bolzen, wobei darauf hingewiesen wird, dass vorallem bei den Metallspitzen der Geschütze kleineren Kalibers schwierig zu unterscheiden ist, ob sich um die Spitze eines Geschossbolzens, einer Lanze oder eines Pfeils gehandelt hat. RE V 7,1, "Geschütze" (Schneider), S. 1302: als Geschosse verwendete Steine, Ton-, Eisen- oder Bleistücke. Marsden: Artillery. Plate 5: Der recht makabre Fund eines Toten- schädels, der zum Teil von einem Geschoss zerschmettert ist. Schramm war nur der Ampurias-Fund bekannt, den er auch publizierte. Eine Liste mit den neuesten archäologischen Fundorten liefert Diet- wulf Baatz in seiner Einführung zu dem 1980er Nachdruck von Schramms Werk auf Seite VI.
4) Marsden oder den Setzer des Drucks muss ein Fehler unterlaufen sein: Auf Seite 6 betituliert er Ptolomaeus II. als Euergetes, während er eine Seite weiter den richtigen Ptolomaeus nennt. Konsequent falsch ist der zweite Euergetes: Marsden nennt den Bruder des Ptolomaeus VIII. Euergetes II., der bereits nach einem Jahr gemeinschaftlicher Regierung ermordet wurde, als Euergetes. (Hatto H. Schmitt: Skript Hellenismus. Vorlesungen SS 1995 und WS 1995/96. München 1995. Z8 und St 2. Pierre Grimal (Hrsg.): Fischer Weltgeschichte. Band 7. Der Aufbau des Römischen Reiches. Die Mittelmeerwelt im Altertum III. Frank- furt am Main 1966. S. 68.)
5) Marsden: Artillery. S. 1.
6) Marsden: Artillery. S. 1. Querverweis: RE V 7,1 "Geschütze", S. 1302. Hier wird er ans Ende des 2. Jahrhunderts datiert, ohne jedoch zu sagen, ob man vor oder nach Christi meint.
7) Bitons 1. Satz in: Marsden: Artillery. S. 66. Mardens Begründung, warum es wohl Attalus I. gewesen ist: Marsden: Artillery. S. 6.
8) Marsden: Artillery. S. 3.
Arbeit zitieren:
Uli Goenczi, 1995, Belagerungsmaschinen und Katapulte - Die antike Belagerungstechnik - die Poliorketik, München, GRIN Verlag GmbH
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