Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 03
2. Hauptteil 03
2.2 Konstitution von intentionalen Objekten 03
2.2 Der Entwurf von Handlung 05
2.3 Sinngebung als eine reflexive Zuwendung 06
2.4 Motiv 07
2.4.1 Um-zu Motiv 08
2.4.2 Weil-Motiv 10
2.5 Das Problem der Intersubjektivität 11
2.5.1 Die Generalthese reziproker Perspektiven 12
2.5.2 Typisierung 13
3. Schlussbetrachtung 17
Literatur 18
2
1. Einleitung
Diese Hausarbeit soll einen kleinen Überblick über Alfred Schütz’ Theorie zur Konstitution des subjektiven Sinns und das damit zusammenhängende Problem der Intersubjektivität geben. Dabei beziehe ich mic h primär auf Schütz’ Buch „Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“. Aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit werde ich mich dabei auf wesentliche Aspekte beschränken und diese mit Beispielen näher erläutern.
Zunächst beschäftige ich mich mit Schütz’ Vorstellungen über die Konstitution des subjektiven Sinns. Darauf folgend bearbeite ich seine Ausführungen zum Funktionieren von Handlungen und wie ihnen ein Sinn zugeschrieben wird. Anschließend behandele ich das Problem der Intersubjektivität und Schütz’ Versuch dieses Problem zu lösen. Zum Ende meiner Arbeit werde ich kurz meine Meinung über die hier dargelegten Sachverhalte äußern.
2. Hauptteil
Wie schon einleitend erwähnt, ist ein zentraler Punkt in Schütz’ Werk die Frage nach der Konstitution des subjektiven Sinns. Ausgangspunkt ist hier der Sinnbegriff, den Max Weber in seiner Handlungstheorie eingeführt hat. In seinem Buch, „Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“, kritisiert Schütz Weber dahingehend, dass er den subjektiven Sinn zwar als Grundlage jeder Theorie des Handelns voraussetzt, die Analyse, wie der subjektiv gemeinte Sinn zustande kommt, aber weitgehend außer Acht lässt und auch die Begriffe des Fremdverstehens und Selbstverstehens nicht
1 differenziert. Er begründet diese Haltung Webers damit, dass sich dieser „ mit
wissenschaftstheoretischen Fragen nur in soweit befassen [wollte], als dies seine Beschäftigung mit
2 konkret fachwissenschaftlichen Problemen erforderlich machte.“
Im Zuge dieser Kritik stellt Schütz zwei Fragen auf, welche uns im Folgenden näher beschäftigen sollen:
„1. Was bedeutet die Aussage, der Handelnde verbinde mit seinem Handeln einen Sinn?
2. In welcher Weise versteht das Ich fremdes Verhalten, a) überhaupt, b) nach dem subjektiv 3 gemeinten Sinn des sich so Verhaltenden?“
Diese Fragen sind nach Schütz „im Grunde nicht solche der Sozialwissenschaft“, sie behandeln vielmehr ihren Unterbau, „die Konstitution der Sozialwelt, die setzenden und deutenden Akten des
4 . Zunächst beginne ich mit einem kurzen Exkurs in die Philosophie, täglichen Lebens mit Anderen“
den auch Schütz in seinem Buch, „der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt“, vollzieht. Zweck dieses „Ausflugs“ in die Philosophie, ist die Aufklärung des schützschen Denkprinzips, welche seiner Theorie zugrunde liegt.
2.1. Konstitution von intentionalen Objekten
Um die Konstitution intentionaler Objekte erläutern zu können, müssen zunächst einige Begrifflichkeiten geklärt werden.
1 Vgl. Alfred Schütz, 1960 S.15f
2 Alfred Schütz, 1960 S.15
3 Alfred Schütz, 1960 S.25
4 Alfred Schütz, 1960 S.25f
3
Die Phänomenologie geht davon aus, dass uns die Welt nur über unser Bewusstsein zugängig ist, mit anderen Worten, wir konstruieren die Welt über unser Bewusstsein. Die so über unser Bewusstsein konstruierten Dinge, werden als intentionale Objekte bezeichnet. Der Begriff „Intentionalität“ bezeichnet also die Objektbezogenheit des Bewusstseins (Bewusstsein von etwas). Der Begriff der durée, welchen Schütz aus der Philosophie Bergsons übernahm, bezeichnet die „reine Dauer“ in der es „kein Nebeneinander, kein Außereinander, und keine Teilbarkeit, sondern nur eine Kontinuität des Verfließens [gibt]. […] Was wir aber in der Dauer erleben, ist eben nicht ein Sein, ein Festabgegrenztes und Wohl-Unterschiedenes, sondern ein stetiger Übergang von einem
5 Dieser schwer zu fassende Begriff stellt also den Jetzt und So zu einem neuen Jetzt und So.“
Gegensatz zum Leben in der raum-zeitlichen begrifflichen Welt dar, welche wir über unser Bewusstsein konstituieren. Die durée ist das reine Fließen der nicht quantifizierten Zeit. Ausgehend von dem Begriff der „reinen Dauer“ oder „durée“ und dem Begriff der oben beschriebenen intentionalen Objekte, stellt Schütz die Frage:
„Wie konstituieren sich nun innerhalb des Ablaufs der durée die einzelnen Erlebnisse im
6 Hinströmen des Bewusstseinsflusses zu intentionalen Einheiten?“
Schütz’ Antwort auf diese Frage, kann mit dem Begriff der Reflexion überschrieben werden. Die Erinnerung als reflexiver Akt „ist es welche die Erlebnisse aus dem unumkehrbaren Dauerablauf
7 Husserl heraushebt und so die Urimpression des ‚Innewerdens’ in ‚Er-innerung’ modifiziert.“ beschreibt diesen Vorgang mit den Begriffen Retention und Reproduktion. An die Urimpression, welche aus der Durée an das Bewusstsein tritt, schließt direkt die primäre Erinnerung oder Retention an. Diese Retention ist der Jetzt-Punkt der Wahrnehmung. In jedem Moment findet jene Jetzt-Punkt-Setzung statt, darin konstituiert sich die aktuelle Phase einer Bewegung. Man kann dieses Prinzip anhand einer Videoaufzeichnung verdeutlichen. Die Kamera repräsentiert das Bewusstsein, also die Schnittstelle zwischen „der Welt“ und „Ego“. Jede Sekunde werden 25 Bilder geschossen, jedes dieser Bilder stellt in dem Moment, in welchem es geschossen wird, den Jetzt-Punkt dar. Die Bilder werden in dem Moment der Aufnahme, aber auch schon wieder von dem folgenden weiter in die Vergangenheit gerückt. Der Ablauf wird nur durch den Bezug auf die vorangegangenen Bilder (Retentionen) deutlich. Die Retention ist aber „ selbst kein
8 , sie dient nur dazu die abgelaufene Zurückblicken, das die abgelaufene Phase zum Objekt macht“
9 zu haben und damit dann die gegenwärtige Phase durchleben zu können. Für unser Phase „im Griff“
Beispiel heißt dies zunächst, dass die einzelnen Bilder nur den Ablauf der Zeit widerspiegeln, nicht aber die intentionalen Objekte konstituieren. Durch dieses „im Griff haben“ ist es aber überhaupt
10 Das heißt, auf unser erst möglich den Blick auf die Phase lenken zu können, also zu reflektieren. Beispiel bezogen, die Reproduktion (Reflexion) ist quasi die Kopie der Urimpression. Diese Wiedererinnerung stellt den ursprünglichen Zeitgegenstand wieder her, mit der speziellen
5 Alfred Schütz, 1960 S.62
6 Alfred Schütz, 1960 S.63
7 Alfred Schütz, 1960 S.64
8 Alfred Schütz, 1960 S.66
9 Alfred Schütz, 1960 S.66
10 vgl. Alfred Schütz, 1960 S.64ff
4
Eigenschaft, dass die „Vergegenwärtigung ‚schneller’ oder ‚langsamer’, deutlicher und expliziter
11 vollzogen oder verworrener, blitzschnell in einem Zuge oder in artikulierten Schritten usw.“ werden kann. Innerhalb dieser Wiedererinnerung konstruieren wir die intentionalen Objekte in unserem Bewusstsein.
Im Bezug auf die Intentionalität der Urimpression haben natürlich die Retentionen einen weitaus höheren Grad an Evidenz, da sie ja unmittelbares Zeugnis der konkreten Wahrnehmung sind. Der Wiedererinnerung hingegen fehlt diese absolute Evidenz, da sie eben nicht „wie Retentionen
12 sind. originäres Bewusstsein“
2.2. Der Entwurf von Handlung
13 , so Schütz. Jedes Handeln vollzieht sich „nach einem mehr oder minder explizit vorgefaßten Plan“
14 . Schütz spricht Der Prozess des Planens einer Handlung vollzieht sich nur in der Vorstellung von A
15 . Dieser Begriff erklärt sich in diesem Zusammenhang auch von der Vorerinnerung einer Handlung
16 . Diesen Entwurf behandelt A nun so, dass A in seiner Phantasie die Handlung plant („phantasiert “) so, als wäre die geplante Handlung schon abgeschlossen und befände sich somit in der Vergangenheit. Durch Reflexion, also durch Vorerinnerung, ordnet A den Entwurf in den „zum
17 . Anders gesagt, A leitet aus Zeitpunkt des Entwerfens gegebenen Erfahrungszusammenhang ein“
einer Erfahrung eine Erwartung ab. Vorerinnerung als Reflexion auf die phantasierte Handlung ist das Äquivalent zu dem Begriff der Erinnerung als Reflexion auf die real abgeschlossene Handlung. „Der Entwerfende verfährt nicht anders, als wäre das Handeln, welches er entwirft, im Zeitpunkt des Entwerfens bereits in der Vergangenheit liegende, abgelaufene, vollzogene
18 Handlung, die nunmehr in den Erfahrungszusammenhang eingeordnet wird.“
An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass Schütz zwischen dem Begriff „Handeln“, welcher für ihn den Prozess der nicht abgeschlossenen Handlung darstellt (dem Ablauf) und der abgeschlossenen „Handlung“ (dem Ziel) differenziert. Für Schütz stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob nun das Handeln oder die Handlung phantasierend entworfen wird. Die Antwort liegt für ihn auf der Hand. Wenn die Handlung entworfen ist, so ist das Handeln in jedem Fall mit entworfen. Wir können also sagen, dass ohne das Ziel des Handelns, eben jenes gar nicht phantasiert werden kann. Hierzu ein Beispiel, welches auch Schütz verwendet. So kann man in erster Betrachtung es durchaus als ein Handeln (das phantasiert werden kann) ansehen, wenn A von einem Stuhl aufsteht und zum Fenster geht. Der Ablauf (das Handeln) ist die Bewegung zum Fenster. Ziel (also Handlung) wäre das Erreichen des Fensters. Schütz stellt aber als Argument dagegen, dass jede Handlung in Zwischenziele unterteilt werden kann. Ohne das Ziel ist der Ablauf nur als ein leeres Gebilde, welches nicht phantasiert werden kann.
11 Alfred Schütz, 1960 S.65
12 Alfred Schütz, 1960 S.65
13 Alfred Schütz, 1960 S.77
14 im folgenden werde ich den Handelnden oder Planenden so bezeichnen
15 Alfred Schütz, 1960 S.78
16 Alfred Schütz, 1960 S.77 „phantasieren wird an anderer Stelle auch mit „anschaulich vorstellen“ beschrieben“ S.78
17 Alfred Schütz, 1960 S.80
18 Alfred Schütz, 1960 S.80
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Arbeit zitieren:
Andreas Daniel, 2005, Alfred Schütz: Zu der Konstitution des subjektiven Sinns und der Frage, wie Fremdverstehen möglich ist, München, GRIN Verlag GmbH
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