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Titel: Zu: Johan Galtung: "Strukturelle Gewalt" (Hauptseminararbeit)
Zu: Johan Galtung: "Strukturelle Gewalt"

Hauptseminararbeit, 2005, 25 Seiten
Autor: Anonym
Fach: Geschichte - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Details

Institution/Hochschule: Universität Bielefeld
Tags: Johan, Galtung, Strukturelle, Gewalt
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 25
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 11  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V45298
ISBN (E-Book): 978-3-638-42723-4

Dateigröße: 202 KB


Textauszug (computergeneriert)

MANUAL

Universität Bielefeld
Fakultät für Geschichtswissenschaft,
Philosophie und Theologie
-Abt. Geschichte-

Zu: Johan Galtung: "Strukturelle Gewalt"

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S. 3-4

2. Zur Person S. 4-5

3. Strukturelle Gewalt S. 6-14

3.1 Definition von Gewalt S. 6-7
3.2 Dimensionen von Gewalt S. 7-11
3.3 Mittel der personalen und der strukturellen Gewalt S. 11-12
3.4 Das Verhältnis von personaler und struktureller Gewalt S. 12-14

4. Die kulturelle Gewalt S. 15-17

5. Reaktionen S. 17-18

6. Vergleich mit der Machtdefinition von Heinrich Popitz S. 18-22

7. Schlussbetrachtung S. 23-24

8. Literaturverzeichnis S. 25

 

1. Einleitung:

„Die Welt ist voller Gewalt, die direkt angewendet wird, oft ganz unverhüllt, und die indirekt in den Ordnungen und Organisationen sichtbar wird, die die Beziehungen der Menschen untereinander, ihrer Gruppen und Nationen, regeln.“1 Mit dieser Einschätzung von Gewalt hat der norwegische Friedensforscher Johan Galtung seit 1975 für Diskussionen unter den Sozialwissenschaftlern gesorgt. Während viele seiner Kollegen Gewalt auf die körperliche Beschädigung eines Opfers reduzieren, fasst Galtung seine Definition weiter. Für ihn existiert neben der direkten Gewalt noch eine indirekte, strukturelle Gewalt. Dieser Ansatz ist seit seiner Veröffentlichung in der Forschung stark umstritten. Er wird heute von der Mehrheit der Sozialwissenschaftler abgelehnt. Weitestgehend anerkannt ist dagegen die Machtdefinition von Heinrich Popitz, in welcher der Gewaltbegriff stärker eingegrenzt wird. Sie stammt aus dem Jahr 1992.

Das Konzept der strukturellen Gewalt von Johan Galtung soll den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden. Welche Faktoren beinhaltet diese indirekte Gewalt und warum wird sie heute weitestgehend abgelehnt? Weiterführend soll daraufhin die Frage geklärt werden, warum die Vorstellungen von Heinrich Popitz in der neueren Forschung populärer sind. Welche Vorzüge bietet das Konzept von Popitz gegenüber dem von Galtung im Hinblick auf eine anwendbare Gewaltdefinition? Johan Galtung selbst sagt, dass der frühe Teil seines Lebens seinen inneren Code maßgeblich geprägt hat, so wie der frühe Teil des Lebens einer Kultur diese prägt.2 Deshalb sollen die jungen Jahre aus Galtungs Biografie zunächst dargestellt werden. Dann soll sein Ansatz von der strukturellen Gewalt präsentiert und in mancher Hinsicht auch mit seiner Biografie in Verbindung gebracht werden. Was versteht er unter Gewalt und welche Gesichtspunkte zählen dazu? Hierzu soll zunächst seine Definition von Gewalt beschrieben werden. Anschließend werden die von ihm aufgestellten Dimensionen von Gewalt aufgezeigt. Mithilfe dieser Dimensionen klärt Galtung den Umfang, den die Gewalt seiner Meinung nach einnimmt. Dadurch konstruiert er eine Typologie.

Die Unterscheidung zwischen personaler und struktureller Gewalt ist für Galtung zentral. Deshalb werden im Folgenden die Mittel von personaler und struktureller Gewalt dargestellt. Darauf folgt die Beschreibung des Verhältnisses zwischen diesen beiden Formen von Gewalt. In diesem Zusammenhang soll die Frage geklärt werden, inwiefern die beiden Typen zusammenhängen und ob sie obendrein unabhängig voneinander aufgebaut oder auch beseitigt werden können. Johan Galtung hat seine Definition von personaler und struktureller Gewalt noch durch die kulturelle Gewalt erweitert. Sie soll im Anschluss dargelegt werden. Dann werden in einem kurzen Abschnitt einige Reaktionen verschiedener Sozialwissenschaftler auf Galtungs Arbeit aufgezeigt. Auf diese Weise soll geklärt werden, welche Kritikpunkte die Forschung an seinem Konzept vorzuweisen hat und ob diese ausschließlich negativ sind. Viele Theoretiker haben in ihren Arbeiten Bezug auf die strukturelle Gewalt genommen. In diesem Zusammenhang werden jedoch nur einige zentrale Aussagen dargestellt. Darauf folgt schließlich ein Vergleich von Galtungs Gewaltbegriff mit der Machtdefinition von Heinrich Popitz. Durch die Gegenüberstellung soll erläutert werden, welcher Ansatz eher dazu geeignet ist, Gewalt genau zu bestimmen. Lassen sich ausschließlich Gegensätze feststellen oder sind auch Gemeinsamkeiten nachzuweisen? Die Schlussbetrachtung soll schließlich ein Resümee und einen Ausblick bieten. Die Literatur zur Gewaltsoziologie ist umfangreich. Die Forschung hat viele unterschiedliche Definitionen von Gewalt hervorgebracht. In dieser Arbeit können aus Platzgründen nur zwei Ansätze diskutiert werden.

2. Zur Person:

Johan Galtung wurde 1930 als Sohn eines Arztes in Norwegen geboren. Sein Vater war für ihn ein starker Bezugspunkt. Von seinem Vater wurde Johan stets ermutigt, Fragen zu stellen. 3 1940 marschierten die Deutschen durch Oslos Straßen und Galtungs Vater wurde verhaftet und in ein nahegelegenes Konzentrationslager gebracht. Er kam später jedoch wieder in die Familie zurück.4 Mit 15 Jahren trat Johan aus der Staatskirche aus. Am selben Tag wurde auch die Charta der Vereinten Nationen unterzeichnet, wodurch ein neuer zentraler Friedensversuch gestartet wurde. Außerdem wurde an diesem Tag auch ein Osloer Nazi als Verräter hingerichtet. Galtung bemerkt: „Der Frieden war jung und frisch in diesem Herbst, ein halbes Jahr nach dem >>Tag des Sieges<<.“5 Johan Galtung verließ seinen Vater sowohl vom Glauben her als auch von der Politik. Er ging zunächst zum Humanismus, später durch Gandhi-Studien zum Buddhismus über. Außerdem konnte er sich mit dem Konservatismus und der Oberklassen-Ideologie seines Vaters nicht anfreunden. 6

1949 wurde Johan Galtung mit 18 Jahren zum Militärdienst eingezogen. Aus Gewissensgründen verweigerte er den Kriegsdienst jedoch. Seinem Brief an den Justizminister mit der Bitte um Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer fügte er den Leitgedanken seines späteren Lebens hinzu: „Um all dies weiter zu erforschen, möchte ich mein Leben den Friedensstudien widmen.“7 Johan Galtung musste zunächst in einem Lager für Kriegsdienstverweigerer arbeiten. Danach kam er für sechs Monate ins Bezirksgefängnis von Oslo, weil er ein Nein des Außen- und des Verteidigungsministers zur Mitarbeit an einem Friedensprojekt nicht akzeptierte. Als er entlassen wurde, hatte er etwas über die Kluft zwischen Machthabern und normalen Menschen erfahren. 8

[...]


1 Galtung, J., Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung, Hamburg 1975, S. 60.

2 Ders., Wie Zukunft Gestalt annimmt. Biografische Notizen 1998, http://www.utopie1.de/G/Galtung/biografie.htm (24.08.2005), S. 251.

3 Ebd., S. 234f..

4 Ebd., S. 237f..

5 Ebd., S. 235.

6 Ebd., S. 235.

7 Ebd., S. 239.

8 Ebd., S. 240.


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