Inhaltsverzeichnis:
1.0 Einleitung S.1
1.1 Das Planungsmodell - ein Kurzüberblick S.1
2.0 Was ist Didaktik? S.2
2.1 Die Aufgabenfelder der Didaktik de r Sozialwissenschaften S.2
2.2 Das Ziel „Politische Bildung“ S.2-3
2.3 Die Unterrichtsziele nach den Lehrplänen bzw. nach dem Rahmenplan S.3-4
2.4 Der Zusammenhang Staat, Schule, Politische Bildung S.4-5
2.5 Der Zusammenhang Lerntheorien und Politische Bildung S.5-6
3.0 Der Begründungszusammenhang des politikdidaktischen Planungsmodells S.6-8
3.1 Das Planungsmodell der Politischen Bildung S.8-9
3.2 Die Ansprüche des Planungsmodells an den Unterricht S.9
3.2.1 Subjekt S.9
3.2.2 Problem S.9-10
3.2.3 Kollektive Planung S.10-11
3.2.4 Kooperation S.11
3.2.5 Methoden S.11
3.2.6 Handeln S.12
3.2.7 Selbstreflexion S.12
4.0 Reflexion der eigenen Erfahrungen mit dem Planungsmodell S.13-16
vor dem Hintergrund unserer Arbeit am Projekt „Sollen
Ganztagsschulen in Hessen ausgebaut werden?“
5.0 Realisierungspunkte der Ansprüche des Planungsmodells in der Arbeit am S.16
Seminarprojekt „Sollen Ganztagsschulen in Hessen ausgebaut werden?“
5.0.1 Subjekt S.16
5.0.2 Problem S.16
5.0.3 Kollektive Planung S.17
5.0.4 Kooperation S.17
II
5.0.5 Methoden S.17 5.0.6 Handeln S.18 5.0.7 Selbstreflexion S.18
5.1 Schwierigkeiten bzw. Widersprüche bei der Realisierung der Ansprüche S.18-19
6.0 Möglichkeiten und Grenzen hinsichtlich der Übertragbarkeit dieses S.19-20
Modells auf schulische Politische Bildung
7.0 Abschlussbemerkung S.20-21
III
1.Einleitung
Die folgende Hausarbeit mit dem Thema „Evaluation eines Planungsmodells der Politischen Bildung“ ist eine Abschlussarbeit zu der zweisemestrigen Veranstaltung „Einführung in die Didaktik der Sozialwissenschaften I und II“ unter Leitung von Marita Skubich und Meike Bender im Wintersemester 2002/2003 und Sommersemester 2003.
Im Anschluss an diese Einleitung folgt zunächst ein Kurzüberblick über das Planungsmodell der Politischen Bildung, ehe im darauf folgenden Kapitel definiert wird, was man unter Didaktik im Allgemeinen versteht und die Aufgabenfelder der Didaktik der Sozialwissenschaften im Speziellen genauer umrissen werden. Es folgt eine thematische Eingrenzung des Begriffs „Politische Bildung“, der auch in Hinblick auf die Lehrpläne überprüft wird. Danach werden die für die Didaktik relevanten Zusammenhänge zwischen Staat, Schule und Politischer Bildung sowie zwischen Lerntheorien und Politischer Bildung hergestellt. Der sich anschließende thematische Hauptkomplex stellt den Begründungszusammenhang des Planungsmodells der Politischen Bildung her und hebt die zentralen Ansprüche des Planungsmodells an den politischen Unterricht hervor. Darin eingeschoben befindet sich ein Gesamtüberblick über das Planungsmodell mit allen seinen Phasen. Im Anschluss an diesen Punkt werden dann die eigenen Erfahrungen mit dem Planungsmodell, die während des Kurses gesammelt wurden, auf der Metaebene betrachtet und reflektiert. Dies geschieht vor dem Hintergrund der eigenen Arbeit an dem Projekt „Sollen Ganztagsschulen in Hessen ausgebaut werden?“ Dabei wird unter anderem darauf eingegangen, inwieweit sich die Ansprüche des Planungsmodells in der Seminararbeit realisierten, an welchen Stellen Schwierigkeiten auftraten oder es zu Widersprüchen kam.
Es folgt eine persönliche Einschätzung hinsichtlich der Ü bertragungsmöglichkeiten und Übertragungsgrenzen des Modells auf schulische Politische Bildung. An diesen Abschnitt schließt sich der Abschlusskommentar der Arbeit mit einem Fazit an.
1.2 Das Planungsmodell - ein Kurzüberblick
Das von Frank Nonnenmacher im Jahr 1999 veröffentlichte „Planungsmodell des Politischen Unterrichts“ ist ein aktuelles didaktisches Konzept für den sozialwissenschaftlichen Schulunterricht in den Fächern Sachunterricht, Sozialkunde und Politik und Wirtschaft. Das Modell ist weder auf bestimmte Altersstufen zugeschnitten, noch explizit auf bestimmte Schulformen fixiert und kann daher zumindest in der Theorie die Grundlage allen sozialwissenschaftlichen Unterrichts in der Schule bilden.
In einem Satz zusammengefasst ist das Planungsmodell eine subjektorientierte Alternative zu dem in der Schulpraxis vorherrschenden sozialwissenschaftlichen Unterricht, der - oft als Frontalunterricht konzipiert und durchgeführt - inhaltlich hauptsächlich von der chronologisch ablaufenden
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Institutionenkunde geprägt ist und in dem der Lehrer die Rolle des „Wissensschauflers“ übernimmt, während die Schüler in passive Konsumentenhaltung zu verfallen drohen. 2. Was ist Didaktik?
Das Planungsmodell von Professor Frank Nonnenmacher ist das Ergebnis eines didaktischen Forschungs- und Entwicklungsprozesses. Der Begriff „Didaktik“ wird jedoch unterschiedlich konnotiert. Das Wort „Didaktik“ leitet sich vom griechischen
2.1 Die Aufgabenfelder der Didaktik der Sozialwissenschaften
Ebenso wie die Sprachdidaktik für den Deutschunterricht, die sich neben der Lehrerausbildung mit allen Arten sprachlicher und sprachlich vermittelter Lehr- und Lernprozesse auseinandersetzt, ist auch die Didaktik der Sozialwissenschaften eine praktische Wissenschaft in einem zweifachen Sinn: Sie beschreibt einerseits mit empirischen Verfahren die vorfindbare Realität und sie zielt andererseits mit didaktischen Modellen auf deren Gestaltung, mit dem Ziel die unterrichtliche Inszenierung fortzuentwickeln.
Grob gesagt kann dies als der fundamentale Anspruch des Planungsmodells angesehen werden. Wie alle didaktischen Modelle so soll auch dieses dazu dienen, die gegenwärtig vorherrschende Konzeption und Durchführung des sozialwissenschaftlichen Unterrichts positiv zu beeinflussen und weiterzuentwickeln, und das oberste Unterrichtsziel „Politische Bildung“ weiter zu festigen. Um dieses Ziel erreichen zu können muss sich die Didaktik natürlich darüber verständigen, was sie unter dem Begriff „Politische Bildung“ explizit versteht und inw ieweit ihre didaktischen Modelle mit dem verbindlichen Lehrplan zu vereinbaren sind, da anderenfalls ein Theorie -Praxis-Problem aufzutreten droht. Weiterhin muss die Didaktik der Sozialwissenschaften im Vorfeld ihrer Arbeit mehrere - unter anderem interdisziplinäre - Zusammenhänge herstellen. Auf diese Zusammenhänge gehe ich in dem folgenden Unterkapiteln ein, nachdem ich zunächst versuche den Begriff „Politische Bildung“ enger einzugrenzen und die Position des Rahmenplans bzw. der Lehrpläne der verschiedenen Schulformen zum Thema „Politische Bildung“ näher betrachte.
2
2.2. Das Ziel „Politische Bildung“
Nach Nonnenmacher, der sich auf Ulrich von Alemanns „Dimensionen des Politischen“ (vgl. Alemann 1994, S.143) bezieht, ist „Politische Bildung“ am ehesten dadurch zu erreichen, dass man sich im Unterricht weniger auf der „polity-Ebene“, die sich mit der Analyse von Funktionszusammenhängen von Institutionen, Verfassung, Rechtsordnung etc. beschäftigt, bewegt, sondern den Fokus auf die Ebenen „policy“ und „politics“ wirft. Seiner Meinung nach geht es in der Politischen Bildung „vielmehr um die Inhalte, Ziele und Aufgaben, die von den Akteuren unterschiedlich gesehen werden („policy“) aber ebenso und in erster Linie um „politics“, also um die politischen Prozesse, um Konflikte und Konsensfindungsversuche, um Interessen, Macht und Herrschaft, also Kategorien, die letztlich allen öffentlichen Entscheidungsprozessen unterlegen sind“ (Nonnenmacher 1999, S.4).
In einer weiteren, ausführlicheren Definition heißt es: „ Politische Bildung hat die Aufgabe, die Menschen zu befähigen, dass sie ihren gesellschaftlichen Standort und ihre Interessen erkennen und über politische Probleme urteilen und handeln können. Dazu ist es erforderlich, die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Prozesse und Strukturen zu durchschauen, den Zusammenhang zwischen Interessen und Politik und die Ursache und Funktion von Ideologien aufzudecken. Ziele Politischer Bildung sind: kritisches Bewusstsein, selbständiges Urteil und politisches Engagement. Voraussetzung für demokratisches Engagement ist, dass dem Bürger die Zusammenhänge zwischen individuellem Schicksal und gesellschaftlichen Prozessen und Strukturen bewusst werden. Politisches Bewusstsein bildet sich im Erkennen der eigenen Interessen und im Erfahren der gesellschaftlichen Konflikte und der Herrschaftsverhältnisse. Der politisch bewusste und aufgeklärte Mensch soll nicht erleidendes Objekt der Politik sein, sondern als Subjekt in die Politik eingreifen“ (vgl. Drechsler, Hanno/Hilligen, Wolfgang/Neumann, Franz (Hrsg): Gesellschaft und Staat. Lexikon der Politik, 9. Auflage, München: Vahlen 1995, S.7).
2.3 Die Unterrichtsziele nach den Lehrplänen bzw. nach dem Rahmenplan
Nachdem der Begriff „Politische Bildung“ jetzt genauer determiniert wurde, muss nun geklärt werden, welche Ziele durch die „Politische Bildung“ auf der Grundlage der Lehrpläne erreicht werden sollen. Laut dem Rahmenplan der Grundschule „zielt der Sachunterricht auf Lernprozesse, die nicht von ihrem Endpunkt her strukturie rt werden, sondern von konkreten Lernmöglichkeiten und Erfahrungen der Kinder ausgehen…Der Sachunterricht soll den Kindern helfen, sich mit Sachverhalten aus ihrer sozialen, natürlichen und technischen Umwelt auseinander zu setzen…Die Kinder sollen lernen, die individuelle und gesellschaftliche Lebenswirklichkeit zu verstehen und kompetent in ihr zu handeln.
Die Kinder sollen befähigt werden:
- neugierig und interessiert ihre Umwelt wahrzunehmen
- nach Ursachen und Wirkungen zu fragen, Zusammenhänge zu erkennen
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- eigene begründete Urteile zu entwickeln
- Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen
- Initiativen zu entwickeln, individuelle und kooperative Aktionen zu planen und durchzuführen.
Die Themen des Sachunterrichts sind auf gesellschaftliche Schlüsselprobleme zu beziehen…Dabei muss jedes Kind die Gelegenheit erhalten, seine Erfahrungen und Erklärungen in der ihm eigenen Ausdrucksweise zu äußern und mit anderen zu diskutieren. Erst wenn Sachverhalte einen Klärungsprozess erfahren haben, wenn Einsichten entstanden sind, können behutsam auch Fachbegriffe eingeführt werden.“
In den Lehrplänen für die Sekundarstufe I aller Schulformen treten zwar inhaltliche Differenzen auf, als gemeinsames (End-)Ziel für den sozialkundlichen Unterreicht wird jedoch die „Politische Bildung“ aufgeführt.
Während der Sozialkundeunterricht in der Hauptschule laut Lehrplan „der politischen Bildung dient und sich an der Lebens- und Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler orientiert“ (vgl. hess. Lehrplan Hauptschule Politik und Wirtschaft 2002/03), sind die Ansprüche an den Sozialkundeunterricht in der Realschule schon auf einem weiter führenden Niveau angesiedelt: Hier ist ebenfalls vom an der Lebens und Erfahrungswelt der Schüler orientierten Sozialkundeunterricht die Rede, jedoch wird noch ergänzt, dass „der Unterricht die Schüler schrittweise zu einer methodisch und inhaltlich angemessenen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, der Umwelt und ihren Problemen führt. Grundlegende Aufgabe des Faches Sozialkunde ist es, die Schülerinnen und Schüler zur Gestaltung der Demokratie zu befähigen, wobei der demokratiekompetente Bürger als Leitbild angesehen wird“ (vgl. hess. Lehrplan Realschule für Politik und Wirtschaft 2002/03). In der Sekundarstufe I des Gymnasiums werden Unterrichtsziele genannt, die automatisch ein hohes Maß politischer Bildung einfordern: Hier ist die Rede von mündigen, informierten und sozial handelnden Bürgerinnen und Bürgern.
„Aufgabe des Faches Politik und Wirtschaft ist es, die Kenntnisse und Einsichten zu vermitteln, die zum Verständnis politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Sachverhalte erforderlich sind und die Grundlage eines politischen Urteils bilden sollen. Ziel ist eine verantwortliche Mitwirkung in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft vorzubereiten…Politische Bildung steht in einem engen Zusammenhang mit dem politischen Geschehen und der gesellschaftlich-politischen Entwicklung. Sie beschäftigt sich mit den gegenwärtigen und den für die zukünftige Entwicklung bedeutsamen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen“ (vgl. hess. Lehrplan Gymnasium für Politik und Wirtschaft 2002/03).
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Arbeit zitieren:
Jan Lukas Delp, 2003, Evaluation eines Planungsmodells der Politischen Bildung, München, GRIN Verlag GmbH
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