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Der Tschetschenien-Konflikt

Hauptseminararbeit, 2005, 21 Seiten
Autor: Robert Matzdorf
Fach: Jura - Europa- und VölkerR, IPR

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 21
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 22  Einträge
Sprache: Deutsch

Archivnummer: V44001
ISBN (E-Book): 978-3-638-41673-3

Dateigröße: 207 KB
Anmerkungen :
Der Zerfall der UdSSR zu Anfang der 90er Jahre bestärkte die Kaukasusvölker in ihrem Streben nach Unabhängigkeit. Doch während sich Aserbaidschan, Armenien und Georgien erfolgreich von der Russischen Föderation abspalten konnten, mündeten die tschetschenischen Unabhängigkeitsbestrebungen in zwei Kriegen, die zehntausende Todesopfer forderten und gigantische Flüchtlingsströme auslösten.



Textauszug (computergeneriert)

Der Tschetschenien-Konflikt

von: Robert Matzdorf

 


Gliederung

I. Einleitung 2

II. Historischer Hintergrund des Konfliktes 2

III. Der erste Tschetschenienkrieg (1994 – 1996) 5

IV. Zwischen den Kriegen 7

V. Der zweite Tschetschenienkrieg (1999-2002) 8

VI. Interessen am Krieg (Hintergründe, Ursachen) 11

VII. Tschetschenien und das internationale Recht 14

VIII. Internationale Reaktionen und Fazit 17

Literaturverzeichnis 18



 

Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der autonomen Republik Tschetschenien, die innerhalb Russlands, im nördlichen Vorland des Großen Kaukasus liegt. Mit einer Fläche von rund 15700 Quadratkilometern ist Tschetschenien in etwa mit dem deutschen Bundesland Schleswig- Holstein vergleichbar während die sich Einwohnerzahl nach offiziellen Angaben von russischer Seite auf etwa 1,16 Mio. beläuft. Der Zerfall der UdSSR zu Anfang der 90er Jahre bestärkte die Kaukasusvölker in ihrem Streben nach Unabhängigkeit. Doch während sich Aserbaidschan, Armenien und Georgien erfolgreich von der Russischen Föderation abspalten konnten, mündeten die tschetschenischen Unabhängigkeitsbestrebungen 1994 im ersten Tschetschenienkrieg, der laut Amnesty International in 21 Monaten vermutlich über 80000 Menschen das Leben kostete und einen 500000 Menschen umfassenden Flüchtlingsstrom auslöste. Der zweite Tschetschenienkrieg forderte ab 1999 mindestens ebenso viele Todesopfer und abermals hunderttausende von Flüchtlingen. Armut, Hunger, Plünderungen, Vergewaltigungen und weitere Menschenrechtsverletzungen sind bis heute an der Tagesordnung doch die Internationale Gemeinschaft beachtet den Konflikt kaum in gebührendem Maße. Anfangs überschattete die Intervention der Nato im Kosovo- Konflikt das Geschehen in Tschetschenien. Während sich die Augen der Weltöffentlichkeit 1999 auf den Balkan konzentrierten, rückten die Geiselnahmen in einem Moskauer Theater (2002) und in einer Schule in Beslan (2004) das Geschehen in der Kaukasusrepublik wieder ins Licht. Dabei kamen in Moskau 129 Geiseln und 41 Geiselnehmer ums Leben, in Beslan 338 Geiseln (darunter 155 Kinder) und 27 Geiselnehmer. Die Forderungen der Geiselnehmer nach dem Rückzug der russischen Truppen aus Tschetschenien ließen keine Zweifel daran aufkommen, dass es sich um tschetschenische Terroristen handelte, denen jedes Mittel recht war um ihre Ziele zu erreichen. Doch statt die Aufmerksamkeit der Welt in helfender Weise auf die Situation in Nordkaukasien zu lenk en, bieten derartige Aktionen in erster Linie Zündstoff für die Argumentationen Moskaus. Russland deklariert seine Truppen in Tschetschenien als seinen Beitrag im „Krieg gegen den Terrosismus“ und verschafft sich somit zumindest ein Stillschweigen der westlichen Welt. Der Konflikt zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer existiert jedoch nicht erst seit dem 11. September 2001 sondern hat eine weit zurück reichende Geschichte.

Historischer Hintergrund des Konfliktes

In den Geschichtsbüchern taucht der erste russische Stützpunkt in Tschetschenien bereits 1559 auf. Die damals erbaute Festung Tarki wurde 1707 von tschetschenischen Stämmen zer- stört, die sich unter der Flagge des Dschihad gegen die Russen erhoben hatten. 1 1829 begann das imperialistische Zarenreich Russland einen über 60 Jahre andauernden Krieg gegen die Bergvölker im Kaukasus. Das Oberhaupt der muslimischen Bergvölker Tschetscheniens und Dagastans, Imam Schamil, machte sich zu dieser Zeit als Führer das antirussischen Widerstandes einen Namen, konnte die Eroberung des Kaukasus durch Russland jedoch nur verzögern. Ihm war es gelungen, am nordöstlichen Kaukasus einen auf der Scharia gegründeten Staat auszurufen, das „Imamat Schamils“. Dieser Staat behauptete sich 30 Jahre lang gegen die Vorstöße russischer Armeen in die Region, bis es Russland letztlich in einem dreijährigen Feldzug mit über 300000 aktiven Soldaten gelang, das Imamat zu unterwerfen. Schamil kapitulierte 1859, worauf hin das Zarenreich Zwangsmaßnahmen gegen die Bevölkerung des Nordkaukasus einleitete. Diese beinhalteten beispielsweise Umsiedlungen von ganzen Völkern, um diese besser kontrollieren zu können sowie eine repressive Emigrationspolitik, in deren Folge rund ein Fünftel der Tschetschenen (39000 Menschen) in die Türkei auswanderte. Die faktische Verbannung betraf aber die Tscherkessen in einem wesentlich größeren Ausmaß: Über eine halbe Million von ihnen war gezwungen ins Osmanische Reich zu emigrieren. 2 Nach der Februarrevolution 1917 versuchte Nordkaukasien erneut einen eigenen Staat aufzubauen. Der erste Kongress des Nordkaukasus setzte eine provisorische Regierung ein und erklärte 1918 die vollständige Unabhängigkeit von Russland. Diese wurde von Deutschland, Östereich-Ungarn und der Türkei zwar anerkannt. Der neue Staat wurde jedoch sofort von der Freiwilligenarmee des russischen Generals Denikin angegriffen, welcher die Sowjetherrschaft gegen harten Widerstand durchzusetzen vermochte. Es dauerte nicht lange bis der Scheich Usun Hadschi im September 1919 sein „Nordkaukasisches Emirat“ über Tschetschenien ausrief. Der diesmal stärker islamisch geprägte Staat wurde zunächst von den Bolschewiki anerkannt, bald aber wieder an Russland angegliedert. Im Folgejahr 1920 wurde Tschetschenien von Stalin in die „Berg-Sowjetrepublik“ eingegliedert, in deren innere Angelegenheiten sich Russland nicht einmischen wollte. Diese Bergrepublik bestand allerdings nur zwanzig Monate, danach spalteten sich immer mehr autonome Provinzen von ihr ab – im Dezember 1922 auch Tschetschenien. Von 1929 bis 1932 kämpfte die rote Armee gegen nordkaukasische Partisanen und konnte den Aufstand schließlich niederschlagen. Die autonome Tschetschenische Provinz wurde 1934 mit Inguschetien zusammengeschlossen und 1936 in eine Autonome Sowjetrepublik (ASSR) umgewandelt.3 Das Volkskommissariat für innere Angelegenheiten (NKWD) verhaftete in einer Blitzaktion am 1. August 1937 fast 14000 angebliche Konterrevolutionäre (rund 3% der Gesamtbevölkerung) um sie zu verurteilen und zu liquidieren. Um die Exekutione n so vieler Menschen zeitgerecht vollstrecken zu können, wurde eigens eine hermetisch von der Außenwelt abgeriegelte Exekutionshalle errichtet. Schussanlagen wurden von außen in die Wände und die Decke eingelassen, die Leichen bei Nacht in Massengräber abtransportiert. Im Januar 1940 weitete sich der bewaffnete Widerstand, der nie ganz aufgehört hatte, nochmals zu einem umfangreichen Aufstand aus. Obwohl deutsche Truppen nirgendwo tschetschenisches Territorium erreichten, und zwei tschetschenische Freiwilligendivisionen gegen die deutschen Aggressoren aufgestellt wurden, warfen Stalin und die KPdSU dem tschetschenischen Volk Kollaboration vor. Infolgedessen fasste man 1943 in Moskau den Beschluss, die Tschetscheno-Inguschische Republik zu liquidieren und ihre gesamte Bevölkerung zu deportieren.

[...]


1 Vgl. Der Spiegel 44/2002

2 Vgl. Grobe-Hagel 2001 S. 57

3 Vgl. Grobe-Hagel 2001 S. 59 ff


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