Ein Porträt des Propheten Micha: seine Person
und seine Botschaft - eine Spurensuche
(Facharbeit Altes Testament, Essay)
von: Karsten Spilling (Ideesamkeit)
Inhaltsverzeichnis
Die Formel für Gerechtigkeit 3
Zu Situation und Anwendungsbereich 3
Das Veto Gottes 5
Mischpath und „Die Formel der Gerechtigkeit“ 5
Auswirkungen der Formel für Gerechtigkeit 7
Literaturverzeichnis 8
Vorbemerkung
Der vorliegende Essay verzichtet entsprechend der lexikalischen Definition auf die Vollständigkeit des behandelten Gegenstandes. Um dem Anliegen der Micha’schen Prophetie gerecht zu werden, die Bedeutung der Heilsgeschichte Israels für die Gegenwart Michas zu berücksichtigen (s o Grimm 26), ist die Botschaft dieses Propheten im vorliegenden Essay ihrerseits auf die heutige Gegenwart aktualisiert. Moderne Umschreibungen sowie Anachronismen sollen den heutigen Leser einerseits ansprechen. Der bibelkundige Leser andererseits wird diese scheinbaren „Ungenauigkeiten“ in geschichtlicher Hinsicht leicht selbst erkennen und erklären können, sodass ich auf Platz raubende Fußnoten weitgehend verzichte. Die Formel für Gerechtigkeit
Wirtschaftsförderung, spirituelle Ressourcen, Durchsetzung eigener Ansprüche: Mit diesen Aspekten befasst sich ein bislang als Geheimtipp gehandelter Experte für Wirtschaft und Spiritualität. Der in der Fachwelt unter dem Namen „Micha“ bekannte Autor hat jetzt seinen neuesten „Essay“ herausgebracht: „Die Formel für Gerechtigkeit“. Darin kombiniert er in bisher nicht bekannter Weise Erfahrungswerte aus Wirtschaft und Handel mit Erkenntnissen aus dem geistlichen Bereich. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: „Mischpath“ lautet der Schlüsselbegriff, der „Recht“ im umfassenden Sinne und somit auch die Formel für Gerechtigkeit beschreibt.
Zu Situation und Anwendungsbereich
Ungewöhnlich an dieser Formel ist – möglicherweise, dass sie beansprucht, staats- und kulturübergreifend gültig zu sein1. Das Ungewöhnliche an dieser Formel ist – auf jeden Fall – die Quelle, auf die sich Micha beruft. Ungewöhnlich ist weiterhin, dass sie sämtlichen gängigen Prognosen und Analysen über Wirtschaft und Staat widerspricht. Das bedeutet im Einzelnen: Auch wenn sich die Untersuchungen über Wirtschaft und Gesellschaft auf das Fallbeispiel der israelischen2 Stadt Jerusalem beziehen, so lassen sich die Ergebnisse der Micha’schen Studie doch auf andere Staaten, etwa auf Deutschland, übertragen. Entscheidend sind dafür nicht nur die Ähnlichkeiten der kulturellen Situation – entscheidend ist auch die staatsübergreifend höchstmögliche Autorität, die hinter seiner Aussage steht: Micha ist bevollmächtigter Sonderbotschafter von – Gott3. Diese Legitimation durch den höchsten Inhaber aller Regierungsgewalt über sämtliche Kulturen und Wirtschaftssysteme hinweg verleiht der Verlautbarung in jeglicher Hinsicht ein besonderes Gewicht.
Politische Korrektheit? Fehlanzeige. In seinem Essay verzichtet Micha auf Schönfärberei der üblichen Art4: rosige Prognosen; Friede, Freude, Eierkuchen; Wirtschaftsaufschwung. In seinen Analysen beurteilt er die Gegenwart messerscharf – und zieht erstaunliche Querverbindungen zwischen Wirtschaft und Spiritualität. Erfolg in Geschäft und Politik beruht - in der Umgebung Michas5 - auf zwei Standbeinen: Auf der Wirtschaftsförderung einschließlich der Durchsetzung eigener Ansprüche einerseits und auf der Nutzung spiritueller Ressourcen andererseits. Wirtschaftsförderung wird in der Umgebung Michas vorwiegend durch Gütervermehrung betrieben. Kreditgeber, Stadträte, Behörden und andere Leute von Rang und Namen haben ein erstaunliches Geschick entwickelt, um ihren Einflussbereich auszuweiten6.
[...]
1 Mi 1,2 - auch wenn danach hauptsächlich auf Israel bezogen.
2 Im alttestamentlichen Sinne: die judäische Stadt.
3 Mi 3,8. Entsprechend seiner Aufgabe als Diplomat Gottes tritt Michas Person hinter seinen Auftrag zurück. Lediglich sein vollständiger Name „Michajahu“ („Wer ist wie Jahwe (Gott)?“) ist bekannt und deutet auf den Inhalt seiner Botschaft hin. Seine Heimatstadt ist ein kleiner Ort namens „Moreschet“ in Juda. Trotz der heutigen Aktualität des Essays ist die eigentliche Amtszeit Michas bereits zwischen 750 und 690 v. Chr. gewesen, zur Zeit der Könige Jotam bis Hiskia. (Um den Fehlschluss zu vermeiden, die Bekanntmachungen Michas seien damit überholt, wurde diese Angabe in die Fußnote ausgelagert.) Über alle weiteren Einzelheiten zur Biografie des Propheten liegen bedauerlicherweise keine gesicherten Erkennt nisse vor. Calwer 910 + Stutt.1116.
4 Die von Micha aufgegriffenen Themen waren „nicht üblich“, tabu: vgl. Mi 2, 6 + 11.
5 Ausdrücklich auf die Zeit Michas bezogen. Genauso ausdrücklich dürfte aber auch die Botschaft zwischen den Zeilen auf die heutige Zeit zu beziehen sein.
6 Vgl. Mi 2, 1-2.
Arbeit zitieren:
Karsten Spilling, 2003, Ein Porträt des Propheten Micha: seine Person und seine Botschaft - eine Spurensuche (Facharbeit Altes Testament, Essay), München, GRIN Verlag GmbH
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