Homiletisches Exerzitium –
Prüfungs-Predigt über Joh 6, 30-35
von: Karsten Spilling (Ideesamkeit)
Inhaltsverzeichnis
I) Persönliche Betrachtung 3
1. Einfälle zum Text 3
2. Dreifache Befragung der Verse (Am Beispiel von V.32) 3
3. Vor-Sätze zum Text 3
II) Exegetische Arbeit 4
1. Text 4
2. Form 4
3. Ort 4
4. Wort 5
5. Ziel 6
III) Homiletische Besinnung 7
1. Gemeinde 7
2. Systematisch-Theologische Reflexion 8
3. Predigtinvention 10
IV) Interpretierende Darlegung 11
V) Anhang (Literaturverzeichnis) 21
VI) Anhang (Ablauf) 221
I) Persönliche Betrachtung
1. EINFÄLLE ZUM TEXT
Die Verse in Joh 6, 30-35 sprechen mich in vielfältiger Weise an und erinnern mich z. B. daran, dass Gottes Handeln in meinem Leben zumeist mehrdeutig ist (30)1 2: Mein Vertrauen auf Gott bleibt trotz Zeichen gefragt3. Betroffen macht mich das Zitat aus Psalm 784. In ausweglosen Situationen, etwa bei meiner Stellenuche, zweifle ich in ähnlicher Weise an Gottes Führung5. Auch die verschiedenen Arten des Hungers und die damit verbundene Verwechslungsgefahr bezüglich Jesu Verheißungen sind mir bekannt. Der Abschnitt ermutigt mich, meine Aufmerksamkeit immer wieder auf Gott statt auf Menschen auszurichten (32), und immer wieder Jesus als Leben spedendes Brot aufzunehmen.
2. DREIFACHE BEFRAGUNG DER VERSE (AM BEISPIEL VON V.32)
Anhand von Vers 32, wo sich die Übertragung des Bildwortes vom Brot auf Jesus anzudeuten beginnt, sei die Befragung der Verse dargestellt6: a) Vorgang: Jesus gibt weiter, was er von Gott hört7. Er positioniert Gott vor Mose und das wahre Himmelsbrot vor bloßem Himmelsbrot. b) Heilsgeschehen: Jesus rückt rettend 8 den Blick zurecht, weg vom Menschen hin zu Gott, von vergänglicher Speise hin zum wahren Brot. c) Betroffenheit: Jesus redet mit mir, schweigt hier nicht. Er will meinen Blick für sich öffnen. Gott „gibt“ (Gegenwart): Gott ist gegenwärtig!
3. VOR-SÄTZE ZUM TEXT
1. Vertrauen gefragt: Gottes Zeichen sind mehrdeutig. 2. In ausweglosen Lagen Gott zu vertrauen fällt schwer. 3. Jesus rückt meinen Blick zurecht. 4. Er ermutigt, sich auf ihn bzw. auf Gott auszurichten. 5. Er, das wahre Brot des Lebens, sättigt den eigentlichen Lebenshunger. 6. Jesus redet hier – er schweigt nicht. 7. Gott gibt jetzt: Er ist in Jesus gegenwärtig! 8. „Offenes Ende“: Jesu Aussage (35) lädt ein, zu ihm zu kommen.
II) Exegetische Arbeit
1. TEXT
Ins Gewicht fallende textkritische Überlegungen sind nicht vorhanden9.
2. FORM
Die vorliegende Perikope lässt sich wie folgt gliedern10: V 30-31 Juden: Zeichenforderung und Nennung des Themas (Brot) V 32-33 Jesus: entgegnende Richtigstellung und Horizonterweiterung bezüglich des Begriffes „Brot“ (Übertragung Teil 1) V 34 Juden: Bitte um diese Leben gebende Brot V 35 Jesus: vollständige Deutung des „Brotes des Lebens“ auf Jesus selbst hin (Übertragung Teil 2) Der zur Gattung der Streitgespräche zwischen Jesus und den Juden (41) gehörende Abschnitt11 lässt sich vom unmittelbaren Kontext nur bedingt abgrenzen12. Für die Abgrenzung spricht die Einheit durch das Manna-Motiv und die Änderung der Blickrichtung hin auf das wahre Brot vom Himmel (30-35) sowie der Rückblick (36) und der den Vers 35 ausführende Charakter der anschließenden Verse13. Ein entscheidender Grund, mit Vers 35 zu schließen, dürfte mit Blick auf die Predigthörer das positiv-einladende, offene Ende sein14.
3. ORT
Im engeren Kontext der Perikope fallen die ebenfalls das Thema „Brot“ behandelnde Speisung der 5000 (1-14) ins Auge, das Wort von der unvergänglichen Speise (27) und die Übertragung des Begriffes „Brot“ auf „Jesu Fleisch“ 15. Ziel16 des laut Rein17 nicht näher zu identifizierenden Verfassers ist es, Jesus Christus als Sohn Gottes (20,30) vor Augen zu malen, damit die Adressaten18 ermutigt werden, an Jesus zu glauben, sodass sie das ewige Leben haben19. Die Perikope steht im ersten Hauptteil des Evangeliums, der Jesu Auseinandersetzungen20 mit den Juden beschreibt. Der Streit zwischen Jesu Nachfolgern und Judentum kann als Sitz im Leben gelten. Der Skopus liegt in der Vergewisserung der Christen: Jesus allein ist das Brot des Lebens, das wahre Leben.
4. WORT
[...]
1 In Klammern: Versangaben aus Joh 6 bzw. Vers und Kapitel aus Johannes.
2 Hinweis Gottes oder aber „zufälliges“ Geschehen ohne Beweiskraft.
3 Oft vergesse ich Gottes Taten auch wieder oder übersehe den eigentlichen Geber (32). Wie bei der Speisung der 5000 (6, 1-14), die der Zeichenforderung genügt hätte.
4 Die Väter hofften trotz aller bisherigen Erfahrungen nicht auf Gottes Hilfe.
5 Verläuft alles glatt, lässt sich leicht glauben. In einer Wüste sieht das anders aus.
6 Brotrede sowie Kontext antworten auf die Frage „Wer ist Jesus?“. Vgl. Maier 264.
7 Amen, Amen: Bekräftigung dessen, was Jesus vo n Gott hört. Kettling.
8 Bemerkenswert ist, dass Jesu Name („Jahwe ist Hilfe/Heil“ vgl. die Artikel „Joschua“ und „Jesus Christus“, Calwer Bib.) mit seinem Auftrag und Handeln in Einklang steht.
9 Ein Teil der Lebensbrotrede Jesu in Joh 6,22-71.Vgl. etwa Schnelle 121 Fußnote 31.
10 Neben inhaltlichen und personenbezogenen Aspekten legt besonders das anaphorische eipon/ eipen (oun) (30;32;34;35) diese Gliederung nahe.
11 So weiter gefasst mit Nörenberg 84. Eine engere Begrenzung auf das Stichwort „Brot“ an sich (30-51), wie Schnelle angibt, ist genauso gut möglich.
12 Denn Orts-, Zeit- und Personenwechsel als typische Kriterien liegen nicht vor.
13 Formal bindet das bereits erwähnte eipon/ eipen (oun) die Verse 30-35 aneinander.
14 Mit Vers 36 würde den Hörern diese Einladung quasi wieder abgesprochen werden.
15 Anspielung auf Jesu Sühnetod und das Abendmahl. Die Verbindung zwischen Brot und Jesu Leib bzw. Abendmahl sehen nicht alle Aus leger so. Dennoch überträgt Jesus selbst den Begriff „Brot“ auf sein „Fleisch“. Auch Wilckens („eucharistische Speise“, 100) und Voigt („Lebensbrot im Sakrament“, 327) sehen diesen Zusammenhang.
16 Vgl. Maier 264: „Wer ist Jesus?“.
17 Im Folgenden Rein 152 – 155. Der Verfasser des Joh-Ev. ist vermutlich Judenchrist.
18 Juden- und Heidenchristen um 90-100 n. Chr
19 Schon im Prolog: Das „Leben“, das Jesus ist, als Charakteristikum Christi. Rein 146.
20 Sowie Jesu öffentliches Wirken „vor aller Welt“. Rein 144.
Arbeit zitieren:
Karsten Spilling, 2005, Homiletisches Exerzitium - Prüfungs-Predigt über Joh 6, 30-35, München, GRIN Verlag GmbH
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