Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Untertitel: Spiegeln sich in der Figur des „Judenraphaels“ in der gleichnamigen Novelle antisemitische Tendenzen des Autors wieder?
Wissenschaftlicher Aufsatz, 2004, 38 Seiten
Autor: Johannes Temeschinko
Fach: Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Details
Tags: Leopold, Sacher-Masoch
Jahr: 2004
Seiten: 38
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 18 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-41236-0
ISBN (Buch): 978-3-638-74427-0
Dateigröße: 253 KB
Ursprünglicher Text war eine Haupseminararbeit, wurde überarbeitet!
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Zusammenfassung / Abstract
Wie auch immer die vorhandene Sekundärliteratur aufgenommen wird, läuft die Beschäftigung mit Leopold von Sacher-Masoch heute letztlich auf eine Reduktion seines Schaffens und den ewig schlecht beleumundeten Nachruhm in der "Psychopathia sexualis" des Psychaters Richard Krafft-Ebing hinaus. Der Aspekt des Philo- wie Antisemitismus in seinen Judengeschichten, welcher in der vorliegenden Hausarbeit den eigentlichen Kern bildet, kann nicht als einzelne Ghettonovelle ohne den Hintergrund von Aufstieg und Niedergang des Autors erörtert werden, wobei aufgrund der immensen Nachwirkung bis in die heutige Zeit leichtfertig der Eindruck entstehen kann, „Sacher-Masoch sei ein 'Pornograph', der gewissermaßen nebenbei auch noch einige Ghettogeschichten veröffentlicht hatte“. (Svetlana Milojevic, 1998) Am Beispiel einer nicht ganz exemplarischen Novelle soll gezeigt werden, dass diese Auffassung gänzlich absurd ist und ohnehin dem Facettenreichtum Sacher-Masochs nur in einer Haltung von Neid und Niedertracht gerecht würde, obgleich beide Fragestellungen – die Rechtfertigung seiner Namensentwertung durch die Bezeichnung Masochismus und die Frage nach einem latenten Antisemitismus in der Figur des ‚Judenraphaels’ – auf den ersten Blick ohnehin keinen gemeinsamen Nenner im Gesamtwerk des Autors zu besitzen scheinen. Vornehmlich richtet sich zuerst der biographische Abriss neben dem Lebensweg des Autors auch auf die prägenden Aspekte seiner Herkunft, die einen Rückschluss auf die Haltung gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen des Vielvölkerstaates der Habsburger k.u.k. Monarchie zulassen. Im Hauptteil wird die Novelle hinsichtlich ihrer Handlung und insbesondere der Symbole und Figurenkonstellation untersucht, woran sich abschließend unter Berücksichtigung eines weiteren Sammelbandes mit Erzählungen Sacher-Masochs die Frage anschließend, inwiefern die Hauptfigur in "Der Judenraphael" antisemitische Züge aufweist. Daraus wird in der Folge die politische Haltung des Autors nochmals einer Prüfung unterzogen, um zu belegen, dass gerade diese Novelle nicht repräsentativ für Sacher-Masochs eigene Weltauffassung ist oder sich nur durch einen Querschnitt mehrerer Protagonisten seine persönliche Haltung gegenüber gesellschaftspolitischen Problemen des 19. Jahrhunderts konstruieren ließe. (Johannes Temeschinko)
Textauszug (computergeneriert)
MANUALLeopold von Sacher-Masoch
Spiegeln sich in der Figur des „Judenraphaels“ in der gleichnamigen Novelle antisemitische Tendenzen des Autors wider?
von Johannes Temeschinko
Inhalt:
1.)Leben und Werk von Leopold von Sacher-Masoch ... 2 - 6
2.)Die Situation der galizischen Juden um 1880 ... 6 - 10
3.)Der Judenraphael ... 11 - 29
3.1.) Handlung der Novelle ... 11 - 20
3.2.) Symbole der Novelle ... 20 - 22
3.3.) Figurenkonstellation der Novelle ... 22 - 29
4.)Sacher-Masoch als Schriftsteller über Juden ... 30 – 36
5.) Literaturliste ... 37 – 38
1.Leben und Werk von Leopold von Sacher-Masoch
Da der Name des Autors Sacher-Masoch scheinbar auch in heutiger Zeit noch untrennbar mit dem sexualpathologischen Neologismus zur Bezeichnung der sexuellen Unterwerfung zwecks Lustgewinn, namentlich dem Masochismus, verbunden zu sein scheint, ist es beinahe unmöglich, einen biografischen Überblick über das literarische Schaffen des österreichischen Autors zu geben, ohne zugleich auf diesen Teil seines Werks besonders verweisen zu müssen.
Ich habe diesen Eindruck aus vielen, wenn nicht beinahe allen Quellen der Sekundär-literatur1 gewonnen und möchte anfügen, dass jede Erwartung einer näheren Untersuchung jener berechtigten oder unberechtigten Namensverwendung durch den Psychiater Richard Krafft-Ebing unerfüllt bleiben wird. Denn wie auch immer die vorhandene Sekundärliteratur aufgenommen wird, läuft jede Beschäftigung mit Leopold von Sacher-Masoch letztlich auf eine ebensolche Reduktion seines Schaffens und den ewig schlecht beleumundeten Nachruhm in der Psychopathia sexualis2 hinaus.
Der Aspekt der Judengeschichten, welcher in der vorliegenden Hausarbeit den eigentlichen Kern bilden wird, kann natürlich nicht als einzelne Ghettonovelle ohne den Hintergrund von Aufstieg und Niedergang des Autors erörtert werden, wobei aufgrund der immensen Nachwirkung bis in die heutige Zeit leichtfertig der Eindruck entstehen kann, „Sacher-Masoch sei ein ′Pornograph′, der gewissermaßen nebenbei auch noch einige Ghettogeschichten veröffentlicht hatte“.3
Am Beispiel einer nicht ganz exemplarischen Novelle soll gezeigt werden, dass diese Auffassung gänzlich absurd ist und ohnehin dem Facettenreichtum Sacher-Masochs nur in einer Haltung von Neid und Niedertracht gerecht würde, obgleich beide Fragestellungen – die Rechtfertigung seiner Namensentwertung durch die Bezeichnung Masochismus und die Frage nach einem latenten Antisemitismus in der Figur des ‚Judenraphaels’ – auf den ersten Blick ohnehin keinen gemeinsamen Nenner im Gesamtwerk des Autors besitzen.
Vornehmlich richtet sich zuerst der folgende biographische Abriss neben dem Lebensweg des Autors auch auf die prägenden Aspekte seiner Herkunft, die einen Rückschluss auf die Haltung gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen des Vielvölkerstaates der Habsburger k.u.k. Monarchie zulassen.
Als Leopold am 27. Januar 18364 im galizischen Lemberg5 das Licht der Welt erblickt, erfüllt sich damit der Wunsch seiner bis dahin kinderlosen Eltern. Im Verlauf seiner Kindheit sollen noch vier Geschwister folgen. Sein Vater, ebenfalls Leopold von Sacher Ritter von Kronenthal, ist als Stadthauptmann Lembergs Beamter seiner Majestät, seine Mutter Charlotte die Tochter des Medizinprofessors Franz von Masoch, der seinerzeit als Koryphäe gilt, womit beide Elternteile standesgemäß hohe Positionen im gesellschaftlichen Leben Lembergs bekleiden. Nur aufgrund fehlenden männlichen Nachwuchses in der Linie der von Masoch wird der Familie 1838 per kaiserlichem Dekret gestattet, den Doppelnamen von Sacher-Masoch zu führen, der insbesondere aufgrund des zweiten Teils, von dem Krafft-Ebing 1890 den Begriff des Masochismus ableitet, zum Stigma des damals zweijährigen Leopold wird.
Den bereits zu Lebzeiten bekannten Mediziner und Großvater Franz von Masoch begleitet der Junge in seiner Kindheit oftmals zu den Hausbesuchen seiner Patienten. Unter anderem auch zu den Juden des Lemberger Ghettos und aufgrund dieser frühen Einführung in die hebräische Kultur vermuten nicht wenige Kritiker seine spätere Affinität zu Themen des jüdischen Alltagslebens und der überlieferten Bräuche des Volk Gottes.
Die Zeit der Restauration als Folge des Wiener Kongresses erlebt Sacher-Masoch nur als Kind, wobei meines Erachtens von den Straßenkämpfen im März 1848 ohnehin nur ein kümmerliches Echo bis in die entfernten Provinzen des Großreiches Habsburg gedrungen sein wird. Er ist aber einer der ersten Autoren in der Ära des nachmärzlichen Österreich, nachdem Metternich, als Symbolfigur für das System der alten Ordnung, abdanken muss und im Mai 1848 eine verfassungsgebende Reichstageinberufung stattfindet.
Trotz der Niederschlagung diverser Aufstände in den nicht deutschsprachigen Teilen Österreichs findet hier doch früher als im verfeindeten Preußen eine moderne Haltung gegenüber dem Staat und seinen Aufgaben ihren Ursprung, die nicht zuletzt eine literarische Freiheit, wenn nicht gar Freizügigkeit nach sich zieht.
Dennoch schlägt Leopold von Sacher-Masoch vorerst einen seinem Stand entsprechenden Lebensweg ein, anstatt bereits als Jugendlicher seiner Vorliebe für das Theater und dem Schreiben vollends stattzugeben, indem er sich 1853 an der Universität von Prag nach der dort erworbenen Matura für das Studium der Geschichte einschreibt.
Es gilt als nicht einwandfrei belegt, dass er seinem Vater zuliebe ein Jurastudium vorzog, weil dieser ihn gern in der ähnlichen Rolle des Staatsbeamten in seiner Nachfolge sehen möchte. Sacher-Masoch promoviert 1856, als er das zweite Lebensjahrzehnt noch nicht vollendet hat, an der Universität von Graz – nach einem weiteren Umzug, bedingt durch den Posten seines Vaters, die Mutter ist mittlerweile verstorben – und reicht dort noch im selben Jahr seine Habilitationsschrift ein.
Man kann Sacher-Masoch demzufolge ohne Übertreibung einen geisteswissenschaftlichen ‚Tausendsassa’ nennen, der früh in seinem Leben die Weichen stellt, wobei zweifelsohne die Herkunft und Rang seiner Familie dazu einen nicht unwesentlichen Anteil beitragen.
1860 gibt er eine Stellung als Privatdozent auf, um sich nach dem Erfolg seiner ersten beiden Romane – „Graf Donski. Eine galizische Geschichte “ und „Der Emissär“ – ausschließlich dem Leben als freier Schriftsteller widmen zu können.
Nach einem literarisch außerordentlich produktivem Jahrzehnt erscheint 1869 die Novelle „Venus im Pelz“ als ein Abschnitt der als Zyklus angelegten Novellensammlung „Das Vermächtnis Kains“, in welcher die sechs essentiellen Themen Liebe, Eigentum, Arbeit, Staat, Krieg und Tod6 in jeweils sechs Novellen behandelt werden sollten, jedoch nur fragmentarisch in den realisierten Abschnitten der ‚Liebe’ und zum Teil des Zyklus` ‚Eigentum’ vorliegen.
Sacher-Masoch schreibt viel, denn er muss seinen unsteten Lebenswandel, der zum Teil zu einer Vorverurteilung seiner Werke aus heutiger Sicht beiträgt, durch den mehr oder weniger konstanten Absatz von Literatur sichern, wobei die Nennung aller Bücher und der unzähligen Zeitschriftenbeiträge den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
Als Schriftsteller aus Berufung und dennoch dieser Passion unterworfen, in dem Zwang lebend, in ihr permanent reüssieren zu müssen, spaltet sich die Meinung der Leserschaft seiner Erzählungen, die als reine Unterhaltungskunst wohl den höheren Ansprüchen genügen, früh in positive Urteiler – hier insbesondere in Frankreich, dass aufgrund der großen Revolution von 1789 als liberaler und fortschrittlicher gelten darf – sowie die Überzahl seiner lebenslangen Kritiker.
[...]
1 Ausnahmen sind hier insbesondere Horch (1989), Glasenapp (1996) sowie Farin (1985).
2 Krafft-Ebing. Neue Forschungen auf dem Gebiete der Psychopathia sexualis, 1890.
3 Milojevic 1998, S. 25.
4 Alle biographischen Angaben vgl. Milojevic 1998, S.28 ff.
5 siehe Karte 90/91 „Europa nach dem Wiener Kongress 1815“ in: Leisering (Hg.) 1992, S. 90f.
6 Vgl. O´Pecko 1998, S.475.
Kommentare
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Arbeitslosigkeit
Autoren: Christine Steinhagen, Christin MosebachUnterrichtsentwurf, 2003Als PDF-Datei downloaden für 11,99 EUR
Theodor Fontanes Irrungen, Wirrungen
Autor: Claudia SchneiderHauptseminararbeit, 2002Als PDF-Datei downloaden für 7,99 EUR
Die Hartz IV-Bestimmungen - Reformversuche für den Sozialstaat
Autor: Steffen KnäbeUnterrichtsentwurf, 2006Als PDF-Datei downloaden für 6,99 EUR
Freiarbeit in der Montessorischule
Autor: Kathrin ZiesemannHausarbeit, 2001Als PDF-Datei downloaden für 4,99 EUR
Was ist ein Wort?
Autor: Dipl. Kffr. Jessica SchmidtHausarbeit, 2003Als PDF-Datei downloaden für 3,49 EUR
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:



Bisher keine Kommentare