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(LQOHLWXQJ %HGHXWXQJGHU0DILD 1.1 Der Begriff 1 1.2 Der Einfluß 2 (QWVWHKXQJGHUUXVVLVFKHQ0DILD 2.1 Mafia in der Sowjetunion 5 2.2 Mafia in Rußland 8 $NWHXUH
3.1 Das Organisierte Verbrechen 9 3.2 Die halblegale Wirtschaft 10 3.3 Die Staatsbürokratie 11 3.4 Das Beziehungsgeflecht der Akteure 13 0DQDKPHQ]XU%HNlPSIXQJGHU0DILD =XVDPPHQIDVVXQJ
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Printliteratur 17 Internet-Literatur 17
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Über die russische Mafia ist in den letzten Jahren viel geschrieben worden. Oft handelte es sich um medial ausgeschmückte Horrorgeschichten, in deren Mittelpunkt Erpressung, Raub, Menschenhandel, Drogenschmuggel oder gar Mord durch das „Organisierte Verbrechen“ standen. Während sich die deutsche öffentliche Meinung bei ihrer Einschätzung der sogenannten Russen-Mafia vielfach an Geschehnissen im Inland orientierte - erinnert sei an die Umstände des Abzuges der Westgruppe der Sowjetischen Streitkräfte aus der vormaligen DDR -, soll es in dieser Hausarbeit primär darum gehen, die vielfältigen Verknüpfungen von Mafia und Gesellschaft in Rußland selbst aufzuzeigen. Dabei geht es dem Autor insbesondere darum, darzulegen, um welche Akteure es sich bei der sogenannten Mafia handelt und inwieweit die Mafia die russische Wirtschaft beeinflußt oder gar kontrolliert. In dieser Hausarbeit stehen die Akteure der Mafia im Mittelpunkt, die sich auf Wirtschaftsbereiche spezialisiert haben, die in unmittelbarem Maße der russischen Wirtschaft Schaden zufügen, unter anderen gesellschaftlichen Umständen aber problemlos in die offizielle Wirtschaft integriert werden könnten bzw. mafiose Aktivitäten, die damit in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Keine Berücksichtigung finden sollen auf den folgenden Seiten - obgleich auch dieser Bereich einen relevanten ökonomischen Faktor darstellt - mafiose Akteure, die ihr Geld mit grob rechts- und sittenwidrigen Aktivitäten verdienen, wie es u.a. beim Handel mit Drogen oder Menschenschmuggel der Fall ist.
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1.1 Der Begriff
Zunächst sollte die Frage geklärt werden, was man überhaupt unter der „russischen Mafia“ versteht. Der Begriff ist sehr schwammig, zumal er auch seine Ursprünge im sizilianischen Raum hat. 1 Der Begriff sagt auch nichts über die ethnische Zugehörigkeit von Angehörigen der kriminellen Unterwelt aus - es handelt sich vielmehr um Personen verschiedenster Volksgruppen und Nationalitäten -, er macht
1 LALLEMAND, Allain: Russische Mafia - der Griff zur Macht. Das Netzwerk zwischen Moskau, Berlin und New York, München: Knaur 1999, S. 12.
lediglich deutlich, daß die russische Hauptstadt Moskau bedeutendes Zentrum weltweiter Kriminalität ist. 2
Der Soziologe Alexei Lewinson definiert die russische Mafia als „höchste von allen illegalen Strukturen, die nicht offiziell handeln“. 3 Der Mafia komme eine Art Vermittlerfunktion zwischen Kriminellen und Staat zu. 4 Es lassen sich zudem drei verschienene Formen des Organisierten Verbrechens unterscheiden, wie sie nachfolgend von Alexandre Konanykhine charakterisiert wurden.
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Dieser Arbeit beschäftigt sich lediglich mit dem ersten und dritten Typ.
1.2 Der Einfluß
In kaum vorstellbarem Maße beeinflußt die russische Mafia heute die ökonomische Entwicklung der Russischen Föderation. Die russische Mafia ist keineswegs das alleinige Produkt des Zerfalls der Sowjetunion, es gab auch schon in der UdSSR so etwas wie Mafia und Schattenwirtschaft, begünstigt durch die vielfach schlechten Lebensumständen großer Teile der Bevölkerung und weit verbreiteter Bereitschaft zur Korruption in den Eliten von Wirtschaft und Bürokratie. Folglich ist die russische Mafia ein Sprößling ihrer Vorgänger im sowjetischen System, ohne aber ihr unmittelbarer Nachfolger zu sein.
2 LALLEMAND, A.: Russische Mafia, S. 11 f.
3 BONAVITA, Petra: Rußland im Griff der Mafia. Paten, Bürokraten, Bisnessmeni, Heilbronn: Distel Verlag 1999, S. 91.
4 BONAVITA, P.: Rußland im Griff der Mafia, S. 91. 5 Alexandre KONANYKHINE / Elena GRATCHEVA: Mafiocracy in Russia, http://www.konanykhine.com/mafiocracy.htm vom 26.03.2002.
Obgleich es also auch schon zu Sowjetzeiten eine Mafia gab, hat sie doch erst nach dem Zusammenbruch des einst allmächtigen Imperiums zu ihrer heutigen Bedeutung gefunden. Einige Autoren sprechen im Zusammenhang mit Russland sogar von einer dort herrschenden „Mafiocracy“, also einer Gesellschaftsordnung, die nach den Spielregeln der Mafia organisiert ist. 6
Allein die Zahlen geben schon einen Eindruck, welches Ausmaß die Existenz der russischen Mafia für die Gesellschaft angenommen hat. Das russische Innenministerium schätzt, daß 40 Prozent der privaten und 60 Prozent der staatlichen Unternehmen Rußlands sowie die Hälfte der Banken, vom sogenannten Organisierten Verbrechen kontrolliert werden. Demnach wären etwa zwei Drittel der russischen Wirtschaft direkt oder indirekt in der Gewalt der Mafia. 7 Laut Rußlands Vizeinnenminister Koschewnikow verfügte die Mafia 1996 über 94.000 Mitglieder, die sich in 22.000 Banden organisiert hatten. 8 Das Magazin Focus veröffentlichte 1994 9 einige Zahlen über den Einfluß der Mafia auf die russische Wirtschaft. Demnach wurde schon damals 55% des Kapitals von der Unterwelt kontrolliert. Über 40.000 Unternehmen standen unter der Kontrolle der Mafia, darunter rund etwa 1.500 Staatsbetriebe. Bei genauerer Aufzählung ergaben sich u.a. 37 Börsen, 678 Märkte und 566 Ost-West-Gemeinschaftsunternehmen. Ferner heißt es, zwei Drittel der auf Auktionen feilgebotenen Immobilien würden durch Mafiosi und ihre Komplizen erworben. Mehr als 90% aller kleinen und mittleren Unternehmen in Rußlands Metropolen würden 10 bis 30 % ihrer Gewinne an die Mafia abführen. Die Mafia erziele Profit mit dem Export von Öl, Uran, Gold und anderen Edelmetallen. Insgesamt, so Focus, betrage der Gewinn im ersten Halbjahr 1994 1,2 Milliarden DM. 10
Im gleichen Jahr berichtete ein Vertreter der russischen Steuerpolizei in einer detaillierten Aufzählung über die mafiosen Aktivitäten in seinem Arbeitsbereich. Zu diesen gehörten demnach u.a. Devisenvergehen, Aufbau von Scheinfirmen, insbesondere im Versicherungsbereich, ferner das „Einsickern von Banden in den legalen
6 siehe ebd.
7 Vgl. Philipp PACHOMOW / Dmitri KHUFENIA / Georgi GABASCHWILI: Die Wurzeln der Kri- minalitätin Rußland, in: GUS-Barometer Nr. 17, Bonn: Körber-Arbeitsstelle Rußland/GUS Nr. 17, 4. Jg., Juli 1998.
8 Vgl. LALLEMAND, A.: Russische Mafia, S. 16.
9 Vgl. o.V.: Ostmafia, in: Focus 48/1994, S. 306 f.
10 Vgl. ebd.
Handel durch Erpressung, Infiltration von Aufsichtsräten und Sicherheitsdiensten der Unternehmen durch Kriminelle sowie Mißbrauch der Computerdaten von Banken und Sparkassen.“ 11 Beim Steuerbetrug spielten die Banken eine führende Rolle. Auch der Immobilienmarkt habe sich mittlerweile zu einem Spielball des Organisierten Verbrechens entwickelt. 12
Mitte der 90er Jahre wurde davon ausgegangen, daß rund ein Drittel des russischen Bruttosozialproduktes auf die Schattenwirtschaft zurückzuführen sei. 1997 bestanden 2 bis 3% des Bruttoinlandsprodukts Rußlands aus Mafiakapital. Die auf-grund von Steuerbetrug fehlenden Einnahmen wirken sich negativ auf den Haushalt des Landes aus und tragen damit maßgeblich zur Kapitalschwäche Russlands bei. Dies kann in seiner Konsequenz weitere Steuererhöhungen nach sich ziehen, die sich als schädlich für das allgemeine Wirtschaftsklima erweisen würden. Die illegal erzielten Profite werden, angetrieben von der unsicheren Wirtschaftslage in Rußland und der Aussicht auf Spekulationsgewinne, durch die Mafiosi ins Ausland transferiert. Aufgrund der unsicheren Wirtschaftslage wurden große Geldbeträge ins Ausland verbracht.
Da 5% der Bevölkerung über 72% des russischen Privatvermögens besitzt, ist es von enormer Bedeutung, gerade diese sogenannten „neuen Russen“ samt ihrem Kapital im Land zu halten. 13 Auch das gemeine Volk steht dem Staats- und Bankenwesen skeptisch gegenüber und lagert privates Vermögen vorzugsweise „im Sparstrumpf und unter der Matratze“. 14
Schließlich ist der Übergang von Mafia und Schattenwirtschaft als fließend zu betrachten. Die Unfähigkeit des Staates, die flächendeckende Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen, ließ die Schattenwirtschaft florieren und die Grenzen zwischen Legalität und Illegalität verschwimmen. Ohne die Schattenwirtschaft wären weite Teile der russischen Bevölkerung nicht überlebensfähig. Diese Parallelwirtschaft bietet zudem einer Vielzahl von Menschen einen Arbeitsplatz und sei daher
11 LALLEMAND, A: Russische Mafia, S. 150.
12 LALLEMAND, A: Russische Mafia, S. 151.
13 Vgl. Studie der russischen Akademie der Wissenschaften, zitiert nach: Roman Berger: Die Angst der Räuber vor ihresgleichen, Tages-Anzeiger vom 06.11.97, http://www.tages-anzeiger.ch/archiv/ 97november/971106/30226.HTM vom 26.03.02.
14 Ebd.
Arbeit zitieren:
Falko Wittig, 2002, Die Mafia. Ökonomischer Faktor Rußlands, München, GRIN Verlag GmbH
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