Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 2
2 Zivilcourage. 2
2.1 Was ist Zivilcourage? 2
2.2 Was heißt mit Zivilcourage handeln? 4
3 Theoretische Aspekte. 6
3.1 Handlungsmodelle 6
3.2 Ansätze zur Förderung von Zivilcourage in der Schule 8
4 Beispielprojekt: „Für Zivilcourage - Herne zeigt Gesicht“ 10
4.1 Beispielprojekt: Freiherr-vom-Stein Schule 10
4.2 Auswertung 12
5 Resümee 14
6 Literaturverzeichnis 16
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1 Einleitung
Zivilcourage sei eine kleine Tat von wenigen, die viel bewirken kann. 1 Gegenstand dieser Arbeit ist das Thema Zivilcourage. Zunächst wird der Begriff Zivilcourage definiert und im Folgenden erläutert, was es bedeutet, zivilcouragiert zu handeln. Infolgedessen werden die theoretischen Aspekte des Themas Zivilcourage beleuchtet. Diese Aspekte lassen sich in zwei Kategorien einteilen: zum einen die Theorien auf der Basis von altruistischem Verhalten und zum anderen die auf der Basis von egoistischem Verhalten. Zu den Theorien auf der Grundlage des Altruismus zählt die Theorie der altruistischen Persönlichkeit, die Empathie-Altruismus-Hypothese und die Theorie der Empathie-bezogenen-Reaktion. Die Kosten-Nutzen-Analyse und die Theorie der sozialen Hemmung sind Bestandteile der Theorien mit egoistischen Tendenzen. Im Weiteren werden Ansätze zur Förderung von Zivilcourage im schulischen Kontext dargelegt. Die Theorien und Förderungsansätze werden anhand eines Beispielprojektes konkretisiert und veranscha ulicht, welches die Stadt Herne im Rahmen des Xenos Programms in den Jahren 2003 und 2004 veranstaltete. Das Projekt bestand aus vielen Einzelprojekten von Schulen und Jugendeinrichtungen. Es schloss mit dem ‚Tag der Zivilcourage’ am 16. Juli 2004 ab, an dem die einzelnen Arbeiten präsentiert und prämiert wurden. Das Theaterstück „Abzocke ist geil“ der Hauptschule Freiherr-vom-Stein ist eines der Einze lprojekte und wird im weiteren Verlauf erläutert und ausgewertet.
2 Zivilcourage
2.1 Was ist Zivilcourage?
Der Begriff „Zivilcourage“ stamme aus der frühen Neuzeit und der Modernen. Das Wort an sich wurde erstmals 1835 im Französischen als courage civil, den Mut des Einzelnen zum eigenen Urteil und als courage civique, dem reinen staatsbürgerlichen Mut nachgewiesen. Die Vokabel Zivilcourage vereine somit diese beiden Arten von Mut. Der erste Deutsche, der den Be griff Zivilcourage verwendete, war der junge Bismarck im Jahre 1847, aber spätestens seit den letzten zwei Jahrzehnten habe der Ausdruck Zivilcourage in unseren alltäglichen Sprachgebrauch Einzug gehalten. Aufrufe gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Ge-
1 Vgl.Lünse, D.: Zivilcourage - Lernaspekte einer viel beschworenen Tugend. In: Meyer, G.; Dovermann, U.; Frech, S.; Gugel, G.: Zivilcourage lernen: Analysen-Modelle-Arbeitshilfen. Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. 2004. S. 204
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walt und für Toleranz und Zivilcourage verschafften dem Wort eine unheimliche Konjunktur. 2
Der Duden definiert Zivilcourage wie folgt: mutiges Verhalten, mit dem jemand seinen Unmut über etwas ohne Rücksicht auf Nachteile gegenüber Obrigkeiten, Vorgesetzten oder Anderen zum Ausdruck bringt. 3 Hermann und Meyer erklären Zivilcourage als „eine von Subjekten bewusst oder unbewusst mit Sinn erfüllte Handlungsweise, als Interaktion und Konflikt von Personen in bestimmten Situationen“. 4 Zivilcourage dürfe dabei nicht als Persönlichkeitsmerkmal angesehen werden, sondern als Handlungstypus einer Person. 5 Ebenso wie Meyer ist auch Singer der Meinung, dass Zivilcourage keine Eigenschaft sei, sondern eher eine Gesinnung bzw. Tugend, welche darauf gerichtet sei, moralische Werte zu verwirklichen. 6 Aus diesem Grund sei Zivilcourage nicht nur in der politischen Öffentlichkeit gefragt, sondern in allen sozialen Bereichen. 7
Es gebe allerdings keine maßgebliche Definition von Zivilcourage, daher müsse der Terminus Zivilcourage von Begriffen wie Tapferkeit, Altruismus, Solidarität, zivilem Gehorsam oder Widerstand abgegrenzt werden. 8 Darüber hinaus sei Zivilcourage auch nicht mit Helfen, prosozialem Handeln, Altruismus oder Solidarität gleichzusetzen. Zwar sei in allen Begriffen sozialer Mut enthalten, allerdings setzte keine der erwähnten Verhaltensweisen begrifflich oder real einen Konflikt, Risiken oder mögliche Nachteile sowie ein Machtungleichgewicht in Gruppen oder Hierarchien voraus. 9 Unter prosozialem Verhalten verstehe man „eine Handlung mit der Absicht, einer konkreten Person eine Wohltat zu erweisen, und zwar freiwillig, das heißt ohne äußeren Zwang und somit intrinsisch motiviert.“ 10 Meyer stellt den Unterschied zwischen Zivilcourage und prosozialem Handeln wie folgt dar: Zivilcourage finde nur in bestimmten Situationen, die von Konflikten, Machtungleichgewichten und Risiken geprägt seien, statt. Außerdem sei Zivilcourage im Gegensatz zum prosozialen Handeln immer öffent-
2 Vgl.Meyer, G.: Was heißt mit Zivilcourage handeln? In: Meyer, G.; Dovermann, U.; Frech, S.; Gugel, G.: Zivilcourage lernen: Analysen-Modelle-Arbeitshilfen. Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. 2004. S. 22
3 Vgl. Bierhoff, W.-H.: Handlungsmodelle für die Analyse von Zivilcourage. In: Meyer, G.; Dovermann, U.; Frech, S.; Gugel, G.: Zivilcourage lernen: Analysen-Modelle-Arbeitshilfen. Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. 2004. S. 60
4 Hermann, A.; Meyer, G.: Was fördert, was hindert Zivilcourage? In: Meyer, G.; Dovermann, U.; Frech, S.; Gugel, G.: Zivilcourage lernen: Analysen-Modelle-Arbeitshilfen. Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. 2004. S. 72
5 Vgl. Meyer, G.: Was heißt mit Zivilcourage handeln? S. 23
6 Vgl. Singer, K.: Zivilcourage in der Schule-Eine demokratische Tugend lernen. In: Meyer, G.; Dovermann, U.; Frech, S.; Gugel, G.: Zivilcourage lernen: Analysen-Modelle-Arbeitshilfen. Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V. 2004. S. 141
7 Vgl. a.a.O. Hermann, A.; Meyer, G.: Was fördert, was hindert Zivilcourage? S. 72
8 Vgl. a.a.O. Meyer, G.: Was heißt mit Zivilcourage handeln? S. 23
9 Vgl. ebd. Meyer, G.: Was heißt mit Zivilcourage handeln? S. 38
10 Vgl. a.a.O. Bierhoff, W.-H.: Handlungsmodelle für die Analyse von Zivilcourage. S. 60
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lich. 11 Zivilcourage beziehe sich somit auf das Handeln des Einzelnen in der Gesellschaft und sei ein wichtiges Element in einer demokratischen und politischen Kultur. 12 Das Ziel von Zivilcourage sei es, mehr Humanität in der Gesellschaft zu verankern, frei nach dem Motto „Hinschauen statt Wegschauen“. 13
2.2 Was heißt mit Zivilcourage handeln?
Zivilcourage sei ein wachsames Aufdecken, ein Wider-Stehen, ein Sich- Entgegen-Stellen, Für-Etwas-Eintreten, so Singer. Daher werden beim zivilcouragierten Handeln persönliche Nachteile bewusst in Kauf genommen bzw. riskiert. Zivilcourage beginne folglich damit, genau hinzusehen und äußere sich im Eingreifen, Sich-Wehren oder im Sich-Einsetzen: Eingreifen in unvorhersehbare Situationen, Sich-Wehren, wenn humane Werte verletzt werden oder Sich- Einsetzen für demokratische Werte, für das Recht oder die berechtigten Interessen anderer. 14 Diese drei Handlungsmuster könne man allerdings nicht klar unterscheiden, da die Übergänge oft ineinander fließen. Sowohl beim Eingreifen als auch beim Sich-Wehren liegen oft Situationen vor, welche schnelles und spontanes Handeln erfordern, während beim Sich- Einsetzen Handlungsmuster und Konfliktpotenziale sich längere Zeit entwickeln können und dann zivilcouragiertes Handeln für das Allgemeinwohl erforderlich sei. 15 Um zivilcouragiert Handeln zu können solle eine Situation gegeben sein und diese vom Akteur auch wahrgenommen werden. Der Akteur müsse die Situation dann wiederum so verstehen, dass eine Reaktion von ihm gefordert werde. Ob der Handelnde nun Zivilcourage zeigt, hänge von Faktoren ab, wie z.B. inwieweit er sich verantwortlich fühle oder ob er bereit und überhaupt in der Lage sei zu agieren, so Meyer. Oft handele es sich bei solchen Situationen um Täter-Opfer-Konstellationen, in denen bei den Handelnden ein stark subjektiv empfundener, nicht aber primär rechtlich definierter oder von anderen ausgeübter Handlungsdruck entstehe. Dieser unmittelbare Handlungsdruck überschreite bei den Akteuren die Grenzen des subjektiv Erträglichen und somit handle er zivilcouragiert. 16 Menschen verhalten sich vor allem dann zivilcouragiert, wenn eine gewisse Nähe zur Person vorhanden sei, das heißt Menschen aus einer sehr nahen Bezugsgruppe bedroht oder in Not sind, so Hermann und Meyer.
11 Vgl. a.a.O. Meyer, G.: Was heißt mit Zivilcourage handeln? S. 37
12 Vgl. ebd. Meyer, G.: Was heißt mit Zivilcourage handeln? S. 31f
13 Vgl. a.a.O. Bierhoff, W.-H.: Handlungsmodelle für die Analyse von Zivilcourage. S. 60
14 Vgl. a.a.O. Singer, K.: Zivilcourage wagen - wie man lernt sich einzumischen. S. 31
15 Vgl. a.a.O. Meyer, G.: Was heißt mit Zivilcourage handeln? S. 28
16 Vgl. ebd. Meyer, G.: Was heißt mit Zivilcourage handeln? S. 24f
Arbeit zitieren:
Britta Wertenbruch, 2005, Zivilcourage fördern - aber wie?, München, GRIN Verlag GmbH
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