Schreibende Filmemacher
Kritiker-Regisseure im europäischen Kino der sechziger Jahre
Inhalt
Vorbemerkung 3
Einleitung 3
Die Liebe von Text zu Kino:
Schreiben über Film als Annäherung an den Film 6
Schreiben über Film als Forderung an den Film:
der Ausdruck der Frustration 10
Schreiben über Film als Forderung an den Film:
die Handlungsanweisung 11
Exkurs:
Die Sprache des Films 16
Bilder wie Parolen: die Politik und die jungen Filmemacher 17
Schreiben über Film als (Entwurf für den) Film: den Film schreiben 19
Schreiben als Ersatz 20
Exkurs:
Anderes Schreiben: Roman, Bühnenstück, Adaption 21
Schreiben über das eigene Schreiben: Selbstzeugnisse 25
Schreiben über den eigenen Film: Selbstzeugnisse 27
Schlussbemerkung 29
Literaturverzeichnis 31
Vorbemerkung
Diese Untersuchung geht davon aus, dass die beschriebenen Regisseure, deren Karrieren zum größten Teil in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts begannen oder erst richtig erblühten, auf Grund ihrer teilweise noch heute fortgesetzten Arbeitsweise und vor allem der kinematografischen Zusammenhänge, in denen sie zu jener Zeit arbeiteten, als Autorenfilmer angesehen werden können. Dementsprechend werden die Filme, die unter ihrer Regie entstanden, auch im Folgenden als Werke hauptsächlich dieser Autoren betrachtet und unter diesem Gesichtspunkt in Bezug zu den desweiteren untersuchten schriftlichen Textäußerungen gesehen, auch auf die Gefahr hin, dass damit womöglich systemische Zusammenhänge unterbelichtet werden.
Einleitung
Die folgenden Überlegungen gelten "Schreibenden Filmemachern" der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts, dabei schwerpunktmäßig jenen, die Filmkritiken schrieben, bevor sie Regisseure wurden. Filmkritik wird hier in einem weiter gefassten Rahmen verstanden. Sie ist nicht nur die Rezension eines bestimmten Filmes, sondern allgemein das kritische Schreiben über Film und seine verschiedenen Aspekte (Produktion, Ästhetik, Stil, Politik, gesellschaftliche Relevanz, etc.). Es besteht die Vermutung, dass in den sechziger Jahren im europäischen Kino - und mit "Kino" ist hier der gesamte Komplex assoziativer Verknüpfungen gemeint, der eben auch die Filmkritik einschließt - auf beiden Seiten, der des Schreibens über Film und der der Filmemacher, eine besondere Aufmerksamkeit für die jeweils andere Position existiert. Diese Vermutung legt weiterhin nahe, dass im europäischen Kino der sechziger Jahre eine bis heute in ihrer Intensität einzigartige Verbindung, geradezu Durchdringung dieser beiden Aspekte - des Filmens selbst und des Schreibens über Film - stattgefunden hat. Die verschiedenen Dimensionen dieses Themas liegen auf der Hand:
Das Schreiben kann eine Annäherung an das Liebesobjekt Kino bedeuten, wie im Fall der "Kritiker-Regisseure der Nouvelle Vague" . In diesem Fall handelt es sich um eine Auslotung der ästhetischen Mittel, die in der Kritik ihre Wertschätzung finden, um später in den eigenen Filmen erprobt oder gewandelt werden zu können.
Filmkritik bedeutet aber ebenso eine kritische Stellungnahme zum Film, wie er ist, wie er sein könnte und sollte. Inspiriert von der Nouvelle Vague bildet sich eine solche Stellungnahme in Deutschland heraus, verläuft aber doch unter anderen Vorzeichen. Die Kritik, die hier laut wird, zielt ab auf das "System Film". Sie verhandelt weniger vorrangig ästhetische Aspekte als die Produktionsbedingungen, denen sich ihre Protagonisten ausgesetzt sehen. Debattiert werden hier im Zuge einer Loslösung vom althergebrachten Kino immer und besonders heftig auch die ökonomischen Verhältnisse, unter denen sich eine Neuerung zu etablieren versucht. Die Programmatik und das Manifest bestimmen den Ton so sehr, dass bezeichnenderweise in einer Zeitschrift, deren Titel Filmkritik lautet, die interne Diskussion um die beiden verschiedenen Richtungen der Ästhetischen und Politischen Linken über Jahre hinweg geführt wird. Die Auseinandersetzung in der Filmkritik ist beeinflusst von einer Diskussion um Film, die weit außerhalb des Rahmens der Zeitschrift initiiert ist und sich im gesamten neuen Filmschaffen der Bundesrepublik reflektiert findet. Schließlich zählt auch der Ausdruck der Unzufriedenheit mit dem existenten Kino, der sich in Manifesten und programmatischen Stellungnahmen der Zeit äußert, zur Kritik am Film, zur Filmkritik.
[...]
Arbeit zitieren:
M.A. Sibylle Meder Kindler, 2002, Schreibende Filmemacher - Kritiker-Regisseure im europäischen Kino der sechziger Jahre., München, GRIN Verlag GmbH
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