Zweite Staatsprüfung für das Lehramt an Sonderschulen
Unterrichtsentwurf zur Lehrprobe am 21.01.2005 Klasse 1/2 Uhrzeit: 08.00 Uhr – 9.00 / 9.30 Uhr
Ich kann fühlen aus der Unterrichtseinheit: Was ich schon kann: Ich erlebe meine Sinne
von Petra Stichert
2004
Inhaltsverzeichnis
1. Didaktische Analyse ... 3
1.1 Bezug zum Bildungsplan ... 3
1.2. Pädagogisch-didaktische Begründung für die Unterrichtseinheit ... 3
2. Bedingungsanalyse ... 6
2.1. Die aktuelle Klassensituation ... 6
2.2. Vorerfahrungen mit der Themengruppe „Wer ich bin“ ... 7
2.3. Individuelle Schülervoraussetzungen ... 8
3. Analyse der Unterrichtsstunde ... 16
3.1 Sachanalyse ... 16
3.1.1 Die Sinne ... 16
3.1.2 Der Tastsinn ... 16
3.2 Lernziele ... 17
3.3 Methodisch-didaktische Überlegungen ... 18
3.3.1 Einbettung der Stunde in die UE ... 18
3.3.2 Überblick über die einzelnen Unterrichtsphasen der UE ... 19
3.3.3 Begründung und Zielsetzung bezüglich der einzelnen Unterrichtsbausteine ... 20
3.3.4 Ausblick ... 24
Literaturverzeichnis ... 25
Anhang ... 26
1. Didaktische Analyse
1.1 Bezug zum Bildungsplan
Für meine Lehrprobe habe ich das Thema: „Was ich fühlen kann“ gewählt. Es wird behandelt in der vierten Unterrichtsstunde der UE „Ich erlebe meine Sinne“, die im Bildungsplan für die Schule für Lernbehinderte in Baden-Württemberg als ein Aspekt des Themas „Was ich schon kann“ für die Unterstufe empfohlen wird. Damit macht der Bildungsplan deutlich, dass es für diese Altersgruppe weniger um das (naturwissenschaftliche) Sachwissen über die Sinne geht, sondern vor allem darum, die eigenen Sinne zu erleben, sie als etwas Besonders wahrzunehmen und als eine Fähigkeit zu erkennen, auf die man stolz sein und die man lernen oder auch verlernen kann. Dementsprechend ist dieses Thema der Themengruppe „Wer ich bin“ zugeordnet und somit ein Aspekt von vielen, die den SchülerInnen dabei helfen sollen, ein Bewusstsein für sich selbst zu entwickeln, ein eigener Mensch zu werden..
Da der Themenbereich Selbstfindung ein wichtiger Aspekt nicht nur im Bildungsplan ist, sondern auch im pädagogischen Konzept meiner Schule und zudem meinem persönlichen Interesse wie auch meiner Überzeugung entspricht, habe ich mich für dessen Bearbeitung im Rahmen meines eigenständigen Unterrichts entschieden. Seit Schuljahrsbeginn beschäftigen die SchülerInnen der Klasse 1/2 meiner Ausbildungs-Förderschule und ich uns auf vielfältige Weise damit.
1.2. Pädagogisch-didaktische Begründung für die Unterrichtseinheit
Die Wirksamkeit der Themengruppe „Wer ich bin“ sehe ich in dessen Bedeutung für die Entwicklung hinsichtlich der Persönlichkeitsfindung, der Sozialerziehung und der Lernfähigkeit. Zusammengefasst erklärt sich dies folgendermaßen:
Das Thema „Was ich schon kann“ eignet sich in diesem Sinne besonders gut zum Kennen lernen der eigenen Fähigkeiten und zum Erkennen, dass wirklich jeder etwas kann. Besonders für FörderschülerInnen ist diese Erkenntnis durchaus nicht selbstverständlich und wird als sehr gewinnbringend erlebt, da für unsere Schülerklientel die Auseinandersetzung mit sich selbst häufig ungewohnt ist, wohingegen Misserfolgserlebnisse und das Stoßen an die eigenen Grenzen zum Alltag gehören. Aufgrund der damit verbundenen Frustration kann Unterricht angstbesetzt sein, wird Lernen oft gar nicht erst versucht, werden Strategien entwickelt (z.B. Verweigerung oder Stören), um den dabei erwarteten Misserfolgen vorzubeugen. Ein gesundes, positive Selbstbild kann auf dieser Grundlage nicht entstehen. Dieser Themenaspekt ermöglicht also besonders intensiv das Erleben von Erfolgserlebnissen.
Der Themenbereich „Sinne“ bietet eine Vielzahl von Erlebnissen und Erfahrung, die neugierig machen, Selbstverständliches infrage stellen, erforschen und entdecken lassen im o.g. Sinne. Im Erleben der eigenen Sinne kommt noch eine weitere „Lernhilfe“ hinzu: Lernen mit den Sinnen ist ein ganzheitliches Lernen, das Lernen einfacher, intensiver, einprägsamer macht.1 Gemeint ist hier ein Lernen, dass aktiv geschieht, das selbst (sinnlich) erfahren und erlebt wird. In der sinnlichen Wahrnehmung wird hier die Voraussetzung für jegliches geistige Verständnis gesehen.2 Lernen durch die Sinne geschieht ganz von selbst und immerzu, lange vor der Fähigkeit, das so Erlebte und Gelernte in Worte zu fassen und gezielt zu hinterfragen. Sinneserfahrungen lassen autodidaktisches Lernen zu, wecken Neugier, erregen die Aufmerksamkeit. Sie entsprechen dem menschlichen Bedürfnis – insbesondere dem von Kindern – und helfen durch ihre Unmittelbarkeit und Erfahrbarkeit beim Lernen. Sie können aber auch Auslöser für unsere Gefühle sein, können mitentscheiden, ob wir uns in einer (Lern-)Situation wohl oder unwohl fühlen. So selbstverständlich sinnliches Wahrnehmen aber auch geschieht, so wichtig ist es dennoch, sich darin zu üben, sich sinnliche Erlebnisse und deren Wirkung auf Gefühle und Vorstellungen bewusst zu machen. Gerade SchülerInnen der Förderschule entstammen häufig einem reizarmen Umfeld, in dem ihre Sinne wenig gefördert und gefordert, ihre Neugier und Lernbereitschaft wenig geweckt wird. Die sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeit verkümmert hierdurch, ebenso wie sie durch Übung oder Fokussierung (beispielsweise bei Ausfall eines Sinnesorgans) sensibilisiert wird. Häufiges Fernsehen oder Computerspielen, seltene Ortswechsel und wenig Bewegung – alles Aspekte, die Passivität fördern, das Erkennen von Zusammenhängen erschweren, den für die Entwicklung ebenfalls wichtigen Erziehungsaspekt vernachlässigen und einzelne Sinne einseitig ansprechen oder sie gar überfordern – verstärken die Verkümmerung der sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeit massiv.3
Eine Thematisierung der Sinne zu Beginn der Schullaufbahn ist also sinnvoll und notwendig, wenn sie zum einen Erlebnissen und Erfahrungen mit den eigenen Sinnen ermöglicht und zum anderen hilft, aufmerksam und sensibel für Sinneswahrnehmungen zu werden und sich darin zu üben.
2. Bedingungsanalyse
2.1. Die aktuelle Klassensituation
Die Klasse 1/2 befindet sich zur Zeit in einer Neuorientierungsphase. Während das Schuljahr 04/05 ruhig mit nur fünf Kindern begann, wovon drei bereits im Vorjahr die Klasse besuchten, werden es zum Zeitpunkt der hier beschriebenen Unterrichtssequenz acht sein. Die so erst im Januar 2005 zusammengesetzte Klasse ist auch ansonsten bunt gemischt: Zu ihr gehören vier Mädchen und vier Jungen, fünf Zweitklässler und drei Erstklässler, zwei Christen und sechs Muslime, ein deutsches Kind, ein polnisches, ein jugoslawisches, zwei türkische und drei albanische. Die Kinder sind zwischen 7 und 9;11 Jahren alt.
[...]
1 Vgl. z.B.: Zitzlsperger, Helga: Ganzheitliches Lernen. Welterschließung über alle Sinne. Weinheim 1995; Schilling, Klaus: Wege ganzheitlicher Bibelarbeit. S. auch die Forderung Pestalozzis nach einem „Lernen mit Kopf, Herzu und Hand“. Vgl. Comenius, Locke, Rousseau, u. a., z.B. nach: Zimmer 1995.
2 Das erste menschliche Lernen geschieht durch sinnliche Wahrnehmung: Das Interesse an sinnlich wahrnehmbaren Reizen lässt sich bereits beim Embryo beobachten.
3 Zu diesem Abschnitt vergleiche z.B.: Zimmer 1995.
Arbeit zitieren:
Petra Stichert geb. Nitsch, 2005, 'Ich kann fühlen' - Unterrichtsentwurf zur Unterrichtseinheit 'Was ich schon kann: Meine Sinne', München, GRIN Verlag GmbH
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