Sokrates, die zum Zeitpunkt der Rahmenerzählung noch leben); Agathon ist schon viele Jahre weg, also wohl mindestens drei Jahre, eher mehr, d.h. also noch genauer, wir befinden uns zwischen 404 und 400.
Apollodoros habe nun dem Glaukon gestanden, daß er, bevor er Sokrates getroffen habe, sich nur herumgetrieben habe im Glauben etwas zu schaffen, tatsächlich sei er aber beinahe so arm daran gewesen wie Glaukon, der eher alles andere tue, als zu philosophieren. Tatsächlicher Zeitpunkt des Gastmahls sei der Abend des Tages nach dem ersten Tragödiensieg des Agathon - dieser ist, wie schon gesagt, auf das Jahr 416 anzusetzten. Apollodor habe es, wie er sagt, von Aristodemos, der dabei gewesen sei, erfahren, ferner von Sokrates einzelnes bestätigt bekommen. Glaukon habe ihn nun gebeten, ihm den Gang der Handlung zu erzählen, was er getan habe. Solle er dies nun auch den Freunden gegenüber tun, so wolle er das gerne tun, da er ja gerne selbst philosophische Reden führe und auch höre, weil er dadurch gefördert werde und sich daran erfreuen könne. Die Freunde seien aber zu bedauern hinsichtlich ihrer philosophischen Leistung, denn sie glaubten, etwas zu schaffen, würden es aber eben nicht. Nun würden, sagt Apollodor, die Freunde wohl glauben, er sei übel dran, und würden recht glauben. Er aber glaube nicht, daß sie, die Freunde übel dran seien, er wisse es. Hier erscheinen zwei der Kernbegriffe des Platonischen Werkes auf: doxa und episteme. Während doxa, der Glaube, das Glauben, das ist, was die Freunde von ihrem Schaffen haben, nämlich, daß sie es hätten, ist episteme, das Wissen, das Apollodor von sich hat und von seinen Freunden, nämlich das Wissen um die eigene Unzulänglichkeit, alle seien nämlich, ausgenommen Sokrates, kakodaimona, also unselig. Hier wird schon vorsichtig vorbereitet, was man später im Symposion noch genauer sehen wird, daß nämlich wahres Philosophieren aus der eigenen Unzulänglichkeit heraus entsteht, aus dem Mangel an Wissen. Der eros ist Liebe zu dem, wovon er Mangel hat oder was er nicht ist, wie Diotima später dem Sokrates verständlich machen will, und so, das wird im Geplänkel zwischen Apollodor und seinen Freunden angedeutet, ensteht Philosophie dann, wenn der, der philosophieren wird, einen Mangel hat an Weisheit, aber auch dann nur dann, wenn er erkennt, daß er diesen Mangel hat. Nun erzählt also Apollodor seinen Freunden, was ihm Aristodemos berichtet hat. 2. ARISTODEMOS UND SOKRATES (174a-175b). Aristodemos trifft am Abend des Tages nach Agathons Triumph den Sokrates, gebadet und sogar mit Sandalen an den Füßen, was sonst gar nicht seine Art sei 6 . Sokrates erklärt dies damit, daß er eingeladen sei zum Gastmahl des Agathon, und er fragt Aristodemos, ob er nicht - zwar ungeladen - auch mitgehen wolle. Aristodemos überläßt
6 Dies ist umso ungewöhnlicher, als Aristodemos als großer Verehrer des Sokrates selbst „immer unbeschuht“ geht, wie Apollodor berichtet (173b).
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Sokrates die Entscheidung, und dieser fordert ihn auf mitzugehen, getreu dem modfizierten Spruch „Gute erscheinen freiwillig zum Mahl beim Guten.“
Genannter Spruch des Sokrates kann durch eine geringfügige Akzentverschiebung im Griechischen anders lauten, nämlich: „Gute erscheinen freiwillig zum Mahl bei Agathon.“ In diesem Wortspiel liegt der besondere Reiz des Sprichwortes.
Schon Homer, so Sokrates, habe dem Sprichwort Gewalt angetan, als er den „weichlichen“ Menelaos beim Gastmahl des tüchtigen Agamemnon ungeladen erscheinen habe lassen, so daß der Schlechtere zum Mahl beim Besseren erschienen wäre. 7 Diese Aussage des Sokrates verunsichert Aristodemos, ob er als ein wenig Kunstfertiger beim erfolgreichen und kunstfertigen Agathon ungeladen erscheinen dürfe, jedenfalls müsse Sokrates ihn verteidigen und erklären, ihn eingeladen zu haben, bittet er ihn. Sokrates sagt hierauf, man solle hierüber auf dem Weg zu Agathon zu sprechen. Nun bleibt aber auf dem Gang zum Haus des Agathon Sokrates, über etwas nachdenkend, immer weiter zurück, so daß Aristodemos schließlich allein bei Agathon ankommt, wo dieser ihn freudig begrüßt, da er ihn nur nicht eingeladen habe, weil er ihn nicht getroffen habe. Agathon fragt ihn nun, ob nicht auch Sokrates mitgekommen sei. Er antwortet, daß er zwar mit Sokrates gekommen sei, dieser aber zurückgeblieben sei, und er ihn aus den Augen verloren habe. Agathon läßt daraufhin nach Sokrates suchen, den Aristodemos bittet er zu Tisch. Der Knabe, der nach Sokrates suchen sollte, kommt zurück, und berichtet, Sokrates stehe beim Nachbarn im Hof und wolle aber nicht hereinkommen. Agathon wundert sich, entschließt sich aber dann auf des Aristodems Rat hin, zu warten, bis Sokrates käme und befiehlt, das Essen aufzutragen, was auch geschieht. 3. SOKRATES UND AGATHON: sophia (175c- 176a). Schließlich, nachdem das halbe Mahl beendet ist, erscheint Sokrates. Agathon fordert ihn auf, sich zu ihm zu legen, damit er von des Sokrates Weisheit, die er im Hof erhalten, einen Anteil mitbekäme. Sokrates kommt der Aufforderung nach, und meint, es wäre wohl sehr gut, wenn Weisheit bei genügender Nähe von einem zum anderen überfließen könne, denn dann könne auch er von der schönen und glänzenden Weisheit etwas abbekommen, die Agathon besäße, wie der Erfog vor dreißigtausend Zeugen gezeigt habe, während doch seine eigene Weisheit nur schlecht und unsicher sei wie im Traum. Agagthon glaubt sich verspottet, will aber die Auseinandersetzung über die Weisheit auf später verschieben mit Dionysos als Schiedsrichter, d.h. auf das dem Essen sich anschließende Trinkgelage, dem Dionysos als Gott des Weines vorsteht, und auf dem üblicherweise auch philosophiert wird. Agathon glaubt also durchaus dem Sokrates konkurrieren zu können. Daß Sokrates seine Weisheit der des Agathon gegenüber abwertet, hat wohl etwas mit der Art zu tun, wie Agathon das Gespräch auf die sophia bringt. In Agathons Anspielung auf 7 Vgl. Ilias II, 408
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Arbeit zitieren:
Oliver Tekolf, 2002, Platon, Einleitung zum Symposion, München, GRIN Verlag GmbH
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