Gliederung
1. Einleitung
2. Öffentliche Meinung
2.1 Ein schwieriger Begriff
2.2 Elitekonzept
2.3 Integrationskonzept Integrationskonzept
3. Massenmedien - der Journalismus in der Bundesrepublik Deutschland
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Rechtliche Grundlagen
3.3 Funktion der Massenmedien
3.4 Journalistisches Selbstverständnis
3.5 Grundregeln journalistischer Arbeit
4. Das Verhältnis von öffentlicher Meinung und Massenmedien
4.1 Agenda-Setting
4.2 Konzept der selektiven Wahrnehmung
4.3 Meinungsführer und Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation
4.4 Theorie der Schweigespirale
5. Schlussbetrachtung
6. Literaturverzeichnis
1
1. Einleitung
Bei der Untersuchung des Wandlungsprozesses von Medien, Politik und Öffentlichkeit stößt man unweigerlich auf den Begriff der öffentlichen Meinung. „[D]ie öffentliche Meinung [stellt] eine zentrale Kategorie in der politischen Ideengeschichte, der Kommunikations- und Politikwissenschaft dar. Sie bildet insbesondere einen
Schlüsselbegriff, um die Legitimität demokratischer Herrschaftssysteme zu erörtern.“ 1 Nun existiert die öffentliche Meinung nicht unabhängig in Politik, Öffentlichkeit und Medien. Es besteht die Annahme, dass durch die Massenmedien Themen politischer Couleur in die Öffentlichkeit transportiert werden, was zur Bildung von öffentlicher Meinung führt. Welche Wirkung üben dabei die Massenmedien auf die Bildung der
öffentlichen Meinung aus?
Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, erscheint es sinnvoll, sich zunächst den Begriffen öffentliche Meinung und Massenmedien zu nähern. Die Wirkungsforschung der Massenmedien hat unzählige Ansätze erarbeitet. Anschließend werden einige Ansätze diskutiert.
Im ersten Kapitel erfolgt eine Erläuterung des Begriffs öffentliche Meinung, wobei zu bemerken ist, dass es in der Wissenschaft keine allgemeingültige Definition gibt. Aber die Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann fasst die bisher bestehenden Auffassungen von öffentlicher Meinung in zwei Entwürfen zusammen:
zum einen das Elitekonzept und zum anderen das Integrationskonzept. 2 Beide Konzeptionen werden hier vorgestellt.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Massenmedien in der Bundesrepublik Deutschland. Der Betrachtungszeitraum erstreckt sich von der Gründung der Republik bis in die Gegenwart. Im Fokus steht hierbei der Journalismus als Handlungsfeld der Massenmedien. Um den Begriff Massenmedien nutzen zu können, ist es zunächst nötig, sich mit ihm vertraut zu machen. Die Bundesrepublik Deutschland ist bekanntlich ein Rechtsstaat. Daher ist es notwendig, die rechtlichen Grundlagen der Massenmedien darzustellen. Daraus resultieren die Funktionen und Leistungen, die den Massenmedien zugeschrieben werden. Zum Verständnis der
1 Gallus, Alexander/Marion Lühe: Öffentliche Meinung und Demoskopie, Berlin 1998, S.11.
2 Vgl. ebd., S.11.
2
Funktionsweise ist es angebracht, sich das journalistische Selbstverständnis sowie
allgemeine Grundregeln journalistischer Arbeit vor Augen zu führen. Das dritte Kapitel steht im Zeichen der Wirkungsforschung. Es werden vier mögliche Forschungsansätze zur Medienwirkung erläutert. Dabei stellt sich heraus, dass sich, bis auf das Agenda-Setting, die Ansätze von selektiver Wahrnehmung, Meinungsführer und Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation sowie Schweigespirale mit dem sozialpsychologischen Integrationskonzept der öffentlichen Meinung in Verbindung setzen lassen.
2. Öffentliche Meinung
2.1 Ein schwieriger Begriff
Bei der öffentlichen Meinung handelt es sich um einen Begriff, bei dem sich die Wissenschaft, im Versuch eine allgemeingültige Definition zu finden, die Zähne auszubeißen scheint. Bereits seit der Antike sind die Wörter öffentlich und Meinung in offensichtlichen Zusammenhängen im Umlauf. Dabei kam dem Begriff öffentliche Meinung ursprünglich die Bedeutung von sozialer Kontrolle zu. Mit dem Zeitalter der Aufklärung Ende des 18. Jahrhunderts wandelte sich die Bedeutung des Begriffs.
Bereits 1904 erkannte Hermann Oncken die Ambivalenz in der
Betrachtungsweise der öffentlichen Meinung. 3 Allerdings gelang es Onken noch nicht, diese Erkenntnisse entsprechenden Konzepten zuzuordnen und somit greifbar zu machen.
Den Höhepunkt der Begriffsverwirrung erreichte die 1965 von Harwood Childs veröffentlichte Zusammenstellung fünfzig verschiedener Definitionen von öffentlicher Meinung in seinem Buch Public Opinion. Schließlich wagte die deutsche Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann, alle bisherigen Definitionen und Ansätze zur Wesensbestimmung von öffentlicher Meinung in zwei grundlegende Konzepte einzuordnen. Demnach sieht sie einerseits „Öffentliche Meinung als
3 Oncken, Hermann: Politik, Geschichtsschreibung und öffentliche Meinung, in: ders.: Historisch-politische
Aufsätze und Reden, Bd. 1, München und Berlin 1914, S. 236.
3
Rationalität mit Funktionen für Meinungsbildung und Entscheidung in der Demokratie
[und andererseits] Öffentliche Meinung als soziale Kontrolle mit der Funktion der Integration der Gesellschaft und Sicherung eines für Handeln und Entscheiden
ausreichenden Grades von Konsens.“ 4
2.2 Elitekonzept
Die Ansicht, dass Rationalität die öffentliche Meinung charakterisiere, entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts und ist noch heute in der Politikwissenschaft weit verbreitet. „Unter Rationalität wird dabei verstanden: die bewusste Erkenntnis von
Sachverhalten und Zusammenhängen mit den Mitteln des Verstandes und die logische und begründete Ableitung von Urteilen aus diesen Erkenntnissen. [...] Die Beschäftigung mit solchen Gegenstandsbereichen ist dadurch von Logik, Kausalität und Widerspruchsfreiheit geprägt. Die Ergebnisse rationalen Denkens sind
einleuchtend, vernünftig und intersubjektiv nachvollziehbar.“ 5 Bedingt durch dieses rationale Denken erfolgt eine Zerlegung des Begriffs öffentliche Meinung in die Bestandteile öffentlich und Meinung. Die Bedeutung von öffentlich wird auf politische Inhalte zurückgeführt. Die nunmehr einzelnen Gegenstandsbereiche werden zueinander in Beziehung gesetzt. Als Ergebnis entstehen
die Betrachtungspaare Meinung – Öffentlichkeit, Öffentlichkeit – Regierung und Meinung – Regierung. Bei der Bestimmung der Träger der öffentlichen Meinung bedient man sich ebenfalls einer r ationalen Sichtweise. Es herrscht die Auffassung vor, dass nur ein kleiner Teil der Bürger an der öffentlichen Meinung beteiligt ist. Diese Bürger, so ist die Vorstellung, sind vernünftig, rational argumentierend, gut informiert und urteilsfähig. Diese Attribute gelten als Voraussetzungen, um durch eine rationale
Entscheidung öffentliche Meinung zu bilden. 6
4 Noelle-Neumann, Elisabeth: Öffentliche Meinung. Die Entdeckung der Schweigespirale, 4. Aufl., Frankfurt am
Main und Berlin 1996, S.323 f.
5 Ebd., S.325.
6 Vgl., ebd., S.325-333.
4
2.3 Integrationskonzept
„Anders als das Elitekonzept fällt die sozialpsychologische Theorie öffentlicher Meinung kein Urteil über Qualität der Inhalte öffentlicher Meinung oder über die
Befähigung ihrer Träger.“ 7 Wenn man öffentliche Meinung als soziale Kontrolle begreift, muss man sich vor Augen führen, dass niemand ausgeschlossen ist, sondern alle Mitglieder der Gesellschaft betroffen sind. Damit liegt das Augenmerk auf der Integrationsleistung einer Gesellschaft. Das heißt, Integration ist als empfundene Übereinstimmung in Stimmungen, Werten und Zielen zu begreifen. Das Ziel ist, ein Zusammengehörigkeitsgefühl in einer Gesellschaft zu erreichen – einen Konsens der die Gesellschaft zusammenhält.
Der Grundgedanke dieses Ansatzes geht davon aus, dass jeder Mensch eine soziale Natur besitzt. Mit anderen Worten neigt der Mensch zu Isolationsfurcht oder zur Betrachtung der Öffentlichkeit als eine Bedrohung. Diese Angst, isoliert dazustehen, resultiert aus dem Verständnis, öffentlich im Sinne von in aller Öffentlichkeit zu begreifen. Der Mensch hat Angst davor, in seinem Handeln und in seinen Äußerungen gesehen zu werden, bis hin beurteilt und verurteilt zu we rden. Daher entwickelt der
Mensch ein wachsames Bewusstsein für die Öffentlichkeit. 8 Eine mögliche Definition von öffentlicher Meinung nach dem sozialpsychologischen Integrationskonzept liefert Elisabeth Noelle-Neumann: „Unter
öffentlicher Meinung versteht man wertgeladene, insbesondere moralisch aufgeladene Meinungen und Verhaltensweisen, die man – wo es sich um festgewordene Übereinstimmung handelt, zum Beispiel Sitte, Dogma – öffentlich zeigen muss, wenn man sich nicht isolieren will; oder bei im Wandel begriffenem ‚flüssigen’ [...] Zustand
öffentlich zeigen kann, ohne sich zu isolieren.“ 9
7 Ebd., S.354.
8 Vgl., dies.: Öffentliche Meinung, in Otfried Jarren/Ulrich Sarcinelli/Ulrich Saxer (Hrsg.): Politische
Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. Ein Handbuch mit Lexikonteil, Opladen und
Wiesbaden 1998, S.84 ff.
9 Dies.: Öffentliche Meinung. Die Entdeckung der Schweigespirale, 4. Aufl., Frankfurt am Main und Berlin
1996, S.343 f.
5
Arbeit zitieren:
Robert Gersdorf, 2003, Massenmedien und Öffentlichkeit - die mediale Wirkung auf öffentliche Meinung, München, GRIN Verlag GmbH
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