Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Grundlagen der Soziologie bei E Durkheim
3. E Durkheims differenzierte Gesellschaftsanalyse
3.1 Segmentäre Gesellschaften
3.2 Arbeitsteilige Gesellschaften
3.2.1 Die anomische Arbeitsteilung
4. Die Arbeitsteilung im Vergleich bei K Marx und E Durkheim
5. Schlussbetrachtung
6. Literaturangaben
3
1. Einleitung
In seiner 1893 erschienen Dissertation „Über die Teilung der sozialen Arbeit“, stellt E. Durkheim fest, dass die Arbeitsteilung neue Quellen des gesellschaftlichen Zusammenhalts produziert.
Nach E. Durkheim errichtet die Arbeitsteilung eine Sozial- und Moralordnung, indem sie Individuen aneinander bindet, die sonst unabhängig voneinander sind. Statt sich getrennt zu entwickeln, sind sie nun solidarisch, da sie ihre produktiven Anstrengungen vereinigen.
In der nachfolgenden Hausarbeit versuche ich darzustellen, wie sich E. Durkheim diesen kausalen Zusammenhang vorstellt und worauf diese Solidarität beruht. Dazu werde ich in Kapitel 2 auf die Entwicklung der soziologischen Grundlagen von E. Durkheim eingehen, mit dem Ziel seine methodologische Vorgehensweise zu erläutern.
Um ein Verständnis für die Theorie der `sozialen Arbeitsteilung´ zu entwickeln, ist es von Bedeutung, die wichtigsten Punkte seiner Gesellschaftstheorie näher zu betrachten (Kapitel 3) und im Anschluss die Theorie der sozialen Arbeitsteilung, einschließlich der anormalen Formen, darzustellen.
Als weiterer Bestandteil dieser Hausarbeit sollen die unterschiedlichen Ansatzpunkte und Auslegungen der Arbeitsteilung bei K. Marx und E. Durkheim (Kapitel 4) im Vergleich gegenübergestellt werden.
Eine abschließende Bewertung der wichtigsten Themenschwerpunkte erfolgt in der Schlussbetrachtung dieser Hausarbeit.
4
2. Die Grundlagen der Soziologie bei E. Durkheim
Um die Grundgedanken der Soziologie bei E. Durkheim zu verstehen, ist es unerlässlich den historischen Kontext zu betrachten.
Frankreich in den Jahren 1789 bis 1871 befindet sich in einer sozialen Krise, die laut Durkheim „epochaler und nationaler Natur“ 1 ist. Die französische Revolution, die eine Epoche für sich darstellt, kann jedoch „den Werten von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit keine stabile politische Heimstatt bieten“ 2 . Zudem zeichnet sich auf nationaler Ebene eine gesellschaftliche soziale Diskrepanz ab. Des weiteren ist der Einfluss der katholischen Kirche, mit der ihr eigenen konservativen Vorstellung in Bezug auf das Erziehungswesen nicht mit einer fortschrittlichen Gesellschaft zu vereinbaren, in der laut E. Durkheim ein „Aufbau eines demokratischen Bewusstseins, die Schaffung eines solidarischen Zusammenhalts und die Entwicklung einer säkularen, individualistischen Moral“ 3 behindert wird. Um einen solchen gesellschaftlichen Zustand mit seinem bestehenden sozialen Gefüge differenzierter analysieren zu können, muss sich die Soziologie als „Real- und Moralwissenschaft“ 4 verstehen. 5
In den „Regeln der soziologischen Methode“ 6 von 1895, bezieht sich E. Durkheim in seinen Ausführungen auf die Erkenntnisse von Montesquieu und definiert die Soziologie als „Wissenschaft von den Institutionen, deren Entstehung und Wirkungsart“. 7 Aber in Abgrenzung zu Montesquieu fasst E. Durkheim in der Soziologie alle sozialen Tatbestände zusammen, die dem Individuum einerseits äußerlich und unabhängig sind und andererseits mit zwingender Gewalt ausgestattet, Kraft derer sie sich ihm aufdrängen. Soziale Tatbestände sind nicht angeboren, sondern anerzogen. Sie sind zwanghaft, da moralischer Druck auf den Willen des Einzelnen ausgeübt wird, sie sind allgemein, da sie nicht in der Natur des Menschen vorkommen, und sie sind unabhängig von Verhalten und Praxis des
1
Müller 2000, S. 153.
2
ebd..
3
ebd..
4
ebd..
5
Vgl. ebd..
6
ebd..
7
Ebd., S. 153f. Vgl. Heisterberg 1980, S 75f.
5
Individuums. 8 Beispiele für soziale Tatbestände beschreibt E. Durkheim anhand dreier Institutionen:
„Der Sprache, die Verständigung ermöglicht, dem Geld, das zum Austausch dient, und den Produktionsmethoden, die zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit notwendig sind.“ 9 Das Ziel von E. Durkheim ist die Erfassung und Erklärung des gesellschaftlichen Einflusses, den diese sozialen Tatbestände auf das Handeln der Individuen haben. Da sich für ihn das Soziale als ein eigenständiger Bereich der Realität definiert, kann sich „Soziales nur durch Soziales“ 10 erklären lassen. „Denn, »die bestimmte Ursache eines soziologischen Tatbestandes muß in den sozialen Phänomenen, die ihm zeitlich vorangehen, und nicht in den Zuständen des individuellen Bewußtseins gesucht werden«.“ 11 Damit geht E. Durkheim von der Theorie aus, dass die Soziologie mit Hilfe positivistischer Methoden zu betreiben ist und weist eine individualistische Betrachtungsweise von sich. 12 Deutlich wird dies im ersten Satz seines Vorwortes „Über die Teilung der sozialen Arbeit“: „Dieses Buch ist vor allem ein Versuch, Tatsachen des moralischen Lebens nach der Methode der positiven Wissenschaften zu behandeln.“ 13 Und weiter formuliert er:
„Um zu wissen was die Arbeitsteilung objektiv ist, genügt es nicht, die Idee, die wir
uns von ihr machen, weiterzuentwickeln, sondern man muß sie wie eine objektive
Tatsache behandeln, beobachten und vergleichen, dann werden wir feststellen, daß
sich das Ergebnis dieser Beobachtungen oft sehr von dem unterscheidet, was uns
das Gefühl suggeriert.“ 14
Abschließend dient E. Durkheims Vorgehen – gesellschaftliche Zusammenhänge, insbesondere die Arbeitsteilung, unter wissenschaftlichen Kriterien zu analysieren, um objektive Erkenntnisse zu erhalten – als Grundlage für die weiteren Ausführungen.
8 Vgl. Müller 2000, S. 154. Vgl. May 1985, S. 72.
9
Müller 2000, S. 154.
10
May 1985, S. 72.
11
Ebd..
12
Vgl. ebd..
13
Durkheim 1977, S. 72.
14
Ebd., S.86.
6
Arbeit zitieren:
Wolfram Pauls, 2002, Zu Emile Durkheims Dissertation "Über die Teilung der sozialen Arbeit", München, GRIN Verlag GmbH
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