Unterrichtsreihe:
„Schreckgespenst Globalisierung ?“ Ursachen, Erscheinungsfor-
men und Gestaltungsmöglic hkeiten Thema der Stunde: Die Kritikphase der Zukunftswerkstatt zur Frage: Globalisierung
- eine Bedrohung für die Lebensgestaltung der Jugend heute?
Einordnung der Stunde in die Unterrichtsreihe:
Die heutige Unterrichtsstunde beinhaltet die Kritikphase der Zukunftswerkstatt als erste Hauptphase
dieser Methode. Dem voraus gingen einige Stunden zur inhaltlichen Beschäftigung mit dem Thema
Globalisierung, deren Themen im Folgenden kurz aufgelistet werden:
- Internetrallye: Globalisierung (Methode: Internetrecherche)
- verschiedene Definitionen: Was ist Globalisierung?
- Merkmale der Globalisierung
- Messverfahren (HDI und GI)
- Rede des Bundespräsidenten: allgemeine Einschätzung zu Auswirkungen der Globalisierung
In der vorherigen Stunde haben die SuS Einblicke in die Methode der Zukunftswerkstatt gewinnen
können, indem sie sich mit deren Zielsetzung, Merkmalen und verschiedenen Phasen auseinander
gesetzt haben.
Hier schließt die heutige Stunde mit der Kritikphase als erste Hauptphase der Zukunftswerkstatt an:
§ Erste Hauptphase der Zukunftswerkstatt:
Kritikphase: Erarbeitung thematischer Schwerpunkte auf der Grundlage der Kritiksammlung, Systematisierung und Bewertung
Der weitere Verlauf der Unt errichtsreihe ist wie folgt geplant:
§ Zweite Hauptphase der Zukunftswerkstatt:
Fantasiephase: Wie stelle ich mir meine Zukunft in der idealen globalisierten Welt vor? Wir erträumen uns unsere Zukunft: Herstellung von themenorientierten Collagen, Geschichten, politischen Reden oder Rollenspielen
§ Dritte Hauptphase der Zukunftswerkstatt: Realisierungsphase: kritische Überprüfung der utopischen Entwürfe
§ Auswertung:
Auswertung der inhaltlichen Ergebnisse und Evaluation der Methode Zukunftswerkstatt
Bedingungen bezüglich der Lerngruppe:
Der Grundkurs Sozialwissenschaften des Jahrgangs 13 besteht aus 6 Mädchen und 12 Jungen. Im Kurs herrscht ein durchschnittliches Leistungsniveau mit einer hohen Diskussionsbereitschaft, die jedoch nicht immer zielgerichtet ist. Die Arbeitsatmosphäre in dem Kurs ist sehr angenehm. Der Kurs wurde in diesem Schuljahr zusammengelegt aus den beiden Kursen, die in 11 und 12 separat bestanden. Die Kursinhalte waren aber in beiden Kursen identisch, um eine homogene inhaltliche Qualität in der Jahrgangsstufe 13 zu garantieren. Die neue Zusammensetzung des Kurses bereitete den SuS keine großen Schwierigkeiten.
Didaktisch-methodische Überlegungen:
Die heutige Unterrichtsstunde setzt die Unterrichtsreihe: „Schreckgespenst Globalisierung?“ Ursachen, Erscheinungsformen und Gestaltungsmöglichkeiten fort; das Thema ist im schulinternen Lehrplan des Fachs Sozialwissenschaften für die Jahrgangsstufe 13 der Gesamtschule obligatorisch. Auch der allgemein gültige Lehrplan für das Fach Sozialwissenschaften der Sekundarstufe II für Gymnasium und Gesamtschule in NRW sieht im Inhaltsfeld VI „Globale politische Strukturen und Prozesse“ als obligatorischen Kern an. 1
Da die heutige Stunde nur im Zusammenhang des methodischen Gesamtvorhabens in Form einer Zukunftswerkstatt gesehen werden kann, waren bei der Planung der Stunden folgende Fragen für den Unterrichtsinhalt, die Methodenwahl und den Verlauf leitend: Wie sollen SuS mit dem Schlag-wort “Globalisierung“ umgehen, das ihnen in vielen Zusammenhängen so undifferenziert präsentiert wird? Wie sollen sie einen eigenen Standpunkt gewinnen? Welche Methode und Arbeitsformen eignen sich, um einen Überblick über die Thematik zu erhalten und einen Austausch zwischen den SuS zu initiieren? Wie können Ängste oder Ohnmachtsgefühle der SuS zum Themenkomplex der Globalisierung artikuliert, diskutiert und gegebenenfalls verringert werden?
Die SuS sollen nicht nur für den Umgang mit dem Begriff sensibilisiert werden, sondern auch erkennen, wie scheinbar unwiderstehlich wirkende Schlagworte hinterfragt werden können und müssen. Zentraler Ansatzpunkt muss dabei die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen sein. Wie äußert sich also Globalisierung im Leben der Jugendlichen? Im Gleichaltrigenmilieu? Im Ort und in der Region? Bezüglich Lehrstellen und Arbeitsplätzen? Bezüglich Kultur, Medien- und Konsumwelt? Welche Interessen verfolgt der Jugendliche selbst: als Schüler, Verbraucher, zukünftiger Auszubildender, Steuerzahler, Familienvater bzw. als Mutter, Konsument und Tourist? Globalisiertes Lernen muss also die SuS in diese Lebensrollen hineinstellen und sie mit deren Handlungszwängen konfrontieren.
1 Vgl. MSWWF des Landes NRW : „Sekundarstufe II, Gymnasium/Gesamtschule, Richtlinien und Lehrpläne für das Fach Sozialwissenschaften, Fre- chen 1999, S.16
Die Mitglieder unserer Gesellschaft lösen sich zunehmend aus traditionellen Sozialformen wie Klasse, Schicht, Beruf, Familie und Ehe, weil sie eine räumliche und soziale Mobilität entwickelt haben. Diesen traditionellen Sozialbeziehungen folgt nun eine zunehmende Individualisierung, deren Kennzeichen es ist, dass dem Individuum in bzw. ab der Lebensphase Jugend eine Vielzahl an möglichen Lebenswegen (Bastelbiografie 2 ) zur Auswahl steht. Diese Möglichkeiten beinhalten gleichzeitig auch eine große Unsicherheit im Hinblick auf die berufliche und persönliche Lebensplanung. Technologischer Fortschritt, Wandlungsprozesse, gesellschaftliche Strömungen und Orientierungen und damit verbunden eine schwer zu prognostizierende Arbeitsmarktentwicklung haben zur Folge, dass man nicht mehr davon ausgehen kann, einen Beruf zu erlernen und ein Leben lang den gleichen Arbeitsplatz zu haben. Die „Versinglelung“ der Gesellschaft kennzeichnet dieses Phänomen auf der sozialen Ebene. Neben diesen Elementen ist die Vielzahl an Umweltbelastungen ein weiterer Faktor, der das Leben der Jugendlichen in der globalisierten Welt kennzeichnet. Diese Faktoren führen zu einer ambivalenten Lebenssituation von Jugendlichen im Zeitalter der Globalisierung: die Chancenvielfalt der Lebensplanung nimmt zwar zu, die Berechenbarkeit der Lebenswege aber nimmt ab. Die heutige Unterrichtsstunde „Die Kritikphase der Zukunftswerkstatt zur Frage: Globalisierungeine Bedrohung für die Lebensgestaltung der Jugend heute?“ ist in Anlehnung an die methodische Konzeption der Zukunftswerkstatt nach Robert Jungk und Norbert Müllert 3 konzipiert worden. Der Einstieg in die Stunde erfolgt durch eine kurze Wiederholung, in der die SuS die grundlegenden Merkmale der Kritikphase erläutern. So werden die Aspekte dieser Phase betont und die SuS, die bisher noch kein Vorwissen haben (es fehlten drei SuS in der Stunde zuvor), bekommen die Möglichkeit der Einarbeitung in die Methodik eröffnet. Nach dieser kurzen Wiederholungsphase wird ihnen das Thema der Zukunftswerkstatt erläutert. Der Einstieg in die praktische Arbeit der Zukunftswerkstatt ist besonders wichtig, da er zum Gelingen des gesamten Vo rhabens beiträgt. Die Kritikphase wird durch den Arbeitsauftrag: „Äußere Kritik an deiner derzeitigen Lebenssituation in unserer globalisierten Welt!“ eingeleitet. Anders als im Zukunftswerkstattkonzept von Jungk und Müllert wird bewusst nicht ein Sitzkreis gebildet und werden Kritikpunkte nicht von den SuS auf einzelnen Zetteln notiert, laut vorgelesen und die Zettel in die Mitte des Kreises gelegt. Da mit einer großen Anzahl von Kritikäußerungen von Seiten der SuS gerechnet werden kann, fällt die im Anschluss folgende Systematisierung und thematische Zuordnung der einzelnen Zettel schwer und das ganze Vorhaben könnte in einem undurchschaubaren „Zettelchaos“ enden. Zudem fällt es nicht jedem Kursmitglied leicht, sich verbal vor den Mitschülern zu äußern und die konstruktive Kritikäußerung könnte daher gehemmt werden. Aus diesem Grund werden in dieser Stunde fünf Plakatstationen
2 Vgl. U. Beck: „Bindungsverlust und Zukunftsangst“, in: H.H. Hartwich (Hg.): Bindungsverlust und Zukunftsangst, Opladen, 1994, S. 25ff
3 R. Jungk/ N. Müllert: „Zukunftswerkstätten - Mit Phantasie gegen Routine und Resignation“, München 1989
Arbeit zitieren:
Stefanie Hedderich, 2003, Unterrichtseinheit: Die Kritikphase der Zukunftswerkstatt zur Frage: Globalisierung – eine Bedrohung für die Lebensgestaltung der Jugend heute? (13. Klasse Grundkurs), München, GRIN Verlag GmbH
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