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Seminararbeit, 1998, 19 Seiten
Autor: Jan Jansen
Fach: Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Publizistik)
Tags: Karl, Gutzkows, Biographie, Wally, Zweiflerin, Eine, Annäherung, Junge, Deutschland, Proseminar, Karl, Gutzkow, Journalist, Literat, Rebell
Jahr: 1998
Seiten: 19
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-37172-8
Dateigröße: 201 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Karl Gutzkows Biographie und "Wally, die Zweiflerin":
Eine Annäherung an das "Junge Deutschland"
von: Jan Jansen
4. Fachsemester
INHALTSVERZEICHNIS
I. Einleitung: Karl Gutzkow und das „Junge Deutschland“ - Problemstellung und Arbeitsansatz
II. Karl Gutzkows Biographie bis zum Erscheinen der „Wally“
III. Die „folgenreichste jungdeutsche Veröffentlichung“: „Wally, die Zweiflerin“
IV. Zusammenfassung: Karl Gutzkow - ein typischer Repräsentant der „jungdeutschen“ Strömung
Literaturliste
I. Einleitung: Karl Gutzkow und das „Junge Deutschland“ - Problemstellung und Arbeitsansatz
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Kernthema unseres Seminars - mit Karl Gutzkow und dem „Jungen Deutschland“. Der ursprüngliche Bezugspunkt der Lektüre und Vorarbeiten lag in dem Beschluß der Bundesversammlung vom 10. Dezember 1835. Hier wurden zum ersten Mal in der deutschen Geschichte sämtliche Arbeiten einer genau eingegrenzten Gruppe von Schriftstellern verboten1. Betroffen waren „namentlich Heinr. Heine, Carl Gutzkow, Heinr. Laube, Ludolph Wienbarg und Theodor Mundt“ - „eine literarische Schule“2, die sich ihrer Existenz wohl erst durch die angesprochene Verfügung bewußt wurde3. Auch in der literaturgeschichtlichen Forschung werden Zusammenhang und Gemeinsamkeiten der hier genannten Schriftsteller sehr kontrovers bewertet4. Beschäftigt man sich mit der Vorgeschichte des Bundesbeschlusses, so stößt man unweigerlich auf die heftigen Auseinandersetzungen um Karl Gutzkows Roman „Wally, die Zweiflerin“. Der Literaturkritiker Wolfgang Menzel hatte das Buch im September 1835 einer vernichtenden Kritik unterzogen; ausgedehnte persönliche, polemische Schimpfattacken verbanden sich hier mit moralischer, religiöser und politisch-nationaler Argumentation5. Dank der bedeutenden Stellung des Cotta’schen Literatur- Blattes, dessen leitender Redakteur Menzel war, wurde die Aufmerksamkeit auf den Roman gelenkt - in der Folge der Menzelschen Kritik fand das Buch eine beachtliche öffentliche Resonanz6. Es wurde die „folgenreichste jungdeutsche Veröffentlichung“7: Nicht nur daß er einen „literarischen Bür- gerkrieg“8 mit 84 Folgepublikationen9 nach sich zog, die Auseinandersetzungen und insbesondere die Angriffe Menzels lieferten den reaktionären Bündnispartnern die Argumente für die Verbotsverfügung vom Dezember 183510.
Was war das spektakuläre, das gefährliche an dem Roman und seinem Autor ? Warum mußte der Deutsche Bund besorgt sein, daß „die Grundpfeiler aller gesetzlichen Ordnung“ durch Gutzkow und Co., bzw. durch ihre Schriften, gefährdet würden ? Dieser Frage soll im folgenden nachgegangen werden. Anhand der Biographie Gutzkows bis zum Erscheinen der „Wally“ und durch eine textimmanente Analyse eben dieses Romans sollen wesentliche Charakteristika des „Jungen Deutschlands“ erarbeitet werden.
Hierbei soll explizit keine Aussage zur angedeuteten „Gruppen“-Problematik gemacht werden. Karl Gutzkow gehört zum harten Kern des „Jungen Deutschlands“, wie immer man den Begriff auch auffassen mag - darüber waren sich schon die Zeitgenossen einig11, und die moderne Forschung sieht das nicht anders12. Da sich unser Hauptinteresse im Seminar auf ihn konzentrierte, da er zudem mit der „Wally“ den Anlaß zum Verbot lieferte, bietet sich seine Person und eben dieser Roman zur exemplarischen Analyse an. Inwiefern die so erarbeiteten Charakteristika typisch für das „Junge Deutschland“ (bzw. für die unter dieser Bezeichnung zusammengefaßten Autoren) sind, wird abschließend zu zeigen sein.
II. Karl Gutzkows Biographie bis zum Erscheinen der „Wally“
Karl Ferdinand Gutzkow, Schriftsteller, Journalist und Literaturkritiker, wurde am 17. März 1811 als Sohn eines preußischen Hofangestellten in Berlin geboren13. Der gesellschaftliche Kontext, in welchem er lebt und arbeitet, ist demnach die Reaktionsepoche zwischen Wiener Kongreß und 48er Revolution. Rainer Funke hat den historischen Erfahrungshorizont Gutzkows und seiner Zeitgenossen treffend zusammengefaßt: „Die politische und sozio-kulturelle Gesamtsituation war zwar einerseits gekennzeichnet von jenem unerträglichen Maß an politischer Stagnation, Restitution des fürstlichen Partikularismus und bürokratisch - obrigkeitsstaatlichen Restriktionen [...]; doch zugleich war sie auch geprägt von tiefgreifender sozialer Dynamik, verstärktem Nationalbewußtsein, von technischem Fortschritt, liberalem Konstitutionalismus, von gesellschaftlichem Aufstieg und von Proletarisierung gleichermaßen“14. Kurz: eine Zeit der Gegensätze, des Umbruchs und der Veränderung. Gutzkow kommt aus ärmlichen Verhältnissen, erhält jedoch über Freunde schon als Kind einen Einblick in das Leben wohlhabender Familien: „Früh reifte er [...] zu einem empfindsamen Beobachter sozialer Unterschiede“15.
[...]
1 Windfuhr, M., Das junge Deutschland als literarische Opposition. Gruppenmerkmale und Neuansätze, in: Kruse, J. A. (Hg.), Heine-Jahrbuch 1983, Hamburg 1983, S.48
2 Protokolle der deutschen Bundesversammlung 1835, 31. Sitzung, § 515, Abs. 1, in: Ziegler, E., Literarische Zensur in Deutschland 1819-1848, München 1983, S.13
3 vgl. Kruse, J. A. (Hg.), Verboten ! Das Junge Deutschland 1835. Literatur und Zensur im Vormärz, Düsseldorf 1985, S.153; Haacke, W., Art. „Gutzkow, Karl Ferdinand“, in: NDB, Bd.7, Berlin 1966, S.355; Proelß, J., Art. „Gutzkow, Karl Ferdinand“, in: ADB, Bd.10, Leipzig 1879, S.229
4 vgl. Koopmann, H., Das Junge Deutschland. Eine Einführung, Darmstadt 1993, S.1-13, wo der Zusammenhang der Literaten deutlich niedrig angesetzt wird; dem widerspricht die DDR-Historiographie: Kollektiv für Literaturgeschichte (Hg.), Vormärz. Erläuterungen zur deutschen Literatur, Berlin/O. 1977 (im folgenden: Kollektiv), S.193 f.
5 vgl. die Dokumentationen in Gutzkow, K., Wally, die Zweiflerin. Studienausgabe mit Dokumenten zum zeitgenössischen Literaturstreit, Stuttgart 1979, S.274-291, sowie Estermann, A. (Hg.), Politische Avantgarde 1830-1840. Eine Dokumentation zum „Jungen Deutschland“, Bd. 1, Frankfurt/M. 1972, S.41-52
6 als zeitgenössisches Zeugnis vgl. Konfidentenbericht vom 25.11.1835: „Das Buch wird verschlungen; eine einzige Lesebibliothek hat neun Exemplare, die fortwährend außer dem Hause sind; sogar aufs Land ist die Kunde von den in der „Wally“ ausgesprochenen unsittlichen Ansichten gedrungen“ (Gutzkow, S.265), außerdem Gutzkow, S.266, 268 u. 270
7 Hömberg, W., Zeitgeist und Ideenschmuggel. Die Kommunikationsstrategie des Jungen Deutschland, Stuttgart 1975 (im folgenden: Hömberg, Zeitgeist), S. 108
8 Ziegler, S.157
9 Verzeichnis bei Gutzkow, S.436-441
10 Hömberg, Zeitgeist, S. 112; Koopmann, S.99; Kruse, S.37; Proelß, S.229; Ziegler, S.161; Wülfing, W., Junges Deutschland, München 1978, S.171; Müller, G., Deutsche Literatur im 19. Jahrhundert, Bd.1, Bern 1990, S.138
11 vgl. Gutzkow in einem Brief an L. Börne vom 2.10.1835: „Jetzt soll das Junge Deutschland eine Mischung aus republikanischen, St. Simonistischen und in der Form goethisierenden Tendenzen sein, ich werde sein Haupt genannt“ (Gutzkow, S.241)
12 Koopmann, S.4; Müller, S.139
13 Zu den biographischen Daten Gutzkows vgl. Haacke, S.354-357, bzw. die ältere Darstellung von Proelß, S.227- 236; außerdem Kruse, S.70-72; Wülfing, S.119-124; zur Sichtweise der DDR-Historiographie: Kollektiv, S.204-211
14 Funke, R., Beharrung und Umbruch 1830-1860. Karl Gutzkow auf dem Weg in die literarische Moderne, Frankfurt/ M. 1984, S.25 f.; vgl. Hömberg, W., Literarisch-publizistische Strategien der Jungdeutschen und Vo rmärz- Literaten (im folgenden: Hömberg, Strategien), in: Glaser, H. A./Witte, B. (Hgg.), Vormärz: Biedermeier, Junges Deutschland, Demokraten, Reinbeck 1980, S.83 f.
15 Haacke, S.355
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