1. Einleitung 2. Was ist Diabetes mellitus? 3. Wie entsteht Diabetes mellitus? 4. Welche Formen des Diabetes mellitus gibt es? 5. Inzidenz und Prävalenz 6. Diagnose des Diabetes mellitus 7. Akute Risiken des Diabetes mellitus 7.1 Hyperglykämie 7.2 Hypoglykämie 8. Folgeschäden des Diabetes mellitus 8.1 Mikroangiopathie und deren Folgen 8.2 Makroangiopathie und deren Folgen 8.3 „Diabetischer Fuß“ 9. Therapie 9.1 Insulintherapie 9.2 Diät 9.3 Patientenschulung
10. Belastungen und Einschränkungen des Diabetikers 11. Rehabilitation 12. Kosten für das Gesundheitssystem 13. Adressen 14. Literatur und Quellenangaben
Hinweis: Werden im Text die „männlichen“ Wortendungen benutzt, so ist dies der leichteren Schreib-
und Lesbarkeit geschuldet. Frau möge dies bitte nicht als chauvinistische Neigung auslegen.
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Der teilweise schon bei sehr jungen Menschen auftretende Diabetes mellitus Typ I (früher auch MXYHQLOHU 'LDEHWHV genannt) ist eine chronische Störung des Zuckerstoffwechsels. Diese Störung kann zwar bis heute nicht geheilt, wohl aber gut kompensatorisch behandelt werden. Die Therapie verfolgt hierbei zwei Ziele. Einerseits sollen Akutkomplikationen so gut wie möglich verhindert werden. Andererseits soll das Risiko für die verschiedensten Spätfolgen des Diabetes mellitus möglichst minimiert werden. Um dies zu erreichen ist der Diabetiker gehalten, sich in hohem Maße selbst zu disziplinieren und mit seiner Krankheit gewissenhaft auseinanderzusetzen. Die daraus resultierenden alltäglichen Belastungen und Einschränkungen für die Diabetiker sind enorm. Deshalb sollen in dieser Arbeit nicht nur die medizinischen, sondern auch die sozialen Aspekte dieser Krankheit dargestellt werden.
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„Diabetes mellitus“ ist seit Jahrhunderten bekannt und bedeutet übersetzt soviel wie „honigsüßer Durchfluss“. Die Bezeichnung leitet sich aus einem der Hauptmerkmale dieser Stoffwechselstörung her: dem Zuckergehalt im vermehrt ausgeschiedenen Urin. Die von dieser Krankheit Betroffenen verstarben sehr schnell, nachdem die Symptome sich voll ausgebildet hatten. Behandelbar wurde der Diabetes mellitus erst, nachdem es 1921 gelungen war, bei einem diabetischen Hund durch Injektion von Bauchspeicheldrüsenextrakt eine Blutzuckersenkung zu erzielen. Bereits im darauffolgenden Jahr wurde der erste Patient erfolgreich mit dem neuen Präparat ,QVOHWLQ behandelt. 1923 wurden schon von drei verschiedenen Firmen Insulinpräparate aus Bauchspeicheldrüsen von Rindern industriell hergestellt (Eli Lilly, Hoechst, Bayer). Erst 1963 gelang es erstmals Insulin chemisch zu synthetisieren.
Diabetes mellitus Typ I ist eine chronische Kohlenhydratstoffwechselstörung, die auf absolutem Insulinmangel beruht. Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das in den Beta-Zellen der Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet wird und für die Regulation der Blutzuckerkonzentration eine entscheidende Rolle spielt. Wird von den Beta-Zellen zu wenig oder überhaupt kein Insulin produziert, wird der Glucosetransport in die zu versorgenden Körperzellen be- oder verhindert. Die Folge davon ist, dass sich der Zucker im
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Blut anreichert und, bei Überschreiten der sogenannten Nierenschwelle
(Blutzuckerkonzentration ab einer Höhe von ca. 180 mg/dl), mit dem Urin ausgeschieden wird (Glucosurie).
Um trotz des Glucosemangels in den Zellen Energie gewinnen zu können, fängt der Körper an Fettsäuren abzubauen. Die dabei entstehenden Spaltprodukte, die sogenannten Ketonkörper (Azeton, Azetessigsäure, Beta-Oxybuttersäure), reichern sich im Blut an und führen zu einer Übersäuerung des Körpers (Ketoazidose).
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Menschen, die an Diabetes mellitus Typ I erkranken, haben dafür eine genetische, vererbte Disposition. Trotz dieser Disposition bricht die Krankheit nur bei relativ wenigen Menschen aus, das heißt, die genetische Penetranz ist nicht so hoch, wie zum Beispiel bei Typ II-Diabetikern.
Als Auslöser der Krankheit werden verschiedene exogene Faktoren verantwortlich gemacht. In der Fachliteratur werden hauptsächlich Virusinfekte (insbesondere das Coxsackie-Virus), des weiteren aber auch toxische Einflüsse, Autoimmunprozesse, physische oder psychische Traumata, zu frühes Abgestilltwerden, Kuhmilchernährung im Säuglingsalter und sogar Kaffeekonsum während der Schwangerschaft genannt. Eine multifaktorielle Genese scheint nicht ausgeschlossen zu sein.
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Es wird beim Diabetes mellitus in Insulinmangel-Diabetes (IM) und Insulin-Resistenz-Diabetes (IR) unterschieden. Zur ersten Form (IM) gehören
• Typ Ia (Zerstörung der Inselzellen innerhalb kürzester Zeit, kurze Anamnese mit
typischer Symptomatik, leere Familienanamnese, meist junge Menschen betroffen)
• Typ Ib (allmählicher Verlust der Beta-Zellen, erwachsene Menschen betroffen, keine
ausgeprägte Gewichtspathologie, sehr insulinsensibel, eher Hypoglykämien als Spätkomplikationen)
• SDM (Organerkrankung des Pankreas oder Entfernung des Pankreas nach Tumor)
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Zur zweiten Form (IR) gehören
• Typ IIa (Meist älter als 40 Jahre, langjähriges Übergewicht schon reduziert)
• Typ IIb (Meist älter als 40 Jahre, übergewichtig)
• MODY (maturity onset diabetes in the young, also bei Jugendlichen auftretender Typ
II-Diabetes, Glukokinase-Störung liegt vor)
• GDM (Gestations-Diabetes, Typ IIb-Manifestation während der Schwangerschaft)
In dieser Arbeit werden die Typ I Diabetesformen behandelt. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass bestimmte Aspekte gleichwohl für die anderen Diabetesformen zutreffend sind.
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Die Inzidenz- und Prävalenzraten werden hauptsächlich gewissenhaft geschätzt. Diese Schätzungen werden mit Stichprobenerhebungen verglichen und sind offensichtlich ausreichend genau. Lediglich in der DDR gab es ein zentral geführtes Diabetesregister, dass die bisher genauesten Zahlen zur Verfügung stellt. Nach der deutschen Vereinigung wurde dieses Register jedoch nicht weitergeführt.
Es wird geschätzt, dass in Deutschland etwa 190.000-260.000 Menschen an Typ I-Diabetes erkrankt sind und jährlich etwa 15.000 Neuerkrankte hinzukommen. Der Inzidenzgipfel liegt im Pubertätsalter, bei Mädchen zwischen 12 und 13 Jahren, bei Jungen zwischen 13 und 15 Jahren. Bei der Inzidenz sind recht große regionale Unterschiede auszumachen. In verschiedenen Gebieten Deutschlands liegt die Inzidenz für die unter 15jährigen zwischen 6 und 14 Fällen je 100.000. 1 Zur Zunahme der Inzidenz finden sich unterschiedliche Angaben. Geht der Gesundheitsbericht für Deutschland nicht von einer Zunahme der Inzidenz in Deutschland selbst, wohl aber von einer Zunahme in anderen Ländern, aus (ohne Begründung dieses Umstandes), so gehen andere Meinungen von einer allgemeinen Zunahme der Inzidenz um etwa 2,5 % aus. 2
1 Alle Zahlen: Gesundheitsbericht für Deutschland 1998, Kap. 5.20 Diabetes mellitus
2 Michaelis, 1992, zitiert nach: Zettler, 1995, S. 3
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Arbeit zitieren:
Christoph Heimrod, 2001, Chronische Krankheit - Diabetes mellitus Typ I, München, GRIN Verlag GmbH
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